MedienwirtschaftFrankfurter Rundschau meldet Insolvenz an

Das Frankfurter Traditionsblatt steht vor der Zahlungsunfähigkeit. Weitere Meldung aus der Medienbranche: Die Printausgabe des Stadtmagazins "Prinz" wird eingestellt. von afp und

Die seit Jahren wirtschaftlich geschwächte Frankfurter Rundschau versucht, durch eine Insolvenz aus der Krise zu kommen. Das Verlagshaus Frankfurt stellte einen entsprechenden Antrag am Morgen beim Amtsgericht Frankfurt. Wie die Eigentümer mitteilten, wird die Zeitung in der bisherigen Form nicht fortbestehen. Angesichts massiver Verluste sei "keine Perspektive der Fortführung des Unternehmens mehr erkennbar".

In den vergangenen Jahren habe der Verlag viel unternommen, um die Zeitung zu halten, sagten die Gesellschafter. Hauptgesellschafter DuMont-Schauberg habe hierzu "einen beachtlichen Millionenbetrag" investiert. Auch seien die redaktionellen Qualität gesteigert und die Kosten gesenkt worden. "Wir müssen heute aber feststellen, dass all diese Anstrengungen nicht ausreichen, um die fortdauernden hohen Verluste zu beseitigen."

Anzeige

Die Rundschau hatte 2001 noch eine Auflage von 190.000, geriet dann aber in die Krise. 2003 bürgte die CDU-geführte Landesregierung für einen Bankkredit für das linksliberale Blatt. DuMont stellte die Zeitung 2007 auf das Tabloid-Format um und stabilisierte die Auflage bei 150.000. Zuletzt war der Rundschau ein Großteil des Anzeigengeschäfts weggebrochen. Berichten, die Zeitung werde verkauft, hatte DuMont-Vorstand Franz Sommerfeld vor Monaten widersprochen. Vor einem Jahr plante er, die Zeitung bis spätestens 2013 in die Gewinnzone zu führen. Danach sieht es nun nicht mehr aus.

Als Insolvenzverwalter ist der Rechtsanwalt Frank Schmitt von der Kanzlei Schultze & Braun eingesetzt. Schmitt prüfe nun die Vermögenslage sowie "mögliche Sanierungsansätze", hieß es. Die Geschäftsführung der Zeitung bleibt weiter im Amt, darf aber nur im Einvernehmen mit dem Insolvenzverwalter entscheiden, hieß es.

Betroffen sind 487 Mitarbeiter. Die Führung informierte sie am Nachmittag in einer Versammlung über die Insolvenz und ihre Folgen. Bis Ende Januar 2013 seien die Bezüge der Beschäftigten vorerst durch Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert, hieß es dort. 

Großteil des Anzeigengeschäfts weggebrochen

Die Rundschau gehört seit 2006 mehrheitlich dem Medienhaus DuMont Schauberg , Mitbesitzer sind die SPD-Medienholding DDVG sowie die Karl-Gerold-Stiftung, die nach dem früheren Herausgeber und Chefredakteur benannt ist. DuMont besitzt ebenso die Berliner Zeitung, den Kölner Stadtanzeiger und weitere Blätter. Die Zeitungen erreichen in Summe eine Auflage von einer Million. Rundschau und Berliner Zeitung bilden für den überregionalen Teil eine Redaktionsgemeinschaft, von der Pleite sind also auch in Berlin arbeitende Redakteure betroffen. 

Zuletzt hatte die FR mit Arnd Festerling wieder einen eigenen Chefredakteur. Er sollte das Blatt auf dem lokalen Markt stärken. Zugleich gab es Überlegungen, die Rundschau zumindest in Norddeutschland komplett von einer Papier- auf eine Digitalzeitung umzustellen. Sie machte aber weiter Verlust.

Tageszeitungen stehen derzeit stark unter wirtschaftlichem Druck. Die Zukunft der Financial Times Deutschland etwa soll sich bis spätestens 21. November entscheiden. Für das bundesweit erscheinende Stadtmagazin Prinz ist die Entscheidung bereits gefallen. Es soll ab Januar nur noch online erscheinen, etwa 60 Mitarbeiter sind von Kündigung bedroht, ein Sozialplan ist in Arbeit. Der Jahreszeiten-Verlag kündigte an, Prinz im kommenden Jahr als tagesaktuelles Online-Magazin auszubauen.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Als 68er, Jahrgang 48, habe ich die Frankfurter Rundschau immer gerne gelesen. Nicht der Zeitgeist, sondern Elemente des Andersseins, und das in Frage stellen, von landläufigen und mit Klischees behafteten Meinungen war ein Markenzeichen dieser Zeitung. Nun muß man sich wohl verabschieden von diesem Blatt, welches im Nachkriegsdeutschland viel Beachtung fand. Mich stimmte es ein wenig melancholisch aber "alles hat seine Zeit".

