InternethandelChinas größter Onlinehändler Alibaba zersplittert

Jack Ma, der Chef von Chinas größtem Onlinehändler, tritt ab – mit nur 48 Jahren. Nun wetten Anleger auf einen Totalumbau der Firma. von 

Mit 48 Jahren in den Ruhestand: Jack Ma, Gründer und Chef der Alibaba-Gruppe, Chinas erfolgreichstem Internetunternehmen, will diesen Schritt offenbar gehen. Im Internetgeschäft sei er nun wirklich nicht mehr einer der Jüngsten, schrieb Ma Anfang der Woche per E-Mail an seine Mitarbeiter. "Die junge Generation hat die besseren Voraussetzungen, um ein Internet-Ökosystem wie das Unsere zu steuern." Und weiter: "Ich glaube, sie begreift die Zukunft besser als ich." Im Mai will er als operativer Chef von Alibaba abtreten. Der Multimilliardär zieht sich dann auf einen Posten im Verwaltungsrat zurück.

Schon mutmaßen Beobachter, hinter dem Rücktritt von Chinas prominentestem Firmenboss stecke weit mehr: ein noch größerer Umbau der Unternehmensgruppe als bisher vorgesehen. Erst vergangene Woche hatte Ma angekündigt, die Gruppe in 25 kleine Sparten aufzuteilen. Die einzelnen Teile des Unternehmens sollen eigenständiger und flexibler auf Herausforderungen reagieren können.

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Momentan ist die Alibaba-Gruppe noch in sieben Tochterfirmen unterteilt. Sie besteht aus der Plattform Alibaba, die weltweit zumeist kleine und mittelständische Handelsfirmen mit chinesischen Firmen zusammenbringt. Das zweitgrößte Standbein ist Taobao, das erfolgreichste Onlineauktionshaus Asiens. Hinzu kommen der Onlinebezahldienst Alipay, der Cloud-Dienst Aliyun, die Einkaufssuchmaschine eTao und das Onlinekaufhaus TMall, das sich vor allem auf Markenprodukte spezialisiert hat. Die chinesische Version von Yahoo, die die Alibaba-Gruppe vom gleichnamigen US-Mutterkonzern abgekauft hat, ist ebenfalls eine Tochterfirma. Nun wird das Unternehmen weiter zerkleinert. Es handele sich um den größten Umbau der Konzerngeschichte, schreibt Ma.

"Chinesische Internetfirmen wissen, dass sie angesichts von so großen Veränderungen nicht so weiter machen können wie bisher", wird der Branchenkenner und frühere Präsident von Yahoo China, Xie Wen, in der Zeitung China Daily zitiert. Vor allem der Trend zur mobilen Nutzung des Netzes verändere derzeit das gesamte Onlinegeschäft in rasantem Tempo.

Tatsächlich wächst in kaum einem Land der Welt die Zahl der mobilen Nutzer so schnell wie in der Volksrepublik. Von den aktuell 564 Millionen Chinesen mit regelmäßigem Zugang zum Internet sind fast 75 Prozent überwiegend mobil online – 19 Prozent mehr als im Vorjahr. Bis zum Jahr 2015 soll die Zahl der Internetnutzer auf 800 Millionen Menschen steigen. Xie Wen geht davon aus, dass die meisten der neuen Nutzer direkt mit Smartphones und Tablets ihren Einstieg ins Netz finden. Sie kaufen sich erst gar keine Laptops oder gar PC.

Die Konkurrenz für Alibaba wächst

Bislang scheint die Alibaba-Gruppe auf diese Veränderungen gut vorbereitet. Allein die Transaktionen auf den beiden Kaufhausportalen Taobao und Tmall betrugen im vergangenen Jahr bis Ende November umgerechnet rund 120 Milliarden Dollar – eine Summe, die etwa zwei Prozent der chinesischen Wirtschaftsleistung entspricht. An besonders gut laufenden Tagen hat die Alibaba-Gruppe im vergangenen Jahr mehr als zwei Milliarden Euro umgesetzt. Viele dieser Geschäfte werden bereits über mobile Endgeräte abgewickelt.

Doch die Konkurrenz wächst: Andere Internetgiganten wie Tencent oder 360buy.com des Pekinger Unternehmens Jingdong Century Trading setzen ebenfalls auf den mobilen Elektronikhandel. Sie investieren vor allem große Summen in die Logistik. Gerade im Binnenland des Riesenreichs reicht die Infrastruktur nach wie vor nicht aus, viele Bestellungen kommen nur verzögert an. Auch die Alibaba-Unternehmen wollen Millionen in neue Vertriebsstrukturen investieren.

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