Apple Amerika bangt mit Apple

Der Konzern aus Kalifornien hat an Glanz verloren. Mit ihm fürchtet ein ganzes Land um die Vormachtstellung in der Elektronikbranche.

Apple-Store, Broadway, New York

Apple-Store, Broadway, New York

Es sei eine der "blutigsten Wochen in der Geschichte" gewesen, schrieb die indische Nachrichtenseite Firstpost.com etwas emphatisch – und sprach doch vielen aus der Seele. Tatort war die New Yorker Börse. Ein paar Gerüchte um gestrichene Bestellungen von Apple-Produkten und etwas schwächere Quartalszahlen hatten ausgereicht, um den Kurs der Apple-Aktie einbrechen zu lassen. Statt 514 war das Papier plötzlich nur noch knapp 460 Dollar wert. Mehr als 50 Milliarden Dollar Unternehmenswert waren vernichtet und der Titel des wertvollsten Unternehmens der Welt weg. "Es hat eine allgemeine Beunruhigung eingesetzt", sagt Willy C. Shih, Professor für Unternehmensführung an der Harvard Universität.

Schließlich hat Apple an der Wall Street ein Gewicht wie kein zweites Unternehmen. Der Aktienindex S&P 500 konnte im vergangenen Jahr etwa um sechs Prozent zulegen. Allerdings: Ohne den Technologiekonzern aus Kalifornien wäre der Index im selben Zeitraum um drei Prozent geschrumpft. Um eine Firma mit ähnlich großer Wirkung zu finden, müsse man mehr als drei Jahrzehnte zurückgehen, schrieb die Wirtschaftsseite Marketwatch und meinte den Computerkonzern IBM. "Und selbst dann kommt man nicht annähernd an die Bedeutung von Apple heran."

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Die Nervosität geht weit über die Börse hinaus. "Apple war in den vergangenen zehn Jahren unglaublich wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit Amerikas", sagt der Branchenexperte Ben Bajarin von Creative Strategies im Silicon Valley. Wäre Apple nicht im richtigen Moment da gewesen, sagt er, würden viele Gadgets heute noch immer importiert, nicht exportiert. Wenn Apple in Schwierigkeiten gerät, so lautet die unterschwellige Angst, dann gerät auch Amerika in schwierigere Zeiten.

Lange wurden die USA von der Tech-Konkurrenz aus Asien und Europa belächelt. Vor allem die Infrastruktur im Land hinkte hinterher, Mobilfunknetze waren überlastet und veraltet. In der Tech-Branche gaben andere den Ton an, Firmen aus Japan, Südkorea und Taiwan trieben die Konkurrenz vor sich her. "Über 15 Jahre war die Unterhaltungselektronik in asiatischer Hand", sagt Shih.

"Apple war die Antwort Amerikas auf Asien"

Dann holte Apple die Innovationskraft nach Hause, erst mit dem iPod, dann mit dem iPhone. Plötzlich wurde in Kalifornien entschieden, was die Verbraucher als nächstes kaufen würden. Dank des Konzerns habe das Land in der Unterhaltungselektronik wieder eine Rolle gespielt. "Apple war die Antwort Amerikas auf Asien", sagt Shih.

Mit dem iPhone zwang Apple auch die großen Mobilfunkbetreiber aufzurüsten. AT&T und Verizon investierten in schnellere und verlässlichere Netze, um sich einen Anteil am Smartphone-Hype zu sichern. Amerika habe unter Apple rasant aufgeholt und sei endlich nicht mehr als ewig gestrig angesehen worden, sagt Bajarin. Plötzlich war Apple das wichtigste Technologie-Unternehmen in den USA – und der Welt.

Doch nicht nur die Computer- und Softwarebranche hat Apple wiederbelebt. Auch die Erholung nach der Krise wäre ohne Apple deutlich schleppender verlaufen, stimmen Wirtschaftsexperten überein. "Die Lage sähe anders aus ohne Apple", sagt Ben Bajarin. Der Konzern selbst rechnete vor, mit der Entwicklung von iOS und dem dazugehörigen Ökosystem aus Anwendungen rund 210.000 Jobs in der Softwarebranche geschaffen zu haben.

