AppleAmerika bangt mit Apple

Der Konzern aus Kalifornien hat an Glanz verloren. Mit ihm fürchtet ein ganzes Land um die Vormachtstellung in der Elektronikbranche. von 

Apple-Store, Broadway, New York

Apple-Store, Broadway, New York  |  © Peter Foley/APA/dpa

Es sei eine der "blutigsten Wochen in der Geschichte" gewesen, schrieb die indische Nachrichtenseite Firstpost.com etwas emphatisch – und sprach doch vielen aus der Seele. Tatort war die New Yorker Börse. Ein paar Gerüchte um gestrichene Bestellungen von Apple-Produkten und etwas schwächere Quartalszahlen hatten ausgereicht, um den Kurs der Apple-Aktie einbrechen zu lassen. Statt 514 war das Papier plötzlich nur noch knapp 460 Dollar wert. Mehr als 50 Milliarden Dollar Unternehmenswert waren vernichtet und der Titel des wertvollsten Unternehmens der Welt weg. "Es hat eine allgemeine Beunruhigung eingesetzt", sagt Willy C. Shih, Professor für Unternehmensführung an der Harvard Universität.

Schließlich hat Apple an der Wall Street ein Gewicht wie kein zweites Unternehmen. Der Aktienindex S&P 500 konnte im vergangenen Jahr etwa um sechs Prozent zulegen. Allerdings: Ohne den Technologiekonzern aus Kalifornien wäre der Index im selben Zeitraum um drei Prozent geschrumpft. Um eine Firma mit ähnlich großer Wirkung zu finden, müsse man mehr als drei Jahrzehnte zurückgehen, schrieb die Wirtschaftsseite Marketwatch und meinte den Computerkonzern IBM. "Und selbst dann kommt man nicht annähernd an die Bedeutung von Apple heran."

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Die Nervosität geht weit über die Börse hinaus. "Apple war in den vergangenen zehn Jahren unglaublich wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit Amerikas", sagt der Branchenexperte Ben Bajarin von Creative Strategies im Silicon Valley. Wäre Apple nicht im richtigen Moment da gewesen, sagt er, würden viele Gadgets heute noch immer importiert, nicht exportiert. Wenn Apple in Schwierigkeiten gerät, so lautet die unterschwellige Angst, dann gerät auch Amerika in schwierigere Zeiten.

Lange wurden die USA von der Tech-Konkurrenz aus Asien und Europa belächelt. Vor allem die Infrastruktur im Land hinkte hinterher, Mobilfunknetze waren überlastet und veraltet. In der Tech-Branche gaben andere den Ton an, Firmen aus Japan, Südkorea und Taiwan trieben die Konkurrenz vor sich her. "Über 15 Jahre war die Unterhaltungselektronik in asiatischer Hand", sagt Shih.

"Apple war die Antwort Amerikas auf Asien"

Dann holte Apple die Innovationskraft nach Hause, erst mit dem iPod, dann mit dem iPhone. Plötzlich wurde in Kalifornien entschieden, was die Verbraucher als nächstes kaufen würden. Dank des Konzerns habe das Land in der Unterhaltungselektronik wieder eine Rolle gespielt. "Apple war die Antwort Amerikas auf Asien", sagt Shih.

Mit dem iPhone zwang Apple auch die großen Mobilfunkbetreiber aufzurüsten. AT&T und Verizon investierten in schnellere und verlässlichere Netze, um sich einen Anteil am Smartphone-Hype zu sichern. Amerika habe unter Apple rasant aufgeholt und sei endlich nicht mehr als ewig gestrig angesehen worden, sagt Bajarin. Plötzlich war Apple das wichtigste Technologie-Unternehmen in den USA – und der Welt.

