VersandhändlerAmazon trennt sich von umstrittenem Sicherheitsdienst

Mitarbeiter der Firma sollen Amazon-Leiharbeiter schikaniert haben. Angesichts der Vorwürfe hat der Versandhändler entschieden, dem Sicherheitsdienst zu kündigen.

Ein Logistikzentrum von Amazon in Graben bei Augsburg

Ein Logistikzentrum von Amazon in Graben bei Augsburg  |  © Michael Dalder/Reuters

Der Internet-Versandhändler Amazon hat sich aufgrund der Berichterstattung über den Umgang mit Leiharbeitern von einer Sicherheitsfirma getrennt. "Amazon hat veranlasst, dass die Zusammenarbeit mit dem kritisierten Sicherheitsdienst mit sofortiger Wirkung beendet wird", sagte eine Unternehmenssprecherin.

Amazon habe "eine Null-Toleranz-Grenze für Diskriminierung und Einschüchterung – und wir erwarten das gleiche von allen Unternehmen, mit denen wir arbeiten", sagte sie weiter. In einer ARD-Dokumentation waren Mitarbeiter der Firma verdächtigt worden, Amazon-Leiharbeiter schikaniert zu haben und zudem aus dem rechtsradikalen Umfeld zu stammen. Am Wochenende hatte sich Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in die Debatte eingeschaltet und der Leiharbeitsfirma, die mit Amazon zusammenarbeitet, mit dem Lizenzentzug gedroht.

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Die Zeitarbeitsbranche will angesichts der Debatte um schlechte Arbeitsbedingungen bei Amazon und anderen Unternehmen unsaubere Praktiken nicht hinnehmen. "Immer dort, wo illegale beziehungsweise unethische Machenschaften im Zusammenhang mit Zeitarbeitseinsätzen praktiziert werden, distanzieren wir uns ausdrücklich hiervon", sagte der Hauptgeschäftsführer des Interessenverbands Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) Werner Stolz. Die Mitglieder des Verbands hätten sich einem Ethikkodex verpflichtet und arbeiteten zudem mit einer Schlichtungsstelle zusammen.

Etwa 90 Prozent der Zeitarbeiter bei den Mitgliedsfirmen hätten einen unbefristeten Arbeitsvertrag, sagte Stolz. Der iGZ ist einer der Arbeitgeberverbände der Branche und vertritt nach eigenen Angaben rund 2.700 mittelständische Unternehmen.

Der ARD-Film hatte gezeigt, wie Leiharbeiter von Mitarbeitern einer Sicherheitsfirma gegängelt wurden. Ständig seien sie überwacht worden, schon beim Frühstück habe es Leibesvisitationen gegeben, die Zimmer seien regelmäßig durchsucht worden. Arbeiter etwa aus Spanien seien außerdem mit Lohnversprechungen angeworben worden, die später nicht eingehalten worden seien.

Die Saisonarbeiter seien in überfüllten Ferienbungalows einquartiert worden, die weit entfernt vom Arbeitsplatz gelegen seien. Von dort hätten sie täglich lange Busfahrten zu den Amazon-Versandzentren unternehmen müssen. Die Gewerkschaft ver.di wirft Amazon schon seit Längerem vor, gerade Saisonkräfte schlecht zu bezahlen und etwa mit strengen Kontrollen und Überwachung zu gängeln. Amazon hatte angekündigt, die Vorwürfe zu prüfen.

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Polemik. Danke, die Redaktion/jk

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    Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde mittlerweile gelöscht. Danke, die Redaktion/jk

    • Infamia
    • 18. Februar 2013 14:20 Uhr

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    Enfernt. Bitte bleiben sachlich. Danke, die Redaktion/jk

    durch den ARD Beitrag eröffnet sich die Chance für bessere, dauerhafte und sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze der Amazon Angestellten.

    Der Beitrag hat etwas in Bewegung gebracht, was "unsere" Politiker nicht können oder wollen.
    Aufgrund der Medien hat sich sogar "unsere" Arbeitsministerin nach den Arbeitsbedingungen der Amazon Mitarbeiter erkundigen wollen. Wenn das eine geradezu unglaubliche Folge ist!

    [...]