Auch die Rekordumsatzzahlen des Konzerns gaben dem Land in der Krise Hoffnung. Während andere sparten, setzte Apple mitten im Abschwung mit dem iPad Maßstäbe. Mit der Entscheidung des Konzerns im Dezember, rund 100 Millionen Dollar in die heimische Produktion zu investieren und ausgelagerte Jobs zurück in die USA holen zu wollen, stärkte er das Selbstbewusstsein der USA. Es war eben nicht nur Präsident Barack Obama, der eine Renaissance der amerikanischen Produktion versprach. Wenn Apple solche Entwicklungen vorher sagte, dann hörten alle hin.

Nun ändert sich das Bild. Nicht nur in Märkten wie den USA und Europa hat die Apple-Euphorie nachgelassen. Auch in Tech-Zentren wie Hong Kong und wichtigen Schwellenmärkten wie Südkorea oder Singapur, die als Indikatoren gelten, steigen die Verbraucher auf die Konkurrenz um. Samsung scheint längst uneinholbar die Nummer Eins im Mobilgeschäft, nur noch 14 Prozent aller Smartphones laufen mit dem Apple-Betriebssystem.

Vor allem im wichtigen chinesischen Markt ist der Konzern mit dem sechsten Platz weit abgeschlagen. Apples Innovation habe darauf beruht, die Wünsche der Konsumenten zu verstehen, bevor diese es selbst taten, sagt Shih. Das Alleinstellungsmerkmal sei das Design gewesen, das habe einen Preisaufschlag gerechtfertigt. "Doch die Konkurrenz hat in den vergangenen Jahren dazu gelernt und ist deutlich preiswerter."

Leser-Kommentare
  1. @ Marketing, meinen Vorschreibe: Sie haben noch nie einen Apple Kopfhörer benutzt, einen der weißen Dinger die Sie da mit schlechter Qualität abtun! Apple Bashing ohne jemals ein Produkt genutzt zu haben, so wie viele die sich hier ergießen müssen. Liebe Zeit, bitte schreibt doch mal einen Artikel über Samsung. Damit ich auch mal Bashing betreiben kann von Produkten, von denen ich keine Ahnung habe. Das macht aber nichts, ich tue es ja nur meinen Vorrednern hier gleich. Übrigens Samsung, Dell, HP ... sie alle produzieren nicht in China (weiß Samsung ist koreanisch...) und nicht bei Foxcon? oder warum bekommt Apple das immer wieder aufs Brot geschmiert? Ich wundere mich wirklich über das Niveau einiger Zeitleser hier.

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    Natürlich produziert Samsung Electronics in den USA, China und anderen Schwellenländern. Wegen Kosten und Marktnähe. In Korea selbst ist die Konzenrzentrale und v.a. Forschung und Entwicklung, strategischer Einkauf und Marketing angesiedelt.

    Natürlich produziert Samsung Electronics in den USA, China und anderen Schwellenländern. Wegen Kosten und Marktnähe. In Korea selbst ist die Konzenrzentrale und v.a. Forschung und Entwicklung, strategischer Einkauf und Marketing angesiedelt.

    • MC1979
    • 01.02.2013 um 16:44 Uhr

    Als Apple gefordert war im Markt zu bestehen, hat man sich angestrengt absolut verlässliche Werkzeuge herzustellen. Aus dieser Haltung resultierten perfekt funktionierende PCs, die als Werkzeug dienten und dem User kein technisches Know-how abverlangten! Ebenfalls wurden einfache aber geniale Benutzeroberflächen geschaffen, welche uns die mobile Nutzung beigebracht haben (iPod, iPhone). Als letzten Meilenstein haben wir iPads bekommen, die den PC-Markt auf lange Sicht revolutionieren. Das alles gelang durch einen Fokus auf Innovation über Reduktion. Man hat sich auf das Wichtigste für den Menschen beschränkt (Funktion!) und als einziger den User NICHT mit technischen Details bombardiert. Ich habe es gefeiert. Endlich hatte es jemand verstanden! Endlich muss ich nicht wissen was in dem Ding steckt, sondern kann es fehlerfrei benutzen! So einfach wie ein Kaffeemaschine! Endlich war die Herrschaft der wenigen PC-Nerds, der Computer-Schrauber etc vorbei.

