FrachtschifffahrtHapag-Lloyd und Hamburg Süd erwägen Fusion

Die Schifffahrtskrise lässt die größten deutschen Container-Reedereien einen Zusammenschluss prüfen. Es entstünde das weltweit viertgrößte Unternehmen der Branche. von afp, dpa und reuters

In der deutschen Schifffahrtsbranche wird über eine Groß-Fusion nachgedacht: Die Hamburger Traditionsreedereien Hapag Lloyd und Hamburg Süd loten die Möglichkeiten einer Verschmelzung aus, teilten die Unternehmen mit . Sie prüften "im Einvernehmen mit ihren Gesellschaftern, ob und unter welchen Bedingungen ein Zusammenschluss beider Unternehmen sinnvoll ist", hieß es in einer Mitteilung.

Durch eine Fusion würde nach Angaben eines Hapag-Lloyd-Unternehmenssprechers gemessen an der Kapazität die viertgrößte Containerschiff-Reederei der Welt entstehen. Einzelheiten oder konkrete Gründe für die Gespräche nannten die beiden Firmen nicht.

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Reedereien befinden sich in einer wirtschaftlich schwierigen Phase . Überkapazitäten haben in Verbindung mit dem zeitweise starken Rückgang des Welthandels durch die jüngsten Wirtschaftskrisen zu Problemen bei vielen Reedern geführt. Mit den Frachtraten können sie ihre Kosten kaum oder gar nicht mehr decken.

Zusammen mehr als 250 Schiffe

In der Branche gibt es hohen Druck, mit Kooperationen und Allianzen gegenzusteuern. Davon sind vor allem Charter-Reeder betroffen, die ihre Schiffe an Linien-Reedereien wie Hapag-Lloyd und Hamburg Süd vermieten. Diese können die Schiffe in Krisen wieder zurückgeben. Aber auch Linien-Reedereien haben mit der Lage zu kämpfen.

Die etwa 150 Schiffe von Hapag-Lloyd können nach Angaben des Firmensprechers etwa 690.000 Standardcontainer (TEU) transportieren, was das Unternehmen aktuell zur sechstgrößten Reederei macht. Hamburg Süd liegt mit 107 Containerschiffen und einer Kapazität von 395.000 TEU auf Rang zwölf. Zusammen würde ihre Flotte mit einer Tragfähigkeit von mehr als einer Million TEU nur von den Reederei-Riesen Maersk, MSC und CMA CMG übertroffen werden .

Hapag-Lloyd gehört mehrheitlich einem Hamburger Konsortium, an dem die Stadt Hamburg beteiligt ist. Diese hält als größter Einzelaktionär etwa 37 Prozent der Anteile. Weitere Aktionäre sind der Logistikkonzern Kühne + Nagel, Banken, Versicherungen sowie – außerhalb des Konsortiums – der Touristikkonzern TUI . Hamburg Süd gehört zum Firmen-Konglomerat der familiengeführten Oetker-Gruppe , die vor allem im Lebensmittel-, Bierbrauerei- und Spirituosenbereich aktiv ist.
 

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Leserkommentare
  1. Sicherlich hätte eine Fusion der beiden verbliebenen deutschen Großreeder eine gute Chance sich besser auf dem Markt etablieren.

    Arbeitsplätze würden jedoch vermutlich dennoch auf der Strecke bleiben. Bleibt nur zu hoffen, dass diese nicht nur in Abfertigung und Verkauf geopfert werden, sondern vorallem im Management.

  2. sagte der Luftballon... und platzte. Ich dachte, wir hätten die "Fusionitis" bereits hinter uns. So etwas macht ja nur Sinn, wenn der Fusion eine "Flurbereinigung" bei Kapazitäten und Mitarbeitern folgt, denn die strukturellen Probleme der sog. Globalisierung werden durch eine Fusion nicht gelöst.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, Reuters, dpa, zz
  • Schlagworte Hamburg | Fusion | Hapag Lloyd | TUI | CMA | Oetker-Gruppe
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