FrauenquoteBanken und Sparkassen sind in Männerhand

Die Beschäftigten von Banken sind überwiegend weiblich – doch in den Führungsetagen sitzen kaum Frauen. Daran hat sich seit 2006 wenig geändert. von Martin Dowideit

In der Nassauischen Sparkasse kennt man das Problem: Fast 60 Prozent der Berufseinsteiger bei der achtgrößten Sparkasse des Landes sind Frauen. Bei Positionen mit erster Führungsverantwortung beträgt die Frauenquote etwas unter 50 Prozent, und von 158 Führungskräften sind 24 weiblich. Der Vorstand des Instituts ist eine Männerdomäne.

Das Institut mit Sitz in Hessen ist nicht allein. In der gesamten Kreditwirtschaft sind 57 Prozent der Beschäftigten weiblich. Doch zu den Führungsetagen hin sinkt die Frauenquote drastisch. Eine aktuelle Erhebung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt: Gerade einmal 4,2 Prozent der Vorstandsmitglieder der hundert größten Banken und Sparkassen sind Frauen. Und das ist schon eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr, als die Quote 3,2 Prozent betrug. Vor sechs Jahren waren es 2,5 Prozent.

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"Sollte die Finanzbranche es in absehbarer Zeit nicht schaffen, deutliche Fortschritte hinsichtlich der Repräsentanz von Frauen in Spitzengremien zu erzielen, wird der politische Druck voraussichtlich steigen", warnen die Forscher. Das Damoklesschwert einer Frauenquote hängt über der Branche. Weder bei Commerzbank noch bei Deutscher Bank gibt es eine Frau im Vorstand.

"Ich werde nicht in den Ruhestand gehen, bevor wir nicht eine Frau im Vorstand haben", hatte Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen im vergangenen Jahr als bescheidenes Ziel für das eigene Haus verkündet. Auch die Sparkassen haben das Ziel, den Frauenanteil zu erhöhen und haben dazu einige Initiativen gestartet.

Weibliche Aufseher kommen vor allem von Arbeitnehmerseite

Das DIW schaut sich auch die 61 größten Versicherer an und kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Von 384 Vorständen sind 22 Frauen (Quote: 5,7 Prozent). Im Vorjahr waren es 3,6 Prozent und vor sechs Jahren 2,5 Prozent. Auch sehr große Versicherungen haben Frauen im Vorstand: Allianz, Ergo und Axa.

Mehr weibliche Vertreter gibt es in den Aufsichtsgremien der Finanzhäuser. Die Frauenquote der Aufsichts- und Verwaltungsräte der Banken und Sparkassen beträgt 17,8 Prozent, liegt aber nur etwas über dem Wert von vor sechs Jahren (15,1 Prozent). Aber fast zwei Drittel der weiblichen Aufseher gehören zum Arbeitnehmerlager. Bei Versicherungen sind 15,3 Prozent aller Aufseher weiblich.

Die Nassauische Sparkasse hat erforscht, wie es zu der geringen Quote kommt, wohl auch aus Angst vor einer gesetzlichen Quote. Die befragten Beschäftigten schätzen den tatsächlichen Frauenanteil der Führungskräfte richtig ein – und drei Viertel der Frauen halten den Wert für zu niedrig.

Leserkommentare
  1. Setzen, sechs!

    Die wichtigste Information wäre doch, wie viel Prozent der weiblichen und männlichen Mitarbeiter haben welche Ausbildung.
    Nur mal als Annahme: Wenn jetzt 90% der weiblichen Mitarbeiterinnen mittlere Reife haben und 10% Hochschulabschluss, bei den Männern wäre die Zahl aber genau andersherum, so wäre ganz leicht zu verstehen, warum mehr Männer in den Führungsetagen sitzen.
    Wenn aber hierzu keine Angaben gemacht werden, so ist der ganze Aussagewert unbrauchbar.

    Heute habe ich zufällig in der Spiegel-Ausgabe vom Dezember gelesen, dass in den 30 Dax-Unternehmen auf Grund der Panik vor einer Frauenquote dort in den letzten Jahren Frauen trotz geringerer Qualifikation deutlich überdurchschnittlich befördert wurden.

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    Demnächst führen wir noch eine Putzfrauenquote im oberen Management ein, weil diese da im Moment unterrepräsentiert sind.

    Völlig richtig!

