WerksschließungNRW will Beschäftigungsgarantien für Opel-Mitarbeiter

Opel soll sich an Übergangslösungen für die Mitarbeiter des Bochumer Werks beteiligen, fordert die NRW-Regierung. Finanzielle Hilfe vom Staat soll es aber nicht geben. von afp, dpa und reuters

Der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Garrelt Duin ( SPD ) hat vom Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) eine Beschäftigungsgarantie für die gut 3.000 Arbeiter am Standort Bochum gefordert. "Unsere Forderung ist ganz klar. Niemand von den Beschäftigten darf in die Arbeitslosigkeit gehen, auch nicht nach 2016", sagte Duin im Deutschlandfunk .

Die Landesregierung setze sich derzeit dafür ein, dass sich auf den Werksflächen in Bochum neue Unternehmen ansiedeln, um dort eine Perspektive für industrielle Produktion zu entwickeln, sagte Duin. "Was bislang fehlt, ist ein klares Bekenntnis von GM, in den Prozess verlässlich mit einzusteigen."

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Opel hatte am Montag angekündigt, das Werk in Bochum mit 3.365 Beschäftigten zu schließen . Die Entscheidung begründete Opel-Chef Thomas Sedran mit dem schrumpfenden Automarkt in Westeuropa und den hohen Überkapazitäten in der gesamten Branche.

Die nordrhein-westfälische Regierung will das Unternehmen jedoch nicht mit finanziellen Hilfen unterstützen. "Wir wollen gar kein Geld in die Hand nehmen, sondern Opel muss das Geld in die Hand nehmen", sagte Duin. Opel könne sich für einen sehr teuren Sozialplan entscheiden oder sich daran beteiligten, die vorgeschlagenen Industrieansiedlungen zu realisieren. Dem GM-Management warf der Minister Versagen vor. "Bochum ist denen völlig egal, die wissen wahrscheinlich noch nicht mal, wo das liegt", sagte er.

Rösler wirft GM Fehler vor

Auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) kritisiert die Arbeit des GM-Managements. Es sei ein Fehler gewesen, "dass Opel nur in sehr geringem Umfang Autos im wichtigen Wachstumsmarkt China verkaufen durfte", sagte Rösler der Rheinischen Post . Das Unternehmen habe "auch beim Umgang mit den Mitarbeitern in der Vergangenheit" Fehler gemacht, fügte er hinzu.

Staatliche Hilfen lehnte der FDP-Politiker ebenso ab, "weil diese die unternehmerischen Probleme in der Regel auf Dauer nicht beheben können", sagte Rösler. Land und Stadt seien gefragt, durch Neuansiedlungen und Investitionen eine Zukunftsperspektive für Bochum zu schaffen.

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Leserkommentare
  1. So viele Leute werden entlassen und müssen dann für Hungerlöhne arbeiten oder anders zusehen, wie sie ihre Familie durchbringen.
    Mir tut jeder leid, der seinen Job verliert, aber mit dem Prestige-Objekt Opel, wollen sich wohl wieder einige Politiker mächtig auf die Schulter klopfen, um bei der nächsten Wahl zu punkten. Leute die bei Opel entlassen werden, brauchen sich um Abfindungen keine Sorgen machen. Die werden hoch genug ausfallen. Da sieht es bei vielen anderen Entlassenen ganz anders aus.

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  2. dazu viel mir ein: "Wie gut für die Wölfe, wenn die Schafe so denken. Wenn die Schafe an Wunder glauben haben die Wölfe gute Weide."

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  3. ein sehr trfender Kommentar heute in der WAZ, wie ich finde.

    Allein der gestrige Auftritt der GM Marionette Sedran in Bochum, seine nicht mal vierlestündige Erklärung zur Schließung des Werkes war der Gipfel der unverfrorenen Frechheit, mit der die Arbeitnehmer einfach kalt abserviert wurden.

    Das dann ein IG Metall Vertreter, der Sedran nach seinem eiligen Abgang hinter der Bühne zur Rede stellen wollte direkt von Sicherheitsleuten brutal zu Boden geschleudert wurde hatte Symbolchrakter.

    Von einem solchem Opel Vorstand ist rein gar nichts zu erwarten, um die Schließlung abzufedern oder gar ein Zukunfstkonzept für den Standort aktiv zu unterstützen, wie jetzt vom NRW Wirtschaftsminister gefordert wird.

    Heiße Luift aus Sedrans Mund im Auftrag von den Cowboys aus Detroit, dürre nebulöse Erklärungen ohne jede Verbindlichkeit.

    Die Zeit der Samthandschuhe für GM sollte auch von offizieller politischer Seite in Deutschland endgültig vorbei sein.

    Knallharte Verhandlungen sind angesagt mit der klaren Ansage, keine politische oder gar finanzielle Unterstützuing für Opel/GM ohne verbindliche Verträge mit Perspektive zugunsten des geschlossenen Standortes Bochum und weiterer Schließungskandidaten.

    GM muss begreifen, dass diese zynische Vorgehensweise Ihre perfide Idee Opel auszubluten um Chevrolet in Europa zu etrablieren scheitern wird, wenn GM so weitermacht.

    Der Verbraucher hat Macht, keine GM Produkte bis auf weiteres, kann ich nur jedem empfgehlen.

