Prozess : Präzedenzfall Porsche

Der wahrscheinliche Prozess gegen Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking dürfte eine Grundsatzfrage klären: Wie heimlich dürfen Übernahmen geplant werden?

Mehr als drei Jahre haben sie gebraucht, die fleißigen Stuttgarter Staatsanwälte , um die Anklageschrift gegen Wendelin Wiedeking , den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von Porsche und seinen damaligen Finanzvorstand Holger Härter , fertig zu stellen. Allein der lange Anlauf zeigt schon, dass sie sich auf juristisch unsicherem Grund bewegen. Schließlich geht es nicht darum, die Hybris des lange erfolgsverwöhnten ehemaligen Porsche-Führungsduos zu verdammen. Übermut ist kein juristischer Strafbestand.

Es geht darum, ob die beiden Manager bei ihrem Versuch, mit der Porsche Automobil Holding SE die ungleich größere Volkswagen AG zu schlucken, der Öffentlichkeit über Monate hinweg unrichtige Angaben über ihre Absichten gemacht haben. Es geht um das heimliche Anschleichen an die Wolfsburger Bastion. Mit ihrer Strategie, so der Vorwurf der Ankläger, hätten Härter und Wiedeking die übrigen Anleger in die Irre geführt – und ihnen teilweise exorbitante Verluste beschert . Die Anwälte der Angeschuldigten weisen diesen Vorwurf zurück.

Die entscheidende Frage in diesem Fall wird sein, wann die Porsche-Führung beschlossen hatte, ihre Anteile an Volkswagen auf 75 Prozent zu erhöhen, um damit nicht nur endgültig die Macht zu übernehmen, sondern auch Zugriff auf die Kassen der Wolfsburger zu bekommen. Letzteres war die Voraussetzung dafür, dass die Stuttgarter die Milliardenkredite, die sie zum Ankauf der VW-Papiere über geschickt eingefädelte Optionsgeschäfte aufgenommen hatten, ohne Probleme zurückzahlen konnten.

Die Sache mit der rechtzeitigen Veröffentlichung ihrer Absichten ist allerdings nicht so simpel: Steht ein Plan schon fest, wenn er in den Köpfen der beiden Strategen entstanden ist? Mussten sie an die Öffentlichkeit treten, als sie diese Pläne noch intern bei ihren Aufsehern ventilierten? Hätten sie ihre Optionskäufe frühzeitig publik machen müssen? Oder war es erst dann notwendig, das 75-Prozent-Ziel zu verkünden, als sich der Vorstand vom Aufsichtsrat das offizielle Plazet für dieses Vorgehen einholte? Diese ebenso kniffligen wie grundsätzlichen Fragen muss das Verfahren in Stuttgart zu klären versuchen.

Damit wird der Prozess gegen Wiedeking und Härter zum Präzedenzfall. Es geht im Kern darum, in welcher Form es in Zukunft in Deutschland noch möglich sein wird, eine Übernahme im Verborgenen vorzubereiten. Zum Signal wird der Ausgang eines möglichen Strafprozesses auch für die noch anhängigen zivilen Schadenersatzforderungen. Die Chancen der sich geprellt fühlenden Anleger – man kann sie auch Spekulanten nennen – etliche Millionen oder sogar Milliarden von der Porsche SE zu bekommen, würden beträchtlich steigen, wenn das Duo für schuldig befunden würde.

Eines ist allerdings jetzt schon klar: So groß wie einst der scheinbar unaufhaltsame Aufstieg von Wendelin Wiedeking in den Medien gefeiert wurde, so groß wäre auch die Häme, die er bei einer Niederlage einzustecken hätte.

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Kommentare

13 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Geniales böses Handwerk

" nicht nur endgültig die Macht zu übernehmen, sondern auch Zugriff auf die Kassen der Wolfsburger zu bekommen. Letzteres war die Voraussetzung dafür, dass die Stuttgarter die Milliardenkredite, die sie zum Ankauf der VW-Papiere über geschickt eingefädelte Optionsgeschäfte aufgenommen hatten, ohne Probleme zurückzahlen konnten."

Ich lese diesen Absatz so, dass Prosche mit VW Geld die VW Übernahme bezahlen wollte. Von der Idee her eigentlich sehr genial. Ich kaufe dich und du bezahlst.

Man kann von solchen Aktionen halten was man will, aber die Wirtschaft bewegt sich normalerweise im Rahmen der Gesetze. Tut sie das nicht, sind die Verantwortlichen zu bestrafen.

Wenn bestimmte Handlungen legal aber unmoralisch sind, ist da nicht der Gesetzgeber gefordert?
Natürlich kann man auch an die Moral der Akteure appelieren unmoralisches zu unterlassen, aber es scheint es als zähle nur mehr der Profit.

