Krise beim Stahlkonzern : ThyssenKrupp-Chef Hiesinger duldet keine Kritik an Cromme

Der Stahlkonzern muss einen Verlust von fünf Milliarden Euro verbuchen – doch Konzernchef Hiesinger sieht den Aufsichtsratschef Cromme nicht in der Verantwortung.
ThyssenKrupp-Vorstandschef Heinrich Hiesinger (l.) mit Aufsichtsratschef Gerhard Cromme © Ina Fassbender/Reuters

Der Vorstandschef von ThyssenKrupp, Heinrich Hiesinger, hat Aufsichtsratschef Gerhard Cromme im ZEIT-Gespräch gegen jede Kritik verteidigt: Sein persönliches Vertrauen zu Cromme sei "in den Krisenzeiten noch gewachsen".

Cromme wird in der Öffentlichkeit für die Krise des Stahl- und Technologie-Konzerns mitverantwortlich gemacht. Das weist Hiesinger zurück: "Letztlich hat der damalige Vorstand dem Aufsichtsrat zu optimistische Angaben gemacht und die Risiken nicht ausreichend dargestellt. Man hat innerhalb möglicher Szenarien einfach das Beste genommen."

Der Aufsichtsrat habe diese Aussagen nicht einfach hingenommen. Er habe "regelmäßig externe Gutachten eingeholt, wenn er zweifelte und zusätzliche Informationen wollte. Aber stets wurden die Aussagen des Vorstands bestätigt", sagte Hiesinger.

Über die Rolle Crommes im täglichen Geschäft sagte Hiesinger: "Direkten Kontakt zu Herrn Cromme haben die Mitarbeiter wenig. Viermal im Jahr geht er mit dem Vorstand Mittag essen, einmal im Jahr ist er zu Gast bei unserer Führungskräftetagung. Ansonsten agiert er über den Vorstand, insbesondere über unseren Finanzvorstand und mich."

Zur Krise des Unternehmens sagte Hiesinger, die horrenden Verluste und Abschreibungen auf die Stahlwerke in Amerika seien "ein Drama". Am schlimmsten sei jedoch, dass ThyssenKrupp seit sieben Jahren einen negativen Cashflow erwirtschafte – also mehr Geld ausgebe, als einnehme. "Für uns ist es wichtig, das sehr schnell zu ändern und Geld für Investitionen und Schuldentilgung zu haben", sagte Hiesinger.

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Kommentare

9 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Verantwortung ist schon eine komische Sache

Jemand der dafür bezahlt wird Verantwortung zu übernehmen, weißt sie von sich.

Die einzige plausible Reaktion auf die Pleite, ein Rücktritt, fällt aus, weil er nicht vor der Verantwortung davonläuft.

Knifflige Sache.
Sieht aus wie ein Job für S. Ündenbock - neuer Vorstand auf Zeit

Recht hat er

Da muss man auch mal einem Vorstandsvorsitzenden recht geben. Verantwortlich für dieses Desaster ist der alte Vorstand und nicht der Aufsichtsrat, denn der lebt auch nur von den Zahlen und Daten die er von der Geschäftsführung erhält.

Trotzdem bleibt dann für mich die Frage, für was man den Aufsichtsrat überhaupt braucht, wenn er so leicht manipulierbar ist.

Ich habe ja schon so meine Vorstellung für was man diese "Pöstchen" braucht, nur leider kann ich es nicht beweisen.