MedienEin bisschen Rettung für die "Frankfurter Rundschau"?

Der Konkurrent "FAZ" könnte die "Frankfurter Rundschau" übernehmen, zumindest einen Teil davon. Die meisten Angestellten würden dabei allerdings trotzdem entlassen.

Das Redaktionsgebäude der "Frankfurter Rundschau"

Das Redaktionsgebäude der "Frankfurter Rundschau"  |  © Lisi Niesner

Die insolvente Frankfurter Rundschau (FR) soll einem Medienbericht zufolge vom Konkurrenten Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) fortgeführt werden. Das Hamburger Abendblatt berichtete unter Berufung auf Verlagskreise, die FAZ wolle die Rundschau in abgespeckter Form als Regionalzeitung für das Rhein-Main-Gebiet erhalten.

Geplant sei die Übernahme von etwa 30 Redakteuren und mehreren freien Mitarbeitern. Texte zu überregionalen Themen sollten offenbar von der FAZ zugeliefert werden. Gedruckt werde die Rundschau künftig von der Frankfurter Societäts-Druckerei, einem Schwesterunternehmen der FAZ. Zustimmen müssten der Übernahme noch die Fazit-Stiftung als Hauptgesellschafterin der FAZ sowie die fünf FAZ-Herausgeber.

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Von der FAZ gab es dazu zunächst keine Stellungnahme. Auch ein Sprecher des Insolvenzverwalters Frank Schmitt wollte den Bericht nicht bestätigen. Es gebe nach wie vor mehrere Interessenten, aber bislang kein konkretes Angebot, sagte er. Am Montag werde Schmitt die Gläubiger über den Stand der Verhandlungen informieren. Diese sollten dann entscheiden, ob die Rundschau fortgeführt oder eingestellt wird. Allerdings seien die Verhandlungen soweit gediehen, dass Schmitt nicht von einer Einstellung ausgehe. Am Mittwoch sollten die Mitarbeiter informiert werden.

SPD ist mit 40 Prozent an der FR beteiligt

FR-Betriebsrat Marcel Bathis kündigte an, am Montag mit anderen Arbeitnehmervertretern mit SPD-Chef Sigmar Gabriel über einen Sozialplan und eine mögliche Transfergesellschaft für die etwa 460 Mitarbeiter von Verlag und Druckerei zu sprechen. Die SPD ist über ihre Medienholding mit 40 Prozent am Verlag der Rundschau beteiligt. Etwas mehr als 50 Prozent liegen beim Kölner Verlag M. DuMont Schauberg, der Rest bei der Stiftung des früheren Mehrheitsgesellschafters Karl Gerold.

Der Verlag der 1945 gegründeten Frankfurter Rundschau hatte im November Insolvenz angemeldet. Sollten die Verkaufsbemühungen scheitern, könnte eine weitere überregionale Qualitätszeitung vom Markt verschwinden. Erst im Dezember war die Financial Times Deutschland eingestellt worden.

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Leserkommentare
  1. Degradieren zum Regionalblatt, daran hatte auch der Vorgänger Du Mont schon gedacht, wenn ich nicht irre. Von der alten FR, die neben der konservativen FAZ und der (links-)liberalen Süddeutschen den im SPD-Sinne linken Teil des politischen Spektrums abdeckte, ist ohnehin seit vielen Jahren kaum noch etwas übrig.
    Es gab zig Umbauten, alle brachten Verschlechterungen und nur die Umstellung auf das S-Bahn-taugliche Tabloid-Format war wirklich innovativ, aber leider kein Erfolgsrezept.

    Nun gibt es auf der konservativen und marktliberalen Seite des politischen Spektrums die FAZ für das Bildungsbürgertum und Welt und wöchentlich den Focus für die BWLer, im linksliberalen Spektrum die Süddeutsche und wöchentlich die Zeit (Beide für die Gebildeten), der Spiegel ist nicht mehr klar zu verorten (linksliberal oder marktliebral?), auf der Linken verbleibt die TAZ. Da fehlt jetzt etwas.

