Amoklauf NewtownInvestor Cerberus trennt sich von Waffenkonzern

Finanzinvestor Cerberus stößt nach dem Amoklauf von Newtown den Waffenhersteller Bushmaster ab. Der hatte eine der Waffen des Täters gefertigt. von reuters und

Zentrale von Cerberus Capital Management

Zentrale von Cerberus Capital Management  |  © Timothy A. Clary/AFP/Getty Images

Der Amoklauf von Newtown im US-Bundesstaat Connecticut hat Konsequenzen für den Waffenhersteller Bushmaster. Der US-Finanzinvestor Cerberus Capital Management trennt sich laut einer Mitteilung von der Freedom Group, zu der Bushmaster firearms gehört. Der Finanzkonzern hatte Bushmaster 2006 gekauft und mit anderen Unternehmen in der Freedom Group aufgehen lassen.

Die Führung äußert sich schockiert und tief betroffen von der Tat des 20-Jährigen , der am Freitag in einer Grundschule von Newtown 20 Kinder, sechs Erwachsene und sich selbst erschossen hatte. Eine der Waffen des Amokläufers war von Bushmaster, ein halbautomatisches Gewehr, mit dessen Kriegsversion auch Nato-Armeen im Vietnamkrieg ihre Soldaten ausstatteten.

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Man könne die Verluste nicht ermessen, die der Amoklauf den Familien und Freunden der Opfer zugefügt habe, schrieb Cerberus . Die Unternehmensführung geht in der Mitteilung auch auf die begonnene Debatte über das Waffenrecht ein und gibt bekannt, sie werde sich nicht daran beteiligen.

Waffenbestand

Mehreren Studien zufolge sind in den USA bis zu 300 Millionen Schusswaffen im Privatbesitz – das entspricht fast einer Waffe pro Einwohner. In einer Erhebung des Gallup-Instituts aus dem vergangenen Jahr gaben 47 Prozent der Befragten an, in einem Haushalt mit mindestens einer Schusswaffe zu leben. Jeder dritte US-Bürger ist demnach selbst Waffenbesitzer.

Produktion

Die Waffenhersteller der USA produzierten 2011 knapp 2,5 Millionen Pistolen, 573.000 Revolver sowie mehr als drei Millionen Gewehre, wie die Statistiken der Behörde für Alkohol, Tabak und Feuerwaffen zeigen. In den USA gibt es fast 130.000 lizensierte Waffenhändler.

Opfer

Mehr als 30.000 Menschen sterben in den USA jedes Jahr durch Schusswaffen – mehr als 12.000 der Taten sind Morde. Die Anti-Waffen-Lobbyisten der Brady Campaign errechneten 2011, dass 270 Menschen täglich durch Schusswaffen verletzt oder getötet werden.

Rechtslage

Im Zweiten Zusatzartikel zur Verfassung ist das Recht auf privaten Waffenbesitz verbrieft. Dort heißt es: "Weil eine gut organisierte Miliz für die Sicherheit eines freien Staates erforderlich ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden." Die Frage, wie weit dieses Recht reicht und welchen Beschränkungen es unterworfen werden darf, ist Gegenstand kontroverser Debatten.

Seit 1993 steht etwa eine Überprüfung von Waffenkäufern im Bundesrecht. Verurteilte Kriminelle, Menschen mit psychischen Störungen oder Drogenabhängige dürfen demnach keine Schusswaffen erwerben. Ein im Folgejahr erlassenes Verbot halbautomatischer Gewehre wurde dagegen 2004 nicht verlängert.

Dazu kommt ein Wirrwarr an Gesetzen und Verordnungen auf Ebene der Bundesstaaten und Kommunen. Immer wieder landeten regionale Beschränkungen für Waffenerwerb und -besitz dabei vor dem Obersten Gerichtshof, der in Grundsatzurteilen 2008 und 2010 ein Recht auf private Waffen anerkannte.

