Tageszeitung"Frankfurter Rundschau" könnte durch massiven Stellenabbau überleben

Die "Frankfurter Rundschau" bekommt mehr Zeit für Verhandlungen mit möglichen Käufern. Ein deutscher Investor würde offenbar bis zu 400 Mitarbeiter entlassen wollen.

Die Frankfurter Rundschau (FR) könnte als Zeitung zwar erhalten bleiben, aber dafür bis zu 400 Menschen entlassen müssen. Die Gläubiger der Tageszeitung hätten beschlossen, dem vorläufigen Insolvenzverwalter Frank Schmitt zusätzliche Zeit zu geben, um die laufenden Verkaufsgespräche zum Abschluss zu bringen, teilte Schmitt selbst mit. Derzeit gebe es noch Gespräche mit "zwei potenziellen Investoren, die ernsthaftes Interesse an der Übernahme von Teilen des Unternehmens bekundet haben".

Die Verkaufsgespräche seien in der Endphase. Zugleich wurde in Frankfurt die Belegschaft informiert. Ein deutscher Investor wolle die FR fortführen, 400 Mitarbeiter würden dann ihre Stellen verlieren. Sie könnten in eine Transfergesellschaft wechseln, sagte Schmitt. In jedem Fall bleibt ein Monat mehr Zeit für die Verhandlungen: Das Unternehmen werde über den 1. Februar hinaus fortgeführt, die FR erscheine also weiter, teilte Schmitt mit.

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Als möglicher Käufer war auch wiederholt die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) genannt worden. Deren Verlagsleitung hatte dies nicht kommentiert. Medien berichteten, dass die FAZ von insgesamt 450 Beschäftigten bei der Zeitung nur einen kleinen Teil der Mitarbeiter in der Redaktion behalten könnte. Die Gewerkschaft ver.di forderte für den Fall einer Übernahme durch die FAZ, die Frankfurter Rundschau als eigenständige Zeitung zu erhalten.

Als zweiter Investor sei die türkische Firma Estetik Yayincilik an der Übernahme der Druckerei der FR interessiert, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter mit. Das Konzept des Unternehmens sehe ebenfalls vor, dass "ein ganz wesentlicher Teil der Arbeitnehmer entlassen werden müsste". Laut ver.di würde dies das Aus für 350 Arbeitsplätze bei der FR bedeuten.

Weiterer Interessent für Druckerei

Estetik Yayincilik habe sein Interesse bislang jedoch "nur in formloser, unverbindlicher Form" erklärt, teilte Schmitt mit. Dieses Konzept sei "in keiner Weise tragbar" – sowohl mit Blick auf die Kosten- als auch die Personalplanung. Zudem sei das Kaufpreisangebot "wesentlich zu niedrig, die Zahlungsmodalitäten nicht akzeptabel".

Das vorläufige Insolvenzverfahren für die FR endet am Donnerstag, am 1. Februar könnte das eigentliche Insolvenzverfahren eröffnet werden. Die Verhandlungen können auch noch scheitern. Schmitt sagte aber: "Ich bin aber guten Mutes." 

Die FR hatte im November Insolvenz angemeldet. Insgesamt stehen rund 450 Arbeitsplätze auf dem Spiel, davon etwa die Hälfte im Druckzentrum. Die bisherigen Haupteigentümer, die Kölner Verlagsgruppe M. DuMont Schauberg und die SPD-Medienholding DDVG, nannten als Grund massive Umsatzverluste, aufgrund derer sie keine Perspektive zur Fortführung der FR mehr gesehen hätten.

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Leserkommentare
    • iboo
    • 31. Januar 2013 9:02 Uhr

    in die freilich auch diverse Agenturmeldungen als Content eingestreut sind. Denn solche Billigprodukte sind ja immer gefragt, zumindest bei der Werbebranche.

    • 4fight
    • 02. Februar 2013 13:36 Uhr

    Wie die SPD-Medienholding DDVG und MDS die Frankfurter Rundschau ruinierten.

    http://www.publik-forum.d...

  1. Hätten sich zurückliegend sehr viel weniger die Artikel der Online-Ausgabe der Frankfurter Rundschau kommentierende Leser dem schieren Unfug verschrieben, ihre Beiträge weit außerhalb der Grenzen der von der Allgemeinheit unabdingbar gewährleisteten Freiheit zur Äußerung der eigenen Meinung zu verfassen und dadurch ihre aus zweifelsohne nichtigem Anlass heraus zutiefste Abscheu selbst noch im Angesicht von ohnehin sozial umfassend geschützten Institutionen moderner Gesellschaften zum Ausdruck gebracht, müssten die dortigen Betriebsangehörigen allein deswegen weitaus geringere Gefahren für Leib und Leben ihrer jeweiligen Person gewärtigen. Im Vergleich dazu erscheint die vergangenes Jahr öffentlich angemeldete Zahlungsunfähigkeit der Zeitung unabweisbar als eine unausgesprochene Aufforderung an das Insolvenzgericht, besagte Umtriebe zum Wohle aller notwendig an ihr Ende kommen zu lassen, indem besagte Tatbestände als solche der vom Souverän verlangten Strafe zugeführt werden.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, tis
  • Schlagworte FAZ | Ver.di | Medien | Arbeitnehmer | Insolvenz | Redaktion
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