RüstungsindustrieDeutschland und Frankreich teilen sich die Macht bei EADS

Beide Länder haben sich über die Staatsbeteiligung beim Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS geeinigt. Erstmals wird sich Deutschland direkt am Konzern beteiligen. von afp und dpa

Montage eines Airbus A319 im Werk in Hamburg-Finkenwerder

Montage eines Airbus A319 im Werk in Hamburg-Finkenwerder  |  © Maurizio Gambarini/dpa

Nach monatelangen Verhandlungen haben sich Deutschland und Frankreich über die künftige Staatsbeteiligung beim Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS geeinigt. Die Bundesrepublik wird sich erstmals direkt beteiligen, teilte das Unternehmen mit. Die Regierung will damit sicherstellen, dass die Machtbalance mit Frankreich erhalten bleibt.

Nach EADS-Angaben wird Deutschland künftig ebenso wie Frankreich zwölf Prozent der EADS-Anteile halten, Spanien rund vier. Die Neuordnung war nötig geworden, weil sich die privaten Großaktionäre Daimler und Lagardère aus dem EADS-Kapital zurückziehen wollen.

Anzeige

Seit Samstag hatten beide Seiten intensiv nach einer Lösung der vielen komplizierten Fragen rund um die Aktionärsstruktur des Konzerns gesucht. Bis zuletzt waren Detailfragen offen geblieben. Um auf Augenhöhe mit Frankreich zu bleiben, wollte Deutschland dritter staatlicher Großaktionär bei EADS werden.

Bislang hatte Deutschland gemeinsam mit Frankreich und Spanien – direkt oder indirekt – rund 50 Prozent an EADS gehalten. Davon war auf deutscher Seite 22,5 Prozent im Besitz des Autoherstellers Daimler und eines Konsortiums aus öffentlichen und privaten Banken. Auf französischer Seite sind es ebenfalls 22,5 Prozent, die dem Staat und dem französischen Lagardère-Konzern gehören. Spanien hält 5,5 Prozent an dem Konzern. Künftig werden die Staaten zusammen nur noch höchstens 30 Prozent der Anteile kontrollieren können.

Bisher war der Einfluss der Anteilseigner in einem Aktionärspakt geregelt, der neu gefasst werden musste. Im bisherigen Vertrag haben Frankreich und der Lagardère-Konzern auf französischer Seite und Daimler mit einem Konsortium von Finanzinstituten auf deutscher Seite ihre Interessen gebündelt.
 

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Rüstungskonzern mitspielt ist peinlich und traurig zugleich.

    Nach dem Stop der Atomenergie wäre das nächste Zeichen ein Stop für die Rüstungsindustrie. Patente und Rechte verkaufen und in neue Technologien investieren die dem Planet und den Menschen darauf wirklich gut tun.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Also es wurde in Deutschland nicht verboten AKWs zu entwickeln und zu verkaufen sondern AKWs zu betreiben.

    Analog müssten Sie dann in Deutschland verbieten militärische Güter zu verwenden. Entwicklung und Verkauf müsste legitim bleiben.

    Abseits dieses Fehler in der Analogie besteht EADS zum großen Teil aus Airbus (27,6 Milliarden Euro, 69.300 Mitarbeiter), einem der größten Hersteller für zivile Passagierflugzeuge.

  2. 2. ?????

    Also es wurde in Deutschland nicht verboten AKWs zu entwickeln und zu verkaufen sondern AKWs zu betreiben.

    Analog müssten Sie dann in Deutschland verbieten militärische Güter zu verwenden. Entwicklung und Verkauf müsste legitim bleiben.

    Abseits dieses Fehler in der Analogie besteht EADS zum großen Teil aus Airbus (27,6 Milliarden Euro, 69.300 Mitarbeiter), einem der größten Hersteller für zivile Passagierflugzeuge.

    • Allora
    • 05. Dezember 2012 23:11 Uhr

    ... generell den Staatseinfluß bei EADS zu verringern scheint trotz der Reduzierung der staatlichen Anteile gescheitet. Jetzt ist -nach französischem Vorbild- auch der deutsche Staat Aktionär. Gleichzeitig hat unter der Führung eines deutschen (!) Konzernchefs die französische Seite durchgesetzt, daß der faktische Hauptsitz komplett nach Toulouse verlegt wird. Die meisten Hauptsitze der Töchter von EADS sind ja schon längst in Frankreich. Die deutschen Partner mit ihrer blauäugigen betriebswirtschaftlichen Sichtweise haben sich stückweise über den Tisch ziehen lassen. In etwa 13 Jahren. Heute ist EADS praktisch ein französischer Konzern mit Fertigungsstätten auch in Deutschland. Und das sagen die Franzosen auch ganz ungeniert.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Xdenker
    • 06. Dezember 2012 22:45 Uhr

    Was einen solchen multi- oder supranationalen Konzern treibt, sind allein die Interessen der Mehrheitsgesellschafter. Je größer das Gewicht der privaten Gesellschafter (also der, die nicht unter Kontrolle eines Staates sind) wird, desto weniger werden nationale Interessen von Bedeutung sein. Enders Strategie, Anteile und Einfluss der Staaten an und auf den Konzern zurückzufahren, diesen von nationalen Interessen zu befreien, scheint erfolgreich zu sein. Geforscht, entwickelt und produziert werden wird dann zunehmend dort, wo es am lohnenden ist, also die Rahmenbedingungen stimmen, und nicht dort, wo Regierungen es gerne hätten. Das macht aus unternehmerischer Sicht Sinn. So lange andererseits Staaten Gesellschafter von EADS sind, ist es für den deutschen Staat selbstverständlich wichtig, dass sein Einfluss nicht geringer ist als der des französischen Staates. Und dass die Franzosen EADS gerne als französisch sehen: Geschenkt. Die brauchen das als Stütze für ihr im deutsch-französischen Wettbewerb angegriffenes Selbstbewusstsein. Wo doch die "Grande Nation" schon Geschichte ist ... .

  3. Hier hat sich wohl jemand in der Debatte vertan.

    Aber ein Rüstungskonzern gehört eigentlich überhaupt nicht in private Hände, zumindest nicht mehrheitlich !

    • Xdenker
    • 06. Dezember 2012 22:45 Uhr

    Was einen solchen multi- oder supranationalen Konzern treibt, sind allein die Interessen der Mehrheitsgesellschafter. Je größer das Gewicht der privaten Gesellschafter (also der, die nicht unter Kontrolle eines Staates sind) wird, desto weniger werden nationale Interessen von Bedeutung sein. Enders Strategie, Anteile und Einfluss der Staaten an und auf den Konzern zurückzufahren, diesen von nationalen Interessen zu befreien, scheint erfolgreich zu sein. Geforscht, entwickelt und produziert werden wird dann zunehmend dort, wo es am lohnenden ist, also die Rahmenbedingungen stimmen, und nicht dort, wo Regierungen es gerne hätten. Das macht aus unternehmerischer Sicht Sinn. So lange andererseits Staaten Gesellschafter von EADS sind, ist es für den deutschen Staat selbstverständlich wichtig, dass sein Einfluss nicht geringer ist als der des französischen Staates. Und dass die Franzosen EADS gerne als französisch sehen: Geschenkt. Die brauchen das als Stütze für ihr im deutsch-französischen Wettbewerb angegriffenes Selbstbewusstsein. Wo doch die "Grande Nation" schon Geschichte ist ... .

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, sk
  • Schlagworte Daimler AG | EADS | Frankreich | Autohersteller | Bank | Spanien
Service