Unter dem enormen Kostenanstieg beim Bahnprojekt Stuttgart 21 werden aus Sicht von SPD und Grünen die Kunden und Schienenprojekte in ganz Deutschland leiden. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) rechnet damit, dass die Bahn die Mehrkosten über Umwege beim Kunden wieder einholt.

Die Kostensteigerung werde sich zwar nicht direkt auf die Fahrpreise niederschlagen, die Infrastruktur-Unternehmen der Bahn könnten aber anschließend höhere Trassen- und Stationspreise von den Ländern verlangen, sagte Hermann. Diese könnten aus Geldmangel nicht mehr so viele Züge im Nahverkehr bereitstellen. Am Ende hätten die Reisenden das Nachsehen.

Die SPD im Bundestag will wegen der Mehrkosten in Milliardenhöhe Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer ( CSU ) bei einer Sondersitzung des Verkehrsausschusses ins Kreuzverhör nehmen. Nach Angaben aus der SPD-Fraktion steigen die Mehrkosten für das Projekt auf bis zu zwei Milliarden Euro. Die Bahn spricht von 1,1 Milliarden Euro.

"Kunde darf nicht zur Kasse gebeten werden"

Wenn das Projekt derartig teuer werde, "dann fehlt das Geld für den barrierefreien Ausbau, für Lärmschutz und für mehr Güterverkehr auf der Schiene in ganz Deutschland", sagte SPD-Fraktionsvize Florian Pronold . Verkehrsminister Ramsauer dürfe sich nicht aus der Verantwortung stehlen und müsse den Abgeordneten gegenüber Stellung beziehen.

Die Sondersitzung des Verkehrsausschusses ist für Freitagmorgen angesetzt. Nach Angaben des Ausschuss-Sekretariats ist noch unklar, ob Ramsauer persönlich zu der Sondersitzung erscheint.

Ramsauer hatte die Bahn bereits davor gewarnt, die zusätzlichen Kosten auf Reisende abzuwälzen. "Die Mehrkosten dürfen sich nicht auf die Fahrpreise auswirken, der Kunde darf dafür nicht zur Kasse gebeten werden", sagte er der Bild -Zeitung.

Die Bahn hatte am Mittwoch eine Kostensteigerung von 1,1 Milliarden auf nun 5,6 Milliarden Euro eingeräumt. Beim Umbau des Hauptbahnhofs in eine unterirdische Durchgangsstation und die Anbindung an die Schnellbahnstrecke Richtung Ulm gebe es zudem Risiken in Höhe von 1,2 Milliarden Euro.