StahlkonzernThyssen-Krupp entlässt halben Vorstand

Thyssen-Krupp zieht Konsequenzen aus Milliardenverlusten und Korruptionsvorwürfen: Das Stahlunternehmen setzt gleich drei Vorstandsmitglieder vor die Tür. von dpa und reuters

Radikaler Schnitt im Vorstand von Thyssen-Krupp : Mit Edwin Eichler, Olaf Berlien und Jürgen Claassen sollen drei der sechs Vorstände den Industriekonzern zum Jahresende verlassen. Dies habe der Personalausschuss des Aufsichtsrats dem Gremium am Mittwoch empfohlen, teilte Thyssen-Krupp mit. Damit zieht Deutschlands größter Stahlkonzern Konsequenzen aus Milliardenverlusten beim Bau von Stahlwerken in Brasilien und den USA und mehreren Korruptionsfällen.

Der Schritt diene den "notwendigen Veränderungen des Führungssystems und der Führungskultur im Konzern" und sei ein "klares Signal nach außen und nach innen", heißt es in der Mitteilung . Endgültig soll der Aufsichtsrat am 10. Dezember entscheiden. Eichler, Berlien und Classen seien mit der einvernehmlichen Aufhebung ihrer Verträge einverstanden. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat begrüßten die Pläne als "Signal für einen Neuanfang".

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Auf Thyssen-Krupp kommen nach der Aufdeckung eines Aufzugs- und Rolltreppenkartells gleich mehrere Schadenersatzklagen zu. Dem Berliner Landgericht liegen Schadenersatzklagen von Städten und der Bahn sowie von mehreren Bauunternehmen vor. Die EU-Kommission hatte bereits eine Geldbuße in Millionenhöhe verhängt. Berlien ist für den betroffenen Unternehmensbereich zuständig. Sein Vertrag sollte eigentlich erst 2017 auslaufen.

Kartelle, Luxusreisen, Verlustgeschäfte

In der Vergangenheit war der Essener Konzern auch mit einem Schienenkartell in die Schlagzeilen geraten. Das Bundeskartellamt hatte wegen der Absprachen im Juli dieses Jahres ein Bußgeld von 103 Millionen Euro gegen Thyssen-Krupp verhängt.

Claassen war wegen teurer Reiseeinladungen an Journalisten und eigener Luxusreisen in die Kritik geraten. Die Staatsanwaltschaft Essen prüft die Aufnahme von Ermittlungen wegen Untreue. Claassen hatte bereits am vergangenen Wochenende den Aufsichtsrat gebeten, ihn bis auf weiteres von seinen Vorstandsaufgaben zu entbinden.

Eichler ist im Vorstand für die Stahlsparte zuständig. Für seinen Bereich Steel Americas mit den Werken in Brasilien und den USA sucht Thyssen-Krupp Käufer, mit den Anlagen hat der Konzern hohe Verluste gemacht.

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Leserkommentare
  1. selber nicht daran, daß mit diesem Schritt, die Misere in der der Konzern, aus hausgemachten Gründen steckt, behoben werden kann? Man muß sich nur mal vor Augen führen, wo dieser Konzern vor 30 Jahren gestanden hat? Da war er in der Technologie der Stahlherstellung mit Abstand Weltmarktführer!!! Dann versucht man mit dem Bau eines Stahlwerks in Brasilien an alte Zeiten anzuknüpfen. Macht dies aber dermassen Laienhaft, daß es schon weh tut. Nur ein Beispiel: Den Auftrag zum Bau der Kokerei vergibt man nicht an den im eigenen Haus vorhandenen Weltmarktführer, nein, den bekommt der größte Konkurrent aus China, weil er "billiger" war. Das Ergebniss ist, die waren damit völlig überfordert und deswegen kann bis heute nicht produziert werden!!! Sowas muß man sich mal vorstellen! Da werden Experten, die schon etliche dieser Stahlwerke gebaut haben aussen vor gelassen, auch zu teuer!!! Kann bei Thyssen-Krupp denn keiner mehr rechnen? Alleine was die Kosten der Nichtporduktion bis heute ausmachen, hätte eine vernünftige Vergabe schon gerechtfertigt. Ganz zu schweigen davon, daß man die Konkurerenz sich ohne Not ins Haus geholt hat, grenzt schon ans nicht Dastellbare!!! Vom Imageschaden braucht man bei dieser Posse nicht mehr zu sprechen. Davon wird sich Thyssen-Krupp auf dem Stahlsektor nicht mehr erholen können, weil die Kundschaft schläft ja auch nicht. Wie will man sowas Sanktionieren? Geht meiner Meinung gar nicht mehr, da helfen auch die Rausschmisse der Vorstände nicht mehr!

  2. ...RS-Optimist hat das Desaster schön zusammengefasst. Hier in etwas ausführlicher:

    http://www.zeit.de/2012/2...

  3. Das Unternehmen hatte mal einen Namen. Die Geschichte mit dem Stahlwerk in Brasilien ist weltbekannt und es ist einfach nur unvorstellbar, was für Auswirkungen diese "billig"-Geilheit hat. Im Prinzip steht in Südamerika jetzt ein riesiger unbrauchbarer Schrott- und Zementhaufen, unsanierbar, unverkäuflich, unnütz.

    Ich hoffe, dass dieses deutsche Unternehmen untergeht und in der Versenkung verschwindet. Die Inder sind schon lange an der Spitze der Stahlproduktion und China kommt gleich dahinter. Es ist eine Frage der Zeit, bis hochnäsige, alteingesessene, nicht-innovative deutsche Unternehmen untergehen.