Wenn das Gewissen als Instanz ausfällt, hoffe ich auf den Gesetzgeber, der mich vor Schaden durch Kenner der Schlupflöcher bewahrt.
Denn bei vielen Wirtschafts- oder Polit-Skandalen lautet die Grundfrage: Darf man alles was nicht illegal ist?

So einfach ist das nicht.

Das wirklich spannende ist doch die Ationärsstruktur des neuen Gesamtkonzerns. Wäre die Übernahme gelungen, so hätte der neue Konzern (im wesentlichen) die Aktionärsstruktur von Porsche gehabt. Also Privateigentum von Porsche und Piech. (Mir ist jetzt nicht ersichtlich, welche Rolle dann das Land Niedersachsen gehabt hätte.) Durch den geplatzten Deal sitzt jetzt auch das Emirat Katar mit im Boot.

Der eigentliche Skandal ist aber ein ganz anderer: Wie kann überhaupt ein Großaktionär einer Konkurrenz-Firma erst ein Vorstandsvoritzender und dann ein Aufsichtsratsvorsitzender eines (ehem.) Staatsbetriebes werden? Viele Entscheidungen von Herrn Piech lassen sich durchaus als Versuch bewerten, den Marktwert der VW-Aktie zu senken und gleichzeitig den Gewinn der Porsche AG zu heben. Beispiel wäre hier die Übernahme diverser Sportwagenhersteller, deren Modelle bei VW immer noch keine schwarzen Zahlen schreiben.

Schneider frei?

Darüber, ob sich das Duo Wiedeking/Härter gleichsam mit Haut und Haaren ohnehin von jedem Gemeinwesen stillschweigend untersagter Irrlichterei überantwortet hat, befindet selbst noch bei notwendig uneingeschränkt herrschender Gewaltenteilung nicht die Judikative, sondern ausschließlich der gegenwärtige Erkenntnisstand von einschlägig in dieser Frage frei tätigen Wissenschaften. Käme es insofern vor dem Stuttgarter Landgericht zu einem Urteil, welches feststellt, dass kein kriminelles Handeln seitens der beiden einstigen Vertreter eines privatwirtschaftlich geführten Unternehmens vorliegt, wären sie im Wesentlichen in gesellschaftspolitischer Hinsicht längst nicht aus dem Schneider.

Mein Mitleid mit vermeintlich geprellten Anlegern

hält sich doch sehr in Grenzen. Denn was Wiedeking und Härter getan haben ist nichts anderes als die selbsternannten "Masters of the Universe" mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Das Goldman Sachs, Morgan Stanley, Black Rock und wie sie alle heißen Milliardenverluste erlitten haben weil sie sich verspekuliert haben ist nicht zu bestreiten, dass sie aber noch entschädigt werden sollen, weil die Staatsanwaltschaft in Stuttgart keine Ahnung hat, aber trotzdem beseelt ist in ihrer Verfolgungswut, ist ja schon der Gipfel der Perfidie.
Zocker& Co dürfen alles, aber Firmen dürfen nicht mit gleicher Münze bezahlen. Wie bekloppt darf man als Staatsanwalt eigentlich sein?

"Goldman Sachs, Morgan Stanley, u.a."

Ich gebe Ihnen zu 100% Recht, Herr jamuro. Solche Konzerne gehören bestraft, doch wie immer geht es einfach nur ums Geld. Bei den Milliarden Verlusten durch hochgradig spekulative Geschäfte "lohnt es sich" weiter zu klagen.
@Stuttgarter Staatsanwälte: Helfen Sie den Spekulanten nur, sollten Sie Erfolg bekommen, dann stehen viele Arbeitsplätze des VW Konzerns und bei den Zulieferern auf der Kippe. Vielen Dank!

Bilanzierungsirrsin (Mehr Gewinn als Umsatz)

Vor allem hat die Übernahme gezeigt wie bekloppt denn die Bilanzierungsregeln sind. Porsche hatte mehr Gewinn als Umsatz.

Warum?
Weil die gekauften VW Aktien im Wert stiegen.

Warum?
Weil alle dachten Porsche kauft alle VW Aktien.

=> Szenario A: Porsche kauft alle VW Aktien => Porsche muss ganz Teuer VW Aktien kaufen, erhält dann aber ein überbewertetes VW (Die Aktien stiegen ja wegen der Übernahme im Wert, es ist also nicht der eigendlichen Wert der Aktie, sondern ein strategischer Preis)

=> Szenario B: Porsche bläßt die Übernahme ab und behält VW Aktien => VW Aktien fallen wieder auf den Wert vor der Übernahme, bzw. der Aufschlag fällt weg.

=> Szenario B: Porsche bläßt die Übernahme ab und verkauft VW Aktien => VW Aktie fällt, auch unter den Kurs zu dem Teilweise Aktien bewertet wurden. VW erleidet verluste.

Ergo: Es ist irsinn hier einen Gewinn auszuweisen, denn dieser kann nie realisiert werden. Grundlage ist eine Kurssteigerung die eine Bürde ist, keine Hilfe.