    Ach ja; und hier noch unterzeichnen um selbst einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu leisten

    #Amazon Deutschland: Verbessern Sie die Arbeitsbedingungen Ihrer Leiharbeiter
    http://www.change.org/de/...

    weiters lohnt sich der Artikel in der SZ (da werden Sie informativ geholfen)
    http://www.sueddeutsche.d...

    p.s. irgendwie ist die SZ in letzter Zeit immer investigativ an Top Themen. Danke SZ.

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/jk

  2. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie denn, was hier auf die Startseite kommt.

    4 Leserempfehlungen
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    Wenn so etwas nicht einer Headline bedarf, dann weiß ich auch nicht.

    Wenn Sie Glück haben, können Sie dann mitbestimmen und wir alle kommen in den Genuss einer vollkommen objektiven Einschätzung der Wichtigkeit der Themen durch Sie, mit der bestimmt jeder einverstanden sein wird...

  3. Gut, dass "Die Zeit" darüber berichtet!

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    • aeins
    • 18. Februar 2013 14:13 Uhr
    4. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben sie sachlich. Danke, die Redaktion/jk

    3 Leserempfehlungen
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    • hairy
    • 18. Februar 2013 14:28 Uhr

    diese "Unternehmensentscheidungen" unmenschlich und rechtwidrig sein könnten, stört Sie wohl nicht?

  4. bilden schon länger eine Allianz...

    Stephan Jegielka: »Lebhafte Heilrufe« – Die Gründung des Reichseinheitsverbandes des Deutschen Bewachungsgewerbes e.V. 1933

    http://www.die-linke.de/f...

    8 Leserempfehlungen
  5. 6. Zu 1:

    Also ich persönlich kann auf Unternehmen verzichten, deren Mitarbeiter mit ihrem Auftreten das NS-Regime verherrlichen.

    18 Leserempfehlungen
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    • AndreD
    • 18. Februar 2013 16:43 Uhr

    Die gesamte Dimension des Skandals finde ich hier recht ordentlich aufgearbeitet:

    http://www.nachdenkseiten...

  6. 7. [...]

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    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
  7. "Die Zeitarbeitsbranche will angesichts der Debatte um schlechte Arbeitsbedingungen bei Amazon und anderen Unternehmen unsaubere Praktiken nicht hinnehmen."

    Ähm ja. Sagt eine Branche, die selbst zu 80% unseriös ist bzw. schlechte Arbeitsbedigungen hat. Lustisch...

    Heute wird Amazon angeprangert, gestern war's Zalando, morgen mal wieder Google und übermorgen McDonald's.

    Ich gestehe: Ich kaufe weiterhin bei Amazon, weil ich mir leider die hohen Preise im Laden nicht leisten kann. Wer ein Problem damit hat, dass ich mich nicht verarme wegen interessanter Geschäftsmodelle, der kann mir ja Geld schicken, damit ich in den Laden spaziere...

    4 Leserempfehlungen
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    • Salagne
    • 18. Februar 2013 15:17 Uhr

    Ich glaube nicht, das sie verarmen, weil sie sich grundlegende Dinge im Laden nciht mehr leisten können, sondern eher, weil ihre Ansprüche zu hoch sind.

    Verarmen bedeutet für mich, kein Geld mehr für Dingen wie Lebensmittel oder Kleidung mehr zu besitzen, obwohl sie am Existenzminimum leben.
    Wenn aber natürlich riesige Flachbildfernseher, SMartphones und PCs das Existenzminimum bilden, wirds eng.

    Ein Deutscher gibt heute rund 15% seiner Einkünfte für Lebensmittel aus.
    1960 waren es noch 38%

    Es ist eine Frage des Anspruches. Aber wenn auch sie wollen, das bald Innenstädte völlig verarmen und die nette Verkäuferin aus dem Supermarkt bald in der tristen Lagerhalle arbeitet, dann nur weiter so!

    Schreiben Sie mir per PM, was Sie brauchen und was der Preisunterschied ist. Aber bitte keine unnötigen Sachen (iPad usw.), sondern was Sie brauchen.

    " Ich kaufe weiterhin bei Amazon, weil ich mir leider die hohen Preise im Laden nicht leisten kann."

