USAVersicherungskonzern AIG beugt sich dem Druck

Die weltgrößte Versicherung AIG verklagt die US-Regierung doch nicht auf Schadenersatz in Milliardenhöhe. Der Plan hatte einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Der US-Versicherungskonzern AIG in New York

Der US-Versicherungskonzern AIG in New York  |  © Justin Lane/dpa

Der von der US-Regierung in der Finanzkrise gerettete Versicherungskonzern American International Group (AIG) verzichtet auf eine Klage gegen den Staat. Der Verwaltungsrat des Konzerns entschied am Mittwoch, sich nicht einer 25 Milliarden Dollar (19 Milliarden Euro) schweren Klage wegen einer möglichen Benachteiligung von Aktionären anzuschließen.

Hinter der Klage stehen der frühere AIG-Chef Maurice Greenberg und seine Firma Starr International, die vor der Teilverstaatlichung größter Anteilseigner des Versicherers war. AIG werde das Anliegen von Greenberg nicht weiter verfolgen, noch dürfe seine Holdingfirma Starr im Namen von AIG handeln. "Amerika hat in 62.000 AIG-Angestellte investiert und wir haben unser Versprechen gehalten, dieses großartige Unternehmen wieder aufzubauen, jeden Dollar zurückzuzahlen und für diejenigen Gewinn zu erwirtschaften, die an uns geglaubt haben", sagte Verwaltungsratschef Steve Miller.

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Starr International hielt vor dem beinahe Kollaps von AIG zwölf Prozent der Anteile. Greenberg wirft der New Yorker Notenbank vor, mit dem Hilfspaket die Wall-Street-Banken auf Kosten der AIG-Aktionäre gerettet und dafür überzogene Zinsen verlangt zu haben.

Öffentliche Kritik an AIG

Der Rettungseinsatz im Jahr 2008 war mit 182 Milliarden Dollar der größte in der US-Wirtschaftsgeschichte. Anlass war die Befürchtung, eine Pleite von AIG könne eine Kettenreaktion in der Wirtschaft auslösen. Im Mai 2011 hatte die Regierung mit dem allmählichen Wiederausstieg aus dem Konzern begonnen. Vergangenen Monat veräußerte das Finanzministerium die letzten Anteile an AIG. Insgesamt machte der Staat mit der Rettungsaktion einen Gewinn von 22,7 Milliarden Dollar.

Die Überlegungen von AIG, sich an der Klage zu beteiligen, wurden in Öffentlichkeit und Politik stark kritisiert. So setzte der Komödiant Andy Borowitz einen Brief des Versicherers auf, in dem die Steuerzahler um mehr Geld gebeten wurden, um für die Prozesskosten aufzukommen. Auch auf Twitter kritisierten viele Amerikaner AIG. Topsy Analytic zufolge wurde AIG am Dienstag 50 Mal mehr genannt als sonst.

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Leserkommentare
  1. Es gibt, wie in Amerika so auch in Detuschland, kein Wir-Gefühl mehr. Die einzelnen Interessengruppen sind rücksichtslos gegenüber der Gemeinschaft. Der, der Dir heute hilft, wird morgen verklagt, wenn es einigermaßen legal und gewinnversprechend ist.
    Noch nie in der Neuzeit ging es so unsolidarisch und unsozial zu.
    All die Forschung, all der Fortschritt könnte allen Menschen Nutzen bringen. Aber es geht nur noch darum, sich selbst oder seinen Kapitlgebern Nutzen zu bringen, selbst wenn der eigene Nutzen kleiner ist, als der Schaden für die Allgemeinheit.

    Es ist schlimm, wie eine Minderheit die Mehrheit über den Tisch ziehen kann, nur weil die Gesetze dies erauben.

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  2. kennt keine Grenzen.
    Wie naiv zu glauben, das aus den Geschehnissen der letzten Jahre jemand was gelernt hätte...

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  3. "Im Zuge des Zusammenbruches wurde AIG kräftig zur Kasse gebeten, da die "elitären" Immobilienpapiere dort versichert waren."

    Ich habe zu wenig Wissen, um Ihre Beschreibung im Detail nachzuvollziehen. Aber AIG war sicher nicht klein und unbedarft. Wenn AIG entsprechende Ausfall-Versicherungen angeboten hat, dann hätten sie wohl nicht nur die Prämien einstreichen dürfen, sondern auch das Risiko beurteilen müssen, und zwar:
    - das Einzelrisiko, dass Hypothekenkredite ausfallen

    und

    - das kumulierte Risiko, dass _alle_ Hypothekenkredite aus einem systematischen Grund ausfallen.

    Ich vermute stark, dass AIG den zweiten Fall nicht ausreichend erkannt hat (=Dummheit) oder das Risiko sehenden Auges in Kauf genommen hat. Egal aus welchem Grunde, in beiden Fällen muss das Risiko das Unternehmen selbst tragen.

