Apple verkündet erneut Milliardengewinne, und doch stürzt der Aktienkurs an diesem Donnerstag ab. Von Analysten ist zu hören, die Enttäuschung habe mit den Verkaufszahlen des iPhone zu tun: Rund zwei Millionen weniger als geplant hat der kalifornische Computerkonzern im abgelaufenen Quartal verkauft. Doch das ist die falsche Debatte. Das eigentliche Problem des Konzerns ist die Frage, was nach iPhone und iPad kommt.

Sollte der Gewinn von Apple in diesem Jahr genauso hoch ausfallen wie im vergangenen Jahr, wird das Unternehmen netto rund 40 Milliarden Dollar Gewinn erwirtschaften. Setzt man diese Zahl ins Verhältnis zum aktuellen Börsenwert – rund 480 Milliarden Dollar – ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von zwölf. Das ist der Wert, der ausdrückt, für wie wachstumsstark und innovativ die Börsen ein Unternehmen halten. Im Fall von Apple heißt das: Die Anleger denken gerade, der Konzern habe ähnlich trübe bis mäßige Aussichten wie die Deutsche Telekom und die Deutsche Post. Deren Kurs-Gewinn-Verhältnisse liegen bei elf.

Ist Apple damit richtig bewertet? Nein, nicht für das laufende Jahr und wahrscheinlich noch nicht mal für das Jahr 2014. Aber von Quartal zu Quartal steigt das Risiko, dass Apple nichts Bahnbrechendes mehr gelingt. Der Computerkonzern kann zwar noch immer dort Erfolge vorweisen, wo er bestehende Produkte wie das iPhone oder das iPad durch billige Varianten erweitert. Aber diese Billigprodukte bedeuten keine Durchbrüche mehr. Sie sichern das bestehende Geschäft ab, was wichtig ist. Mehr erreicht Apple damit nicht.

Apple muss dafür sorgen, dass die eigenen Marktanteile im Smartphone- und im Tablet-Markt nicht so weit sinken, dass sich die besten Entwickler von Programmen von der Apple-Welt abwenden – schlimmer noch: sie ignorieren oder später bedienen als die Android-Welt von Google, das inzwischen am weitesten verbreitete Betriebssystem auf mobilen Endgeräten. Wie abhängig der Konzern inzwischen von iPhone und iPad ist, zeigen die rückläufigen Zahlen für die Laptop-Rechner und den tragbaren Musikspieler iPod.

Was hat Apple mit seinen Reserven vor?

Zugleich gibt es wenige Anzeichen dafür, dass Apple vor einem weiteren, fundamentalen Innovationssprung steht. Der Konzern hat mehr als 100 Milliarden Dollar gehortet und lässt nicht erkennen, welche neuen Produkte er damit finanzieren will. Jahrelang nährte erst der verstorbene Gründer Steve Jobs und nun sein Nachfolger Tim Cook die Gerüchte, Apple werde als Nächstes in den Fernsehmarkt einsteigen. Passiert ist nichts. AppleTV, eine Box, um das Internet auf Fernsehapparate zu bringen, führt ein kümmerliches Dasein. Die Video-Sektion im konzerneigenen Medienkaufhaus iTunes ist grauenhaft zu bedienen. Und auch sonst machte Apple zuletzt mehr durch Software-Pannen als durch gelungene Innovationen auf sich aufmerksam.

Apple hat genug Geld, die nächste große Innovation vorzubereiten. Aber die Zeit wird knapp. Es bleiben allenfalls noch zwei, drei Jahre.