Zeitungsbranche : FTD erscheint am 7. Dezember zum letzten Mal

Die Belegschaft der Hamburger Wirtschaftszeitung hat nun Klarheit. Der Verlag Gruner + Jahr stellt das Blatt ein, in zwei Wochen erscheint die letzte Ausgabe.

Die Einstellung der Wirtschaftszeitung Financial Times Deutschland (FTD) aus dem Verlag Gruner + Jahr ist beschlossene Sache. Das teilte die Leitung des Hamburger Medienkonzern den Mitarbeitern auf einer Betriebsversammlung mit. Die letzte Ausgabe sei für den 7. Dezember geplant. Auch der Online-Auftritt wird beendet.

Das Traditionsmagazin Capital soll von Berlin aus weitergeführt werden, teilte der Verlag weiter mit. Für die beiden Titel Impulse und Börse Online wird geprüft, ob sie verkauft werden oder ob sie durch eine Übernahme durch verlagsinterne Manager weitergeführt werden können. Von diesen Maßnahmen sind bei den Titeln direkt 314 Mitarbeiter betroffen, weitere 50 in angrenzenden Verlagsbereichen.

Die Branche war im November bereits durch den Insolvenzantrag der Frankfurter Rundschau überrascht worden. Findet sich kein Käufer oder kein neues Geschäftsmodell für das linksliberale Blatt, müsste der Betrieb spätestens Ende Januar 2013 eingestellt werden. Außerdem verschwindet das Stadtmagazin Prinz im Dezember aus den Kiosken und präsentiert sich dann nur noch im Internet.

Handelsblatt steht wieder alleine da

Der G+J-Aufsichtsrat hatte nach Verlagsangaben den Vorstand ermächtigt, einen Verkauf, eine Teilschließung oder Schließung der Wirtschaftsmedien vorzunehmen. Das Gremium wird von Bertelsmann-Chef Thomas Rabe geführt, darin ist auch die Hamburger Verlegerfamilie Jahr vertreten. G+J-Mehrheitseigener ist mit 74,9 Prozent Bertelsmann , die Jahrs halten eine Sperrminorität von 25,1 Prozent.

Die Financial Times Deutschland war erstmals im Jahr 2000 erschienen – im damaligen Internetboom mit einer Vielzahl von Firmengründungen und Börsengängen, die kräftig beworben wurden. Das Blatt sorgte mit seinem Erscheinen für Aufsehen und mehr Wettbewerb in der deutschen Medienlandschaft. Bis dahin gab es nur eine tägliche Wirtschaftszeitung, das Handelsblatt . Allerdings häufte die FTD über Jahre hohe Verluste an.

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Kommentare

11 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Handel auf Blättern

Obwohl ich Verständnis für die angespannte Lage im Zeitungs- und Verlagswesen aufbringen kann und die Verluste für die Mitarbeiter bedauere, bin ich ganz froh, dass es eine Zeitung mit dem Titel "Financial Times Deutschland" in Zukunft nicht mehr gibt. Schon der Titel beinhaltet das oft-kopiert-und-selten-erreicht Phänomen des Reckens nach angloamerikanischem Kapitalismus. Dabei weiß jeder, dass hierzulande viele Dinge wesentlich besser und nachhaltiger gestaltet sind. Deutschland ist wirtschaftlich stark und hat sehr gute Zeitungen. Der Titel "Handelsblatt" ist gut, er klingt nach "wirtschaftlichem Erfolg seit 150 Jahren". Wer sich für financial times interessiert, soll "Financial Times" lesen, in english with ambiguous connotations. Capital und Börse Online sind auch keine schlechten Titel, obwohl ich den Dudenempfehlungen "Kapital" oder eben "Hauptstadt" folgen würde, falls zweites gemeint ist. Aber das liegt vielleicht daran, dass ich kein Sprachwissenschaftler bin und mich auch nicht so intensiv mit Wirtschaftszeitungen auseinandersetze.