    • L0rdi
    • 13. November 2012 22:35 Uhr

    Aber ruhe. Ohne mich in die unsägliche Diskussion über politische Neutralität einmischen zu wollen, muss ich leider der hier schon vereinzelt geäußerten Qualitätskritik zustimmen. Abgesehen von simplen orthographischen Fehlern sowie fehlenden Wörtern - beides Phänomene, die sich in den letzten Jahren häuften - sank auch einfach die Länge der Artikel und die Bereitschaft/die Möglichkeit, ausführliche Dossiers zu diversen nicht unmittelbar aktuellen Themen zu verfassen. Während ich die Kommentarsektion selbst meist genossen habe, wurde der Rest der Zeitung mit den Jahren nichtssagender. Ein Vergleich mit alten zu Unterrichtszwecken aufgehobenen Artikeln aus den 80er und 90er Jahren verwundert immer wieder aufs Neue. Insofern wäre es mir fast lieber gewesen, diese Zeitung vor der Verkrüppelung im Tabloidformat und durch Miniartikel in Würde gehen zu sehen. Verabschiedet hatte ich mich schon vor längerem ...

    2 Leserempfehlungen
  2. Wieso redet keiner über die Inhalte der Frankfurter Rundschau? Ich lese nur allgemeine Stellungnahmen. Wieso wird verschwiegen, dass die Qualität des Blattes in den letzten 2 Jahrzehnten massiv geschrumpft ist? Der Boulevardcharakter dieser Zeitung hatte sich massiv verstärkt. Genau aber diese Berichterstattung - trotz einem Tag mehr Zeit als bei anderen Blättern - war m. E. das Aus für dieses Blatt. Nicht das Wegbrechen irgendeiner Klientel oder ähnlichem. Die Artikel sind einfach schlechter geworden. Jahr für Jahr. Wer eine Boulevardzeitung haben will kann auch gleich zum Berliner Kurier greifen - aus der gleichen Verlagsfirma. Wer halbwegs denken kann wird von diesem Blatt doch eher abgeschreckt - aber gleichzeitig soll es genau die, die Denken können ansprechen: das funktioniert nicht. Und für einen Schwenk ist es zu spät. Daher ist die Insolvenz wirklich kein Trauerfall sondern nur folgerichtig.

  3. Es ist keine Überraschung, dass die FR bankrott ist. Ständig sinkende Auflagenzahlen dienten schon lange als nüchterner Vorbote. Die Gründe dazu liegen ebenso auf der Hand. Leser, zumindest die anspruchsvolleren unter ihnen, auf die sich eine Zeitung stützen sollte, sind keine mentalen Wiederkäuer. Genau diese Klientele aber bediente die FR mit tendenzieller (um es einmal vornehm auszudrücken) "Berichterstattung", die eine miefige Atmosphäre schaffte, in er sich deutsche Linksspiesser wohlfühlen konnten. Das schient aber als Geschäftsgrundlage nicht gereicht zu haben, da es seit ungefähr 1968 nicht mehr im Trend zu liegen scheint, ausser in Randgruppen der Gesellschaft.

    Nicht nur die Kommentare waren bei der FR meinungsbeladen. Das ist allerdings schon längst ein Trend überall in der deutschen Medienlandschaft, und sollte anderen als Warnung dienen. Was ich in der FR unter sog. "Experten" Berichten z.Bsp. aus und über die USA gelesen haben, z.T. schamlos die Tatsachen entstellend und ohne jegliche Quellenangaben (um die eigene, vorgefasste und klischeebeladende Meinungshaltung nicht zu stören), konnte man nur noch Gelächter oder verständnisloses Kopfschütteln quittieren. Nun hat es ein gnädiges Ende gefunden. Leid tun mir jene Mitarbeiter, die unter dem verantwortungslosen Handeln einiger nun zu leiden haben.

    • Jokus
    • 30. November 2012 13:28 Uhr

    Das ist doch ein Ammenmärchen, dies Märchen von der presse-mächtigen SPd. Sie hat zwar eine vielfältige Beteiligung an vielerlei Zeitungen, doch ich weiß da keine Zeitung, die zu den wirklich meinungsbildenden Zeitungen im Lande gehört. Und darauf kommt es an.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, tst
  • Schlagworte Insolvenz | DuMont Schauberg | Jahreszeiten Verlag | Sozialplan | Tageszeitung | Verlust
Service