Die Deutsche Bahn wehrt sich vor Gericht gegen ein Kartell: Sie verklagt den Stahlkonzern ThyssenKrupp und weitere Unternehmen. Beim Landgericht Frankfurt am Main habe der Konzern eine entsprechende Schrift eingereicht, bestätigte die Bahn einen Bericht der Süddeutschen Zeitung .

Hersteller von Schienen und Weichen sollen von 2001 bis 2011 Preise und Mengen abgesprochen haben – zum Schaden der Deutschen Bahn und kommunaler Verkehrsbetriebe. Das Kartell, das sich selbst "Schienenfreunde" nannte, war im vergangenen Jahr aufgeflogen. Das Bundeskartellamt verhängte im Juli insgesamt 124,5 Millionen Euro Bußgeld. ThyssenKrupp hatte den größten Teil – 103 Millionen Euro – zu zahlen.

Die Bahn will laut dem Bericht etwa 750 Millionen Euro einklagen. Die Anwälte bezifferten in der Klageschrift die Schadenersatzforderung allerdings nicht konkret, hieß es.

Voraussichtlich 400 Millionen

ThyssenKrupp bestätigte, dass die Bahn gegen mehrere Gesellschaften des Stahlkonzerns klagt. Die Bahn bestätigte das ebenfalls und nannte noch den tschechischen Hersteller Moravia Steel, Vossloh und den ehemaligen Eigentümer der Vossloh-Tochtergesellschaft Stahlberg Roensch GmbH. Die österreichische Voestalpine gehört entgegen früherer Medienberichte demnach nicht dazu. "Wir stehen in laufenden Verhandlungen mit der Deutschen Bahn über einen Schadensausgleich", sagte ein Voest-Sprecher.

Die Zeitung berichtete, auf ThyssenKrupp würden voraussichtlich rund 400 Millionen Euro des geforderten Schadenersatzes entfallen. Der Stahlkonzern soll mehr als die Hälfte der überteuerten Schienen geliefert haben.

Steuerzahler würden profitieren

Möglicherweise will der Staatskonzern aber mit der Klage lediglich verhindern, dass der Streit verjährt. Außergerichtlich seien die Kontrahenten bereits seit Längerem im Gespräch, um einen Schadensausgleich zu schaffen, hieß es bei Thyssen.

Der Bund unterstützt die Sanierung des Schienennetzes mit Milliardenbeträgen. Daher zählen auch die Steuerzahler zu den Geschädigten. Ein Erfolg der Bahn bei Gericht käme so auch dem Verkehrsministerium und dem Bundeshaushalt zugute. Niedrigere Schienenpreise hätten niedrigere Fördermittel des Staates für das Streckennetz zur Folge gehabt.