US-VerfahrenÄlteste Schweizer Bank gesteht Beihilfe zur Steuerhinterziehung ein

Das Geldhaus Wegelin hat vor einem US-Gericht zugegeben, reichen Amerikanern bei der Steuerflucht geholfen zu haben. Nach 270 Jahren stellt die Bank nun ihr Geschäft ein. von 

Der Hauptsitz der Wegelin Bank in St. Gallen

Der Hauptsitz der Wegelin Bank in St. Gallen  |  © Miro Kuzmanovic/Reuters

Das war es dann, nach fast drei Jahrhunderten Bankgeschichte. US-Ermittler haben die älteste Schweizer Bank zu Fall gebracht, weil sie ihr kriminelle Geschäftsmethoden nachgewiesen haben. Vor einem Bezirksgericht in Manhattan gab die Traditionsbank Wegelin nun öffentlich zu, reichen Amerikanern Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet zu haben.

"Die gerichtliche Erklärung beinhaltet, dass Wegelin eingesteht, durch Eröffnung von Konti und Depots und deren Betreuung für amerikanische Steuerpflichtige US-Recht verletzt zu haben", teilte die St. Galler Bank mit. Das 1741 gegründete Institut wird nach Abschluss des US-Verfahrens sein Geschäft einstellen.

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Es ist bei Weitem nicht das einzige Verfahren, das derzeit in den USA gegen eine Schweizer Bank läuft. Die Amerikaner ermitteln ebenfalls wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung gegen weitere rund zehn Schweizer Banken, darunter Credit Suisse und Julius Bär sowie die Kantonalbanken von Zürich und Basel.

Amerikaner attackieren weltweit Bankgeheimnis

Im Kampf gegen Steuerflucht haben die US-Behörden eine andere Strategie eingeschlagen als bislang die deutsche Bundesregierung. Die Amerikaner attackieren weltweit das Bankgeheimnis: Sie drohen der Schweizer Regierung und anderen Ländern mit Strafverfahren gegen hochrangige Bankmitarbeiter, falls sie keinen Zugang zu den Kundendaten der Banken erhalten und damit zu möglichen Steuerhinterziehern aus den USA.

Die schwarz-gelbe Bundesregierung wollte das Problem der Steuerflucht bisher anders angehen. Finanzminister Wolfgang Schäuble plante ein Steuerabkommen mit der Schweiz, durch das deutsche Staatsbürger ihr Schwarzgeld rückwirkend hätten versteuern können – ohne strafrechtliche Konsequenzen und zu einem ermäßigten Steuersatz von 21 bis 41 Prozent. Allerdings ist dieses Gesetz nun am Widerstand von SPD und Grünen im Bundesrat endgültig gescheitert.

Stattdessen versuchen vor allem die SPD-geführten Bundesländer mit dem Ankauf von Steuer-CDs an die Daten möglicher Steuerhinterzieher aus dem Ausland zu gelangen. Ein strategisches Vorgehen wie bei den US-Behörden ist bisher aber nicht ersichtlich.

Namen von 4.450 US-Kunden herausgegeben

In den USA begannen die Untersuchungen gegen Schweizer Banken im Jahr 2007 mit einem Verfahren gegen die Großbank UBS. In dem Prozess sahen sich die Schweizer Behörden dazu gezwungen, die Namen von 4.450 US-Kunden herauszugeben. Das Verfahren endete damit, dass die UBS 780 Millionen Dollar Strafe zahlte.

Andere Schweizer Banken, darunter auch Wegelin, übernahmen dann von UBS amerikanische Kunden. Nun muss auch Wegelin zahlen, und zwar 57,8 Millionen Dollar an die USA. Der Betrag beinhaltet eine Strafzahlung, Wiedergutmachung für mutmaßlich entgangene Steuereinahmen sowie mit US-Kunden erzielte Gewinne. Außerdem verpflichtet sich die Bank, amerikanische Kunden- und Bankdaten aufzubewahren und diese herauszugeben, sollten die Schweizer Behörden das anordnen.
 

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Leserkommentare
  1. " Lieber MItforist, mein Sprichwort passt hervorragend...
    ...da ich mit der Taube nicht die Steuerhinterzieher meine, sondern die entgangenen Steuermillionen."

    Selbst dann passt es nicht, da die Taube jemand anderes erhält(behält), sie also auf dem Dach nicht für alle unerreichbar ist.

    Um bei ihrer Metapher zu bleiben, man sieht grade an diesem Artikel, dass die Taube für andere Staaten sehr wohl zu erreichen ist, man muss den Taubenzüchter nur richtig ansprechen.

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  2. Amerika hat ein Recht auf seine Steuern und das auch weltweit. Man hat mit fast allen Ländern Abkommen geschlossen, die sich verpflichten amerikanische Staatsbürger zu melden, die im jeweiligen Land Geld deponieren.
    Dieses Abkommen hat sonst in diesem Umfang kein anderes Land.
    Insofern ist das Verhalten der Schweiz, für die USA natürlich schon recht suspekt.
    Was mich nur erstaunt ist das "Laissez-Faire" der Weltmacht USA gegenüber anderen Steueroasen, vor allem, weil diese im Anglo-Amerikanischen Rechtsraum liegen.
    Zum Beispiel:
    Bahamas Inseln,Bermuda-Inselkette,Cayman-Islands,Niederländischen Antillen
    Britische Jungferninseln (British Virgin Islands)
    Republik Panama,Barbados, Antiqua, Anguilla
    Delaware (USA)
    Hier hören wir nichts vom "Steuer-Kreuzzug", obwohl auch dort sicherlich hauptsächlich amerikanische Bürger , oder Firmen Gelder deponiert haben.
    Ein Schelm der Böses dabei denkt!