    Und dann kam die Wende. Apple ist gezwungen weiter zu wachsen. Apple lässt sich vom Markt Features diktieren. Auf einmal hat das Adressbuch in der Software wieder einen Ledereinband und abgerissene Papierseiten. Auf einmal muss man auch dem letzten Laien gefallen und wird kitschig, objekthaft, verspielt und überladen. Auf einmal werden Funktionen eingeführt welche nicht ausgereift sind - wie es bei anderen Herstellern schon immer der Fall war.

    Noch ein schönes Beispiel für die Endlichkeit des Kapitalismus/ Wachsens.

    Eine Leser-Empfehlung
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    Es gab keine Wende, Apple verkauft mehr, denn je - verdient mehr denn je und die Firma als ganzes ist guter Dinge.
    Tim Cook selbst sagt, Apple werde nicht auf den Aktienkurs schielen sondern einfach gute Produkte entwickeln und vertreiben.

    Keine Ahnung, von was die Leute reden.
    Der Aktienmarkt ist eine ganz eigene Sphäre, die mit der realen Firma nur bedingt etwas zu tun hat.
    An der Börse geht es um Wetten auf Gewinne und Verluste. Das ist im Prinzip völliger Schwachsinn bzw total unseriös.

    Fallender Aktienkurs heisst einfach nur, dass die Firma sich in der gegenwärtigen Phase einfach nicht für diese dubiosen Wetten eignet. Gegenwärtige Phase: kontinuierlich steigender Umsatz und steigender Gewinn. voll vorhersagbar und deswegen kann kaum jemand übers Ohr gehauen werden - jeder weiss zur Zeit, wie er mit den Aktien umzugehen hat - also kein Geschäft zu machen. Deshalb sackt die Aktie ab.

    Mit Apple selbst hat das nicht die Bohne zu tun

    Aufgrund eines Doppelpostings entfernt. Die Redaktion/ls

    Es gab keine Wende, Apple verkauft mehr, denn je - verdient mehr denn je und die Firma als ganzes ist guter Dinge.
    Tim Cook selbst sagt, Apple werde nicht auf den Aktienkurs schielen sondern einfach gute Produkte entwickeln und vertreiben.

    Keine Ahnung, von was die Leute reden.
    Der Aktienmarkt ist eine ganz eigene Sphäre, die mit der realen Firma nur bedingt etwas zu tun hat.
    An der Börse geht es um Wetten auf Gewinne und Verluste. Das ist im Prinzip völliger Schwachsinn bzw total unseriös.

    Fallender Aktienkurs heisst einfach nur, dass die Firma sich in der gegenwärtigen Phase einfach nicht für diese dubiosen Wetten eignet. Gegenwärtige Phase: kontinuierlich steigender Umsatz und steigender Gewinn. voll vorhersagbar und deswegen kann kaum jemand übers Ohr gehauen werden - jeder weiss zur Zeit, wie er mit den Aktien umzugehen hat - also kein Geschäft zu machen. Deshalb sackt die Aktie ab.

    Mit Apple selbst hat das nicht die Bohne zu tun

    Aufgrund eines Doppelpostings entfernt. Die Redaktion/ls

  2. Ich bin sicher, APPLE und co. werden auch diesen Kampf mittelfristig gegen Ostasien verlieren. So wie schon der Schiffsbau, die Microelektronik und in Ansätzen der Automobil-Sektor an diese Region ging. Denn um Asien zu schlagen, müsste man es erstmal kennen. Wie heißt es im Text "... in Tech-Zentren wie Hong Kong und wichtigen Schwellenmärkten wie Südkorea oder Singapur ..." Nun, Hongkong ist ein Service- und Finanzzentrum, aber kein Tech-Zentrum. Südkorea ist eines der höchst entwickelten Industrieländer und in allen Kriterie genau das Gegenteil von einem Schwellenland. Die Infrastruktur der USA ist heute etwa auf dem Stand wie die Südkoreas vor 10-15 Jahren, schätze ich. Auch Singapur ist im BIP und anderen Indikatoren deutlich über den USA oder Deutschland zu positionieren. Ein "wichtiger Markt" ist es hingegen nicht bei nur 3,3 Mio inländischen Einwohnern. Wenn APPLE & co. ihre Strategien mit derlei Fehlannahmen entwickeln, können sie nur verlieren.

