Die Ermittlungen zum Umsatzsteuerbetrug bei der Deutschen Bank richten sich auch gegen Konzernchef Jürgen Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause. Die beiden Manager hätten die fragliche Umsatzsteuererklärung der Bank aus dem Jahr 2009 unterzeichnet, teilte das Institut mit.

Die Angaben seien später korrigiert worden. "Anders als die Staatsanwaltschaft vertritt die Deutsche Bank die Auffassung, dass diese Korrektur rechtzeitig erfolgte", teilte das Institut mit. Die Deutsche Bank kooperiere weiter in vollem Umfang mit den Behörden.

Die Bank ist offenbar weit tiefer als gedacht in den Umsatzsteuer-Skandal verstrickt, der vor knapp drei Jahren aufgeflogen war. In der umstrittenen Umsatzsteuererklärung für das Jahr 2009 hatte das Institut 310 Millionen Euro Steuererstattungen geltend gemacht.

Verdacht, dass Beweismittel vorenthalten wurden

Rund 500 Polizisten und Steuerfahnder hatten die Frankfurter Zentrale der Bank am Morgen stundenlang durchsucht . Ermittler suchten nach Beweisen für den Verdacht des millionenschweren Steuerbetrugs beim Handel mit CO2-Emissionszertifikaten. 25 Mitarbeiter stünden unter dem Verdacht der schweren Steuerhinterziehung, der Geldwäsche und der versuchten Strafvereitelung, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt mit. Gegen fünf von ihnen wurde Haftbefehl erlassen.

Die Ermittler durchsuchten neben der Zentrale der Bank zahlreiche Wohnungen und Büros, unter anderem in Berlin und Düsseldorf . Die Ermittlungen in dem Fall laufen seit Frühjahr 2010 . Bereits damals wurden Büros der Deutschen Bank durchsucht. Es bestehe der Verdacht, dass den Ermittlungsbehörden Beweismittel vorenthalten wurden, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Bisher hatte die Staatsanwaltschaft gegen sieben Banker und nur wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung ermittelt. Doch nun hätten sich weitere Verdachtsmomente ergeben, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Günter Wittig. "Es besteht der Verdacht, dass den Ermittlungsbehörden von Mitarbeitern der Bank Beweismittel vorenthalten und Geldwäscheverdachtsanzeigen nicht erstattet wurden", hieß es in der Mitteilung der Behörde. Die Auswertung der Unterlagen könne Monate dauern, sagte Wittig.

Konzern hat sich Kulturwandel verordnet

Das Institut hatte den Handel mit Zertifikaten zur Luftverschmutzung aktiv gefördert, obwohl früh klar war, dass er von Händlern für Steuerbetrügereien missbraucht wurde. Das Institut hatte in diesem Jahr Finanzkreisen zufolge fünf Mitarbeiter wegen deren mutmaßlicher Verwicklung in diesen Fall suspendiert, aber nicht entlassen.

Der Branchenprimus, der sich in den vergangenen Jahren mit massiven Vorwürfen von Kunden, Aufsehern und anderen Behörden auseinandersetzen musste, hat sich unter dem neuen Vorstandsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen einen Kulturwandel verordnet. "Nicht alles, was legal ist, ist für uns auch legitim", hatte ein Sprecher nach der Suspendierung der Mitarbeiter gesagt.

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Michael Hartmann , forderte die Bank auf, härter durchzugreifen. "Es ist ungeheuerlich, dass die Deutsche Bank tief in Geldwäsche verstrickt ist. Als ob die Banken nicht schon genug Vertrauen verspielt hätten. Die Deutsche Bank muss hier umgehend komplette Transparenz schaffen und harte Konsequenzen ziehen."