FernreisenFreie Fahrt für freie Busse

Zum Jahreswechsel fällt das Monopol der Bahn auf Fernreisen. Die Konkurrenz bringt sich schon mit Kampfpreisen in Stellung – und will weiter expandieren. von Carsten Brönstrup

Die jungen Herren haben Großes vor. "Zufrieden und glücklich" wolle man die neuen Kunden machen, mit bester Qualität und 1a-Service, verkünden sie siegesgewiss. Es gelte, einen "Wow-Effekt" bei den Leuten auszulösen, auf dass sie ihren Freunden und Verwandten von ihrem Erlebnis berichten. Alles dank bester Qualität und natürlich fairer Preise, immerhin um 60 bis 70 Prozent will man den Marktführer unterbieten. Und umweltfreundlich sei man noch dazu.

Torben Greve und sein Partner Panya Putsathit wissen, wie man die Trommel rührt, um auf sich aufmerksam zu machen. Sie haben am Dienstag dieser Woche die Humboldt-Box im Herzen der Stadt gemietet, und von ihren Plänen zu berichten. Dabei geht es nur um Busfahrten, keine besonders aufregende Dienstleistung also. Speziell ist sie trotzdem: Fernreisen per Bus sind seit Jahrzehnten hierzulande streng reguliert, wo die Bahn fährt, haben Busse nichts zu suchen. Ab Januar wird sich das ändern : Der Bundesrat hat vor wenigen Tagen eine Liberalisierung des Marktes beschlossen, Union und FDP  hatten sie auf den Weg gebracht. Jetzt bringen sich im bislang eher mittelständisch geprägten Gewerbe bundesweit die Anbieter in Stellung. Für Reisende bedeutet das frischen Wind und sinkende Preise.

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"Wir wollen das bekannteste und beliebteste deutsche Fernbusunternehmen werden", sagen Greve und Putsathit. Meinfernbus.de haben sie ihre Firma genannt. In Süddeutschland betreiben sie bereits zwei Linien, ab Dezember, also schon vor der Freigabe des Busverkehrs, sollen es acht Strecken sein. Darunter ist auch eine Verbindung vom Berliner Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) über Suhl, Heilbronn und Karlsruhe nach Freiburg. Wer früh bucht, bekommt die einfache Fahrt bereits für 18 Euro, maximal soll sie knapp 60 Euro kosten. Zwar ist man rund zehn Stunden unterwegs, doch an Bord gibt es Internet, und sogar das Fahrrad kann man mitnehmen. "Wir wollen die Städte, die nur noch schlecht per Bahn angebunden sind, mit den großen Metropolen verbinden", kündigte Greve an. Weitere Expansion ist geplant, die grünen Busse sollen mehrmals am Tag verkehren. Als Zielgruppe haben die Jungmanager Studenten und Rentner ausgemacht, die bislang das Auto nutzen, aber auch Familien und Leute, die das Umsteigen bei Bahnfahrten umständlich finden.

Doch Meinfernbus.de ist nicht das einzige Unternehmen, das große Pläne hat. Das britische Verkehrsunternehmen National Express will ebenfalls an die Spitze. "Wir sind Nummer eins in England und in Spanien , unser Anspruch ist, das auch in Deutschland zu werden", sagte Deutschland-Chef Roderick Donker van Heel dem Tagesspiegel . Auch er plant ein flächendeckendes Netz mit mindestens fünf Linien. Details zu Starttermin und Preisen will er noch nicht preisgeben, aber: " Berlin als Metropole wird womöglich unsere wichtigste Destination."

Auch die Deutsche Touring strebt nach Höherem. Als Teil des Bus-Netzwerks Eurolines wolle das Unternehmen seine 40 internationalen Linien für den innerdeutschen Verkehr öffnen, sagte Geschäftsführer Frank Zehle dieser Zeitung. Darunter sind auch mehrere Verbindungen von und nach Berlin – etwa über Braunschweig und Hannover nach Bielefeld und Köln, über Dresden nach Prag oder ins Baltikum . Preislich will die Deutsche Touring eher im unteren Segment angreifen. "Denkbar sind Stufen von fünf, neun, 15 Euro und so weiter. Da die Busse ohnehin fahren, sind wir da relativ schmerzunempfindlich", befand Zehle. Die verfügbaren Plätze seien allerdings begrenzt, da die Busse ja eigentlich auf internationalen Verbindungen unterwegs seien.

