KostenanstiegWird Stuttgart 21 die Bahnfahrkarten verteuern?

Höhere Ticketpreise? Reduzierung oder Streichung anderer Verkehrsprojekte? Wer zahlt den Mehrpreis für S21? Das rot-grüne Lager nimmt Minister Ramsauer ins Kreuzverhör. von dpa

Unter dem enormen Kostenanstieg beim Bahnprojekt Stuttgart 21 werden aus Sicht von SPD und Grünen die Kunden und Schienenprojekte in ganz Deutschland leiden. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) rechnet damit, dass die Bahn die Mehrkosten über Umwege beim Kunden wieder einholt.

Die Kostensteigerung werde sich zwar nicht direkt auf die Fahrpreise niederschlagen, die Infrastruktur-Unternehmen der Bahn könnten aber anschließend höhere Trassen- und Stationspreise von den Ländern verlangen, sagte Hermann. Diese könnten aus Geldmangel nicht mehr so viele Züge im Nahverkehr bereitstellen. Am Ende hätten die Reisenden das Nachsehen.

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Die SPD im Bundestag will wegen der Mehrkosten in Milliardenhöhe Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer ( CSU ) bei einer Sondersitzung des Verkehrsausschusses ins Kreuzverhör nehmen. Nach Angaben aus der SPD-Fraktion steigen die Mehrkosten für das Projekt auf bis zu zwei Milliarden Euro. Die Bahn spricht von 1,1 Milliarden Euro.

"Kunde darf nicht zur Kasse gebeten werden"

Wenn das Projekt derartig teuer werde, "dann fehlt das Geld für den barrierefreien Ausbau, für Lärmschutz und für mehr Güterverkehr auf der Schiene in ganz Deutschland", sagte SPD-Fraktionsvize Florian Pronold . Verkehrsminister Ramsauer dürfe sich nicht aus der Verantwortung stehlen und müsse den Abgeordneten gegenüber Stellung beziehen.

Die Sondersitzung des Verkehrsausschusses ist für Freitagmorgen angesetzt. Nach Angaben des Ausschuss-Sekretariats ist noch unklar, ob Ramsauer persönlich zu der Sondersitzung erscheint.

Ramsauer hatte die Bahn bereits davor gewarnt, die zusätzlichen Kosten auf Reisende abzuwälzen. "Die Mehrkosten dürfen sich nicht auf die Fahrpreise auswirken, der Kunde darf dafür nicht zur Kasse gebeten werden", sagte er der Bild -Zeitung.

Die Bahn hatte am Mittwoch eine Kostensteigerung von 1,1 Milliarden auf nun 5,6 Milliarden Euro eingeräumt. Beim Umbau des Hauptbahnhofs in eine unterirdische Durchgangsstation und die Anbindung an die Schnellbahnstrecke Richtung Ulm gebe es zudem Risiken in Höhe von 1,2 Milliarden Euro.

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Leserkommentare
  1. den Bund ausschüttet dann brauchen die Bahnpreise nicht steigen, weil der Steuerzahler durch Mindereinnahmen des Bundes indirekt zahlt.

    So weit, so schlecht. 6 000 000 000 Euro zahlt ja irgendwer.
    Jeder Bundesbürger so mal eben rd. 660 Euro + jahrzehntelang Zinsen. Wenn das angemessen ist frage ich mich, wieso meine kleine Kreisstadt (20000 Einwohner im Kreis x 660 Euro soviel zuschießen soll, wenn hier andererseits noch nicht mal die Möglichkeit besteht ohne Erfrierungen auf einen Zug zu warten). Solche Mammutprojekte setzen völlig falsche Prioritäten.

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    • Felefon
    • 13. Dezember 2012 20:06 Uhr

    6 Mia EUR geteilt durch 80 Mio Bundesbürger macht 75 EUR pro Kopf.
    Wie kommen Sie auf 660 EUR ?

    das war eine fehlgeschlagene Überschlagsrechnung im Kopf. Wenn man sauer ist sollte man wohl schriftlich rechnen.

  2. vielen dank an Blitzmerker, 13.10.2012, 12:36 Uhr, StN

    "Wer 1 und 1 zusammenzählen kann weiß, die Grünen sind schuld.
    Die Grünen sind schuld, die Bahn arbeitet hintenrum mit denen zusammen, wurde von ihnen angewiesen, dieses Chaos und Verzögerungen zu fabrizieren. Mit den Politikkönnern der CDU um den Schäubleschwiegersohn Strobl wäre das niemals nicht passiert. Für gottgegebenes freies Stauen in Stuttgart bis hinter den Knast Stammheim. Für die Freiheit in Dreck und Gestank! Wozu machen wir denn Porsches und Mercedes, genau dafür. Deswegen: TURNER wählen, Mutti hat’s befohlen, wir haben dann Arbeitsplätze, kommen dann aber nicht mehr hin. Die Günen sind schuld! Das weiß ich schon seit der Zeit, da hat es die Grünen noch gar nicht gegeben. Die wollen auf unserer geliebten Heilbronner Strasse Ackersalat züchten und haben überall ihre Schläfer sitzen, die den Bahnhof sabotieren. Ihr werdet das alles noch erleben. Wir fallen hinter Mali zurück ohne TURNER und S21."

    das eine ist ja schon schiefgegangen > http://commonman.de/wp/?p...