Die Lobby

Die National Rifle Association (NRA) ist die mächtigste Vereinigung der Waffenlobby. Zwei Veteranen des Amerikanischen Bürgerkriegs gründeten den Waffenverein im November 1871 im Bundesstaat New York, um das Schützenwesen zu fördern. Heute hat die Organisation nach eigenen Angaben mehr als vier Millionen Mitglieder. Ihr Hauptquartier ist in Fairfax vor den Toren Washingtons.

Aufgabe von Cerberus sei, im Auftrag von Kunden zu investieren und Pensionen zu sichern, hieß es – etwa von Beschäftigten des öffentlichen Sektors.

Cerberus steht unter Druck des kalifornischen Lehrerpensionsfonds CalSTRS , der – mit Stand Ende März – mehr als 750 Millionen Dollar bei dem Finanzinvestor angelegt hatte.

Newtown in Connecticut

Newtown ist ein Städtchen mit gut 27.000 Einwohnern. Es liegt im Südwesten des US-Bundesstaates Connecticut. Der 1711 gegründete Ort wird geprägt von gepflegten Häusern, Parks, Antiquitätenläden und einer regen Kulturszene.

Am Dickenson Drive liegt die Sandy Hook Elementary School (Karte hier).

Bevölkerung und Wirtschaft

Die Bewohner von Newtown sind im Durchschnitt 41 Jahre alt und wohlhabend: Das Haushaltseinkommen lag 2011 bei durchschnittlich gut 110.000 US-Dollar (etwa 84.000 Euro).

Die Strände des Atlantiks und beliebte Urlaubsregionen wie Cape Cod oder Long Island sind nicht weit. Viele Bewohner pendeln entweder ins 100 Kilometer New York City oder nach New Haven, wo unter anderem die Elite-Universität Yale Tausende Menschen beschäftigt.

Mit einer Fläche von gut 14 .000 Quadratkilometern gehört Connecticut zu den kleinsten Staaten der USA. Er ist als Standort der Werft- und Rüstungsindustrie sowie für den Anbau von Tabak, Obst und Gemüse bekannt.

Karte

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Der Verkauf der Freedom Group werde unverzüglich beginnen, hieß es. Das Massaker von Newtown hatte weltweit Entsetzen ausgelöst. In den USA mehren sich Stimmen, das Waffenrecht zu verschärfen.

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Leserkommentare
  1. "Die Führung äußert sich schockiert und tief betroffen von der Tat des 20-Jährigen, der am Freitag in einer Grundschule von Newtown 20 Kinder, sechs Erwachsene und sich selbst erschossen hatte."

    Wer hätte auch schon im Vorhinein ahnen können, dass durch Waffen Menschen tatsächlich sterben können.

    "Cerberus steht unter Druck des kalifornischen Lehrerpensionsfonds CalSTRS, der – mit Stand Ende März – mehr als 750 Millionen Dollar bei dem Finanzinvestor angelegt hatte."

    Ich liebe offensichtliche Lippenbekenntnisse.

  2. Herrschaftszeiten, was für ein Unsinn. Wenn die Tatwaffe nicht von Bushmaster stammen würde sondern von Smith & Wesson, würde Cerberus dann auch tief betroffen ihre Anteile an der Bushmasster verkaufen? Ich schließe mich meinem Vorredner an, jetzt auf betroffen zu machen, als ob man gar nicht auf die Idee hätte kommen können, dass die von Bushmaster produzierten Waffen zum Erschießen von Menschen benutzt werden könnten, ist entweder bodenlos naiv oder ausgesprochen zynisch.

  3. verkaufen, wenn es jetzt moralisch wird.
    Es ist auch richtig professionell und clever, das so zu verkünden, um zu zeigen, dass Verkaufdruck besteht.

    "ein halbautomatisches Gewehr, mit dessen Kriegsversion auch Nato-Armeen im Vietnamkrieg ihre Soldaten ausstatteten."
    Mit der "Kriegsversion" (M16) wurden im Vietnamkrieg (an dem die NATO-Armeen mehrheitlich nicht beteiligt waren - weshalb dieser Bezug sinnfrei ist) Soldaten nicht nur ausgestattet, die Dinger wurden benutzt, bekanntlich auch gegen Zivilisten.

