LuftverkehrWeltweites Startverbot für den Dreamliner

Die Risiken sind den Behörden zu hoch: Nach einer Serie von Pannen müssen alle Dreamliner von Boeing überprüft werden. Flüge mit den Maschinen wurden vorerst verboten.

Der Boeing 787 Dreamliner

Der Boeing 787 Dreamliner   |  © Saul Loeb/AFP/Getty Images

Die Flugzeuge vom Typ Dreamliner des US-Herstellers Boeing müssen vorerst am Boden bleiben. Das hat die US-Luftfahrtbehörde FAA angeordnet. Ihr ist das Risiko eines Feuers an Bord durch die fehlerhaften Batterien zu hoch. Die europäische Luftsicherheitsbehörde EASA schloss sich der Entscheidung an. Auch sie untersagt alle Flüge nach einer Reihe von Pannen bei den Flugzeugen vom Typ 787.

Betroffen ist in den USA einzig die Fluggesellschaft United Airlines, die sechs Dreamliner in ihrer Flotte hat. Bevor die Flüge wieder aufgenommen werden könnten, müsse nachgewiesen werden, dass die Batterien sicher seien, teilte die FAA mit. In Europa hat bislang nur die polnische Fluggesellschaft LOT Dreamliner in Betrieb. Am Mittwoch hatte die Gesellschaft eine der Maschinen erstmals auf einen Langstreckenflug geschickt.

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Auch Air India nimmt seine sechs Dreamliner-Maschinen aus dem Flugplan. Im Einklang mit der FAA-Anweisung habe Air India entschieden, die Maschinen vorerst für Überprüfungen aus dem Verkehr zu ziehen, teilte die Gesellschaft mit.

Vorausgegangen war die Notlandung eines Dreamliners am Dienstag in Japan, nachdem eine Batterie geschmort hatte und Rauch in die Kabine eindrang. Die Fluglinien All Nippon Airways und Japan Airlines hatten daraufhin für Mittwoch und Donnerstag alle Flüge mit dem Langstreckenjet gestrichen. Das Transportministerium beschrieb den Vorfall als "höchst ernsthaft".

Es ist das erste Mal seit 1979, dass Behörden weltweit so restriktiv gegen einen US-Flugzeugbauer vorgehen. Boeing-Chef Jim McNerney gab sich trotzdem zuversichtlich, dass der Dreamliner sicher sei. Man wolle so schnell wie möglich Antworten auf die Probleme finden.

Lecks, Feuer und Bremsstörungen

Vor dem Vorfall in Japan war es bereits zu einer Reihe von Zwischenfällen mit dem Flugzeugtyp gekommen. Es gab zwei Treibstofflecks, ein Batteriefeuer, ein Kabelproblem, eine Bremsstörung sowie ein zersprungenes Cockpit-Fenster. Die Entwicklung des aus Leichtmaterial gebauten Dreamliner war ursprünglich als Meilenstein in der Luftfahrt gefeiert worden.

Bislang hat Boeing 50 Dreamliner ausgeliefert, die Hälfte davon nach Japan. In Deutschland betreibt bislang keine Fluggesellschaft den Dreamliner. Air Berlin hat aber 15 Stück bestellt, Tui Travel will 13 Maschinen kaufen. Boeing liegen rund 800 Bestellungen für die 200 Millionen Dollar teuren Flieger vor. Die Aktie von Boeing fiel nachbörslich um weitere zwei Prozent.

Die Probleme bei Boeing könnten den Wettbewerb mit Airbus beeinflussen. Die EADS-Tochter hatte vor einem Jahr mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Damals ließen ein Triebwerksbrand sowie Haarrisse in den Tragflächen das Vertrauen in das Flugzeug A380 schwinden.

Probleme mit den Lithium-Ionen-Akkus

Die US-Luftfahrtbehörde FAA will mit Boeing und den Fluggesellschaften zusammenarbeiten, um eine Lösung für das Batterieproblem zu finden. Das könnte aber schwierig werden, da das hochmoderne Flugzeug mehr noch als ältere Modelle auf Strom angewiesen ist. Viele hydraulische Systeme wurden durch Computersteuerungen ersetzt.

Bei den Batterien handelt es sich nach FAA-Angaben um Lithium-Ionen-Akkus. Dieser Typ wird auch in Handys, Digitalkameras oder Notebooks eingesetzt, weil er auf kleinem Raum viel Strom speichern und lange halten kann. Jedoch gab es auch bei diesen Elektronikgeräten immer wieder Fälle brennender oder schmorender Batterien.

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Leserkommentare
  1. Dreamliner hört sich an wie eine Reise ohne Wiederkehr!! Da lobe ich mir doch einen Airbus aus dem steigt man einfach wieder aus!!

  2. 26. [...]