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    • Silaris
    • 04. Januar 2013 11:11 Uhr

    wohnen sie, dieses kleine, unscheinbare Bergvölkchen. Gewusst haben wir es ja schon immer, aber nie ausgesprochen. Nun ist es wohl endgültig vorbei mit dem begehrtesten Land für den Notgroschen, dank der Amerikaner. Welche Bank wird die nächste sein? Die Kundenabwanderung verzeichnet sogar die Bundespolizei an den Grenzen wenn sie ihre Stichproben machen. Höchste Zeit, dass der Judex Secundaris sein Fallbeil nicht nur schärft, sondern es auch zur Anwendung bringt.

  3. die U.S.A. ...die verunreinigten Staaten. Eine aufgeblähte und degenerierte Hollywoodgeneration. Showbusiness allover..."Yes we can"...fragt sich nur was????
    Sie sind die, die am lautesten schreien und mit ihren Wildwestmethoden einzuschüchtern versuchen. Lächerlich, was da zusammenkommt. Ein Klacks, wenn man weiss, wieviel zum Fenster hinausgeworfen wird. Hüben wie drüben. Kriminell sind für mich z. B. die Hedge-Fonds und Investmentbanker, die Cash auf Kosten der "Kleinen und Armen" regenerieren. Wenn eine Steuer-CD eine Milliarde einbringt...Peanuts gegen die verschleuderten und verschluderten Milliarden, die aufgrund von Inkompetenz, Unkenntnis Dummheit und Stümperhaftigkeit unserer Politiker verpulvert werden.
    Viel Geschrei um sehr wenig....
    Wenn unser Staat - und das sind die zum grössten Teil unfähigen "Lenker" - eine bessere und überschaubarere Steuerpolitik hätte, würde auch mehr Geld im Land bleiben.
    Aber wir haben ja wichtigere Sachen - wie Praxisgebühr - zuerst einführen - dann wieder abschaffen, Flaschenpfand, oder Hartz4 um 5 Euros oder nicht erhöhen.
    Solange Minister und "verdiente" Altkanzler, die selber Dreck am Stecken haben in Amt und Würden sind, bleibt das eine Schmierenkomödie.
    Wieviele Milliarden wurden und werden eigentlich durch kriminelle Energie und Mauscheleien in der EU eingesackt?
    Da reichen 3 Stellen nicht aus......

    5 Leserempfehlungen
  4. 37. Schweiz

    "Die Schweiz ist natürlich ein Schurkenstaat"

    Es handelt sich nicht um die Schweiz, sondern um Geldhäuser, die ihren Firmensitz in der Schweiz haben.

    Nur weil ein Unternehmen illegal handelt, macht es noch lange nicht den ganzen Staat zum Schurken.

    Anscheinend ist die Position der Banken in der Schweiz schon so schwach, dass die Bewohner als Hilfsargument mit einfließen müssen.

    "In den USA werden maximal 35 % Einkommesteuer bezahlt und 0% bis 11% Mehrwertsteuer."

    Dafür sind die Sozial-Verhältnisse und Infrastrukturen auch dementsprechend marode.

    2 Leserempfehlungen
  5. Die Wegelin Bank ist einfach zu klein.

    Es ist, wie es immer schon war: Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen:

    "Merken Sie sich also: Wenn Sie durch kriminelle Aktivitäten aller Art zu Geld kommen wollen, sorgen Sie zuerst dafür, dass Sie gross genug werden, um nicht “destabilisiert” werden zu dürfen. Danach sind Ihnen von Drogenhandel bis Terrorismus keinerlei Grenzen mehr gesetzt. Ähnlich wie im Strassenverkehr: Stau ist nur hinten blöd!"
    http://www.wirtschaftsfacts.de/2012/12/15-milliarden-strafe-fur-hsbc-sta...

    Es geht auch anders:

    In Island kam es kurz vor dem Jahreswechsel zu weiteren Verurteilungen unter ehemaligen Bankvorständen, die für den Zusammenbruch der heimischen Wirtschaft im Jahr 2008 mit verantwortlich zeichneten. Haftstrafen wurden durch das zuständige Gericht im Fall von zwei Ex-Top-Vorständen der Glitnir Bank ausgesprochen.
    http://www.wirtschaftsfacts.de/2013/01/island-haftstrafen-fur-zwei-ex-to...

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Sehr schön;"
  6. "Die Rechtslage ist, wie sie ist."
    Ach du liebe Güte, jetzt kommen Sie mir doch nicht mit sowas.
    Seit wann muß man alle Gesetze gut und richtig finden? Dass man sich dran halten muss, ausspioniert zu werden, ist schlimm genug. Geht Ihnen die Sache nicht weit genug? Frau Wagenknecht lässt grüßen, die findet das bestimmt ganz toll. Die will ja auch alle Banken enteignen.

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    ... bitte einmal verraten, warum Sie hier alles so persönlich nehmen?

    "Dass man sich dran halten muss, ausspioniert zu werden, ist schlimm genug."

    Wovor haben Sie eigentlich soviel Angst?

    Ihr Nachbar wird garantiert nicht erfahren wie viel Sie besitzen und ob Sie unsauberes Geld verschieben, da gibt es nämlich den Täterschutz (den Sie dann natürlich gut finden) der ebenfalls durch den Staat durchgesetzt wird.

    • kael
    • 04. Januar 2013 11:36 Uhr

    Zitat: "Die Kanonebootpolitik ist wohl besser als unsere "Kavalerie".

    Die Kavalerie ist bisher noch gar nicht eingesetzt worden - dank Schäubles Appeasement-Politik.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Warum"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters
  • Schlagworte Bundesregierung | Grüne | SPD | Wolfgang Schäuble | Bankgeheimnis | Behörde
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