Autoproduktion : Opel-Betriebsrat kämpft um Werk in Bochum

Der Konzern will die Autoproduktion in Bochum schließen, die Mitarbeiter wollen dies nicht hinnehmen. Am Rande einer Betriebsversammlung gab es einen Zwischenfall.
Opel Mitarbeiter am Montag in Bochum © Caroline Seidel/dpa

Der Opel-Betriebsrat in Bochum will das Aus für die Produktionsstätte nicht widerspruchslos hinnehmen. Die Atmosphäre während einer Betriebsversammlung war entsprechend angespannt, nachdem die Werksführung verkündet hatte, ab 2016 dort keine Autos mehr zu bauen.

Teilnehmern zufolge gab es während des Meetings Tumulte. "Was der Vorstand hier macht, ist der Hammer", beschwerte sich ein Mitarbeiter danach. "Einfach die Schließung ankündigen und weggehen. Das ist ein Schlag ins Gesicht des Ruhrgebiets." Betriebsratschef Rainer Einenkel äußerte sich kampfbereit: "Wir wollen auch nach 2016 in Bochum noch Autos bauen ", sagte er nach der Versammlung.

Am Rande der Versammlung gab es eine kurze Rangelei. Als Opel-Interimschef Thomas Sedran nach seiner kurzen Rede vor den Beschäftigten durch den Hintereingang den Saal verlassen wollte, habe der Vertrauensmann der IG Metall versucht, ihn zur Rede zu stellen, schilderte der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel. Daraufhin hätten Sicherheitsleute des Vorstands den IG-Metall-Mann zu Boden gestoßen und gewürgt. Der Betriebsrat warf Sedran vor, die Versammlung vorzeitig verlasen zu haben.

Nach wie vor größter Arbeitgeber

Das Aus für Bochum hatte sich bereits angekündigt. Das Werk war wegen des schwindenden Absatzes als Schließungskandidat im Gespräch gewesen. Opel hatte es in den vergangenen Jahren mehrfach verkleinert. Dennoch ist die Fabrik auf einem Gelände mit einer Gesamtfläche von 1,7 Millionen Quadratmetern nach wie vor der größte industrielle Arbeitgeber in der strukturschwachen Region.

Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug kündigte an, mit dem Management über den Erhalt von möglichst vielen Jobs weiter zu verhandeln. Mit der Ankündigung, das Werk zu schließen, seien die Gespräche "weder abgeschlossen noch abgebrochen".

Die nordrhein-westfälische Landespolitik verlangte nach einer Perspektive. "Jetzt muss es darum gehen, den Opel-Vorstand beim Wort zu nehmen", sagte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ( SPD ). Der Konzern müsse "ernsthaft und belastbar" an einer Perspektive für den Standort arbeiten.

Lager und Komponentenfertigung

Die Bundesregierung hielt sich zurück. In erster Linie seien Opel und der Mutterkonzern General Motors gefordert , den Mitarbeitern Perspektiven aufzuzeigen, sagte ein Regierungssprecher. Sie müssten alles unternehmen, um sozialverträgliche Lösungen zu finden. Der Bund sieht zudem das Land und die Kommune in der Pflicht: Auch das Land Nordrhein-Westfalen und die Stadt Bochum müssten ausloten, welche Möglichkeiten es für die Beschäftigten gibt.

In Bochum baut Opel den Zafira. Der Autohersteller hatte zwar das Ende der Autoproduktion verkündet, will den Standort Bochum aber erhalten. Opel-Aufsichtsratschef Stephen Girsky versprach, "eine signifikante Zahl" an Arbeitsplätzen im Lagerbereich und einer möglichen Komponentenfertigung in Bochum zu sichern. Über betriebsbedingte Kündigungen wolle der Konzern mit dem Betriebsrat verhandeln.

