FinanzindustrieHSH Nordbank macht Thomas Mirow zum Chef des Aufsichtsrats

Ein Ex-Senator soll der angeschlagenen HSH Nordbank helfen: Der SPD-Mann Thomas Mirow übernimmt von Hilmar Kopper den Vorsitz des Aufsichtsrats.

Thomas Mirow

Thomas Mirow  |  © Sean Gallup/Getty Images

Neuer Chef des Aufsichtsrats der schwer angeschlagenen HSH Nordbank soll der frühere Hamburger Senator Thomas Mirow werden. Amtsinhaber Hilmar Kopper gibt seinen Posten spätestens zum 28. Februar vorzeitig ab; das Mandat lief turnusgemäß bis Mai 2014.

"Mir ist bewusst, dass vor der HSH Nordbank eine weitere sehr schwierige Wegstrecke liegt", sagte Mirow bei seiner Vorstellung in Hamburg. "Aber es steht für den Steuerzahler im Norden wie auch für die Wirtschaft in unserer Region viel auf dem Spiel." Die Mehrheitseigner der Bank sind die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein.

Anzeige

Thomas Mirow war von 2005 bis 2008 Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und von Juli 2008 bis Mai 2012 Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Zuletzt war er Chef der Osteuropabank. Als Hamburger Senator hatte er zwischen 1991 und 2001 in verschiedenen Zuständigkeiten gearbeitet. 2004 trat er als Spitzenkandidat der SPD zur Hamburgischen Bürgerschaftswahl an. Er unterlag aber klar gegen Ole von Beust (CDU), der die absolute Mehrheit der Sitze errang.

Kopper habe den Vorstandschef der HSH Nordbank, Constantin von Oesterreich, bereits Mitte Dezember schriftlich über seine Entscheidung informiert, teilte das Finanzinstitut mit. Bei Amtsantritt Mitte 2009 hatte der frühere Chef der Deutschen Bank erklärt, er wolle das Mandat lediglich für maximal drei Jahre übernehmen. Oesterreich sagte, Kopper habe die Bank "in einer ihrer schwierigsten Phasen begleitet und sich große Verdienste bei der Neuausrichtung des Instituts erworben".

Kritik an Nonnenmachers Abfindung

Die Kritik an Kopper hatte sich unter anderem an dem Aufhebungsvertrag entzündet, den er mit Dirk Jens Nonnenmacher geschlossen hatte. Der Vertrag spricht dem Ex-Vorstandschef der HSH Nordbank eine Abfindung in Millionenhöhe zu. Gegen Nonnenmacher ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen interner Bespitzelungs- und Manipulationsvorwürfe. Im November wurden Wohnungen Nonnenmachers durchsucht.

Aus der Politik hatte es zuletzt Bedenken gegen Koppers Vorgehen gegeben. Im Oktober hatte Vorstandschef Paul Lerbinger überraschend sein Amt aufgegeben; Presseberichten zufolge betrieb Kopper dessen Rücktritt, ohne sich mit den Finanzministern in Hamburg und Kiel abzusprechen.

Im November teilte die Bank mit, sie sei durch faule Kredite in Schwierigkeiten geraten; Hamburg und Schleswig-Holstein müssten für Verluste bis maximal 1,3 Milliarden Euro garantieren.

Fokus auf Norddeutschland und Mittelstand

Die HSH Nordbank richtet ihr Geschäftsmodell derzeit neu aus. Das hatte die EU-Kommission zur Bedingung für die Genehmigung von Staatshilfe gemacht. Das aus den ehemaligen Landesbanken von Schleswig-Holstein und Hamburg entstandene Institut soll als eine Geschäftsbank für norddeutsche Firmenkunden und Mittelständler agieren. In internationalem Rahmen soll sie sich auf die Projektfinanzierung in ausgesuchten Sektoren wie der Schifffahrt konzentrieren.

In der Finanzkrise hatte sich die HSH Nordbank mit Kredit- und Wertpapiergeschäften verspekuliert; sie musste vom Staat mit Milliardenhilfen vor dem Aus gerettet werden. Angesichts der anhaltenden Krise in der Schifffahrt wird inzwischen darüber diskutiert, den staatlichen Garantierahmen wieder auf zehn Milliarden Euro aufzuspannen. Er war nach ersten Erfolgen bei der Sanierung der Bank unlängst auf sieben Milliarden verringert worden.
 

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • Karl V.
    • 11. Januar 2013 11:44 Uhr

    Was stellen die denn her außer Pleiten, Pech und Pannen?

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    >> Was stellen die denn her außer Pleiten, Pech und Pannen? <<

    ... toxische Papiere und sowas. Nichts, was ein vernünftiger Mensch haben möchte ;-)

    "Thomas Mirow war ... von Juli 2008 bis Mai 2012 Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Zuletzt war er Chef der Osteuropabank."

