QuartalsbilanzApple braucht die nächste Sensation

Apple schreibt Rekordgewinne, doch der Aktienkurs sinkt. Dem Konzern hilft jetzt nur noch ein weiterer Innovationssprung. von 

Apple Store in San Francisco (Archiv)

Apple Store in San Francisco (Archiv)  |  © Robert Galbraith/Reuters

Apple verkündet erneut Milliardengewinne, und doch stürzt der Aktienkurs an diesem Donnerstag ab. Von Analysten ist zu hören, die Enttäuschung habe mit den Verkaufszahlen des iPhone zu tun: Rund zwei Millionen weniger als geplant hat der kalifornische Computerkonzern im abgelaufenen Quartal verkauft. Doch das ist die falsche Debatte. Das eigentliche Problem des Konzerns ist die Frage, was nach iPhone und iPad kommt.

Sollte der Gewinn von Apple in diesem Jahr genauso hoch ausfallen wie im vergangenen Jahr, wird das Unternehmen netto rund 40 Milliarden Dollar Gewinn erwirtschaften. Setzt man diese Zahl ins Verhältnis zum aktuellen Börsenwert – rund 480 Milliarden Dollar – ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von zwölf. Das ist der Wert, der ausdrückt, für wie wachstumsstark und innovativ die Börsen ein Unternehmen halten. Im Fall von Apple heißt das: Die Anleger denken gerade, der Konzern habe ähnlich trübe bis mäßige Aussichten wie die Deutsche Telekom und die Deutsche Post. Deren Kurs-Gewinn-Verhältnisse liegen bei elf.

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Ist Apple damit richtig bewertet? Nein, nicht für das laufende Jahr und wahrscheinlich noch nicht mal für das Jahr 2014. Aber von Quartal zu Quartal steigt das Risiko, dass Apple nichts Bahnbrechendes mehr gelingt. Der Computerkonzern kann zwar noch immer dort Erfolge vorweisen, wo er bestehende Produkte wie das iPhone oder das iPad durch billige Varianten erweitert. Aber diese Billigprodukte bedeuten keine Durchbrüche mehr. Sie sichern das bestehende Geschäft ab, was wichtig ist. Mehr erreicht Apple damit nicht.

Apple muss dafür sorgen, dass die eigenen Marktanteile im Smartphone- und im Tablet-Markt nicht so weit sinken, dass sich die besten Entwickler von Programmen von der Apple-Welt abwenden – schlimmer noch: sie ignorieren oder später bedienen als die Android-Welt von Google, das inzwischen am weitesten verbreitete Betriebssystem auf mobilen Endgeräten. Wie abhängig der Konzern inzwischen von iPhone und iPad ist, zeigen die rückläufigen Zahlen für die Laptop-Rechner und den tragbaren Musikspieler iPod.

Was hat Apple mit seinen Reserven vor?

Zugleich gibt es wenige Anzeichen dafür, dass Apple vor einem weiteren, fundamentalen Innovationssprung steht. Der Konzern hat mehr als 100 Milliarden Dollar gehortet und lässt nicht erkennen, welche neuen Produkte er damit finanzieren will. Jahrelang nährte erst der verstorbene Gründer Steve Jobs und nun sein Nachfolger Tim Cook die Gerüchte, Apple werde als Nächstes in den Fernsehmarkt einsteigen. Passiert ist nichts. AppleTV, eine Box, um das Internet auf Fernsehapparate zu bringen, führt ein kümmerliches Dasein. Die Video-Sektion im konzerneigenen Medienkaufhaus iTunes ist grauenhaft zu bedienen. Und auch sonst machte Apple zuletzt mehr durch Software-Pannen als durch gelungene Innovationen auf sich aufmerksam.

Apple hat genug Geld, die nächste große Innovation vorzubereiten. Aber die Zeit wird knapp. Es bleiben allenfalls noch zwei, drei Jahre.

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Leserkommentare
    • Fiesko
    • 24. Januar 2013 15:55 Uhr
    1. [...]

    Entfernt. Wir würden uns darüber freuen, wenn Sie sich nur an der Diskussion beteiligen, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag dazu leisten wollen. Danke. Die Redaktion/kvk

    Eine Leserempfehlung
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    • Infamia
    • 24. Januar 2013 16:23 Uhr

    Wer einen Artikel nicht liest, sollte ihn auch besser unkommentiert lassen, satt die Server dieser Welt mit nutzlosem Inhalt zu fluten.

    Natürlich ist dieser Artikel von allgemeinen Interesse. Apple, ob man nun selbst Apple-User ist oder nicht (ich bin es nicht), ist eine Ikone der IT-Industrie. Apple hat Bahnbrechendes entwickelt, was Sie wahrscheinlich selber in abgeänderter Form nutzen. Es hat Ihr und mein Leben fundamental veränderet. Apple ist alles andere als belanglos.

