USAUS-Versicherungsgigant AIG schockiert Amerikaner

Steuerzahler und Politiker sind erstaunt und wütend: AIG erwägt eine Klage gegen die Regierung – nachdem der Versicherer mit Milliarden vom Staat gerettet wurde.

Mit 182 Milliarden US-Dollar ist der US-Versicherer AIG im Zuge der Finanzkrise vom Staat gerettet worden. Nun erwägt das Unternehmen eine Klage gegen die Regierung – und zieht damit den Zorn der Steuerzahler und Politiker auf sich.

Der Verwaltungsrat der American International Group (AIG) will darüber beraten, ob sich das Unternehmen einer Schadensersatzklage seines früheren Vorstandschefs Maurice "Hank" Greenberg anschließt. Der 87-Jährige argumentiert, die Regierung habe AIG zu harte Auflagen gemacht und damit die Interessen der Aktionäre, zu denen er auch zählte, verletzt. In dem Rechtsstreit geht es um Schadenersatzforderungen in Höhe von 25 Milliarden Dollar (16,1 Milliarden Euro).

Anzeige

Finanzminister Timothy Geithner und Notenbankchef Ben Bernanke reagierten auf die Meldung wütend, schreibt die Huffington Post. Die demokratische Senatorin und Wall-Street-Kritikerin Elizabeth Warren nannte die Haltung des Unternehmens unglaublich: "AIG sollte den Amerikanern für ihre Hilfe danken und nicht die Hand beißen, die sie in der Krise gefüttert hat."

Der Satiriker und Kolumnist des Magazins New Yorker, Andy Borowitz, veröffentlichte einen fiktiven Brief von AIG, in dem es heißt: "Wir kämpfen für eines der kostbarsten Rechte der Amerikaner: Das Recht, jemanden zu verklagen, der gerade dein Leben gerettet hat." David Axelrod, ehemaliger Chefberater von Präsident Barack Obama twitterte: "Definition von Chutzpe: AIG, gerettet von Steuerzahlern, erwägt Klage gegen USA wegen der Konditionen".

AIG hat sich für Rettung mit Anzeigen bedankt

AIG hatte sich gerade noch in großen Anzeigen für die inzwischen zurückgezahlten Hilfen bedankt. Vorstandschef Robert H. Benmosche sagte, "das meinen wir auch so". Aber man habe auch die Verpflichtung, sich mit Blick auf die Klage alle Argumente anzuhören. Eine Entscheidung sei in den nächsten Wochen zu erwarten.

Im Gegensatz zur Investmentbank Lehman Brothers wurde AIG 2008 vom Staat gerettet – zu groß waren die Befürchtungen, dass bei einer Pleite das globale Finanzsystem kollabieren würde. Der Staat hat seine Anteile inzwischen mit einem Gewinn von knapp 23 Milliarden Dollar wieder verkauft.
 

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Wer Dankbarkeit o.ä. erwartet hat, ist wohl wirklich naiv. Glaubt denn irgendwer, dass sich die Mentalität in diesen Geschäftsetagen geändert hat?

    40 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Auch die einfachsten Bürger verklagen den Staat, wenn die Sozialhilfesätze aus ihrer Sicht nicht angemessen sind, obwohl dieser sie vor dem Verhungern rettete. Warum sollten dann die reichen Vorstände dankbarer sein?

  2. hat schon das Nötige dazu gesagt -> https://www.youtube.com/w...

    7 Leserempfehlungen
  3. Insbesondere der amerikanische Staat hat sich entschlossen, Unternehmen vor den Kadi zu zitieren, um seine eigene Kasse aufzubessern. In Europa schliessen sich die Regierungen langsam dem Zug an und klagen ihrerseits auch immer mehr Unternehmen an. Ausländische Unternehmen und vor allem solche aus der Finanzbranche (und IT) stehen im Vordergrund.

    Wer kann es den Unternehmen verdenken, wenn sie ihrerseits den Staat für Fehlverhalten einklagen, um ihre eigene Kasse aufzubessern? [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie beim konkreten Thema des Artikels. Danke, die Redaktion/au

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    deren eigenem kriminellen Handeln geschuldet. Wer sich nicht an Recht und Gesetz hält, muss eben bestraft werden - wobei die meisten kriminellen Unternehmen noch viel zu glimpflich davonkommen.

    Strafen gegen IT-Riesen sind aufgrund ihrer Verstöße gegen Wettbewerbsrecht und Datenschutz ebenfalls mehr als gerechtfertigt.

    Entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/au

  4. Wie soll der marode Laden bitte in 3 Jahren inkl. Gewinnanteil 205 Milliarden verdient haben, die er zurückgezahlt haben soll? Da hat doch rigendwer wieder krumm gerechnet...

    11 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    klingt so, als hätte man einem kerngesunden Unternehmen das Geld aufgezwungen. Hierzu sollte die ZEIT bitte Hintergrundinfos beisteuern.

    Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Die Redaktion/kvk

    meines wissens nach wurden grosse unternehmensteile verkauft/liquidiert.

    Ich denke mal, dass AIG nach der Rettung wieder kreditwürdig genug ist, sich selbst zu finanzieren. Und rund 15% Steigerung des Werts von Unternehmensanteilen ist nicht wirklich viel, wenn man zu Zeiten gekauft hat, zu denen die Firma ein Pleitekandidat war.

    wohin meinen Sie, fließen gerade die x mal 100 Milliarden Euro die wir für Griechenland, Italien, Portugal, Irland und Zypern rausschmeissen.

    Zu den Bewohnern dieser Länder - wohl eher nicht!

  5. deren eigenem kriminellen Handeln geschuldet. Wer sich nicht an Recht und Gesetz hält, muss eben bestraft werden - wobei die meisten kriminellen Unternehmen noch viel zu glimpflich davonkommen.

    Strafen gegen IT-Riesen sind aufgrund ihrer Verstöße gegen Wettbewerbsrecht und Datenschutz ebenfalls mehr als gerechtfertigt.

    13 Leserempfehlungen
  6. Entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/au

    6 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...und bemerken das dies schon eine enorme Leistung darstellt!

    MfG

  7. sollte sich lieber mal fragen, was aus seinem Kapöital geworden wäre, wenn die US-Regierung AIG hätte über die Klinge springen lassen.

    Das Traurige ist, dass es nach wie vor an Regulierungen fehlt, die einen volkswirtschaftlich gefahrlosen Bankrott solcher Unternehmen ermöglichen würden.

    11 Leserempfehlungen
    • Chali
    • 09. Januar 2013 17:29 Uhr

    vom amerikanischen Steuerzahler. Auch die Deutsche Bank. Die hat sich vom amerikansichen Steuerzahler 12 Milliarden abgegriffen - wegen verlorener Wetten im Subprime-Markt.

    Es wäre manchem eine Lehre sein können, wenn man sich seinen Buchmacher genauer anscheuern muss

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • liborum
    • 09. Januar 2013 19:32 Uhr

    Abwarten- oder glauben Sie, die "Amis" lassen das der Dt. Bank ungestraft auf Dauer durchgehen?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, sk
  • Schlagworte USA | Barack Obama | Ben Bernanke | AIG | Anzeige | David Axelrod
Service