Alles wird davon abhängen, wie die Bahn reagiert. Sie ist mit Berlin Linienbus derzeit mit etwa 30 Zielen der größte Anbieter, da auf der Strecke in die Hauptstadt durch die deutsche Teilung schon lange Busverkehr erlaubt ist. Ein Ausbau sei nicht geplant, man beobachte den Markt und werde "entsprechend reagieren", sagte ein Sprecher. Genau deshalb ist die Konkurrenz in Sorge. "Wir hoffen, dass Berlin Linienbus als Tochterfirma der Bahn nicht mit unfairen Preisen kommt", sagt Donker van Heel von National Express. "Das ist unsere einzige Angst."

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
    • 2eco
    • 14. November 2012 17:05 Uhr

    "2. Prima!
    Da darf man sich auf viele Busse in bemitleidenswertem Zustand und übermüdete Fahrer die zu Kampflöhnen angestellt sind freuen! Busse die Wettrennen mit den Brummis veranstalten gibt es jetzt ja schon zu Hauf. Demnächst können wir uns dann wieder die "Warum?" Frage stellen, wenn Tote Fahrgäste im Dutzend aus dem Straßengraben gekratzt werden."

    Prima, wir dürfen uns auf gut ausgestattete und komfortable Busse mit WLAN und Snacks freuen - kein Traum sondern Wirklichkeit. Tausende Menschen in Deutschland können dann endlich am Fernverkehr teilhaben ohne für eine Bahnfahrt von Berlin nach München soviel zahlen zu müssen, wie für einen Flug nach Mallorca. Endlich erleiden keine Menschen mehr einen Kreislaufkollaps im ICE, weil die Klimaanlage im Sommer nicht funktioniert. Und auf den Autobahnen ist dann weniger los, weil die Leute vom Auto auf den Bus umsteigen.

    Und dann stellen wir uns die "Warum" Frage: Warum haben wir uns jahrelang dem überteuerten und unzuverlässigen Bahnverkehr der DB hingegeben ohne sinnvolle Alternativen zu zulassen?

    10 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Prima!"
  1. die zu sehen vermögen: Deutschland ist längst überzogen mit einem hervorraged funktionierenden Fernbussystem - für Reisende aus anderen, vorwiegend osteuropäischen Ländern von Bulgarien bis Estland, von Russland bis Tschechien. Von fast jedem Land aus gibt es mindestens eine Fernbuslinie, die alle größeren Städte Deutschlands bedient und für diejenigen, die wissen, wie man an Karten kommt (es gibt Verkaufsstellen auch in Deutschland) auch Fahrten zwischen deutschen Städten zulassen.

    Beworben werden darf das innerhalb Deutschlands aber nicht.

    Noch nicht.

    Sobald das unsinnige Verbot gefallen ist, gehts richtig los...

    5 Leserempfehlungen
    • porph
    • 14. November 2012 16:37 Uhr

    Ja klar, man kann auch erstmal jede neue Mobilitätsidee kaputtreden. Problem nur: Fernbusse funktionieren in anderen Ländern (eigene Erfahrung bezieht sich auf Spanien) exzellent, und sind in fast allen Fällen der Bahn überlegen.

    Ich nutze bislang vor allem die Bahn für Distanzen zwischen 100 und 500 km. Das geht, aber man ist eben meistens total von einem einzigen Anbieter abhängig. Die Bahnpreise haben dabei inzwischen ein Niveau erreicht dass gerade bei Einzelfahrten schon sehr teuer ist (billiger wirds dann, wenn man Sondertickets nutzt).