    Entfernt, auf Wunsch des Users. Die Redaktion/cv

  3. danke für Ihren mE teilweise zutreffenden kommentar. die luftfahrtindustrien (insbesondere die hersteller) sind sicherlich vorreiter im bereich der unfallanalyse und unfallvermeidung (ein bereich, in dem ich fremdernannter fachmann bin). ich kann aber mE gut belegen, daß die vorgehensweise sich verändert hat. die von Ihnen kritisierten "laberrunden von selbsternannten fachleuten" (das können Sie belegen?)sind natürlich manchmal nicht einfach zu trennen von zumindest halbwegs sachkundigen beiträgen. danke jedenfalls weiterhin für alle an der sache interessierten beiträge (auch den Ihren) , die irgendwie doch zur realen verbesserung beitragen, in welchem umfang auch immer.
    gh

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    Es waren weniger die Hersteller als vielmehr die Nutzer, die Airlines, die sich mit firmeninternen, anonymisierten Meldesystemen um die Verbesserung der Flugsicherheit verdient gemacht haben.

    Die nicht nur technische Verbesserungen am Gerät eingefordert haben, sondern insbesondere durch sinnvolle Organisation der Arbeitsabläufe in Cockpit, Kabine und bei der Technik zu einer signifikanten Reduzierung der Schadensfälle beigetragen haben.

    Es wäre auch vor 20 Jahren kein Pilot gemobbt worden, der beim ersten Anzeichen eines möglichen Feuers konsequent Notmaßnahmen einleitet und 14 Minuten später, aus 33000ft Flughöhe kommend, auf einem Ausweichplatz aufgesetzt hätte - da können Sie sicher sein.

    Zu der Zeit gab es z.B. bei Lufthansa das Referat Flugsicherheit, das monatlich auf dunkelgelbem Papier (damals relativ kopiersicher!) seine CF-Info herausgab, wo alle bekanntgewordenene Vorfälle offen und detailliert beschrieben wurden.
    Anonymisiert, sodass kein Flottenchef auf irgendwelche disziplinarischen Gedanken kommen konnte.

    So ist es zum heute selbstverständlichen Flugsicherheitsstandard gekommen - nicht durch irgendwelche Internetportale, die Airlines als sicher listen, obwohl auf dem Acker bei Schipol noch die Reifenspuren der Bergungsfahrzeuge zu sehen sind.

  4. Das sind keine generellen Probleme von diesem Akkutyp, es sind Probleme, die Boeing da rein konstruiert hat!

    Ebenso die anderen im Artikel genannten Probleme, die sich aus der Konstruktion, bzw. dem gewählten Fertigungsprozess ergeben.

    Der Dreamliner ist das erste Flugzeug, dass unter einem Vorstandschef von Boeing entwickelt wurde, der kein Ingenieur ist, sondern Kaufmann.

    Muss man noch mehr sagen?

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Generelles Problem"
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    ...in zwanzig Jahren, in denen Ingenieure Chefs bei Boeing waren ist GAR KEIN völlig neues Verkehrsflugzeug entwickelt worden. Und auch das nur auf ganz erheblichen Druck der Airlines. Allgemein wünsche ich Boeing und auch Airbus viel Glück mit den Neuentwicklungen.

  5. Für die, die es interessiert, hier mal eine Übersicht über die tech. Lösungen der 787 i.Vgl. m. der B777:

    http://de.scribd.com/doc/89500317/Boeing-787

  6. Es waren weniger die Hersteller als vielmehr die Nutzer, die Airlines, die sich mit firmeninternen, anonymisierten Meldesystemen um die Verbesserung der Flugsicherheit verdient gemacht haben.

    Die nicht nur technische Verbesserungen am Gerät eingefordert haben, sondern insbesondere durch sinnvolle Organisation der Arbeitsabläufe in Cockpit, Kabine und bei der Technik zu einer signifikanten Reduzierung der Schadensfälle beigetragen haben.

    Es wäre auch vor 20 Jahren kein Pilot gemobbt worden, der beim ersten Anzeichen eines möglichen Feuers konsequent Notmaßnahmen einleitet und 14 Minuten später, aus 33000ft Flughöhe kommend, auf einem Ausweichplatz aufgesetzt hätte - da können Sie sicher sein.

    Zu der Zeit gab es z.B. bei Lufthansa das Referat Flugsicherheit, das monatlich auf dunkelgelbem Papier (damals relativ kopiersicher!) seine CF-Info herausgab, wo alle bekanntgewordenene Vorfälle offen und detailliert beschrieben wurden.
    Anonymisiert, sodass kein Flottenchef auf irgendwelche disziplinarischen Gedanken kommen konnte.

    So ist es zum heute selbstverständlichen Flugsicherheitsstandard gekommen - nicht durch irgendwelche Internetportale, die Airlines als sicher listen, obwohl auf dem Acker bei Schipol noch die Reifenspuren der Bergungsfahrzeuge zu sehen sind.

  7. ...in zwanzig Jahren, in denen Ingenieure Chefs bei Boeing waren ist GAR KEIN völlig neues Verkehrsflugzeug entwickelt worden. Und auch das nur auf ganz erheblichen Druck der Airlines. Allgemein wünsche ich Boeing und auch Airbus viel Glück mit den Neuentwicklungen.

  8. dem Flugzeug!

    Beta-Versionen von Software sind scheiße genug - bei Flugzeugen ist meine Toleranz nahe null - eigentlich null.

    Sicher kann Boing das besser, aber dann sollen sie halt mal machen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters, sc
  • Schlagworte Boeing | Airbus | Luftverkehr | Air India | TUI | Air Berlin
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