  3. Natürlich produziert Samsung Electronics in den USA, China und anderen Schwellenländern. Wegen Kosten und Marktnähe. In Korea selbst ist die Konzenrzentrale und v.a. Forschung und Entwicklung, strategischer Einkauf und Marketing angesiedelt.

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  4. Da sie ihre Hardware nicht mehr selber herstellen, wohl nur noch zu den anderen Assemblern, wie MSI, Lenovo, Dell, Compaq,...
    Den Smartphonemarkt besetzen sie nur noch (und vor allem in den USA), aufgrund ihres Rufes aus den ersten Iphones. Weder Preis\Leistung, noch Beutzerfreundlichkeit sind hier konkurrenzfähig.
    Für Betriebsysteme auf Rechnern (und Programmen dafür) siehts ähnlich aus, auf längere Sicht. Auch wenn Microsoft nun mit ähnlichen lock-in Systemen aufwartet, werden sich "offene" Systeme wie Linux stärker etablieren (Siehe Android im Smartphonemarkt)
    Dass selbst schon Spielehersteller (weche immer schon ungerne für Mac geschrieben haben) nun drüber nachdeneken bald auch für linux zu programmieren, ist ein Zeichen hierfür. Sie haben bisher auf die, offensichtliche größere, bestehende Windowsinfrastruktur gebaut. Diese wird es, trotz alle dessem, noch lange geben.
    In ihrem Segment werden sie konkurrenzfähig bleiben können, aber ihre Zielgruppe wurde, meines erachtens, zu groß bewertet, was sich jetzt im Aktienkurs wiederspiegelt. Die ständigen Basisinnovationen, die Apple anpreist, sind offensichtlich nicht aufrecht zu erhalten. Da werden in Zukunft einige Eltern ihren Kindern wieder Fußbälle kaufen, anstatt ihr eigenes Iphone+Macbook+Apps++ zu finanzieren.

    Antwort auf "The Kids Want Apple"
    • wb99
    • 01.02.2013 um 17:10 Uhr

    Apple steht irgendwie für alles Negative in unserer Gesellschaft: Arroganz, Eitelkeit, Selbstherrlichkeit, Egoismus, Oberflächlichkeit, Naivität.

    Ganz zu schweigen von der Dummheit, zu glauben, mit einem Einheitsprodukt besonders individuell und cool zu sein. Das kann nicht auf Dauer tragen.

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    Antwort auf "Herrje ..."
  5. "Wer Waren aus Asien kauft, sollte immer darauf achten, dass Ladenpreis und gezahlte Löhne an die asiatischen Arbeiter ..." Einspruch! Im Kontinent Asien sind sowohl Niedrigst-Löhne (Laos, Bangladesh, Nepal ...) als auch Spitzenlöhne zu finden (Singapur, Japan, Südkorea, Taiwan). Sind Produkte aus Japan oder Korea günstig, dann liegt das allein an der höheren Effizienz und Produktivität dort, bei Korea auch am niedrigen Wechselkurs der Jahre 2008-2012.

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    Wenn unsere Ladenpreise bei Waren aus Japan oder Korea nachvollziehbar sind, ist das doch genau das, was ich anmahne.

    Wenn unsere Ladenpreise bei Waren aus Japan oder Korea nachvollziehbar sind, ist das doch genau das, was ich anmahne.

  6. das sollte wohl das Heer der beschäftigten Anwälte, die die Rechte um Patente und Verwertung vertreten.
    Dem gegenüber steht eben das Heer der nicht mit Produktion beschäftigetn Amerikaner. Kommt irgendwie zwar auf's Gleiche raus, ist aber nicht so amerikanisch wie hier zu Lande, mit dem Fingerzeig auf Apple, dargestellt wird.

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