    Ich freue mich auf die Fernbusse denn MEHR Vielfalt kann gar nichts schlechtes sein. Wenn die Qualität der Beförderung dann tatsächlich so schlecht ist und einzig die Sargkonjunktur angekurbelt wird, weil man die armen Busreisenden reihenweise aus dem Autobahngraben kratzen muss, wird dies schon dazu führen, dass sich das Angebot nicht etablieren kann. Ich vermute nicht, dass es so kommt!

    Und wenn auch nur ein paar Leute durch die Fernbusse und damit entstandene NEUE Verbindungen dazu motiviert werden, nicht von der Bahn sondern vom Auto auf den Bus umzusteigen, ist alleine das schon ein riesiger Gewinn. Ich bin gespannt.

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Prima!"
    • 2eco
    • 14. November 2012 17:07 Uhr
    6. Klima

    Selbst wenn ein Fernbus nur zu 40% ausgelastet ist und davon nur 20% auf das Auto verzichten ist das eine Wohltat für Klima UND den Straßenverkehr.

    3 Leserempfehlungen
    • annocom
    • 14. November 2012 16:09 Uhr
    2. Prima!

    Da darf man sich auf viele Busse in bemitleidenswertem Zustand und übermüdete Fahrer die zu Kampflöhnen angestellt sind freuen! Busse die Wettrennen mit den Brummis veranstalten gibt es jetzt ja schon zu Hauf. Demnächst können wir uns dann wieder die "Warum?" Frage stellen, wenn Tote Fahrgäste im Dutzend aus dem Straßengraben gekratzt werden.

    2 Leserempfehlungen
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    • porph
    • 14. November 2012 16:37 Uhr

    Ja klar, man kann auch erstmal jede neue Mobilitätsidee kaputtreden. Problem nur: Fernbusse funktionieren in anderen Ländern (eigene Erfahrung bezieht sich auf Spanien) exzellent, und sind in fast allen Fällen der Bahn überlegen.

    Ich nutze bislang vor allem die Bahn für Distanzen zwischen 100 und 500 km. Das geht, aber man ist eben meistens total von einem einzigen Anbieter abhängig. Die Bahnpreise haben dabei inzwischen ein Niveau erreicht dass gerade bei Einzelfahrten schon sehr teuer ist (billiger wirds dann, wenn man Sondertickets nutzt).

    Ich freue mich auf die Fernbusse denn MEHR Vielfalt kann gar nichts schlechtes sein. Wenn die Qualität der Beförderung dann tatsächlich so schlecht ist und einzig die Sargkonjunktur angekurbelt wird, weil man die armen Busreisenden reihenweise aus dem Autobahngraben kratzen muss, wird dies schon dazu führen, dass sich das Angebot nicht etablieren kann. Ich vermute nicht, dass es so kommt!

    Und wenn auch nur ein paar Leute durch die Fernbusse und damit entstandene NEUE Verbindungen dazu motiviert werden, nicht von der Bahn sondern vom Auto auf den Bus umzusteigen, ist alleine das schon ein riesiger Gewinn. Ich bin gespannt.

    Als wären unsere Autobahnen zu leer, oder die Fahrbahnen und Brücken in zu gutem Zustand.

    Von Sicherheit (Kampfpreise!), oder Umweltverschmutzung wollen wir gar nicht erst reden.

    Man kann ob solcher „Geniestreiche“, echt nur noch den Kopf schütteln.

    • 2eco
    • 14. November 2012 17:05 Uhr

    "2. Prima!
    Da darf man sich auf viele Busse in bemitleidenswertem Zustand und übermüdete Fahrer die zu Kampflöhnen angestellt sind freuen! Busse die Wettrennen mit den Brummis veranstalten gibt es jetzt ja schon zu Hauf. Demnächst können wir uns dann wieder die "Warum?" Frage stellen, wenn Tote Fahrgäste im Dutzend aus dem Straßengraben gekratzt werden."

    Prima, wir dürfen uns auf gut ausgestattete und komfortable Busse mit WLAN und Snacks freuen - kein Traum sondern Wirklichkeit. Tausende Menschen in Deutschland können dann endlich am Fernverkehr teilhaben ohne für eine Bahnfahrt von Berlin nach München soviel zahlen zu müssen, wie für einen Flug nach Mallorca. Endlich erleiden keine Menschen mehr einen Kreislaufkollaps im ICE, weil die Klimaanlage im Sommer nicht funktioniert. Und auf den Autobahnen ist dann weniger los, weil die Leute vom Auto auf den Bus umsteigen.

