Firmen in China und Indien investieren heute dreimal so viel in Forschung und Entwicklung wie noch 2007. In den USA ist die Zahl der Patente dagegen rückläufig. Bislang, schlussfolgerte die Boston Consulting Group vor wenigen Tagen in einer Studie zum Aufstieg der Schwellenländer, dominierten Samsung und Apple zwar scheinbar den Smartphone-Markt. Doch in ihrem Schatten schickten sich Firmen wie Huawei aus China an, die Branche aufzumischen.

Die Folge: In drei der vergangenen fünf Quartale hat Apple die Erwartungen verfehlt. Entwicklungen wie das iPad Mini werden von Analysten als "defensiv" kritisiert, das iPhone gilt inzwischen kaum noch als innovativ. Es sei zwar nichts falsch mit dem Gerät, aber es gebe eben auch nur noch wenig Unterschiede zur Konkurrenz, lautet der Tenor. Selbst Google-Chef Larry Page griff Apple vor wenigen Tagen im Interview mit dem britischen Guardian als "wenig ambitioniert" an.

"Apple war der Silberstreif"

Natürlich werde Apple nicht von heute auf morgen untergehen, sagt Willy C. Shih. Der Umsatz des Konzerns übersteige derzeit noch immer das Bruttoinlandsprodukt von Guatemala, der Gewinn allein sei so groß wie der Umsatz von Pharmariesen wie Novartis. Noch spiele sich die Krise auf sehr hohem Niveau ab.

Sollte Apple aber in einigen Jahren kein weiterer Innovationssprung gelingen, wird es schwierig, für den Konzern und damit letztlich auch für die USA. Es gebe in Amerika einfach keine andere Firma neben Apple, die ernsthaft in der Lage sei, die Wettbewerber aus Asien herauszufordern, sagt Robert Enderle. "Apple war der Silberstreif am Horizont – und der verblasst nun."