Doch nicht nur die Computer- und Softwarebranche hat Apple wiederbelebt. Auch die Erholung nach der Krise wäre ohne Apple deutlich schleppender verlaufen, stimmen Wirtschaftsexperten überein. "Die Lage sähe anders aus ohne Apple", sagt Ben Bajarin. Der Konzern selbst rechnete vor, mit der Entwicklung von iOS und dem dazugehörigen Ökosystem aus Anwendungen rund 210.000 Jobs in der Softwarebranche geschaffen zu haben.

Auch die Rekordumsatzzahlen des Konzerns gaben dem Land in der Krise Hoffnung. Während andere sparten, setzte Apple mitten im Abschwung mit dem iPad Maßstäbe. Mit der Entscheidung des Konzerns im Dezember, rund 100 Millionen Dollar in die heimische Produktion zu investieren und ausgelagerte Jobs zurück in die USA holen zu wollen, stärkte er das Selbstbewusstsein der USA. Es war eben nicht nur Präsident Barack Obama, der eine Renaissance der amerikanischen Produktion versprach. Wenn Apple solche Entwicklungen vorher sagte, dann hörten alle hin.

Nun ändert sich das Bild. Nicht nur in Märkten wie den USA und Europa hat die Apple-Euphorie nachgelassen. Auch in Tech-Zentren wie Hong Kong und wichtigen Schwellenmärkten wie Südkorea oder Singapur, die als Indikatoren gelten, steigen die Verbraucher auf die Konkurrenz um. Samsung scheint längst uneinholbar die Nummer Eins im Mobilgeschäft, nur noch 14 Prozent aller Smartphones laufen mit dem Apple-Betriebssystem.

Vor allem im wichtigen chinesischen Markt ist der Konzern mit dem sechsten Platz weit abgeschlagen. Apples Innovation habe darauf beruht, die Wünsche der Konsumenten zu verstehen, bevor diese es selbst taten, sagt Shih. Das Alleinstellungsmerkmal sei das Design gewesen, das habe einen Preisaufschlag gerechtfertigt. "Doch die Konkurrenz hat in den vergangenen Jahren dazu gelernt und ist deutlich preiswerter."

Leserkommentare
  1. Natürlich produziert Samsung Electronics in den USA, China und anderen Schwellenländern. Wegen Kosten und Marktnähe. In Korea selbst ist die Konzenrzentrale und v.a. Forschung und Entwicklung, strategischer Einkauf und Marketing angesiedelt.

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    • rubadub
    • 01. Februar 2013 17:08 Uhr

    Da sie ihre Hardware nicht mehr selber herstellen, wohl nur noch zu den anderen Assemblern, wie MSI, Lenovo, Dell, Compaq,...
    Den Smartphonemarkt besetzen sie nur noch (und vor allem in den USA), aufgrund ihres Rufes aus den ersten Iphones. Weder Preis\Leistung, noch Beutzerfreundlichkeit sind hier konkurrenzfähig.
    Für Betriebsysteme auf Rechnern (und Programmen dafür) siehts ähnlich aus, auf längere Sicht. Auch wenn Microsoft nun mit ähnlichen lock-in Systemen aufwartet, werden sich "offene" Systeme wie Linux stärker etablieren (Siehe Android im Smartphonemarkt)
    Dass selbst schon Spielehersteller (weche immer schon ungerne für Mac geschrieben haben) nun drüber nachdeneken bald auch für linux zu programmieren, ist ein Zeichen hierfür. Sie haben bisher auf die, offensichtliche größere, bestehende Windowsinfrastruktur gebaut. Diese wird es, trotz alle dessem, noch lange geben.
    In ihrem Segment werden sie konkurrenzfähig bleiben können, aber ihre Zielgruppe wurde, meines erachtens, zu groß bewertet, was sich jetzt im Aktienkurs wiederspiegelt. Die ständigen Basisinnovationen, die Apple anpreist, sind offensichtlich nicht aufrecht zu erhalten. Da werden in Zukunft einige Eltern ihren Kindern wieder Fußbälle kaufen, anstatt ihr eigenes Iphone+Macbook+Apps++ zu finanzieren.

