Der Internet-Versandhändler Amazon hat sich aufgrund der Berichterstattung über den Umgang mit Leiharbeitern von einer Sicherheitsfirma getrennt. "Amazon hat veranlasst, dass die Zusammenarbeit mit dem kritisierten Sicherheitsdienst mit sofortiger Wirkung beendet wird", sagte eine Unternehmenssprecherin.

Amazon habe "eine Null-Toleranz-Grenze für Diskriminierung und Einschüchterung – und wir erwarten das gleiche von allen Unternehmen, mit denen wir arbeiten", sagte sie weiter. In einer ARD-Dokumentation waren Mitarbeiter der Firma verdächtigt worden, Amazon-Leiharbeiter schikaniert zu haben und zudem aus dem rechtsradikalen Umfeld zu stammen. Am Wochenende hatte sich Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in die Debatte eingeschaltet und der Leiharbeitsfirma, die mit Amazon zusammenarbeitet, mit dem Lizenzentzug gedroht.

Die Zeitarbeitsbranche will angesichts der Debatte um schlechte Arbeitsbedingungen bei Amazon und anderen Unternehmen unsaubere Praktiken nicht hinnehmen. "Immer dort, wo illegale beziehungsweise unethische Machenschaften im Zusammenhang mit Zeitarbeitseinsätzen praktiziert werden, distanzieren wir uns ausdrücklich hiervon", sagte der Hauptgeschäftsführer des Interessenverbands Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) Werner Stolz. Die Mitglieder des Verbands hätten sich einem Ethikkodex verpflichtet und arbeiteten zudem mit einer Schlichtungsstelle zusammen.

Etwa 90 Prozent der Zeitarbeiter bei den Mitgliedsfirmen hätten einen unbefristeten Arbeitsvertrag, sagte Stolz. Der iGZ ist einer der Arbeitgeberverbände der Branche und vertritt nach eigenen Angaben rund 2.700 mittelständische Unternehmen.

Der ARD-Film hatte gezeigt, wie Leiharbeiter von Mitarbeitern einer Sicherheitsfirma gegängelt wurden. Ständig seien sie überwacht worden, schon beim Frühstück habe es Leibesvisitationen gegeben, die Zimmer seien regelmäßig durchsucht worden. Arbeiter etwa aus Spanien seien außerdem mit Lohnversprechungen angeworben worden, die später nicht eingehalten worden seien.

Die Saisonarbeiter seien in überfüllten Ferienbungalows einquartiert worden, die weit entfernt vom Arbeitsplatz gelegen seien. Von dort hätten sie täglich lange Busfahrten zu den Amazon-Versandzentren unternehmen müssen. Die Gewerkschaft ver.di wirft Amazon schon seit Längerem vor, gerade Saisonkräfte schlecht zu bezahlen und etwa mit strengen Kontrollen und Überwachung zu gängeln. Amazon hatte angekündigt, die Vorwürfe zu prüfen.