FlugzeugbauerBoeing stoppt Auslieferung von Dreamliner-Jets

In den USA dürfen die Vorzeigeflugzeuge des US-Herstellers Boeing wegen Sicherheitsproblemen nicht fliegen. Derzeit produzieren die Werke auf Halde.

Eine Boeing 787 Dreamliner auf dem Flughafen Narita, östlich von Tokio

Eine Boeing 787 Dreamliner auf dem Flughafen Narita, östlich von Tokio  |  © Toru Hanai / Reuters

Derzeit verlässt kein Dreamliner 787 des US-Flugzeugbauers Boeing die Werke. Die Auslieferung sei gestoppt, die Produktion werde aber fortgesetzt, sagte ein Boeing-Sprecher. Behörden in den USA, Europa und anderen Ländern haben das Flugzeug wegen Problemen mit den neuartigen Batterien aus dem Verkehr gezogen.

Dem Sprecher zufolge wird der Konzern erst wieder Maschinen ausliefern, wenn die nationale Flugaufsichtsbehörde FAA dem Dreamliner Flugtauglichkeit bescheinigt. Am 16. Januar hatte die FAA die Dreamliner in den USA aus dem Verkehr gezogen.

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Die Behörde hatte das Flugverbot verhängt, nachdem ein Dreamliner in der südwestjapanischen Stadt Takamatsu wegen eines brennenden Lithium-Ionen-Akkus hatte notlanden müssen. Es war das erste Mal seit 34 Jahren, dass die FAA ein Flugverbot für alle Maschinen eines Typs aussprach. Die Aufseher in Japan, Europa, Indien, Katar und Chile schlossen sich an.

Die japanischen Gesellschaften All Nippon Airways (ANA) und Japan Airlines (JAL) hatten bereits am Mittwoch kurz nach der Notlandung der ANA-Maschine in Takamatsu vorerst alle Flüge mit dem Dreamliner ausgesetzt. Den beiden Gesellschaften gehören mit 24 Maschinen fast die Hälfte der bisher 50 ausgelieferten Dreamliner-Jets. Die einzige europäische Airline mit dem Dreamliner in ihrer Flotte, die polnische LOT, prüft möglichen Schadenersatz wegen des Flugverbots für den Langstreckenjet.

Für den Dreamliner gibt es 800 Bestellungen

In Deutschland hat bislang keine einzige Fluggesellschaft den Dreamliner in der Flotte. Air Berlin hat aber 15 Stück bestellt, die 2015 ausgeliefert werden sollen. Tui Travel will 13 Maschinen abnehmen. Insgesamt liegen Boeing mehr als 800 Bestellungen für die jeweils etwa 200 Millionen Dollar teuren Flieger vor.

Bereits in der Vorwoche hatte eine Batterie eines am Boden stehenden Dreamliners der JAL Feuer gefangen, außerdem verlor ein Flugzeug vor dem Start etwa 150 Liter Treibstoff. Weiter ging die Pannenserie mit einer Störung des Bremscomputers an einem ANA-Jet, einem Ölleck und einem spinnennetzförmigen Riss in einem Cockpit-Fenster.

Boeing baut Lithium-Ionen-Batterien ein, weil sie leichter und leistungsfähiger sind als herkömmliche Nickel-Cadmium-Batterien. Die Entwicklung des aus Leichtmaterial gebauten und damit treibstoffsparenden Dreamliners war als Meilenstein in der Luftfahrt gefeiert worden. Die Lithium-Ionen-Batterien können aber leicht heiß werden und dann Feuer fangen.

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Leserkommentare
    • vonDü
    • 19. Januar 2013 11:05 Uhr

    lässt es sich besser leben, als mit halbfertigen Flugzeugen.

    Der Dreamliner ist ein gutes Beipiel dafür, dass die Konkurrenzsituation am Markt, gelungene Großprojekte mehr behindert, als unfähige Politiker oder Landeskulturen. Verkauft werden Idealplanungen, nicht mehr reale Planungen.

    Eine Leserempfehlung
  1. Ein Lieferstopp in der Anlaufphase eines Produktes, das aus Gründen modernster angelsächsischer Managementphilosophie (Smiley-Konzept) mit weltumspannenden Kooperationsketten gebaut wird(die Juristen und Controller haben das Sagen, die Ingenieure sitzen nur noch am Katzentisch) ist in etwa zur Analogie: Ein Mensch wird von einer Giftschlange gebissen(etwa der Schwarzen Mamba) Einzelne Gliedmaßen fallen sofort aus, andere erleiden dass Zittern, den Übrigen geht es noch leidlich, da nicht alle hochgetrimmten Produktionsketten schlagartig unterbrochen werden können.
    Die Problemsymptome zeichneten sich aber schon durch den Mehrfachwechsel der Projekthäuptlinge ab.
    Hingegen wurden bei der alten Kavallerie wurden nie währen einer Attacke die Generale gewechselt!

  2. Lithium-Ionen Akkus brennen nicht einfach nach Lust und Laune. Entweder werden sie außerhalb ihrer Spezifikationen betrieben oder sie sind fehlerhaft gefertigt. Ersteres ist Schlamperei von Boeing und letzteres ist Schlamperei vom Akkuhersteller.

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters, nf
  • Schlagworte Boeing | TUI | Air Berlin | Airline | Flugverbot | Flugzeug
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