Versandhandel : Amazon will Leiharbeiter-Vorwürfe prüfen

Eine TV-Dokumentation zeigt, wie Leiharbeiter bei Amazon vom Sicherheitspersonal überwacht und eingeschüchtert werden. Das Unternehmen gibt sich überrascht.

Der Internet-Versandhändler Amazon steht wegen der Arbeitsbedingungen in seinen Logistikzentren erneut in der Kritik. Grund ist eine ARD-Dokumentation über den Umgang des Unternehmens mit Leiharbeitern. Amazon hat inzwischen angekündigt, die Vorwürfe zu prüfen.

Die Gewerkschaft ver.di wirft dem Konzern seit Längerem vor, gerade Saisonkräfte schlecht zu bezahlen und etwa mit strengen Kontrollen und durch Überwachung zu gängeln. Dies hat Amazon immer wieder bestritten. In dem ARD-Film wird jedoch gezeigt, wie Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma die oft aus dem Ausland stammenden Leiharbeiter und das Film-Team bedrängen.

Unter anderem wird in der Dokumentation gezeigt, wie Sicherheitsleute die Unterkünfte von Zeitarbeitern durchsuchen. Amazon schreibt dazu in einer Stellungnahme: "Auch wenn das Sicherheitsunternehmen nicht von Amazon beauftragt wurde, prüfen wir derzeit selbstverständlich den von den Redakteuren gemachten Vorwurf bezüglich des Verhaltens des Sicherheitspersonals und werden umgehend geeignete Maßnahmen einleiten." Man dulde "keinerlei Diskriminierung oder Einschüchterung".

Viele Arbeiter berichten von schlechten Erfahrungen

Amazon beschäftigt nach eigenen Angaben in Deutschland etwa 7.700 festangestellte Mitarbeiter in den Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim und Koblenz. "In der Weihnachtssaison stellen wir zusätzliche Amazon-Mitarbeiter saisonal befristet ein", teilte das Unternehmen mit. In Spitzenzeiten arbeite Amazon zudem mit Zeitarbeitsfirmen zusammen. Im ersten Jahr verdienen Mitarbeiter nach Unternehmensangaben einen Bruttostundenlohn von mehr als 9,30 Euro. Danach steige der Bruttolohn auf über zehn Euro. Auch überprüfe Amazon seine Dienstleister, "die die Unterbringung von Saisonkräften aus anderen Regionen verantworten, regelmäßig".

Der Amazon-Experte der Gewerkschaft ver.di, Heiner Reimann, sagte, das Unternehmen werbe viele Zeitarbeiter mittlerweile im Ausland an, da in der Umgebung der Logistikzentren viele Menschen bereits schlechte Erfahrungen als Arbeitskräfte bei Amazon gemacht hätten und nicht mehr dort arbeiten wollten.

Arbeitsbedingungen ein Dauerproblem

Reimanns Angaben zufolge setze Amazon in der Weihnachtszeit mehrere Tausend Zeitarbeiter ein, die im Winter häufig in umliegenden, leerstehenden Ferienparks untergebracht würden. Manchmal seien kleine Bungalows mit bis zu sechs Menschen belegt. In den Anlagen würden die Arbeiter zudem von Sicherheitsfirmen überwacht.

Die Zustände bei Amazon seien ein "Dauerproblem", auch im Branchenvergleich, sagte Reimann. Es gebe in anderen Versandfirmen ebenfalls Missstände, aber nicht in diesem Ausmaß. Dennoch habe Amazon durchaus auch auf Beschwerden reagiert und Mängel abgestellt. Allerdings bleibe angesichts des Geschäftsmodells dem Konzern kaum etwas anderes übrig, als befristete Mitarbeiter oder Zeitarbeiter einzusetzen.

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