Rückruf-Aktionen : Toyota zahlt 1,1 Milliarden an US-Autobesitzer

Der japanische Autobauer Toyota hat einen Milliardenvergleich in den USA geschlossen. Mit den Zahlungen an Autobesitzer will der Konzern ein Gerichtsverfahren umgehen.
Autos von Toyota auf einem Parkplatz © Joshua Lott/Reuters

Der japanische Autobauer Toyota hat sich nach mehreren Massenrückruf-Aktionen in den USA dazu bereit erklärt, 1,1 Milliarden Dollar (832 Millionen Euro) an betroffene Autobesitzer zu zahlen. Damit soll eine Sammelklage beigelegt werden.

Toyota hatte wegen Problemen mit Fußmatten und klemmenden Gaspedalen 2009 und 2010 etwa acht Millionen Fahrzeuge in den USA zurückgerufen. Wie die Zeitung USA Today schreibt, will der Konzern einen Fonds für die Nachrüstung von 3,2 Millionen Toyota- und Lexus-Modellen mit einem Sicherheitssystem schaffen, das ein Anhalten in Paniksituationen erleichtert. Für Modelle, bei denen dies nicht möglich sei, gebe es Bargeld.

Wer wegen der Probleme für sein Auto beim Verkauf zwischen dem 1. September 2009 und dem 31. Dezember 2010 weniger Geld erhalten habe, erhalte einen finanziellen Ausgleich. Außerdem will Toyota Millionen Modelle nachrüsten.

Einigung erfordert Zustimmung von US-Gericht

Der außergerichtlichen Einigung mit den Klägern muss noch ein US-Gericht zustimmen.

Der Vergleich beinhalte kein Schuldbekenntnis Toyotas, schreiben US-Medien. Mit der Zahlung bleibe dem Unternehmen aber ein möglicherweise langwieriger Prozess mit allen damit verbundenen Risiken erspart, schreibt das Wall Street Journal .

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Kommentare

8 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Gerechtigkeit auf amerikanisch.

Das ist das eigentliche Problem: Mit Geld kann man in den USA fast alles erreichen - allerddings nur, wenn man genug davon hat.

Das ist schade, denn ich hätte die teilweise kriminellen Verursacher der Finanzkrise oder des Libor-Skandals gerne vor Gericht und verurteilt gesehen. Aber auch hier gilt eben: Wer genug bezahlt kommt in der Regel davon.

Das ist kein US-amerikanisches "Problem"

an die Kommentare #1 und #2: glauben Sie nicht, daß das in Europa anders wäre:

Der außergerichtlichen Einigung mit den Klägern muss noch ein US-Gericht zustimmen. [..]
Der Vergleich beinhalte kein Schuldbekenntnis Toyotas.

Der Vergleich spart Zeit, und möglicherweise -aber nicht zwingend- Kosten. Vor Gericht kann es ja sowohl besser, als auch schlechter ausgehen (jeweils aus Sicht der Kläger oder aber des Beklagten). Falls der angestrebte Vergleich einer der beiden Parteien nicht schmeckt, kann man das Gerichtsverfahren eben doch durchziehen - auf die Gefahr hin, daß es doch nicht so gut läuft, wie erhofft, und mit der Chance, daß man mehr erhält, als beim Vergleich.

Ich sehe das eigentliche Problem bei dieser Art von "Gerechtigkeit" vielmehr in der "Körperlosigkeit" von Firmen bzw. den großen Corporations. Was da letztendlich "haftet" ist das Kapital, also die Einlage, oder der Börsenwert. Zur Verantwortung gezogen wird also kaum jemals eine Person, noch weniger irgendwelche Entscheider, sondern regelmässig bestenfalls irgendwelche Bauernopfer.

.. und das trotz des allerorts immer wieder beschworenen Mantras der wahnsinnigen Verantwortung auf den Schultern derer, die in diesen Zeiten völlig absurde, groteske Gehälter einsacken, und sich dann ganz nebenbei auch noch fast jeglicher Besteuerung entziehen, und das auch noch mit einem Selbstverständnis "ich habe hart dafür gearbeitet und halte den Kopf hin", daß hart arbeitenden Menschen nichts mehr dazu einfällt...

Es gibt viele Grauzonen.

Ich gebe Ihnen in Teilen ja recht. Es ist bei den großen Companies schon ein Problem, dem verantwortlichen Vorstand an den Kragen zu gehen. Dem müßte nämlich zunächst ein Vorsatz unterstellt werden können, der dann noch bewiesen werden müßte.

Diese Beweise aber hat man in Sachen Finanzkrise z.B. sehr gut führen und dokumentieren können. Trotzdem wurden Vergleiche geschlossen.

Oder glauben Sie ernsthaft, ein Anshu Jain habe als Chef in London in Sachen Libor-Manipulation nicht gewußt was da lief? Wenn Jahr für Jahr (außerordentliche) Milliardengewinne eingefahren werden, hat der sich keine Gedanken darüber gemacht, woher die kamen? Schließlich mußte er Boni-Schecks für die Protagonisten gegenzeichnen...

Das wird wohl auch, meines Erachtens, der Grund gewesen sein, warum er sich vor seiner persönlichen Befragug vor dem Ausschuß gedrückt hat. Denn das Problem mit dem Kapital ist doch: Jeder Cent, der buchmäßig bewegt worden ist, läßt sich lückenlos nachverfolgen.

Einer oder mehrere hatten eine Idee, die man schließlich irgendwann umsetzte. Aber keiner der Beteiligten würde so eine gewagte (kriminelle) Sache angehen, ohne zumindest ein stillschweigendes OK der Vorgesetzten zu bekommen. Die sind zwar gierig, aber nicht lebensmüde.

Es geht nicht direkt um Geld

sondern um das Ansehen. Es wurde ja schon bewiesen, dass diese Probleme meist (gerade die mit den Pedalen), das typische "Gas anstatt Bremspedal" Problem war, also Fahrerfehler. Aber viele haben das noch nicht mitbekommen.
Da hat Toyota nun wohl aufgegeben das in die Köpfe der Leute rein zu bekommen und setzt nun eher auf Schlichtung.
Wenn Vernunft nicht fruchtet, muss man es eben so machen...