    Antwort auf "The Kids Want Apple"
    • wb99
    • 01. Februar 2013 17:10 Uhr

    Apple steht irgendwie für alles Negative in unserer Gesellschaft: Arroganz, Eitelkeit, Selbstherrlichkeit, Egoismus, Oberflächlichkeit, Naivität.

    Ganz zu schweigen von der Dummheit, zu glauben, mit einem Einheitsprodukt besonders individuell und cool zu sein. Das kann nicht auf Dauer tragen.

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    Antwort auf "Herrje ..."
  2. "Wer Waren aus Asien kauft, sollte immer darauf achten, dass Ladenpreis und gezahlte Löhne an die asiatischen Arbeiter ..." Einspruch! Im Kontinent Asien sind sowohl Niedrigst-Löhne (Laos, Bangladesh, Nepal ...) als auch Spitzenlöhne zu finden (Singapur, Japan, Südkorea, Taiwan). Sind Produkte aus Japan oder Korea günstig, dann liegt das allein an der höheren Effizienz und Produktivität dort, bei Korea auch am niedrigen Wechselkurs der Jahre 2008-2012.

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    Wenn unsere Ladenpreise bei Waren aus Japan oder Korea nachvollziehbar sind, ist das doch genau das, was ich anmahne.

  3. das sollte wohl das Heer der beschäftigten Anwälte, die die Rechte um Patente und Verwertung vertreten.
    Dem gegenüber steht eben das Heer der nicht mit Produktion beschäftigetn Amerikaner. Kommt irgendwie zwar auf's Gleiche raus, ist aber nicht so amerikanisch wie hier zu Lande, mit dem Fingerzeig auf Apple, dargestellt wird.

  4. endlich wird dieser menschenverachtende, Kunden - ergo verbraucherhassende, egoistische und profitgierige Ausbeuter-Moloch mal ein bisken beleuchtet und auf das runtergebrochen, was er ist. Ein Haufen von geldgierigen, selbstsüchtigen Zombies. Millionen von - auch selbst mitschuldigen - Status-Junkies sind und werden von diesen High-Life-Gangstern betrogen, etliche von denen trotz relativ juvenilen Zügen mit leicht grenzdebilen Gesichtszügen ausgestattet. Mir tun nur die vielen Menschen nicht nur im asiatischen Raum, sondern z.B. auch in den in den Stores hier leid, darunter etliche meiner ehemaligen Bekannten, die dieser Bande auf den Leim gegangen sind. Archie, lass es sein...

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    @ na endlich ! "verbraucherhassende, egoistische und profitgierige Ausbeuter-Moloch" ... von wem reden Sie da. Wer soviel und noch mehr Kraftausdrücke in den Mund nimmt,dem hat man früher den Mund mit Kernseife ausgewaschen! Benehmen Sie sich hier im Forum wie ein Teil der zivilisierten Gesellschaft! Oder tun Sie zumindest so! Alle anderen Hersteller produzieren in ihren Ländern zu Höchstlöhnen? Und Apple ist der Sklaventreiber oder was? Kommen Sie mal runter auf diesen Planeten!

  5. @ na endlich ! "verbraucherhassende, egoistische und profitgierige Ausbeuter-Moloch" ... von wem reden Sie da. Wer soviel und noch mehr Kraftausdrücke in den Mund nimmt,dem hat man früher den Mund mit Kernseife ausgewaschen! Benehmen Sie sich hier im Forum wie ein Teil der zivilisierten Gesellschaft! Oder tun Sie zumindest so! Alle anderen Hersteller produzieren in ihren Ländern zu Höchstlöhnen? Und Apple ist der Sklaventreiber oder was? Kommen Sie mal runter auf diesen Planeten!

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  • Schlagworte USA | Barack Obama | Apple | Samsung | USA | Huawei
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