Getriebewerk schließt Ende 2013

Derzeit sucht eine Arbeitsgruppe aus Vertretern des Unternehmens, der Arbeitnehmerbank und der Landesregierung nach Möglichkeiten, um auf dem Werksgelände in der strukturschwachen Region neue Arbeitsplätze anzusiedeln. Ein Szenario ist, hier Komponenten für andere Hersteller zu produzieren, etwa für das Schwesterunternehmen Chevrolet . Auch bestünde die Möglichkeit, den bisher in Korea gebauten, erfolgreichen Geländewagen Mokka hier zu fertigen.

Hoffnung setzen Opel und Mitarbeitervertretung in ein Warenverteilzentrum mit 430 Mitarbeitern, das ausgebaut werden soll. Ein Getriebewerk mit etwa 300 Beschäftigten soll bereits Ende nächsten Jahres schließen. Insgesamt arbeiten in Bochum 3.400 Menschen.

Opel beschäftigt in Rüsselsheim , Bochum, Eisenach und Kaiserslautern etwa 20.000 Mitarbeiter. Europaweit sind es einschließlich der britischen Opel-Schwester Vauxhall etwas weniger als 40.000.

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Kommentare

21 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Vor einige Wochen...

...protestierten belgische Arbeitnehmer von FORD vor dessen Werk in Köln: http://www.report-k.de/Ko...

Traurig, dass damals viele Kommentator_innen darüber berichtender Medien statt einer Solidaritätsbekundung, nur reaktionär-obrigkeitshörige Häme übrig hatten und wie so oft, nach der harten Hand des Gesetzes verlangten, für jene Arbeiter (auch noch Ausländer!), die sich darüber hinweg zu setzen vermochten und tolldreist so schwere Straftaten wie Hausfriedensbruch begingen.
Es wird anscheinend als höchst verächtlich und ungezogen empfunden, wenn Arbeitnehmer bei ihren Firmenspitze um anhörung bitten, die dieses verweigert und diese Menschen trotzdem auf ihrer Forderung bestehen und dann bzw. damit gegen Gesetze verstoßen, insbesondere, wenn die Firmenleitung ihre Probleme von der Polizei lösen lassen will...

GM ist ja das Problem, sie benutzen seit langem Opel nur noch

, um Chevrolet besser im europäischen Markt zu positionieren.

Sie haben Opel von Anfang an von den lukrativen Wachstumsmärkten u.a. in Asien ausgesperrt.

Sie haben gezielt mit dem Verkauf von Opel gespielt, um Opel genau aus diesen taktischen Gründen doch weiter im Würgegriff aus Detroit halten zu können.

Opel ist für GM schon lange nur noch Mittel zum Zweck.

Jeder wirkliche Zukunfsperspektive wurde so letztlich ausgebremst und führte in die hoffnungslose Situation der Marke Opel nicht nur in Bochum.

Diese Situation ist eben nicht einfach vom Himmel gefallen, sondern von GM immer mehr herbei geführt worden.

Für mich steht deshalb fest, niemals werde ich mir ein Auto von GM kaufen und ich hoffe, viele deutsche/europäische Kunden werden das ähnlich machen, nachdem die Katze nun auch offiziell endlich aus dem Sack ist.

Und es sollte sich kein Werk in Sicherheit wiegen,Bochum ist nur der Anfang, Werke mit Entwicklungsabteilungen, wie z.B. Rüsselsheim bekommen aus taktischen Gründen ene etwas längere Gnadenfrist, bevor Sie auch den Tritt bekommen.

GM wird wohl Opel in Deutschland/Europa spätestens bis 2020 ganz vom Markt nehmen (wollen), weil Sie hoffen bis dahin Ihre eigenen Marken selbst gut genaug in Europa positiniert zu haben, möglichst ohne nachhaltigen Imageverlust.

Wie gesagt, da wird der Verbraucher/Käufer hoffentlich mehrheitlich nicht mitspielen...

