Quartalsbilanz Apples Börsenkurs fällt trotz Milliardengewinns

Noch nie hat der Konzern mehr Smartphones verkauft. Auch der Gewinn lag im vergangenen Quartal auf Rekordniveau. Doch das wird sich ändern, prognostizieren Analysten.

Apple-Chef Tim Cook bei der Präsentation des iPhone 5 in San Francisco im September 2012

Apple-Chef Tim Cook bei der Präsentation des iPhone 5 in San Francisco im September 2012

Es ist ein Rekordergebnis, das sich sehen lässt: Noch nie hat Apple in einem Quartal mehr iPhones verkauft. Zwischen Oktober und Dezember waren es 47,8 Millionen. Und dennoch sind Analysten enttäuscht. Sie hatten mit einem Absatz von rund 50 Millionen Stück gerechnet. Die Aktie von Apple stürzte nachbörslich zehn Prozent auf 463 Dollar ab – innerhalb weniger Minuten büßte der Konzern rund 50 Milliarden Dollar an Marktwert ein.

Auch mit dem Umsatz zeigten sich Marktbeobachter unzufrieden. Apple erlöste im Geschäftsquartal 54,5 Milliarden Dollar, während die Experten im Schnitt von einem Umsatz in Höhe von 54,73 Milliarden Dollar ausgegangen waren. Dem standen zudem höhere Entwicklungs-, Fertigungs- und Marketingkosten für die zahlreichen neue Produkte gegenüber. Dadurch stagnierte der Gewinn beim bisherigen Rekordwert von 13,1 Milliarden Dollar. Und das, obwohl die Tablet-Verkäufe von 15,4 auf 22,9 Millionen stiegen.

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Die Kalifornier hätten zwar eine Menge iPhones verkauft, sagte der Analyst Shaw Wu von Sterne Agee, "aber das Problem sind die hohen Erwartungen der Investoren". Auch wenn Apple eines der stärksten Unternehmen bleibe, werde die Bilanz die bisherige Dominanz infrage stellen.

 "Es war enttäuschend", sagte Gene Munster von der US-Investmentbank Piper Jaffray, einer der renommiertesten Apple-Beobachter, auf Bloomberg-TV. Den Kursrutsch erklärte er mit den neuen Bilanzzahlen: Die iPhone-Verkäufe hätten die Stimmung "total vergiftet".

Andere Experten warfen dem Unternehmen vor, sich auf dem Erfolg auszuruhen. "Man kann nicht immerzu iPhones und iPads auf den Markt bringen und davon ausgehen, dass schon jeder ein neues braucht", kritisierte der Chef von DoubleLine Capital LP, Jeffrey Gundlach. "Das Mini? Was soll da dran sein? Das ist ein etwas kleineres iPad. Definiert man so Innovation?"

"Apple muss innovativer werden", forderte auch der Analyst Trip Chowdhry von Global Equities Research. Das iPhone komme in die Jahre: "Sie brauchen bald ein völlig neues Gerät – in Monaten, nicht Jahren".

Cook verteidigt das Ergebnis

Apple-Chef Tim Cook verteidigte die Geschäftszahlen: "Kein Technologieunternehmen hat jemals solch ein Ergebnis erreicht." Bei der Produktion des iPhone 5 und des iPad mini sei der Konzern im letzten Quartal 2012 nicht mehr nachgekommen. Das gleiche gelte für den neuen iMac, der erst im Dezember in den Handel gelangt sei. Cook sagte, er vertraue auf die kommenden Produkte. Erwartet wird unter anderem ein billigeres iPhone.

Finanzchef Peter Oppenheimer sagte: "Wir sind sicher, ohne diese Einschränkungen wären unsere Verkäufe höher gewesen." Beim iMac hatte es einen Rückgang von 5,2 auf 4,1 Millionen verkaufte Geräte gegeben.

Apple steht in jedem Fall unter Druck, denn die Konkurrenz rüstet auf: Als Hauptrivale gilt derzeit Samsung mit seinen Galaxy-Smartphones auf Basis des Android-Betriebssystems. Zudem ist Microsoft mit seinem neuen Betriebssystem Windows 8 für PC, Tablets und Smartphones auf den Markt gegangen. Mit dem Surface hat der Software-Primus auch einen eigenen Tablet-Computer herausgebracht. Microsoft will heute seine Quartalsbilanz verkünden.

Im Vorfeld der Bilanzpräsentation hatte ein Bericht für Unruhe gesorgt, Apple habe weniger Bauteile bei seinen Zulieferern bestellt. Das war als ein Rückgang der Nachfrage interpretiert worden. Cook sagte: "Es wäre klug, die Richtigkeit eines jeden Gerüchts infrage zu stellen."
 

 
Leser-Kommentare
  1. Apple nützt es sehr, dass stndig über sie berichtete wird. So hat ein Elite-Handy produzent eine publicitiy wie ein Marktführer Samsung oder eine noch bessere, obwohl der Marktführer numal der Marktführer ist.

    Seien wir doch mal ehrlich. Apple-Zeug kann sich nicht jeder leisten und das gehört auch zum Konzept! Es ist daher doch interessant wie sehr die Marke kommuniziert wird. Das ist ein gewinn für sie, kein Verlust. Dahe rbrauchen Sie sie auch nicht in Schutz zu nehmen.