    Und dann stellen wir uns die "Warum" Frage: Warum haben wir uns jahrelang dem überteuerten und unzuverlässigen Bahnverkehr der DB hingegeben ohne sinnvolle Alternativen zu zulassen?

  2. nicht pflegt sondern kaputtspart. Dann gibt es natürlich Platz für private Anbieter dei sich der rpfoitabken Nischen bedienen können aber sonst nichts müssen. So einfach geht es... anders wäre es, wenn für eine profiable Strekcen eine unprofiable betrieben werden müsste. Ohne diese ist der Wettbewerb der so geliebt wird obwohl der mehr kaputtmacht als aufbaut einseitig zu gunsten der Rosinenpicker.

    Alle hätten aber mehr vom Leben wenn Grundsätzlich gemeinschafltich betriebene Systeme genau so gepflegt und gehegt werden, d.h. mit den gleichen fianziellen Mitteln und Goodwill wie die privaten Profitorientierten...

    Ist so bei Bildung, Energie, Kommunikation, Wasser, Gesundheit und eben auch Transport. Wir haben uns über die Jahre blenden lassen von den Heilsversprechungen privater Anbieter und mussten mehrheitlich zusehen wie Jahre später mehr kaputt war als ausgebaut wurde...

    ...

    2 Leserempfehlungen
  3. ...trifft nun mal die Lebenswirklichkeit der meisten Menschen. Ein PKW hat ohnehin einen hohen Fixkostenblock, in einer Großstadt sowieso. Mit Garage, Wartung, dem Zwangsradwechsel und Versicherung mal schnell 2000 Euro/Jahr. Die Kosten pro Kilometer SINKEN aber mit jedem gefahrenen Kilometer und konvergieren irgendwann auf die Spritpreise.

    Und gerade bei Reisen mit mehreren Personen sind die Kilometerpreise dann besonders attraktiv. An dieser simplen Tatsache kommt man nur vorbei, wenn das Auto eben nicht "so da" ist, also wenn man auf einen eigenen PKW gänzlich verzichtet. Viele, für die das eigentlich praktikabel wäre, tun das aus verschiedenen Gründen nicht - aber für viele andere ist es einfach nicht praktikabel.

    Es ist ja nicht erfolgversprechend, wenn man den Leuten suggeriert, wenn sie nur auf dem Dorf oder in der Vorstadt alle auf ein Auto verzichten würden, würde sich der Nahversorger schon ansiedeln.

    Persönlich fahre ich eher mit der Bahn, weil ich (a) in Laufweite eine Fernbahnhofs wohne und (b) auf Grund der Komfortaspekte.

    Finanziell ist das Quatsch: Für die 4000 Euro, die die Bahncard 100 (2 Klasse) kostet, kann man verdammt viel Auto fahren. Selbst bei hohen Fixkosten bleiben da 2000 Euro für Sprit übrig, das sind immerhin 1300l macht etwa 16000 km mit einem Benziner (inkl. Garage, Versicherung, Service). Und man kann noch 3 andere Personen und Sperrgepäck unentgeltlich mitnehmen.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Ja ja, ..."
  4. Als wären unsere Autobahnen zu leer, oder die Fahrbahnen und Brücken in zu gutem Zustand.

    Von Sicherheit (Kampfpreise!), oder Umweltverschmutzung wollen wir gar nicht erst reden.

    Man kann ob solcher „Geniestreiche“, echt nur noch den Kopf schütteln.

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    • 2eco
    • 14. November 2012 17:07 Uhr

    Selbst wenn ein Fernbus nur zu 40% ausgelastet ist und davon nur 20% auf das Auto verzichten ist das eine Wohltat für Klima UND den Straßenverkehr.

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  • Schlagworte FDP | Bahn | Dienstleistung | Euro | Expansion | Fahrrad
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