    4 Leserempfehlungen
    • Sinac
    • 13. Dezember 2012 20:05 Uhr

    ... vorhersehbar und es wird noch mehr werden.
    Wenn die Kunden es nicht über die Fahrpreise zahlen, dann eben indirekt über Steuern.
    Das geplante Geld war projektgebunden und wäre nicht für andere Projekte frei geworden - so wurde immer argumentiert - aber die zusätzlichen Kosten müssen irgendwo anders gespart werden.

    Btw "eine Kostensteigerung VON 1,1 Milliarden auf nun 5,6 Milliarden Euro" ist zweideutig.

    3 Leserempfehlungen
    • Felefon
    • 13. Dezember 2012 20:06 Uhr

    6 Mia EUR geteilt durch 80 Mio Bundesbürger macht 75 EUR pro Kopf.
    Wie kommen Sie auf 660 EUR ?

    Eine Leserempfehlung
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    • Obscuro
    • 13. Dezember 2012 21:06 Uhr

    Sie wissen schon, eine Treppe kostet nur im Kostenvoranschlag 1 Euro. Jetzt wo der Steuerzahler dafür aufkommen wir sind es nicht 60.000 tausend sondern 100 Tausend. :D

    Mein Alter Chef meinte: Ärger dich nicht das alles mehr kostet, Bezahle dafür das du mit Verdienst.

    Ich bin kein Genie und habe etwas gebraucht um wirklich zu verstehen was er damit meinte. Aber immer wenn ich mich aufrege (S21) erinnere ich mich daran und hoffe das die Verbrecher nicht zu Gierig werden.

  3. das war eine fehlgeschlagene Überschlagsrechnung im Kopf. Wenn man sauer ist sollte man wohl schriftlich rechnen.

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  4. Von wem soll die Bahn das Geld sonst holen, wenn nicht vor Fahrgast? Beim Güterverkehr weicht der Kunde auf Konkurrenzmöglichkeiten aus, wenn Preise steigen, der Fahrgast, Fernverkehr wie S-Bahn Pendler, muss den Preis schlucken, mangels Alternativen.

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    • H.v.T.
    • 13. Dezember 2012 20:58 Uhr

    Ab dem 01.01.2013 gibt es eine Alternative: Fernbuslinien.

    http://de.wikipedia.org/w...
    Auszug:
    "Regierung, Opposition und Bundesländer haben sich im September 2012 darauf geeinigt, dass Fernbuslinien ab Anfang 2013 eingeführt werden. Zum Schutz des ÖPNV sollen Buslinien unter 50 km oder unter 1 Stunde Reisezeit verboten bleiben."

    Es wird von Fall zu Fall auch die Alternative Flugzeug oder eigenes Auto geben. Doch die Pendler in den S-Bahnen und Nahverkehrszügen werden nicht ausweichen können. Sie müssen Preissteigerungen klaglos schlucken.

  5. Die Bahn betont immer 'nur' die 1,1 Mrd, die sie 'großzügigerweise' übernehmen werden. Unter der Bedingung, dass das Land und Stadt eventuell eintretende Risiken von 1,2 Mrd übernimmt.

    4,6 + 1,1 + 1,2 macht sage und schreibe 6,8 (!) Milliarden. Oder in Zahlen: 6 800 000 000 € Stand heute

    Details zum Nachlesen:
    http://www.zughalt.de/201...

    Dass die derzeit auf dem Tisch liegenden Gesamtkosten von 6,8 Milliarden Euro bei weitem nicht ausreichen sollte jedem denkenden Bürger klar sein. Vor allem in Anbetracht dessen, wie die Bahn die Zahlen in der Vergangenheit zugegeben hat. Immer nur soviel wie sein musste.

    Fazit: Entweder die Verantwortlichen wussten schon lang von den Mehrkosten, dann sind es Lügner, die die Parlamente betrogen haben und sich dafür rechtlich verantwortlichen müssen. Oder sie wussten wirklich nichts von den Mehrkosten. Dann sind sie völlig fehl am Platz.