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  4. Von einen Autoproduzenten, der in Schwierigkeiten steckt, der noch nicht mal Geld bekommen hat (nicht so direkt), von diesem Autoproduzenten fordert jemand Job-Garantien.

    Hat eine Bank bei der Zockerlotterie verloren und braucht die Überweisung von 4Milliarden, fliessen sicherheitshalber mal 5Milliarden und keiner fordert irgendwas von irgendwem.

    Ich lese daraus, dass Politiker nur verstehen, was sie anfassen können. Z.b. Autos - in keinem Fall Derivate.

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  5. Das Problem von Opel liegt in den USA. Fehler wurden in der Vergangenheit gleich haufenweise gemacht, auch von Opel. Trotz engem finanziellen Spielraum hat es Opel immer wieder geschafft, bessere Autos zu bauen als der Mutterkonzern. Nur durften die durchaus wettbewerbsfähigen Produkte nicht auf dem Weltmarkt verkauft werden. Damit wurde ein interner Wettbewerb verhindert. Der VW-Konzern hat das wesentlich cleverer gelöst. Hier treten die einzelnen Marken bewusst als Wettbewerber auf. Ein Schmalspurprodukt wie Opel bleibt dabei auf der Strecke. Den Opelmitarbeitern kann man nur wünschen, eine möglichst hohe Abfindung mitzunehmen und dank ihrer eigenen Qualifizierung Unterschlupf bei deutschen Wettbewerbern zu suchen. Die haben bekanntlich mehr Erfolg und benötigen gute Fachkräfte. Hilfe des Staates nicht an Opel, das wäre erneut eine Verschleuderung von Steuergeldern. Dafür aber Hilfen an Mitarbeiter, z.B. großzügige Umzugsbeihilfen nach Wolfsburg, Stuttgart oder München.

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  6. gegeben, in der Arbeiterbewegung und Sozialismus getrennt voneinander bestanden und in allen Ländern hat diese Trennung Schwäche des Sozialismus und der Arbeiterbewegung zur Folge gehabt."

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  7. Mir fällt vor allem auf, dass an dem Tag, als der Opel-Vorstand Überkapazitäten in der gesamten Branche, nicht nur bei Opel, und mangelnde Nachfrage meldet verkünden BMW und Daimler Rekordabsätze.

    Es sind immer die anderen Schuld - oder, wie ausnahmsweise hier - die Verhältnisse. Niemals gibt's Managementfehler.

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    • TDU
    • 11. Dezember 2012 11:34 Uhr

    Zit: "Der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) hat vom Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) eine Beschäftigungsgarantie für die gut 3.000 Arbeiter am Standort Bochum gefordert."

    Die SPD Angehörigen sollten endlich aufhören mit solchen aussichtlosen populistischen Forderungen, wenn sie ihrem Spitzenkadidaten nicht in den Rücken fallen wollen udn die Wahlchancen der SPD vemindern wollen. Der hat in seinen Vorträgen sowas sicher nicht ins Kalkül gezogen.

    Das taugt auch nicht zu maximal stellen. um weniger durch zu kriegen. Da hätte man besser schon vor ein paar Jahren das Exportverbot Opels in den Weltmarkt kritisieren können, mit dem Versuch es aufzuheben.

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    1. Die Forderung, auch für Opel u.a. die lukrativen Märkte in Asien zu öffnen ist natürlich auch von politischer Seite gestellt worden, aber ohne jede Wirkung in Detroit, ohne jede Chance das Verbot von GM aufheben zu können.

    2. GM spielt schon viel zu lange nur noch mit Opel und zwar nicht nur in Bochum sondern letztlich in ganz Europa. GM muss endlich auch von offizieller politischer Seite ein eisiger Wind ins Gesicht wehen, am besten europaweit. Die perfide Strategie von GM ist doch glasklar: Opel noch so lange wie es nützlich erscheint "am langen Arm" verhungern lassen: Stichwort Entwicklungsabteilungen z.B. Rüsselheim und dann der endgültige Tritt für ganz Opel spätestens wohl 2020 !

    3. Deshalb muss den Herrschaften in Detroit klar gemacht werden, wo man ansetzen wird, wenn GM so eiskalt weitermacht. Genau da wos wehhtut für GM Stichwort "Chevrolet statt Opel" für den europäischen Markt.
    Man sollte mal sehr deutlich Nokia erwähnen und wie es diesem Konzern ergangen ist, nachdem er seinen eiskalte Dumpingstrategie u.a. in Bochum begonnen hat. Inzwischen totaler Absturz des einstigen Marktführers nicht nur in Deutschalnd.

    4. Also. Entweder verbindliche Zusagen von GM, den zu schließenden Standorten (Bochum ist da nur der Anfang) aktiv, fair und verbindliche Perspektiven mitzugestalten, oder konsequente (öffentliche) Abstrafung der GM Marke Chevrolet !

    5. Im Moment betreibt GM die Strategie verbrannter Erde und deshalb die Empfehlung, keine GM Produkte bis auf weiteres

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, AFP, dpa, nf
  • Schlagworte Philipp Rösler | FDP | Opel | SPD | Deutschlandfunk | General Motors
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