Es ist ein Rekordergebnis, das sich sehen lässt: Noch nie hat Apple in einem Quartal mehr iPhones verkauft. Zwischen Oktober und Dezember waren es 47,8 Millionen. Und dennoch sind Analysten enttäuscht. Sie hatten mit einem Absatz von rund 50 Millionen Stück gerechnet. Die Aktie von Apple stürzte nachbörslich zehn Prozent auf 463 Dollar ab – innerhalb weniger Minuten büßte der Konzern rund 50 Milliarden Dollar an Marktwert ein.

Auch mit dem Umsatz zeigten sich Marktbeobachter unzufrieden. Apple erlöste im Geschäftsquartal 54,5 Milliarden Dollar, während die Experten im Schnitt von einem Umsatz in Höhe von 54,73 Milliarden Dollar ausgegangen waren. Dem standen zudem höhere Entwicklungs-, Fertigungs- und Marketingkosten für die zahlreichen neue Produkte gegenüber. Dadurch stagnierte der Gewinn beim bisherigen Rekordwert von 13,1 Milliarden Dollar. Und das, obwohl die Tablet-Verkäufe von 15,4 auf 22,9 Millionen stiegen.

Die Kalifornier hätten zwar eine Menge iPhones verkauft, sagte der Analyst Shaw Wu von Sterne Agee, "aber das Problem sind die hohen Erwartungen der Investoren". Auch wenn Apple eines der stärksten Unternehmen bleibe, werde die Bilanz die bisherige Dominanz infrage stellen.

 "Es war enttäuschend", sagte Gene Munster von der US-Investmentbank Piper Jaffray, einer der renommiertesten Apple-Beobachter, auf Bloomberg-TV. Den Kursrutsch erklärte er mit den neuen Bilanzzahlen: Die iPhone-Verkäufe hätten die Stimmung "total vergiftet".

Andere Experten warfen dem Unternehmen vor, sich auf dem Erfolg auszuruhen. "Man kann nicht immerzu iPhones und iPads auf den Markt bringen und davon ausgehen, dass schon jeder ein neues braucht", kritisierte der Chef von DoubleLine Capital LP, Jeffrey Gundlach. "Das Mini? Was soll da dran sein? Das ist ein etwas kleineres iPad. Definiert man so Innovation?"

"Apple muss innovativer werden", forderte auch der Analyst Trip Chowdhry von Global Equities Research. Das iPhone komme in die Jahre: "Sie brauchen bald ein völlig neues Gerät – in Monaten, nicht Jahren".

Cook verteidigt das Ergebnis

Apple-Chef Tim Cook verteidigte die Geschäftszahlen: "Kein Technologieunternehmen hat jemals solch ein Ergebnis erreicht." Bei der Produktion des iPhone 5 und des iPad mini sei der Konzern im letzten Quartal 2012 nicht mehr nachgekommen. Das gleiche gelte für den neuen iMac, der erst im Dezember in den Handel gelangt sei. Cook sagte, er vertraue auf die kommenden Produkte. Erwartet wird unter anderem ein billigeres iPhone .

Finanzchef Peter Oppenheimer sagte: "Wir sind sicher, ohne diese Einschränkungen wären unsere Verkäufe höher gewesen." Beim iMac hatte es einen Rückgang von 5,2 auf 4,1 Millionen verkaufte Geräte gegeben.

Apple steht in jedem Fall unter Druck, denn die Konkurrenz rüstet auf: Als Hauptrivale gilt derzeit Samsung mit seinen Galaxy-Smartphones auf Basis des Android-Betriebssystems. Zudem ist Microsoft mit seinem neuen Betriebssystem Windows 8 für PC, Tablets und Smartphones auf den Markt gegangen. Mit dem Surface hat der Software-Primus auch einen eigenen Tablet-Computer herausgebracht. Microsoft will heute seine Quartalsbilanz verkünden.

Im Vorfeld der Bilanzpräsentation hatte ein Bericht für Unruhe gesorgt, Apple habe weniger Bauteile bei seinen Zulieferern bestellt. Das war als ein Rückgang der Nachfrage interpretiert worden. Cook sagte: "Es wäre klug, die Richtigkeit eines jeden Gerüchts infrage zu stellen."