    Beidesmal haben sie in so einer Position nichts mehr zu suchen und gehören auf der Stelle entlassen (ohne millionenschwere Abfindungen)

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    Es heisst natürlich 4,56 Milliarden

    4,56 + 1,1 + 1,2 Mrd macht sage und schreibe 6,8 (!) Milliarden. Oder in Zahlen: 6 800 000 000 € Stand heute

    "Das Projekt werde um mindestens 1,1 Milliarden Euro teurer zuzüglich eines Risikopuffers in Höhe von 1,2 Milliarden Euro."

    • Halapp
    • 13. Dezember 2012 20:17 Uhr

    hätten, sonder zügig gebaut worden wäre, hätte man viele
    Zusatzkosten vermeiden können. Löhne und Energiepreise sind
    inzwischen stark gestiegen.
    Außderdem konnte noch niemand die Kosten eines großen Infra-
    strukturprojekts mit zehnjähriger Bauzeit vorhersagen.
    Das sind erfahrungsmäß immer Schätzungen.
    Die SPD die jetzt in Berlin das Maul aufreißt soll sich mit
    Herrn Wowereit einmal über den Berliner Flughafenkosten unterhalten.

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    Ich kann diese Mär der Verzögerung durch die Grünen nicht mehr hören...

    Das Projekt ist von 1995. Die Grünen sind seit Frühjahr 2011 in Baden-Württemberg an der Macht.

    Die CDU Regierung und die Bahn hatten also genügend Zeit das Projekt 'durchzuziehen' und im wahrsten Sinne des Wortes 'durchzuprügeln'. Nur kann es die Bahn halt nicht und ein Großteil der Verzögerung hat die Bahn selbst zu verantworten durch mangelnde Planung,'vergessenen ausreichenden' Brandschutz, fehlende Genehmigungen etc.

    Ein Beispiel:
    "Erst 9 von 59 Planfeststellungsverfahren sind abgeschlossen, teils haben sie vier Jahre länger als kalkuliert gedauert"

    Quelle:
    http://tinyurl.com/awesx54

    Aha, und daran sind also die Grünen Schuld?

    Prestigeprojekt S21 Aufs Abstellgleis! Zoff ums Megaprojektle

    Die waren Gründe der Mehrkosten und technische Probleme des Projektes finden Sie hier zum Nachlesen

    http://www.stern.de/wirts...

    • Klüger
    • 13. Dezember 2012 22:39 Uhr

    Soviel Unwissen ist schon sträflich zu nennen.

    Suchen Sie im Internet doch einfach mal nach folgendne Begriffen:

    Bundesrechnungshof S21

    Interne Kostenberechnung S21

    Johannes Ludewig Planungstopp

    Dann sehen Sie mal, wie die CDU-Landesregierung und die Bahn den Bürger hinters Licht geführt haben.

    • c2j2
    • 14. Dezember 2012 6:29 Uhr

    daß man alle Großprojekte sofort durchziehen sollte, ohne Rücksicht auf Natur und Anwohner. Wo kämen wir denn hin, wenn es Mitspracherecht gäbe?

    Viel Spaß in so einer Welt...

    • meander
    • 14. Dezember 2012 8:16 Uhr

    Sie argumentieren falsch und ignorieren die wahre Geschichte von S21. Keine Grünen, keine Natürschützer haben den Ausbau der Schnellbaustrecke 20 Jahre lang sabbotiert. Es waren die CDU-Größen in Ländle und die CSU in Bayern! Denn das ursprüngliche Konzept der Bahn sah eine Schnellbaustrecke um Stuttgart herum an Ulm vorbei ohne Halt in Günzburg bzw. Augsburg vor.

    Die CDU in BW aber hat mit ihren Mitteln diese Pläne sabbotiert und letztlich einen gegen das Bahnkonzept der Ferntrassen mit Anbindung an die Flughäfen in BW verhindert, weil man glaubte, dass Stuttgart ohne zentralen ICE-Bahnhof an Attraktivität verlieren würde.

    Zum zweiten macht S21 die Tatsache kompliziert, nach der es sich ja bei S21 nicht um ein technologisches Hitech-Projekt der Bahn handelt, sondern um ein Stadtentwicklungsprojekt mit hohem Wert für Immobilienspekulanten. Das ganze rentiert sich für die Bahn überhaupt nicht, nur durch Verkäufe der im Nachgang entstehenden Bauflächen (ähnlich wie im Frankfurter Fernbahnhof am Flughafen) entsteht eine mögliche Rendite und ggf. Refinanzierung.

    Ins Risiko gehen dafür Bahnbetrieb und Steuerzahler. Die Gewinne würden im Idealfall bei Immobilienfonds anfallen.
    Das ist S21!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, zz
  • Schlagworte Peter Ramsauer | Stuttgart | SPD | CSU | Grüne | SPD-Fraktion
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