Kann ich beipflichten,

denn amerikanische Unternehmen interessieren sich nicht für Europäer, es sei denn, Sie können ihnen was verkaufen oder Technologien abziehen, die Sie verwerten können. Opel ist als Traditionsmarke ein Einstieg ins europäische Geschäft, um amerikanische Produkte abzusetzen, denn die amerikanische Autobranche ist seit über 30 Jahren in der Krise. Die Probleme sind genauso alt und stehen heutzutage sogar in jedem Schulbuch. Amerikanische Marken verkaufen sich schlecht, vielleicht will man nun amerikanische Produkte unter der Marke Opel in Europa verkaufen. Ob das den Erfolg bringt ist zweifelhaft, schließlich ist das Management bekannt für ihre Inkopetenz, hinzu kommt, dass sie noch nie ein Gefühl für den europäischen Markt hatten. Vielleicht ergreifen ja die Opel-Beschäftigten die Initiative, kaufen ihre Werke auf und produzieren unter eigener Federführung. Eine große Herausforderung, aber zumindest mit besseren Aussichten, als durch GM kaputtgewirtschaftet zu werden.

Abgesehen von Managementfehler, werden die Standortbedingungen

in Deutschland zunehmend schlechter. Man hätte ja auch ein Werk in England, Polen oder Russland schließen können. Die Gewerkschaften schaffen ein investorenunfreundliches Klima und beschweren sich hinterher über solche Entscheidungen.
Mit der tollen Energiewende werden wir uns an solche Maßnahmen gewöhnen müssen. Haben ja alle so gewollt, oder nicht?

Ein Opel Werk in England wird doch geschlossen

und zwar noch vor Bochum.

Ihre Vorwürfe sind also nicht nachvollziehbar. Bochum ist übrigens eher eines der effektivsten und am besten ausgelasteten Werke in Deutschland, wenn nicht sogar in Europa.

Standortbedingungen in Deutschland:
Wieso schlechter ? Welches Investoren unfreundliche Klima meinen Sie konkret ?! Längst arbeiten viel zu viele Leiharbeiter nicht nur bei Opel, die zwar die gleiche Arbeit machen müssen, aber zu einem Bruchteil des Lohnes eines echten Opelaners etc...

Energiewende: Was hat die bitte mit dieser Entscheidung von GM zu tun ? Merken sie noch wie absurd das ist was Sie hier konstruieren wollen ?!
Alle großen Unternehmen (und nicht nur die) wurden doch von schwarz-gelb eh längst von allen Kosten zu diesem Thema freigestellt, zahlen darf allein noch der Normalbürger...

Unverschämt und undankbar!

##Die Gewerkschaften schaffen ein investorenunfreundliches Klima und beschweren sich hinterher über solche Entscheidungen.##

Genau; diese Raffkes verlangen sogar eine so hohe Bezahlung, dass die sich die von ihnen hergestellten Waren selbst leisten können.
Und diese rotzfreche Kommune erst, die sogar noch Steuern erhebt, wo doch der Investor schon so selbstlos die Arbeitsplätze finanziert und für jeden potenziellen Alg-Empfänger weniger dankbar sein müsste!
Als ginge es darum, dass Menschen für andere Menschen einfach sinvolle Gebrauchsgüter herstellen, und nicht um abstrakte Reichtumsvermehrung bei einige wenigen...

Für mich immer wieder erstaunlich, wie viele Fans eine so bescheuerte Gesellschaftsordnung hat.

Die Opelianer haben die Werksschließung selbst finanziert

Die Masche der Unternehmen:

Die Unternehmer jammern wie schlimm die Lage ist, aber wenn die Arbeiter auf Lohnerhöhung, oder das Weihnachtsgeld verzichten, oder auf Prämien etc., dann, ja dann gibt es noch eine Chance.

Ob Opel, oder Nokia - es ist immer die selbe Masche - mit dem Lohnverzicht finanzieren die Arbeiter letztendlich die Kosten für die Werksschließung, oder den Umzug nach Rumänien, oder sonst wo hin.

Es ist ein ganz perfides „Spiel“, aber es funktioniert immer wieder.