Deutsche BankDas verlorene Vertrauen in Jürgen Fitschen

Der Chef der Deutschen Bank wollte ehrlicher Partner der Gesellschaft sein. Doch die Ermittlungen gegen Jürgen Fitschen beschädigen seine Glaubwürdigkeit massiv. von 

Jürgen Fitschen

Jürgen Fitschen  |  © Lisi Niesner/Reuters

Jürgen Fitschen war angetreten, um für Vertrauen zu werben für die Deutsche Bank. Schon als er vor acht Jahren aus London zurück nach Deutschland berufen wurde, war das sein Auftrag. Und Fitschen schien genau der Richtige dafür zu sein: Als zurückhaltend und in sich ruhend wurde der Co-Deutsche-Bank-Chef beschrieben, als im vergangenen Sommer bekannt wurde, dass er bald gemeinsam mit Anshu Jain den Vorstandsvorsitz von Deutschlands größter Bank übernehmen würde. Fitschen sei unkompliziert im Gespräch, aber fachlich auf der Höhe, ein Banker mit eine "Mordsreputation" . Ganz anders eben als sein Vorgänger Josef Ackermann , der gern mit großem Gestus auftrat und auch darum so umstritten war.

Noch vor wenigen Wochen warb Fitschen auf einer Konferenz in Hamburg für das neue Selbstverständnis seines Unternehmens. Die Bank wolle Partner der Gesellschaft und Realwirtschaft sein, sagte er da, und: Auch Bankmanager wollten stolz sein auf ihre Arbeit. Man nahm ihm ohne Weiteres ab, dass es ihm damit ernst war.

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Doch seit gestern bekannt wurde, dass die Staatsanwaltschaft in einem schweren Fall von Steuerbetrug auch gegen Jürgen Fitschen ermittelt , ist die Glaubwürdigkeit des Deutsche-Bank-Chefs erschüttert. Fitschen soll im Jahr 2009 gemeinsam mit Finanzvorstand Stefan Krause eine falsche Umsatzsteuererklärung unterschrieben haben. Die Zahlen in dem Dokument basierten auf betrügerischen Geschäften mit Emissionszertifikaten. Zwar wurde die Steuererklärung nachträglich korrigiert. Aber ob die Korrektur rechtzeitig erfolgte, ist juristisch nicht klar.

Der Schaden soll 800 Millionen Euro betragen – das ist auch für die Deutsche Bank viel Geld. Damit geht es um mehr als bloß ungeschicktes Benehmen in der Öffentlichkeit, wie man es Josef Ackermann vorwerfen konnte. Hinzu kommt, dass die Bank bei früheren Durchsuchungen Beweismittel zurückgehalten haben soll, statt offensiv zur Aufklärung der kriminellen Geschäfte einiger Manager beizutragen. Daraus erklärt sich die Härte der gestrigen Razzia und auch die Fassungslosigkeit der Mitarbeiter in der Zentrale der Deutschen Bank.

Es ist nicht der einzige Rechtsstreit, den Josef Ackermann seinen Nachfolgern Fitschen und Anshu Jain hinterlassen hat. Die Bank streitet sich immer noch mit den Erben von Leo Kirch , den unbedachte Äußerungen des früheren Vorstandschefs Rolf Breuer in die Pleite getrieben haben sollen. Die Bankberater sollen Kunden über den Tisch gezogen, Zinsen manipuliert, in der Finanzkrise Wertpapiere falsch bilanziert und verbotene Geschäfte mit dem Iran getätigt haben. Alle Verfahren zusammengenommen könnten die Deutsche Bank Milliarden Euro kosten, falls sie im Streit unterliegt.

Für die Geschäftspartner und Aktionäre der Bank ist das keine angenehme Situation. Vor allem aber untergraben die vielen Rechtsstreitigkeiten die Glaubwürdigkeit des größten Deutschen Geldhauses im Bestreben, verlorenes Vertrauen von Gesellschaft und Kunden zurückzugewinnen. Erhärten sich die Vorwürfe gegen Jürgen Fitschen, wäre sein Image als Erneuerer und damit das Image der Bank schwer beschädigt.

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Leserkommentare
  1. Und Ackermann hat von all dem nichts gewusst? Kann ich mir nicht so recht vorstellen.

  2. Welches Vertrauen ging denn verloren? Eine Illusion ging verloren,und das ist gut so.

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    • Psy03
    • 13. Dezember 2012 14:59 Uhr

    Dort gibt es die Karte "Der Vorstand der Deutschen Bank".
    Ich habe das Spiel schon zig mal mit ganz unterschiedlichen Leuten gespielt, aber diese Karte wurde nie in Verbindung mit einer guten Frage gelegt.
    Sie war eher Favorit als Antwort bei Fragen wie "Was bleibt zurück wenn die Welt untergeht?" usw.

    Ich glaube nicht das auch nur ein Bürger die Deutsche Bank mit "Vertrauen" oder sowas in einem Satz unterbringen würde.

    Und wenn man sich das Wort "Enttäuschung" genauer ansieht, wirkt es gar nicht mehr so negativ.

  3. Ich kann verstehen, dass dies jetzt sein muß.

    Dieser menschliche Touch aber, der hier eingefordert wird, ist etwas was die Bank für die er einsteht nicht auszeichnet. Er hat sich wissend in diese Position begeben. Wenn er es nicht wusste was ihn erwartet, ja wer denn dann?

    Also mag er ja kompetent und sympatisch sein, aber eben auch verantwortlich - und das sicher nicht alleine.

    Die anderen Amigos dürfen da auch gerne ein bisschen Angstschweiß investieren.