  4. ob arm oder reich, klug oder dumm.
    offensichtlich kann man machen was man will.
    es ist immer verkehrt.

    • Atan
    • 18. Dezember 2012 13:18 Uhr

    US-Waffenhersteller ganz auf die Abgabe seiner Produkte an Zivilisten vrzichtet, die Fa. "Colt" (?) meine ich, um zukünftigen Haftungsfragen aus dem Weg zu gehen. Solange aber so eine ungebrochene Nachfrage nach einem Produkt besteht, findet sich immer ein Hersteller, es handelt sich schließlich um keine bes. komplizierte Technik.
    Was ich überhaupt nicht begreifen kann, ist die, man muss es schon als Besessenheit bezeichnen, mit dieser spez. Frage US-amerikanischer Innenpolitik bezeichnen. Sie ist sowenig von Europa beeinflußbar wie die Wahlen im letzten Monat und steht auch in keinem Zusammenhang zu europäischer Politik.

    Fast zur gleichen Zeit hat ein Mann in China 22 Schulkinder mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt, vor 2 Jahren ein anderer 7 Schulkinder bei einem ähnlichen Angriff getötet, es gab zudem wohl eine Reihe weiterer ähnlicher Schulamokläufe.
    http://en.wikipedia.org/wiki/School_attacks_in_China_%282010%E2%80%93201...

    http://www.nydailynews.com/news/national/man-attacks-22-kids-knife-china...

    Ich würde gerne verstehen, warum Tötungsdelikte an Schülern in den USA regelmäßig zu Schlagzeilen bei uns führen und ausführliche Debatten auslösen, vergleichbare Vorfälle in China aber nicht mal eine Zeile wert sind.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Ich würde gerne verstehen, warum Tötungsdelikte an Schülern in den USA regelmäßig zu Schlagzeilen bei uns führen und ausführliche Debatten auslösen, vergleichbare Vorfälle in China aber nicht mal eine Zeile wert sind."

    Erstens ist auch vom Amoklauf in China berichtet worden - wenn Sie die Berichte nicht wahrgenommen haben, liegt das an Ihnen. Und zweitens gibt es einen klitzkleinen Unterschied, ob es "nur" verletzte Opfer gibt oder auch Tote.

    In dem Zusammenhang lässt sich nur von Unverbesserlichen leugnen, dass nur mit automatischen Waffen (alternativ noch Sprengstoff) überhaupt so hohe Opferzahlen möglich sind.

  5. "Ich würde gerne verstehen, warum Tötungsdelikte an Schülern in den USA regelmäßig zu Schlagzeilen bei uns führen und ausführliche Debatten auslösen, vergleichbare Vorfälle in China aber nicht mal eine Zeile wert sind."

    Erstens ist auch vom Amoklauf in China berichtet worden - wenn Sie die Berichte nicht wahrgenommen haben, liegt das an Ihnen. Und zweitens gibt es einen klitzkleinen Unterschied, ob es "nur" verletzte Opfer gibt oder auch Tote.

    In dem Zusammenhang lässt sich nur von Unverbesserlichen leugnen, dass nur mit automatischen Waffen (alternativ noch Sprengstoff) überhaupt so hohe Opferzahlen möglich sind.

  6. Es glaubt doch hoffentlich niemand, dass Cerberus sich aus moralischen Gründen von Bushmaster trennt. Cerberus ist ein Hedgefond! Die haben ganz und gar rationale Gründe das zu tun. Bushmaster wird abgestoßen, ehe die Klitsche weniger wert wird. So einfach ist das.

    • mrpalme
    • 18. Dezember 2012 16:52 Uhr

    Hahahaha und die Welt soll das glauben? Cerberus fürchtet doch vielmehr eine Verschärfung des US Waffengesetzes und die daraus resultierenden Absatzrückgänge. Als ob die sich einen Dreck um 20 tote Kinder scheren...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, tst
  • Schlagworte Amoklauf | Grundschule | Debatte | Dollar | Erwachsene | Management
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