Kirch-ProzessErneut Razzia bei der Deutschen Bank

Schon wieder hat die Deutsche Bank in ihrer Frankfurter Zentrale Besuch von der Staatsanwaltschaft bekommen. Diesmal standen die Kirch-Ermittler vor der Tür. von dpa und reuters

Polizisten vor der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main

Polizisten vor der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main  |  © Kai Pfaffenbach/Reuters

Die Deutsche Bank rückt erneut in negatives Licht: Schon wieder hat die Staatsanwaltschaft die Bankzentrale in Frankfurt am Main durchsucht. Dieses Mal waren es Beamte aus München , die wegen eines möglichen Betrugsversuchs im Kirch-Prozess ermitteln.

Seit einem Jahr läuft das Ermittlungsverfahren. Es richtet sich gegen die früheren Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann und Rolf Breuer , Ex-Aufsichtsratschef Clemens Börsig und den einstigen Personalvorstand Tessen von Heydebreck. Die Münchner Justiz verdächtigt sie, im Schadenersatzprozess der Insolvenzverwalter und Erben des Medienunternehmers Leo Kirch gegen die Deutsche Bank falsch ausgesagt zu haben.

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Am vergangenen Freitag hatte das Oberlandesgericht München die Deutsche Bank grundsätzlich zu Schadenersatz an die Kirch-Erben verurteilt und eine Zahlung zwischen 120 Millionen und 1,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Die Kirch-Erben hatten der Bank vorgeworfen, für den Zusammenbruch des Medienimperiums vor zehn Jahren verantwortlich zu sein. Ex-Chef Breuer hatte damals in einem Interview Zweifel an der Kreditwürdigkeit Kirchs geäußert.

Darauf folgte ein zehn Jahre laufender Prozess der Kirch-Familie gegen die Deutsche Bank, bei der auch die ehemaligen Vorstände ausgesagt hatten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, in dem Prozess die Unwahrheit gesagt zu haben.

Der Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch sagte, die Staatsanwaltschaft wolle jetzt feststellen, wie sich die vier Beschuldigten auf ihre Zeugenaussagen vorbereitet hatten und wie sich die Deutsche Bank verhalten habe. Die Staatsanwaltschaft vermute Absprachen untereinander, hieß es aus Bankkreisen.

In den vergangenen Wochen seien neue Erkenntnisse aufgetaucht, die zu der Durchsuchung geführt hätten, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Verdacht auf Steuerbetrug beschäftigt Frankfurter Ermittler

Die Razzia könnte auch in Zusammenhang mit der Durchsuchung vor einer Woche stehen, als 500 Beamte bundesweit Gebäude der Bank durchsucht hatten. In diesem Fall ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen möglichen Steuerbetrugs beim CO2-Emissionshandel . Damals seien Unterlagen beschlagnahmt worden, die auch für den Prozessbetrugsfall bedeutsam seien, schreibt die Süddeutsche Zeitung .

Die fünf Mitarbeiter, die bei der Razzia in der vergangenen Woche wegen des Verdachts der Geldwäsche beziehungsweise der versuchten Strafvereitelung verhaftet worden waren, sind wieder frei. Der Haftgrund der Verdunklungsgefahr sei entfallen, teilte der Sprecher der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft, Günter Wittig, mit. Das könnte bedeuten, dass die Ermittler alle Beweise gesichert haben. Denkbar ist auch eine umfassende Aussage des Beschuldigten.

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Leserkommentare
  1. Es geht ganz viel auf Zitat von Rolf E. Breuer zurück:
    „Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen.“

    Das konnte man auch damals nicht mit Firmenkunden machen, insbesondere genau dann nicht wenn man gerade 2002 das Privatkundengeschäft als Obsolet von Seiten der deutschen Bank als Leitlinie vorgeben hatte.

    Die Ignoranz der Führungskräfte ist bei Kirch, Breuer und auch bei Anton Schlecker, immer ein Zeichen für eine verfehlte Einstellung zu einer Demokratie!
    Arroganz bedingt die Selbstüberschätzung…

    Aber wie geht es weiter?
    Letztendlich wird die deutsche Bank den ganzen Kuchen an die Postbank mit ihren alten Beamtenübernahmen zurückschieben, wozu man sich mal gezwungen fühlte (?),
    und der Merkel, Ackermann/Breuer, Clement oder Merz- Komplex kommt mal wieder fein raus.

    An der Bürokratie wird sich nichts ändern!
    Wenn wir es nicht auf die Reihe bekommen aus 16 Bundesländern mal 8 zu machen!

    Das ist schon lange fällig und es ist Bitter dass da nichts passiert!

    Gutmensch13

  2. Wer Kunde der Deutschen Bank (Postbank...) ist, sollte
    ins Nachdenken kommen, wem er da sein Vermögen anvertraut, und wer und welche Geschäfte damit unterstützt werden.
    Für mich lesen sich die Berichte über die Deutsche Bank wie Berichte über eine kriminelle Vereinigung.
    Und von solchen Kapeiken lässt sich die Kanzlerin beraten? Ohauerhauerhauerha.