    Kein einziger deutscher Autokonzern bietet heute bspw. ein Elektroauto oder wenigstens eine Kombination aus Elektrofahrzeug und Verbrennungsmotor an - außer Opel, die aber einen Imageschaden haben und in Asien durch GM Verkaufsverbot haben.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • umzu
    • 09. Dezember 2012 21:36 Uhr

    Wie kommen Sie denn darauf, dass die Inder die größten Stahlhersteller sind? Der mit Abstand größte Produzent und Konsument ist China. Indien läuft unter "ferner liefen". Mittal ist zwar Inder, hat aber selbst kaum Stahlwerke in Indien. Er hat seinen Sitz in London und die Firma hat ihren Sitz soweit ich mich erinnere in Luxemburg.

    Übrigens produziert Brasilien sehr wohl, was man u.a. an den Grafitwolken erkennen kann, die schon dreimal auf die Nachbarschaft niedergegangen ist.

    Nicht alles glauben, was die eine Zeitung von der anderen abschreibt.

    • i985
    • 06. Dezember 2012 10:43 Uhr

    [...]

    Sicherlich ist das Projekt in Brasilien in die Hose gegangen aber deswegen auf alle großen deutschen Unternehmen zurückzuschließen ist einfach dämlich!

    Zudem auch inhaltlichv falsch. Es gibt Hybridmodelle von BMW, Mercedes und sogar von Porsche und Mercedes baut sogar einen SLS mit Elektromotor.

    Weiterer Ausführungen möchte ich mir nun sparen.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Provokationen. Danke, die Redaktion/se

    • Psy03
    • 06. Dezember 2012 11:12 Uhr

    oder Deutscher Stahl, seit über 100 Jahren beliebt in aller Welt.

    Ich kann den Konzern eh nicht ab, weil es einer "dieser" Konzerne ist, der wirklich alles schlecht Macht was nur geht.
    Korruption, Preisabsprachen (siehe Wikipedia), Verlagerung von Arbeitsplätzen, Waffengeschäfte und auch noch Greenwashing.
    Kennt jemand noch die "Komm mit mir ins Abenteuerland?" Werbung?
    Ich fand seinerzeit das parodierte Gegenstück der Freitag Nacht News sehr gut:
    http://www.youtube.com/wa...

    Landminen, Spliterbomben, Fregatten...
    Aber mit Kindern von Mitarbeitern Werbung machen, was für ein toller und lieber Konzern das doch ist.

    • Trypsin
    • 06. Dezember 2012 15:22 Uhr

    Vielleicht überlegen sich nun die Vorstände anderer Firmen genauer, ob und wie sie demnächst etwas tun.
    Die Narrenfreiheit (Glaube, dass man auf bestimmten Positionen nichts mehr zu befürchten hat und machen kann, was man will) in den Führungsetagen vieler Großkonzerne führt zu inkompetenten, machtgeilen, egomanischen Verhalten, das der ganzen Firma insbesondere den Mitarbeitern und deren Familien schadet.
    -Gut, das hier gezeigt wurde, dass auch die Verantwortlichen bestraft werden können und nicht immer nur der kleine Mitarbeiter als Sündenbock herhalten muss.

  4. ThyssenKrupp ist eines der Paradebeispiele, wie ein über viele Jahre absolut unfähiges Management -mit Unterstützung von kostspieligsten Beratungsunternehmen- aus einem prächtigen, traditionellen Weltkonzern eine bedauernswerte Firmengruppe von strauchelnden Unternehmen "bastelt". Warten wir mal ab, welche "Abfindungen" für die Entlassenen Manager in nächster Zeit publik werden. Das dürfte der nächste Anlaß zur Schnappatmung der verdutzten Konzernmitarbeiter sein.
    Aber: ThyssenKrupp ist nicht systemrelevant. Die Politik muss sich darüber im Klaren sein, dass der Steuerzahler absolut kein Interesse daran hat, marode "kaputtorganisierte Unternehmen" durch weitere Subventionen -in welcher Form auch immer- am Leben zu halten. Jeder redet vom Facharbeitermangel. ThyssenKrupp hat zwar ein offensichtlich unfähiges Management, aber sicherlich eine Unzahl qualifizierter Mitarbeiter, nach denen erfolgreiche Mittelständler suchen. In der Diskussion um diesen abstürzenden Konzern muss von vornherein klar sein, dass ein Ende mit Schrecken dem Schrecken ohne Ende vorzuziehen ist. Noch bevor Banken, Mitarbeiter und Subventionskassen von Land und Bund Schaden nehmen, muß man den Mut aufbringen, bei solchen Unternehmen die Lichter ausgehen zu lassen. Unternehmen, die -aus welchen Gründen auch immer- nicht überlebensfähig sind kann sich keine Volkswirtschaft leisten. Vorstand und Aufsichtsrat von ThyssenKrupp haben über viele Jahre "Konzern gespielt" - leider zu Lasten ihrer Arbeitnehmer.

    • bigbull
    • 06. Dezember 2012 18:42 Uhr

    Obwohl der SPD-ler Steinbrück seit einigen Jahren im Aufsichtsrat Vorträge hält hat sich die Firma an den
    Rand des Ruins gedrängt.
    Mit einem ehemaligen Finanzkünstler hätte dies niemals
    passieren dürfen.

    Oder vielleicht gerade deshalb?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, nf
  • Schlagworte Bundeskartellamt | EU-Kommission | Aufsichtsrat | Bußgeld | Ermittlung | Landgericht
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