  4. "Die Bank wolle Partner der Gesellschaft und Realwirtschaft sein, sagte er (...)"

    Bei dieser Äusserung stellen sich bei mir alle Nackenhaare auf. Wie unglaublich unglaubwürdig kann man denn sein!?
    Die können von mir aus tausend mal den Vorstand wechseln, aber das System und die tief darin verwurzelten Personen ändern NIEMALS ihr verhalten!

    RN

  5. Diese "wir sind auf einmal moralisch"-Greenwashingkampagne hat ihm doch eh keiner abgekauft. Das war schon ziemlich unglaubwürdig.

  6. 'Auch Bankmanager wollten stolz sein auf ihre Arbeit.'

    Ich höre noch diesen Appell in meinen Ohren.

    Wie wunderbar es doch ist, dass diese Herrschaften so zielbewusst sich der Reihe nach selbst entblößen.

    Wann hören wir nur auf ihnen zu vertrauen. Wir himmeln Kompetenz an. Wer glaubt seinem Partner der fremd geht, wenn er Besserung beteuert ohne dass er bereit wäre an sich zu arbeiten.

    Diese grauen Herren sind Wesen im Mangel, sie bauen sich auf und gieren nach Anerkennung und zerhacken sich unter Ihresgleichen. Ihre äußere Größe hat eine zwergenhafte innere Entsprechung. Strahlende Personen, eine Fassade, daher leben Angst, Konkurrenz, Minderwertigkeit, Lügen, die Unfähigkeit sich zu spiegeln. Es sind kleine hässliche Gnome, die nicht lieben können, lieber 25 Stunden am Tage arbeiten, um zu spüren, dass sie sind.

    Die Evolution hat so eine Spezies mit diesem Verhalten immer mit dem Aussterben belohnt.

    Nur, unter ihnen leiden wir ALLE. Mögen sie sich selbst zur Falle sein, nicht aber ist es akzeptabel, dass die Sozietät von ihnen derart belastet wird, wie es der Fall ist.

  7. NEIN! Nicht

    "die Ermittlungen gegen Jürgen Fitschen beschädigen seine Glaubwürdigkeit massiv"

    - Herr Fitschen hat seine Glaubwürdigkeit SELBST massiv beschädigt durch ein Verhalten, das diese Ermittlungen nötig machte.

    Die Ermittlungen bzw. die Gesellschaft, die diese Ermittlungen aus sich heraus herbvorbringt und finanziert, können wirklich nichts dafür.

    (Dabei gehe ich vertrauensvoll davon aus, dass ein Blatt mit dem Qualitätsanspruch der ZEIT keine der Unschuldsvermutung widersprechende Formulierung wie die ein solches erst produzierende Wendung vom "geschädigten Ansehen" nutzt, wenn sie nicht dem zu Grunde liegende Faktenlage selbst zu hundert Prozent überprüft hat. Ansonsten würde sie mehr noch als dem Ansehen von Herrn Fitschen ihrem eigenen schaden.)

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    • Psy03
    • 13. Dezember 2012 15:15 Uhr

    interpretieren das die Meinung der Zeit ist, dass Glaubwürdigkeit heißt nicht beim Betrügen erwischt zu werden.

    • TDU
    • 13. Dezember 2012 13:03 Uhr

    Man glaubt doch wohl nicht im Ernst, dass ein Chef eines größeren Unternehmens die Steuererklärung nachprüft. Gneau sowie man von Steinbrück nicht hätte evrlangen köenn, dass er die Bilanzen der letzten 10 Jahre studierte bevor er sein Amt im Vortand übernommen hat.

    Fitschen will den Laden ufräumen und den Vertauensvorschuss hätte er erst verloren, würde ihm Absicht nachgewiesen.

    Mit Verlaub, dieser Artikel ist populistisch ud angewandt auf die Kleinen, wäre jeder Geschäfstfüher noch schneller im Gefängnis als es ihm heute schon droht.

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    • TDU
    • 13. Dezember 2012 13:19 Uhr

    Natürlich ist zu fragen, wieso nicht der Chef der Steuerrabteilung die Erklärung unterschrieben hat. Wars vielleicht brisant wegen der Höhe des Betrages. Oder in ich mach das schon wegen "kalter Füsse" anderer?

    Die Fragen hat aber auch die Presse zustellen, will sie neben Empörungsklicks auch sachliche Debatte.

    Auf die meisten Bank(zins)geschäfte fällt keine Umsatzsteuer an, so dass die Möglichkeit, hier Mehrwertsteuer zu zahlen oder eben auch Vorsteuern erstattet zu bekommen, eher die Ausnahme ist. Der genannte Betrag von 800 Millionen (oder seien es auch nur 200 bis 250 Millionen) ist auch nicht so klein, dass er einem Vorstandsmitglied wegen Geringfügigkeit entgehen könnte. Es ist kaum vorstellbar, dass sich Fitschen nicht danach erkundigt hat, woher denn der Geldsegen kommt. Entweder ist er selbst massiv getäuscht worden, das müsste er dann aber auch bald erklären. Oder er wusste um die Problematik, dann hängt er selbst mit drin. Was nun folgen muss, ist seine Stellungnahme.

    Dass die Deutsche Bank nicht glaubwürdiger ist als andere Banken auch, ist nicht neu. Und dass Banken überhaupt nicht sonderlich glaubwürdig sind, haben wir in den letzten Monaten ebenfalls immer wieder bestätigt gefunden. Die Deusche Bank wird das trotzdem überleben. Ob dies auch für Fitschen gilt, ist die Frage.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Jürgen Fitschen | Josef Ackermann | Anshu Jain | Leo Kirch | Benehmen | Razzia
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