FinanzkriseUS-Aufsichtsbehörde verklagt Großbank J.P. Morgan

Aufgrund des Verkaufs riskanter Immobilienpapiere muss die US-Großbank JPMorgan Chase erneut vor Gericht. Die Aktion führte zum Bankrott von drei Genossenschaftsbanken.

Firmensitz der Bank J.P. Morgan in New York

Firmensitz der Bank J.P. Morgan in New York  |  ©Eduardo Munoz/Reuters

Die größte US-Bank JPMorgan Chase hat erneut eine Klage infolge der Finanzkrise bekommen. Die amerikanische Regulierungsbehörde National Credit Union Administration (NCUA) teilte mit, die Bank sei verantwortlich für falsche Angaben beim Verkauf von Wertpapieren im Wert von 2,2 Milliarden Dollar, die mit Hypotheken abgesichert waren. Dies hat nach Auffassung der NCUA zum Zusammenbruch dreier Genossenschaftsbanken geführt. Es ist bereits die dritte Klage der NCUA gegen JPMorgan Chase.

Verantwortlich für die unsauberen Geschäfte war die größte amerikanische Sparkasse Washington Mutual, die JPMorgan Chase auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im September 2008 gekauft hatte. Es geht um Derivate von Washington Mutual, die auf hochriskanten Immobilienkrediten basierten. Mit deren Verkauf seien die Börsengesetze gebrochen worden, sagt die Aufsichtsbehörde. Laut der Klageschrift hatte Washington Mutual den Charakter der Wertpapiere in vielfacher Hinsicht falsch dargestellt und wichtige Informationen verschwiegen. Nach dem Platzen der Blase am US-Immobilienmarkt wurden die meisten mit Hypotheken gedeckten Wertpapiere wertlos.

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Washington Mutual und ihr Mutterkonzern JPMorgan Chase hätten die drei Genossenschaftsbanken U.S. Central, Western Corporate und Southwest Corporate getäuscht, indem sie ihnen die komplexen Papiere verkauft hätten, so die NCUA. Die drei Genossenschaftsbanken seien daraufhin insolvent geworden und mussten daher unter Aufsicht der NCUA gestellt werden. Schließlich seien sie wegen der hohen Verluste durch die Papiere abgewickelt worden.

Aufräumarbeiten nach dem Verursacherprinzip

Es sei extrem teuer gewesen, den Schaden, der durch die Geschäfte von Geldhäusern wie Washington Mutual entstanden sei, einzudämmen und zu reparieren, sagte NCUA-Chefin Debbie Matz. "Es ist daher nur richtig, dass diese Leute, die den Schaden verursacht haben, für die Aufräumarbeiten herangezogen werden."

Im Oktober verklagte die Aufsichtsbehörde JPMorgan Chase bereits wegen der Hypothekengeschäfte der übernommenen Investmentbank Bear Stearns über 3,6 Milliarden Dollar. Im Juni 2011 wurde JPMorgan Chase zuvor wegen eigener Hypothekengeschäfte im Volumen von 1,4 Milliarden Dollar von der NCUA verklagt. Beide Verfahren laufen noch.

Ähnliche Verfahren im Zusammenhang mit der Bündelung von Hypothekenkrediten zu Wertpapieren führt die NCUA auch gegen andere Finanzinstitute wie Goldman Sachs, Barclays, die Royal Bank of Scotland, Credit Suisse und UBS. Entsprechende Forderungen der Behörde gegenüber der Deutschen Bank, der Citigroup und der HSBC wurden auf dem Verhandlungsweg geregelt.

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte verfassen Sie differenzierte Kommentare. Danke, die Redaktion/jp

  2. Nur sollte einen das nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, das gerade die amerikanische Politik die Voraussetzungen für diese kriminellen Aktiitäten erst geschaffen hat und solange zugeschaut hat, bis wieder Billionen Dollar von Kleinanlegern zu Investment-Bankern und Großanleger gewandert sind. Wie hoch wohl die "Strafsummen" sind, haben die Geschädigten etwas davon? Daran, das Politik auch bei uns noch immer nicht begriffen hat, dass der ungeregelte Markt eben nicht für alle sorgt, an diesem 30jährigen pseudoliberalen Irrweg hat sich noch nichts gravierendes geändert. Die Diskussion um die Ausweitungen bei der PPP (public private partnership), in Deutschland die Autobahnen via Maut für alle ein schönes Geschäft für Bauunternehmen, und Spanien mit neuer Baublase mit dem Madrider Euro-Las Vegas auch wieder dabei, ein in Europa immer mehr um sich greifendes Risiko - die Krise wird noch lange dauern ...

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  3. Da kann man wieder mal sehen, wie Schäuble und Konsorten
    uns verkaufen wollten.

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  4. um korrekt abzubilden welche Risiken für Regress da noch im Raum rumschwirren?

    Reicht da der Zahlenraum den wir in Worte fassen können aus?

    Alle Banken sind sch.... - stimmt nicht?, aber die Aussage ist viel eher richtig als die gegenteilige Aussage.

    Eine Leserempfehlung
  5. Viele institutionelle Anleger waren und sind auch noch heute gesetzlich gezwungen, bei bestimmten Anlagen (z. B. "mündelsichere") nur auf sogenannte Triple A Werte zuzugreifen.

    Obwohl es heute bekannt und offensichtlich ist, dass die 3 grossen amerikanischen Rating Agenturen gegen besseres Wissen auf faulen Immobileinkrediten basierende Derivate mit AAA bewertet haben, die dann auch von vielen europäischen Banken und Anlegern gekauft wurden und zu riesigen Verlusten und der derzeit immer noch andauernden "Finanzkrise" führten, ist bis heute keiner dieser dafür verantwortlichen Verbrecher angeklagt worden.

    Im Gegenteil: Durch willkürliche Bewertungen europäischer Länder, die nicht zuletzt auch aufgrund sehr teurer "Bankenrettungen", mit verursacht durch vorgetäuschte AAA Bewertungen mieser Derivate, in die Klemme gekommen sind, tragen sie heute dazu bei, die Zinsen für Anleihen dieser Länder hochzutreiben.

    Dieses Spiel ist so durchsichtig, dass man sich des Eindruckes nicht erwehren kann, dass unsere Politiker, die dem etwas entgegen zu setzen hätten,der geballten Kraft der Finanzlobby nicht und in keiner Weise gewachsen sind.

    Wer also glaubt, von unseren Polikern regiert zu werden, dem sei diser Satz ins Gedächtnis gerufen: Geld regiert die Welt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, Reuters, sc
  • Schlagworte Goldman Sachs | Barclays | Citigroup | Credit Suisse | Finanzkrise | HSBC
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