    Ja, und? Gibt es was zu berichten? Kann der was, oder ist das nur ein weiterer Politiker mit Pöstchen-Garantie?

  1. >> Was stellen die denn her außer Pleiten, Pech und Pannen? <<

    ... toxische Papiere und sowas. Nichts, was ein vernünftiger Mensch haben möchte ;-)

    "Thomas Mirow war ... von Juli 2008 bis Mai 2012 Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Zuletzt war er Chef der Osteuropabank."

    Ja, und? Gibt es was zu berichten? Kann der was, oder ist das nur ein weiterer Politiker mit Pöstchen-Garantie?

    Antwort auf "Finanzindustrie ?"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    dass Mirow was kann.

    Denn einen "vollpfosten" setzt man nämlich nicht in eine Firma, die schon die "Gelbe Karte" aus Brüssel gekriegt hat.

  2. Referenzen sind da uninteressant.
    Schliesslich kennt man sich ja und ist per Du.
    Der Kuchen muss schön geschützt werden.
    Andere dürfen nicht ran.

    Das ist keine Polemik, sondern Tatsache. Wie sonst kann man sich erklären, dass Pleite Bänker, wie bei der IKB plötzlich andere Banken Führen dürfen?
    Gang und Gebe ist das.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    also verbreitet und annehmbar, ist nicht unbedingt schlecht. Es kommt auf die Menschen an, die hinter der Sache stehen. - Thomas Mirow scheint eine ganze Menge in seiner Arbeitszeit geleistet, erfahren und bewegt zu haben; von Zockereien ist nichts bekannt. - Auf alle Fälle ist er mir lieber als ein Mensch von der Deutschen Bank auf diesem Posten, der einem höchst Angeschlagenen auch noch 4 Mille Prämie verschafft. -

  3. also verbreitet und annehmbar, ist nicht unbedingt schlecht. Es kommt auf die Menschen an, die hinter der Sache stehen. - Thomas Mirow scheint eine ganze Menge in seiner Arbeitszeit geleistet, erfahren und bewegt zu haben; von Zockereien ist nichts bekannt. - Auf alle Fälle ist er mir lieber als ein Mensch von der Deutschen Bank auf diesem Posten, der einem höchst Angeschlagenen auch noch 4 Mille Prämie verschafft. -

    Eine Leserempfehlung
  4. 1.300.000.000 -Milliarden- faule Nüsse ?
    Alles nur Kleingkeiten, der Schiffbau liegt am Boden,
    was soll´s.
    Wenn etwas schief geht, is´ dann niemand da, der haften könnte oder möchte.
    Das können bitte schön, z.B. auch die Werftenarbeiter übernehmen, -> als Steuerzahler.

    Soll´n wir uns nun mal wieder ärgern, oder könn´ wir uns vielleicht nur wieder wundern, wie die Steuerzahler u.U. , wieder zur Kasse genötigt werden.
    Wieder ein Beispiel dafür, wenn schon denn schon,
    nicht kleckern, sondern klotzen.
    Die "Erfolgs-Serien" deutscher Manager, will einfach kein Ende nehmen.
    Und arbeiten dürfen die dann auch noch, z. B.
    bis, 77.
    Die Steuerzahler dürfen nur bis 67 arbeiten, in ihren Leben, auch wenn sie "nur", Werftenarbeiter sind,
    und dann ihre Gesundheit sicherlich weitens gehend aufgebraucht ist.

    Die "erfolgreichen" Manager werden dann noch für ihre Leistungen und vorbildliche Verantwortbarkeit mit Steuergeldern überschüttet.
    Als Dank für ihre Weitsicht, erhalten diese dann noch eine Belohnung, in Form einer Abfindung, für vorbildliches Vitamin B.
    Alle Achtung, hier ist mal wieder eins von vielen Beispielen, wie es funktioniert, dieses Land zu ruinieren.

    Soll es als eine Art von Rache verstanden sein, für Leiden die diese Menschen u.U. in ihren Leben erleiden mußten.
    Es ist ja nur ein Versuch, solche Handlungsweisen zu verstehen.
    Die Haltung des Herrn H. K., war doch hinlänglich bekannt.

    Doch was uns nicht umbringt, macht uns nur noch härter.

    Vielen Dank auch

    Eine Leserempfehlung
  5. dass Mirow was kann.

    Denn einen "vollpfosten" setzt man nämlich nicht in eine Firma, die schon die "Gelbe Karte" aus Brüssel gekriegt hat.

    Antwort auf "Blasen, ..."

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters, sc
  • Schlagworte Hilmar Kopper | Dirk Jens Nonnenmacher | Thomas Mirow | Bundesfinanzministerium | CDU | EU-Kommission
Service