    • jodre
    • 24. Januar 2013 16:07 Uhr

    Es wird doch wohl ein Iphone geben, dass eine ausreichende Rechenleistung hat ein macbook zu ersetzen. Sodass man dann diese Gerät kauft plus einen Bildschirm für zu Hause und man Millionen von Bildschirmen (sicher iDocks) an öffentlichen Orten (Cafes, Unis etc.) aufstellt. Damit würde eine ganz neue Serie von Geräten entstehen die sich verkaufen lassen.

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    Ich weiß jetzt nicht, was Sie mit Ihrem Rechner so machen.
    xhamster & redtube kriegt auch ein iPhone hin, stimmt schon.
    Aber es gibt auch Leute, die Ihrer CPU und GPu etwas mehr zu tun geben müssen, als Video-Streams zu decodieren und Flash-Banner zappeln zu lassen.

    Grafiker, Musiker und Gamer zum Beispiel (die gibt es noch) benötigen immer viel Rechenleistung, denn die Software entwickelt sich weiter, und wer seine Zeit nicht nur verblödelt muss wettbewerbsfähig bleiben.

    Das ist auch eines der großen, hausgemachten Probleme von Apple:
    XServer mit Xserve, XSAN, MacPro, Final Cut, Logic Studio - das KOMPLETTE Angebot fpr Profis und Firmen ist innerhalb von drei Jahren one Not praktisch vernichtet worden.
    Von Apple selbst.
    Der Rest, ist - tut mir leid - teures, buntes Spielzeug, das die Chinesen bald erfolgreich kopieren und verkaufen können.

    Ein Smartphone wird nie einem Laptop erstzen, und sowohl Innovation als auch der Sinn für das Große und ganze sind durch gar nix zu ersetzen

    • Infamia
    • 24. Januar 2013 16:23 Uhr

    Wer einen Artikel nicht liest, sollte ihn auch besser unkommentiert lassen, satt die Server dieser Welt mit nutzlosem Inhalt zu fluten.

    Natürlich ist dieser Artikel von allgemeinen Interesse. Apple, ob man nun selbst Apple-User ist oder nicht (ich bin es nicht), ist eine Ikone der IT-Industrie. Apple hat Bahnbrechendes entwickelt, was Sie wahrscheinlich selber in abgeänderter Form nutzen. Es hat Ihr und mein Leben fundamental veränderet. Apple ist alles andere als belanglos.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
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    Apple ist zwar gut im vermarkten, im entwickeln allerdings nicht. Die meißte Technologie von Apple gab es schon vorher, nur wusste Apple, wie Sie es geschickt vermarkten.

    Zum Beispiel Siri. Das gab es beinahe auf Android-Telefonen, nicht bei Apple. http://www.androidcentral...

  1. Die Überschrift bezieht sich nicht auf Apple (die Firma macht ihre Arbeit nach wie vor sehr gut), sondern auf die ZEIT.

    Fast alle Artikel zum Thema Apple, Microsoft, Samsung oder Google haben hier ein erschreckend geringe Qualität. Dieses Geschreibsel könnte direkt von Chip-Online oder anderen "Qualitätsmedien" stammen. Egal bei welchem Thema, es wird immer sinnlose Schwarz-Weiß-Malerei betrieben. Mal wird gehypt, mal wird die Firma schon komplett abgeschrieben. Hat die ZEIT tatsächlich nichts Gehaltvolles zu diesem Themen zu sagen? Langsam wird es wirklich ärgerlich für den Leser.

    Zum Inhalt des Artikels: Ist Ihnen noch nicht aufgefallen, dass die Analysten von Apple seit jeher derb daneben liegen? Es gab bis 2011 knapp 10 Quartale in Folge bei denen die Analysten Apple derb unterschätzt haben. Jetzt wird Apple seit geraumer Zeit stark überschätzt.
    Fakt ist: Apple ist immer noch das wertvollste börsennotierte Unternehmen. Fakt ist auch, dass der Gewinn nach wie vor sehr gut ausfällt und weiterhin gesteigert werden kann. Wohin soll der Gewinn noch gesteigert werden? Es gibt kein Unternehmen, das mehr realen Gewinn erwirtschaftet.
    Und die ZEIT? Tut so also würde Apple am Abgrund stehen - dabei geht es dem Unternehmen blendend. Die nächste große Innovation wird benötigt? Vielleicht in der bizarren Phantasie einiger Analysten, die Apple bei einem Marktwert von einer Billiarde sehen.

    3 Leserempfehlungen
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    • Infamia
    • 24. Januar 2013 16:32 Uhr

    Bitte üben Sie Kritik mittels Argumenten und verzichten Sie auf Unterstellungen und pauschale Herabwürdigungen. Danke, die Redaktion/fk.

    • Infamia
    • 24. Januar 2013 16:32 Uhr
    5. [...]

