Dass niemand vor ihm die Idee hatte, das wundert Jan Bredack noch heute. Und das noch nicht einmal in den USA, wo es in nahezu jedem Stadtteil vegane Restaurants und Läden gibt. Rund sechs Millionen Menschen ernähren sich in den USA heute vegan, essen also weder Fleisch noch andere Lebensmittel, die tierische Produkte enthalten. In Deutschland sind es Schätzungen zufolge rund 600.000.

Unter ihnen müsste es doch Konsumenten geben, die genauso denken wie ich, dachte sich Bredack vor zwei Jahren.Bredack, damals 38 Jahre alt, war zu dieser Zeit schon ein paar Jahre Veganer. Und er hatte keine Lust mehr, seinen Einkaufswagen mit einem Mix aus dem veganen Angebot der Bioläden, Reformhäuser oder Onlineportalen zu füllen. "Das war sehr aufwendig, weil ich bei neuen Produkten immer schauen musste, was überhaupt drin ist", sagt Bredack. Wie praktisch wäre da ein großer Supermarkt, der die wichtigsten Produkte für Veganer vorhält.

Bredack, ein Mann mit blondem Scheitel, der gerne T-Shirts trägt, steckte zu jener Zeit in einer Lebenskrise. Als Vertriebsleiter für Mercedes baute er ein Werk in Russland auf, rund tausend Kilometer östlich von Moskau. Heute beschreibt er diese Phase als "Burn-Out-Situation". Er kündigte und begann seine Idee zu verfolgen: den Aufbau einer Supermarktkette, nur für vegane Produkte. Der Name: Veganz. Bredack sammelte Geld bei Banken und Investoren ein, insgesamt drei Millionen Euro musste er am Anfang investieren. 2011 eröffnete er schließlich seine erste Filiale am Prenzlauer Berg in Berlin.

Seither ist Bredack Geschäftsführer und beschäftigt mehr als 20 Mitarbeiter. Die haben unter anderem die Aufgabe, neue Produkte zu entdecken und den Kontakt zu Lieferanten herzustellen. Vor allem aber sollen sie das Versprechen des Unternehmens einlösen: alle Produkte sollen fair und bio sein. 

Das ist nicht immer einfach. Vegane Produkte kommen oft von weit her, meistens aus den USA: das Eis auf Kokosmilchbasis etwa oder die Salami-Pizza, die mit Fleischersatz belegt ist. "Ein Nachteil für den ökologischen Fußabdruck" sei das, sagt Bredack, "aber wir haben zumindest den Transportweg Schiff gewählt." Dennoch: Das vollreife Obst wird aus Thailand eingeflogen. Bei vielen Kunden sei der Wunsch einfach zu groß, auf nichts verzichten zu müssen, sagt Bredack.