    Bücher sind bei Amazon nicht teuer als im Laden, denn es gibt ein Buchpreisbindungsgesetz.

    http://www.gesetze-im-int...

    Bei Amazon zahlen Sie u.U. auch noch die Versandkosten oben drauf.

    Wie rechtfertigen Sie jetzt, dass Sie lokale Geschäfte untergehen lassen und bei einem Großkonzern bestellen, der scheinbar zu unseriösen Praktiken greift während Menschen in Ihrem Ort vielleicht ihren Arbeitsplatz verlieren?

    Bequemlichkeit zählt nicht!

    • AndreD
    • 18. Februar 2013 16:31 Uhr

    Ihr Kommentar drückt das aus, was wohl für viele Menschen zutrifft.

    (Ich habe den anderen Artikel bereits damit kommentiert, aber ihre Kommentar ist der richtige Aufhänger um es zu erneut einzustellen)

    Die Handlungsfähigkeit hängt von unserem Geldbeutel ab.
    Dieser Unternehmer macht einen geringen Teil seines Umsatzes über Amazon.
    Dadurch hat er die Handlungsfreiheit.
    Ein anderer Verlag hat diese Freiheit wohl nicht.

    Aber unsere Verantwortung als Konsument ist größer als die aktuelle Veröffentlichung des realen deutschen Arbeitslebens zeigt. (Dieser steht übrigens im krassen Gegensatz zu dem hier in der Zeit vorgestellten Bildungsbürgerdaseins, was natürlich der Leserschaft geschuldet ist).

    Worin besteht unsere Verantwortung?

    Unsere Verantwortung besteht darin, durch unser Konsumverhalten die Arbeitgeber zu zwingen, ihre Mitarbeiter ordentlich zu entlohnen.
    Wir haben beispielsweise die perversen Bedingungen um die DHL-Fahrer im Fernsehen betrachten können.
    Was transportieren diese Fahrer?
    Die Ware von Amazon.
    Kaufen wir verstärkt Ware von Amazon, kann Amazon die Preise des Transports drücken.
    Dies trifft übrigens auf jeglichen Onlinehandel zu, wenn er zu groß wird.

    Worin liegt also das Problem?
    In unserer Gier und in unserem Egoismus, die Dinge möglichst zum Spottpreis zu bekommen.
    Diese Dinge, die wir da zu ebendiesem Spottpreis bekommen, werden unter ganz bestimmten Bedingungen hergestellt.
    Auch darüber haben wir schon viel geredet und gesehen.

    • AndreD
    • 18. Februar 2013 16:32 Uhr

    Wo liegt also unser Problem?

    Wir konsumieren Dinge, die unter entwürdigenden Bedingungen hergestellt werden, man möchte es Sklavenarbeit nennen.

    Wir kaufen diese Dinge von Kaufleuten, die ihre Mitarbeiter unwürdig behandeln und ungerecht entlohnen.

    Wir lassen diese Dinge von Unternehmern transportieren, die ihre Mitarbeiter schäbig behandeln und entlohnen.

    Wir nehmen diese Dinge in dem Bewusstsein, dass wir damit Unternehmen fördern, die nichts, aber auch gar nichts für die Gesellschaft tun (d.h. z.B. Steuern für Umsatz, Lohn, Gewerbe)

    Warum tun wir das?
    Erstens, weil wir glauben, dass wir die Dinge bräuchten.
    Zweitens, weil wir durch die Entlohnungsstruktur in unserem Land keine andere Möglichkeit haben.
    Drittens, weil wir, laut Politik und unserer eigenen Legende nach, sparen müssen, damit wir im Alter genug Geld haben und/oder nicht als Idioten dastehen, weil wir zu viel Geld für eine Sache ausgegeben haben.

    Fazit: Um dieses Problem zu lösen, brauchen wir eine Verantwortung des Konsumenten in vieler Hinsicht. Eine Verantwortung, die sich aus dem Beobachten der Welt, wie sie ist, speist. Eine Verantwortung, die sich nicht von der Politik ins Bockshorn jagen lässt.

    Wir brauchen mündige Konsumenten

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, zz
  • Schlagworte Amazon | CDU | Ursula von der Leyen | Arbeitsminister | Arbeitsvertrag | Berichterstattung
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