    Aber die alte Frankfurter Rundschau mit ihrer glanzvollen Tradition als Blatt für gebildete Gewerkschafter wie linksliberale und linke Intellektuelle, die gibt es ja ohnehin schon lange nicht mehr, nur der Name wurde gerettet - in Frankfurt nichts Neues. Die verbliebenen Mitarbeiter sind natürlich noch ein weiteres Kapitel.
    Es war übrigens eine der ersten Zeitungen, die nach dem 2. weltkrieg gedruckt werden durften.

    Eine Leserempfehlung
  2. Eigentlich werden Unternehmen betrieben, um Geld zu verdienen. Mindestens dürfen sie dauerhaft keines verbrennen, wie es die FR gemacht hat. Die FAZ wäre schlecht beraten, Journalisten der FR in eine ABM auf Verlagskosten zu übernehmen.

    Wenn ein Unternehmen seinen Betrieb einstellen muss, weil es nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden kann, erfolgt damit auch immer eine Reallokation der Produktionsmittel, wie die Volkswirte es nennen. Der Mechanismus der Marktwirtschaft wird in diesem konkreten Falle auch die Journalisten dahin reallozieren, wo sie mit ihrer Arbeit wieder einen volkswirtschaftlichen Nutzen erbringen können. Sollte das bei der FAZ sein, wäre das schön für sie. Dort mit dem Geldverbrennen weiter zu machen, würde uns bald auch das Ableben der FAZ bescheren. Das wäre aus Sicht des Verlags nicht mutig sondern töricht.
    Man kann natürlich auch einen Mäzen suchen, der die Verluste immer wieder ausgleicht.

    Antwort auf "Ein mutiger Schritt"
  3. Ein krisengeschütteltes Blatt. 2010 sozusagen nach Berlin verlagert. In Frankfurt blieb nur ein bißchen Lokalredaktion. Darauf gingen die Abonnentenzahlen in den Keller. Die Anzeigenkunden blieben weg.

    Reaktion wie in jeder der diversen Krisen: Leute entlassen. Das Resultat auch immer dasselbe: die Qualität sinkt weiter.

    Rein strukturell kann ich mir eine Angliederung an die FAZ schlecht vorstellen. Das sind zwei völlig unterschiedliche Paar Schuh. Wahrscheinlich würden dann die letzten drei Leser auch noch fliehen.

    • 15thMD
    • 28. Januar 2013 2:03 Uhr

    Seit der Debatte um das Leistungsschutzrecht und den einseitigen Artikeln, die die FAZ vor allem online (Print kann ich nicht beurteilen, ich kaufe die FAZ nicht und habe zu der Zeit auch wenig in Cafes etc gesessen) publiziert hat, ist die Zeitung für mich gestorben.
    Ob sie nun die FR übernimmt oder nicht, ist mir wirklich egal. Unabhängigen Journalismus kann man von dort scheinbar nicht erwarten.
    Wenn ich ein wenig konservativere und "rechtere" (im Vgl. zu Zeit und TAZ) Artikel lesen will, dann bleibt für mich nur noch die NY Times.

  4. Warum versucht man mit Hängen und Würgen so ein selten blödes Blatt am Leben zu erhalten?
    Außerdem scheint eher, dass 40% der Linken gehören, wenn man sich diese pseudo-Artikel darin durchliest! Von Rechtschreibfehlern mal ganz zu schweigen. "Mit Gewalt gegen Schulen" - was eigentlich "Schulden" heißen sollte - sorry, aber dann lieber Qualität!

  5. Dass die FAZ als Sozialstation für ein gescheitertes Konkurrenzprodukt fungiert und den Erhalt der Arbeitsplätze subventioniert?
    Der FAZ schon vor der Übernahme vorzuwerfen, dass sie Arbeitsplätze nicht erhält, an denen sie nichts verdient, ist doch ein wenig daneben.

    Antwort auf "Soziales Engagement???"
  6. wenn es zumindest in abgespeckter Form für die FR weitergehen könnte.

    Vor Jahren, damals noch als Pressesprecher eines Unternehmens, hatte ich die FR ins Zeitungskontingent aufgenommen. Dafür flog die Bild, das Lieblingsblatt meines Vorgängers, raus. Übrigens zum Verdruss einiger Kollegen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, nf
  • Schlagworte Medien | SPD | FAZ | Sigmar Gabriel | Betriebsrat | Einstellung
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