    Im Gegenteil. Anstatt den alten Kindergarten Spruch abzulassen "die machen das doch aucH", sollten Sie sich als humanist und Demokrat doch in jedem Fall für humane ausgestaltung von Arbeitsplätzen einsetzen, egal ob es eine Firma unverhältnismäßig häufiger in der Kritik trifft. Sie sollten sich wirklich nicht in die Milliarden schweren, glücklichen Gewinner des Apple -unternehmens kümmern sondern um die Verlierer, die die Handys bauen und dies unter ärmlichen Bedingungen tun, damit der GEWINN noch größer ist, für die wenigen an der Apple -spitze.

    Ernsthaft. Das Thema sollte wirklich nicht aus Sicht der Milliardäre besprochen werden. Die haben ihre Lobby. Das sind die Regierungen eines jeden Landes. Was die Welt braucht ist eine Lobby für die ausgebeuteten Arbeitskräfte in Entwicklungs- und Schwellenländern.

    5 Leser-Empfehlungen
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    • hairy
    • 24.01.2013 um 9:58 Uhr

    "Was die Welt braucht ist eine Lobby für die ausgebeuteten Arbeitskräfte in Entwicklungs- und Schwellenländern."

    Versuche gibts ja, zB http://www.fairphone.com/
    Aber obs was wird, und man sichs auch mit kleinem Geldbeutel doch leisten kann...??

    • hairy
    • 24.01.2013 um 9:58 Uhr

    "Was die Welt braucht ist eine Lobby für die ausgebeuteten Arbeitskräfte in Entwicklungs- und Schwellenländern."

    Versuche gibts ja, zB http://www.fairphone.com/
    Aber obs was wird, und man sichs auch mit kleinem Geldbeutel doch leisten kann...??

  2. ...kann man da wohl nur zu Analysten und Anlegern sagen!

    Aber Apple ist ja nun weiß Gott kein Einzelfall, es reiht sich nur ein in eine ganze Reihe von supertollen Geldanlagen, in die dann (fast) jeder sein Geld reinstecken will/wollte. Durch übertriebenen Rendite- oder Sicherheitserwartungen strömt genug Geld rein um eine Blase aufzublähen, aber irgendwann kommt dann doch das Gesundschrumpfen auf Normalmaß.

    2 Leser-Empfehlungen
  3. ... Der Aktienkurs spiegelt doch nur das wieder, was die Analysten vorhersagten - und was dann eingetreten ist.

    Apple ist als Geldmaschine Super-Extraklasse, aber eben nicht ganz so Super-Extraklasse wie vorhergesagt. Folgerichtig sinkt der völlig überbewertete Kurs auf einen lediglich überbewerteten Kurs.

    Technologisch, politisch und Produktsektenmäßig ist Aplle natürlich am unteren Rand der aufgeklärten Gesellschaft.

  4. ... hat apple 2x gerettet, ein drittes mal wird er es nicht tun. bye bye, ich werde diese fehleranfälligen stylischen produkte irgendwie vermissen.

  5. 13. Fage:

    Weiss hier jemand, wieviele Analysten es in etwa gibt?
    Wieviele hat z.B. die Deutsche Bank?
    Mich interessiert mal die Zahl der Menschen, die die Finanzwelt "steuert"...

    Eine Leser-Empfehlung
  6. Erstens kann ich anhand dieses Artikels nicht mal im Ansatz eine Kritik erkennen, lediglich eine Feststellung über nakte Zahlen und Fakten und wie die Analysten darauf reagiert haben.

    Zweitens muss der Branchenprimus damit leben, im Fokus der Öffentlichkeit zu leben. Sowohl in guten, wie in schlechten Zeiten, wobei Apple ja weit von schlechten Zeiten entfernt ist. Hofbereichterstattung jedenfalls sollte nicht sein, auch bei Apple nicht.

    Alles in allem ist es aber schon grotesk, wenn man hier ein Rekordergebnis nach dem anderen einfährt, nur knapp an den (überzogenen?) Erwartungen vorbeischrammt und dann von der Börse abgestraft wird.

    Wobei ja langfristig schon die Frage im Raum steht, was ist die nächste Killer-App von Apple? iPod, iPad, iPhone und Notebook/PC sind alles Dinge, die ich auch bei anderen Unternehmen finde und die Quantensprünge bei der Weiterentwicklung der jeweiligen Produkte sind auch nicht mehr zu erwarten. Die Messlatte, die sich Apple einmal selbst gesetzt hat, ist also verdammt hoch.

    Ein iPad z.B. reizt mich nicht die Bohne. Da gibt es interessantere Entwicklungen von anderen Unternehmen, von denen ich mir mehr Nutzen verspreche als einfach nur luxuriös durchs Internet zu surfen.

    Antwort auf "Hü und Hott"
    • hairy
    • 24.01.2013 um 9:58 Uhr

    "Was die Welt braucht ist eine Lobby für die ausgebeuteten Arbeitskräfte in Entwicklungs- und Schwellenländern."

    Versuche gibts ja, zB http://www.fairphone.com/
    Aber obs was wird, und man sichs auch mit kleinem Geldbeutel doch leisten kann...??

    Eine Leser-Empfehlung
  7. ...wie sich Kurse bilden, Charts verlaufen und was der Wert einer Aktie tatsächlich ist....,

    einfach mal an Dieter Nuhr erinnern -.-

    Ganz schön peinlich Ihr Beitrag!

    2 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Nicht, dass..."
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    Sorry, aber das die Börsenwerte nicht immer der Realität entsprechen ist nun mittlerweile kein Geheimnis mehr ...

    Sorry, aber das die Börsenwerte nicht immer der Realität entsprechen ist nun mittlerweile kein Geheimnis mehr ...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, AFP, dpa, sc
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  • Schlagworte Apple | iPhone | Tim Cook | iPad | Samsung | Microsoft
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