    Bitte üben Sie Kritik mittels Argumenten und verzichten Sie auf Unterstellungen und pauschale Herabwürdigungen. Danke, die Redaktion/fk.

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    • Infamia
    • 24. Januar 2013 16:40 Uhr

    Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Darüber hinaus bitten wir darum, zum konkreten Artikelthema zu diskutieren. Danke, die Redaktion/kvk

  2. Apple ist zwar gut im vermarkten, im entwickeln allerdings nicht. Die meißte Technologie von Apple gab es schon vorher, nur wusste Apple, wie Sie es geschickt vermarkten.

    Zum Beispiel Siri. Das gab es beinahe auf Android-Telefonen, nicht bei Apple. http://www.androidcentral...

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    Antwort auf "Meine Güte"
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    iPod: überteuerter MP3-Player - wer braucht so eine riesige Festplatte? Digital Musik KAUFEN? Wer macht denn sowas?

    ein paar Jahre später:

    iPhone: wer braucht denn sowas?

    ein paar Jahre später:

    iPad: ein überdimensionales iPhone? wie soll man damit telefonieren?

    Richtig ist: es gab vor dem iPhone Smartphone-ähnliche Geräte. Es gab auch etwas wie ein Tablet. Die kannte und benutzte aber (fast) KEINER.

    Apple hat diese Dinge ausgegraben bzw. so angepasst, dass die Menschen plötzlich merkten "ui" und ganze neue Märkte entstanden (bzw. andere Bereich kannibalisierten). Die Konkurrenz sprang dann irgendwann auf weil sie auch ein Stückchen vom Milliardenmarkt wollten, was aber quasi auch nur durch Google gelang und sich die eigene Innovation auf ein Minimum reduzieren lies.

    Und Apple muss sich nun vorhalten lassen, nicht innovativ zu sein? Sie haben nicht die Glühbirne erfunden, aber sie haben dafür gesorgt, dass sich die Menschen plötzlich fragten, wie sie ohne die Glühbirne bisher auskamen. Was kann sich ein Unternehmen denn mehr wünschen?

    Richtig ist aber, dass Apple in den nächsten Jahren "the next big thing" braucht, um diese Rolle zu halten.

    • lispm
    • 24. Januar 2013 20:40 Uhr

    > Zum Beispiel Siri. Das gab es beinahe auf Android-Telefonen, nicht bei Apple. http://www.androidcentral...

    Es gab sie da schon als App im Apple Store. Von Siri, Inc. Dem Startup, das die Technologie des SRI kommerzialisieren sollte. Apple kam Verizon beim Kauf zuvor. Das war auch genau der Zweck dieser Firma - aufgekauft zu werden und deren Eigentümer 'reich' zu machen.

    Siri selbst benutzt auch andere Komponenten von anderen Firmen. So ist die Spracherkennung von Nuance.

    Übrigens, Apple hat sein Betriebssystem für mobile Geräte selbst entwickelt. Google hat Android gekauft.

    • Infamia
    • 24. Januar 2013 16:40 Uhr
    7. [...]

    Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Darüber hinaus bitten wir darum, zum konkreten Artikelthema zu diskutieren. Danke, die Redaktion/kvk

    Antwort auf "[...]"
    • Thems
    • 24. Januar 2013 16:41 Uhr

    Es gibt zwar mehr Android Devices, lukrativer ist für Entwickler immernoch iOS. Die Zahlungsbereitschaft der Nutzer ist höher und man muss sich nicht mit einer starken Fragmentierung der Geräte auseinander setzen. Diesbezüglich mache ich mir weniger Sorgen.

    Was mir Probleme bereitet sind Analysten, die sich ständig verschätzen, sei es bei den Erwartungen des Quartals oder bei der Festlegung des Aktienkurses.

    Was die Sensation angeht warte ich erst einmal ab und lass mich überraschen. Würde mir sowieso viel besser gefallen, als alles schon vor der Keynote präsentiert zu bekommen. Lediglich über die Konkurrenz kann man bei frühen Leaks schmunzeln, oder hat jemals wieder jemand vom HP Slate gehört?

    In viele Märkte kann Apple allerdings auch nur sehr schwer Fuß fassen. Im Fernsehbereich müsste man sich mit Samsung duellieren, die hier den Markt mit billigen aber durchaus brauchbaren Geräten überflutet haben. Die Blöße, Samsung in etwas offensichtlich unterlegen zu sein, wird sich Apple vermutlich nicht geben. Was schade ist, denn was Fernseh-Software angeht, Sprich Menüs etc. stecken wir in den 80ern fest.
    Ein weiterer Markt wären Spielekonsolen. Apple müsste nur sein Apple-TV für Entwickler öffnen und mit der Zeit würden wohl einige nette und auch größere Spiele entstehen.

    Wie gesagt, einfach abwarten und sich überraschen lassen... oder auch nicht ;)

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Google | Deutsche Telekom | Steve Jobs | Deutsche Post | Dollar | Gewinn
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