    Ich habe 2009 eine Banklehre angefangen und dort war das Verhältnis ca 60 % Männer zu 40 % Frauen.

    Mittlerweile studiere ich BWL mit Schwerpunkt Finanz- und Kreditwesen. In meinem Kurs sind knapp 50 Männer und ganze 6 -in Worten SECHS- Frauen.

    Wie soll man da bitte qualifiziertes weibliches Personal für die Führungsspitze finden?
    Leider nur ein sehr einseitiger Artikel.

  2. Was hat denn bitte die aktuelle Einstellungsquote mit der Führungsetage zu tun, welche höchstwahrscheinlich von Leuten besetzt ist, welche vor vielen Jahren eingetreten sind.
    Da müsste ich doch eher die Eintrittsquote von vor 20 Jahren als Vergleich heranziehen und nicht die aktuelle!

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  3. "Die Beschäftigten von Banken sind überwiegend weiblich – doch in den Führungsetagen sitzen kaum Frauen. "

    Kein Sterbenswörtchen dazu, dass sonst überwiegend Frauen, um Umkehrschluss also weniger Männer angestellt sind. Auch eine Form der Diskriminierung. Nein, natürlich nicht für ZeitOnline, denn von Diskriminierung kann offensichtlich nur das weibliche Geschlecht betroffen sein.

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    sehe ich diese Art von einseitiger Berichterstattung in einem anderen Bild. Es hängt mit dem Unwort der Jahres 2012 zusammen. Egal welche Themen angesprochen werden, es werden immer zuerst die angeblichen Benachteiligungen von Frauen gesucht. Denn wir wissen ja jetzt: Frauen können ja nie an irgendetwas Schuld haben; ergo sind sie Opfer.
    Beobachten Sie mal unter diesem Gesichtspunkt, ruhig auch mal zurückliegende Berichterstattungen, in denen es um die Männer Frauen Thematik geht. Ich verspreche Ihnen es wird ein spannender Exkurs..

  4. Demnächst führen wir noch eine Putzfrauenquote im oberen Management ein, weil diese da im Moment unterrepräsentiert sind.

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  5. Solche Berichterstattung über Luxusprobleme lenken von den wirklichen Problemen in unserem Land ab. Ich glaube da gibt es gewichtigere Ungerechtigkeiten (falls es sich denn hier tatsächlich um eine solche handelt, das sei mal dahingestellt) die viel viel größere Menschengruppen betrifft. Davon liest man hier bei Zeit-Online leider viel zu wenig. Woran mag das wohl liegen? Warum bitteschön soll ich mir als Durschnittsbürger Gedanken über die Unterrepräsentation von Frauen in Führungsetagen machen?

    2 Leserempfehlungen
    • genius1
    • 16. Januar 2013 20:16 Uhr

    Bei der Geldanlage wollten mich die Frauen mehr über den Leisten ziehen, als die Männer.

    Vielleicht auch nur Zufall? Hat auch nix mit weiblichen Führungskräften zu tun, denke ich mal.

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  6. Und die Antwort ist im Artikel schon gegeben. Die Frauen sind als Teilzeitkräfte da oder eben gar nicht da. Wie sollen sie dann die Management Aufgaben überhaupt erfüllen? Ein Top Manager in Teilzeit ist, oder zwei Teilzeitkräfte für eine Management Position zu besetzen, halte ich für nicht realistisch.
    Es liegt an Frauen, auch an ausgebildeten Frauen, das archaische Frauenbild abzulegen und sich beruflich zu entwickeln. Ein gute Ausbildung ist nicht alles. Man muss praktisches Know How und Kompetenzen entwickeln. Durch Teilzeit und lange Auszeiten ist das nicht möglich.

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  7. sehe ich diese Art von einseitiger Berichterstattung in einem anderen Bild. Es hängt mit dem Unwort der Jahres 2012 zusammen. Egal welche Themen angesprochen werden, es werden immer zuerst die angeblichen Benachteiligungen von Frauen gesucht. Denn wir wissen ja jetzt: Frauen können ja nie an irgendetwas Schuld haben; ergo sind sie Opfer.
    Beobachten Sie mal unter diesem Gesichtspunkt, ruhig auch mal zurückliegende Berichterstattungen, in denen es um die Männer Frauen Thematik geht. Ich verspreche Ihnen es wird ein spannender Exkurs..

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