    Hätte der Staat nicht eingegriffen, wäre AIG wohl insolvent (und hätte noch andere Unternehmen mitgerissen). AIG hatte lange genug Zeit, sich um die eigenen Geschicke zu kümmern (VOR Ausbruch der Immobilienblase). Diese Chance hat AIG verpasst.

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  4. ...aber das dient sehr schön als Beispiel welche Gattung Mensch in den Entscheidungsetagen großer Finanzunternehmen zu sitzen scheint.
    Fast wünsche ich mir, dass AIG wegen diesem Irrsinn die Kunden weglaufen, aber als "too big to fail" wird der Steuerzahler ja eh wieder für evt. Schulden aufkommen.
    Tja, so rächt sich die "too big to fail" Saga...

    3 Leserempfehlungen
  5. Wir erinnern uns:
    US-Immobilien wurden überbewertet und die Banken vergaben Kredite für doppelt so hoch bewertete Immobilien in nicht korrekt abgesicherter Höhe. An diesen Ramsch-Krediten verdiente die "Elite". Im Gegensatz zu Deutschland haftet ein amerikanischer Hypothekenschuldner nur mit der Immobilie - nicht zusätzlich persönlich. Daher verliessen viele Amerikaner einfach ihr Haus und fingen ein neues Leben schuldenfrei an.

    Die "faulen" Immobilienkredite wurden verbrieft und über Verteilorganisationen wie die Deutsche Bank mit dem Vorsitzenden Bilderberger Josef Ackermann weltweit als lohnendes Finanzprodukt vertrieben.

    Währenddessen wettete die globale Finanzheuschrecke John Paulson auf den Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes. Der Zusammenbruch gelang und Paulson Strich 4 Milliarden US-Dollar Gewinn ein.

    Im Zuge des Zusammenbruches wurde AIG kräftig zur Kasse gebeten, da die "elitären" Immobilienpapiere dort versichert waren.

    Es ist richtig dass im Zuge der "Rettung" aufgrund der Immobilienkrise die Falschen "gerettet" wurden - so wurde z.B. das globale Finanzübel Goldman-Sachs "gerettet".

    Statt dessen hätten die schuldigen der "Finanzelite" verhaftet und hinter Gitter gebracht werden müssen.

    Dies ist nicht geschehen.

    Ich verstehe aufrund der vorliegenden Sachlage sehr gut, dass AIG Milliarden Schadensersatz von einem korrupten Staat (USA) fordert.

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    "Im Zuge des Zusammenbruches wurde AIG kräftig zur Kasse gebeten, da die "elitären" Immobilienpapiere dort versichert waren."

    Ich habe zu wenig Wissen, um Ihre Beschreibung im Detail nachzuvollziehen. Aber AIG war sicher nicht klein und unbedarft. Wenn AIG entsprechende Ausfall-Versicherungen angeboten hat, dann hätten sie wohl nicht nur die Prämien einstreichen dürfen, sondern auch das Risiko beurteilen müssen, und zwar:
    - das Einzelrisiko, dass Hypothekenkredite ausfallen

    und

    - das kumulierte Risiko, dass _alle_ Hypothekenkredite aus einem systematischen Grund ausfallen.

    Ich vermute stark, dass AIG den zweiten Fall nicht ausreichend erkannt hat (=Dummheit) oder das Risiko sehenden Auges in Kauf genommen hat. Egal aus welchem Grunde, in beiden Fällen muss das Risiko das Unternehmen selbst tragen.

    Hätte der Staat nicht eingegriffen, wäre AIG wohl insolvent (und hätte noch andere Unternehmen mitgerissen). AIG hatte lange genug Zeit, sich um die eigenen Geschicke zu kümmern (VOR Ausbruch der Immobilienblase). Diese Chance hat AIG verpasst.

    • hkeske
    • 10. Januar 2013 11:14 Uhr
    8. Schade

    Die Klage hätte doch vielleicht präventive Wirkung gehabt: Sie hätte die verantwortlichen Politiker darauf aufmerksam gemacht, daß im herrschenden System eine Rettungsaktion schadensersatzpflichtig machen könnte.

    Dann hätte man in der Zukunft einen ausreichenden Grund, ein Unternehmen wie die AIG in die Pleite zu schicken - wer wird sich schon ohne Not der Gefahr aussetzen, sich mit einer Rettungsaktion schadensersatzpflichtig zu machen?

    Absurd könnte man das nennen, aber es ist systemgerecht.

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  6. Mit welchen Geld hätten die AIG-Funktionäre denn die Klage anstrengen wollen? Wie meine Vorredner schon erwähnten, die menschliche Gier (und auch die Dummheit) kennt keine Grenzen.

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    • Nest
    • 10. Januar 2013 9:07 Uhr

    Diese Klage wäre vielleicht ein Weckruf an die Politiker dieser Welt gewesen, mit wem sie es zu tun haben.

    Denn noch immer wird die bedingungslose Bankenrettung und ihre Folgen (Staatsschulden!) im öffentlichen Diskurs nicht hinterfragt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, Reuters, nf
  • Schlagworte AIG | Finanzministerium | Dollar | Finanzkrise | Gewinn | Twitter
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