Die Deutsche Bank hat bei Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier ( CDU ) wegen des Vorgehens der Staatsanwaltschaft interveniert. Ko-Chef Jürgen Fitschen habe Bouffier angerufen und sich über den massiven Einsatz der Ermittler bei der Razzia am vergangenen Mittwoch beschwert. Das bestätigte Hessens Regierungssprecher Michael Bußer.

Bouffier habe die Vorwürfe jedoch zurückgewiesen. "Der Ministerpräsident hat klargemacht, dass es staatsanwaltschaftliche Ermittlungen sind, in die er sich nicht einmischen könne", sagte Bußer. Die Deutsche Bank bestätigte das Telefonat, ohne Details zu nennen.

Die hessische SPD forderte weitere Informationen darüber, ob Fitschens Anruf bei Bouffier innerhalb der schwarz-gelben Landesregierung weitere Kreise gezogen habe. "Wir werden sehr genau hinsehen und hinterfragen, wer wann und wie interveniert hat", teilte der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, Günter Rudolph, mit.

Vorwurf der Steuerhinterziehung und Geldwäsche

500 Fahnder hatten am Mittwoch unter anderem die Zentrale des Dax-Konzerns in Frankfurt durchsucht . Die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft wirft 25 Mitarbeitern der Bank Steuerhinterziehung, Geldwäsche und versuchte Strafvereitelung im Zusammenhang mit millionenschwerem Handel mit Luftverschmutzungsrechten (CO2-Zertifikate) vor. Fünf Mitarbeiter wurden verhaftet, vier davon sitzen noch in Untersuchungshaft.

Fitschen hatte die Aktion in einem Handelsblatt -Interview bereits als "überzogen" bezeichnet . Zu den Vorwürfen der schweren Umsatzsteuerhinterziehung gegen sich selbst hatte er gesagt: "Ich bin fest davon überzeugt, dass sie sich als unbegründet erweisen werden." Gegen Ko-Chef Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause wird ermittelt, weil sie Ende 2010 die fragliche Umsatzsteuererklärung der Bank für das Jahr 2009 unterschrieben hatten. Diese enthielt nach Erkenntnissen der Ermittler zu Unrecht erstattete Umsatzsteuer aus illegalen Handelsgeschäften mit Emissionsrechten.

Im Sommer 2011 korrigierte die Bank die Angaben um etwa 150 Millionen Euro. Ende 2011 verzichtete das Institut auf einen Anspruch von insgesamt 310 Millionen Euro Umsatzsteuerrückerstattung. Die Bank vertritt die Auffassung, dass die Korrektur rechtzeitig erfolgte.

Deutsche Bank soll belastende Daten gelöscht haben

Unterdessen sickerten weitere Details des Ermittlungsverfahrens durch, das mit einer ersten Razzia bei der Deutschen Bank im April 2010 öffentlich geworden war. Medienberichten zufolge werfen die Ermittler der Bank Datenvernichtung in großem Stil vor . Nach der Razzia 2010 hatten die Behörden umfangreiche Dokumente angefordert, um zu klären, inwieweit Deutschlands größtes Geldhaus an einem Umsatzsteuerkarussell beteiligt war. Der Spiegel berichtet in seiner aktuellen Ausgabe unter Berufung auf die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft, das Material sei verzögert und unvollständig geliefert worden.

20.000 E-Mails sollen demnach gelöscht worden sein, von neun der 40 untersuchten Mitarbeiter seien überhaupt keine Mails geliefert worden. Zudem wurden nach Spiegel -Informationen bei allen E-Mail-Konten Mails entgegen der Versicherung der Bank vor der Übergabe an die Ermittler noch einmal geöffnet. Auch die Süddeutsche Zeitung berichtete darüber. Ein Sprecher der Deutschen Bank bekräftigte am Sonntag: "Die Deutsche Bank wird diese Vorwürfe prüfen und weiter vollumfänglich mit den Behörden kooperieren."