Die Vorwürfe galten nicht nur der britischen Großbank HSBC . Auch die für sie zuständige US-Aufsichtsbehörde wurde schwer belastet, als der Kongress im Sommer dieses Jahres seine Ermittlungsergebnisse zu den Geldwäsche-Vorwürfen gegen die Bank vorlegte. Aus dem Bericht ging hervor, dass die Kontrolleure vom Office of the Comptroller of the Currency trotz jeder Menge verdächtiger Indizien zwei Jahre lang keine Strafe gegen das Geldhaus verhängt hatten.

Den Kongressabgeordneten stieß das übel auf. Die Behörde erinnere "eher an einen Schoßhund als an den Wachhund, den wir so dringend brauchen", schmetterte der Republikaner Tom Coburn aus dem US-Bundesstaat Oklahoma den Aufsehern entgegen. Das Office of the Comptroller of the Currency ist eine von mehreren US-Regulierungsbehörden, die der HSBC vorgeworfen hatten, Kunden aus Mexiko , Iran , Libyen und anderen Ländern beim Waschen von Drogen- oder Terrorgeld geholfen zu haben. Bis heute blieben diese Vorwürfe ohne ernsthafte strafrechtliche Konsequenzen.

Der Rekord-Vergleich zwischen der HSBC und der US-Regierung, der diese Woche verkündet wurde, ändert daran nichts. Zwar bemühen sich die amerikanischen Aufsichtsbehörden, ihn als bahnbrechenden Erfolg zu verkaufen. Doch er befeuert dennoch die Zweifel an der Entschlossenheit der Regulierer.

Zu groß, um bestraft zu werden?

Zweifelsohne sind 1,9 Milliarden Dollar viel Geld. Doch sie seien ein ziemlich niedriger Preis dafür, dass die strafrechtliche Verfolgung der Bank im Gegenzug ausgesetzt wurde, monieren Kritiker. Es sei "ein schwarzer Tag für die Rechtsstaatlichkeit", kommentierte beispielsweise die New York Times . Wofür gibt es schließlich Gesetze, wenn sie nicht durchgesetzt werden?

Doch die amerikanische Regierung sorgte sich, dass eine strafrechtliche Verfolgung eine der größten Banken der Welt schwer in die Bredouille bringen könnte – und damit letztlich auch das weltweite Finanzsystem ins Wanken. Deshalb entschied man sich nach langwierigen Verhandlungen hinter den Kulissen, die HSBC nicht vor Gericht zu zerren. Wäre die Bank strafrechtlich angeklagt worden, hätte die zuständige Federal Deposit Insurance Corporation ihr die Einlagensicherung entziehen können. Die Investoren hätten sich möglicherweise abgewandt.

Mehr als vier Jahre nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers befürchteten die Aufsichtsbehörden, dass der Ausfall eines globalen Instituts die leichte Erholung der Branche und auch der gesamten Konjunktur gefährden würde. Die Sorge ist heute offenbar größer denn je. Außergerichtliche Einigungen wie die mit der HSBC sind mittlerweile an der Tagesordnung. "Das ist bei Ermittlungen gegen Finanzinstitutionen zur Norm geworden", sagt Rechtsexperte Peter Henning von der Wayne State University Law School.