Es ist erst ein paar Jahre her, da tummelten sich auffallend viele rote Ziffern im Geschäftsbericht der Deutschen Bahn. Der Gewinn lag knapp über der Nulllinie, ähnlich war es mit dem Ansehen des staatseigenen Unternehmens. Das ist heute anders: Ein Sympathieträger ist die Bahn zwar noch immer nicht, die Züge aber sind so voll wie noch nie.

Rote Ziffern wird es daher in den kommenden Jahren nicht mehr geben – im Gegenteil. Bis 2017 soll der Gewinn vor Zinsen und Steuern auf vier Milliarden steigen – im laufenden Jahr sind es bereits 2,7 Milliarden. Das geht aus der Mittelfristplanung des Unternehmens hervor, die dem Tagesspiegel vorliegt. Bahn- Chef Rüdiger Grube wird sie am Mittwoch dem Aufsichtsrat vorlegen.

Bemerkenswert daran ist, welche Konzernsparten das Geld verdienen sollen. Der Fernverkehr mit ICs und ICEs soll seinen Gewinn in den kommenden fünf Jahren annähernd verfünffachen, verglichen mit dem Ergebnis von 2011. Die Sparte, lange Zeit das Sorgenkind des Konzerns, soll zum drittwichtigsten Gewinnbringer aufsteigen. Und das, obwohl die Bahn hier kräftig in neue Züge investieren muss, zusätzliche Konkurrenz durch private Anbieter auf der Schiene sowie durch Fernbusse bekommt. Bei rund 717 Millionen Euro soll der Gewinn den Unterlagen zufolge im Jahr 2017 liegen. Vermutlich hat das Unternehmen weitere, regelmäßige Preiserhöhungen eingeplant – vergangenen Sonntag stiegen die Tarife schon um 2,8 Prozent. Ein Bahn-Sprecher wollte die Zahlen am Montag nicht kommentieren.

Im staatlich geförderten Regionalverkehr dagegen gehen die Margen zurück. 2014 soll der Gewinn den Annahmen zufolge mit 926 Millionen Euro einen Rekord erreichen, drei Jahre später aber nur noch bei 691 Millionen liegen. Das zeigt, dass sich die Bahn alte Nahverkehrsverträge gut hat bezahlen lassen, die nun auslaufen – und dass dies angesichts des wachsenden Wettbewerbs nun nicht mehr geht. Denn der Umsatz soll hier in den nächsten Jahren etwa gleich bleiben. Der Regionalverkehr im europäischen Ausland soll dagegen sein Ergebnis mehr als verdreifachen – auf rund 528 Millionen.

Das meiste Geld in die Kasse spült indes das Schienennetz: Hier soll das Plus auf fast 1,2 Milliarden Euro steigen, das wären zwei Drittel mehr als noch 2011. Dies ist politisch heikel, weil die Bahn hier die Gebühren ihrer Wettbewerber verbucht, die jeden Trassenkilometer bezahlen müssen. Sie kritisieren, dass die Bahn hier zu viel verdient und zu wenig in die Gleise investiert.

Erschienen im Tagesspiegel