  3. Und alle plappern hier nach. Ich bin nicht unbedingt ein Freund von Banken aber ich bin auch ein Bürger Deutschlands und Europäer daher fällt mir auf das gegen Schweizer und Deutsche Banken eine Hatz begonnen hat. Die Behörden die ansonsten bei keiner Korruption sich rühren sind auf einmal wild. Ich frage mich für wen die eigentlich arbeiten? Hinweis dazu, der Betrug von Goldmann Sachs, der ganz Europa erschütterte wird nicht verfolgt!!! Solange das nicht passiert halte ich diese Vorgänge bei der deutschen Bank als auch bei den Schweizer Banken für außengelenkte gezielte Standortbeschädigungen die Europa immer größeren Schaden zufügen.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Auch in den USA gilt die Regel, dass nicht alles was manchen Leuten als unmoralisch erscheint, auch strafbar ist.

    Das ist natürlich kein Grund, die Verantwortlichen der Deutschen Bank außerhalb einer Strafverfolgung zu stellen, wenn der Verdacht besteht, dass mehrere hundert Millionen Euro Steuer hinterzogen wurden, oder falsche Zeugenaussagen oder Prozessbetrug begangen wurde.

    In unserem Rechtssystem ist die Staatsanwaltschaft in so einem Fall verpflichtet, einzuschreiten. Anderenfalls macht sie sich selbst strafbar.

    Und das ist gut so!

    Würden die Verantwortlichen der Deutschen Bank nicht zur Rechenschaft gezogen werden, würde natürlich wieder der berühmte Spruch auftauchen: Die Kleinen werden gehängt, die Großen lässt man laufen.

    Dass dies nicht der Fall ist, ist ein Zeichen, dass der deutsche Rechtsstaat funktioniert, auch wenn Fitschen und Konsorten nicht damit gerechnet haben.

  4. Auch in den USA gilt die Regel, dass nicht alles was manchen Leuten als unmoralisch erscheint, auch strafbar ist.

    Das ist natürlich kein Grund, die Verantwortlichen der Deutschen Bank außerhalb einer Strafverfolgung zu stellen, wenn der Verdacht besteht, dass mehrere hundert Millionen Euro Steuer hinterzogen wurden, oder falsche Zeugenaussagen oder Prozessbetrug begangen wurde.

    In unserem Rechtssystem ist die Staatsanwaltschaft in so einem Fall verpflichtet, einzuschreiten. Anderenfalls macht sie sich selbst strafbar.

    Und das ist gut so!

    Würden die Verantwortlichen der Deutschen Bank nicht zur Rechenschaft gezogen werden, würde natürlich wieder der berühmte Spruch auftauchen: Die Kleinen werden gehängt, die Großen lässt man laufen.

    Dass dies nicht der Fall ist, ist ein Zeichen, dass der deutsche Rechtsstaat funktioniert, auch wenn Fitschen und Konsorten nicht damit gerechnet haben.

    2 Leserempfehlungen
  5. 21. Klar...

    Ethikbank klingt gut, nur kosten dann diese Banken auch wunders was.

    Es sind oft reine online Banken und da hakt es für die normalen Alltagsbankgeschäfte.

    Das klingt nett, aber funktioniert nur eingeschränkt.

  6. die Kirch-Sache ist doch ein "alter Hut".
    Also nichts neues.

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    Die Sache ist Milliardenschwer… Und aktuell!
    Ja klar, am Ende der Nahrungskette steht mindestens seit 1939 immer ein Jurist…
    Auch das ist ein alter Hut.
    Aber Politik bedarf der Öffentlichkeit und Fakten, auch aus der Vergangenheit.

    Gutmensch 13

  7. Die Sache ist Milliardenschwer… Und aktuell!
    Ja klar, am Ende der Nahrungskette steht mindestens seit 1939 immer ein Jurist…
    Auch das ist ein alter Hut.
    Aber Politik bedarf der Öffentlichkeit und Fakten, auch aus der Vergangenheit.

    Gutmensch 13

    Antwort auf "Vorallem,..."
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    Kirch prozessiert seit Jahren gegen die DB.
    Ist also nicht sonderlich interessant, ob da jetzt nochmal jemand kommt.

    Jetzt haben sie Breuer und "Joe" wegen Falschaussage.
    Viel Erfolg damit.

  8. Unter Ackermann hätte es das nicht gegeben. Razzien. Nun dürfen selbst Fälle aus der Äre vor Ackermann ordentlich ermittelt werden. Erstaunt das jemanden? Nein.

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa, sk
  • Schlagworte Deutsche Bank | Leo Kirch | Josef Ackermann | Clemens Börsig | Geldwäsche | Justiz
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