LeiharbeiterAufstand gegen Amazon

Monatelang hat der Onlinehändler zu Vorwürfen geschwiegen – bis es nicht mehr ging. Nun steht die Frage im Raum: Wie viel Druck braucht ein Konzern, bis er sich bewegt? von , , und

Amazon-Logistikzentrum

Amazon-Logistikzentrum  |  © Matt Cardy/Getty Images

Die Nachricht ist nur wenige Sätze lang, verfasst wurde sie in der Deutschland-Zentrale des Onlineversandhändlers Amazon in München-Schwabing, verschickt an diesem Montag. "Amazon ist verantwortlich dafür, dass alle Beschäftigten unserer Logistikzentren jederzeit sicher sind und mit Respekt und Würde behandelt werden", steht in dem Schreiben. Es sei in der Vergangenheit "eindeutig" nicht gelungen, die selbst gesteckten Standards einzuhalten. Man nehme die gegen den Konzern erhobenen Vorwürfe "sehr ernst".

Es ist ein Schuldgeständnis, das zeigen könnte, dass der deutsche Konsument mehr Macht besitzt, als er manchmal denkt. Vielleicht ist die Mitteilung auch nur ein leeres Versprechen, das ist im Moment schwer zu sagen. Klar ist nur, dass sich Amazon, eines der verschlossensten und abgeschottetsten Unternehmen der Welt, ein Stück weit bewegt hat. Oder besser: bewegen musste. Und die interessante Frage lautet nun, warum das geschieht.

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Mittwoch vergangener Woche: Die ARD strahlt eine Dokumentation über die Arbeitsbedingungen in den Logistikzentren von Amazon aus. Viele Vorwürfe, die in dem Film gegen den Konzern erhoben werden, sind nicht neu – auch die ZEIT hatte bereits im November über die Zustände in den Logistikzentren berichtet. Die Journalisten werfen dem Konzern nun außerdem vor, mit Zeitarbeitsfirmen zu kooperieren, die ihre Leiharbeiter in überfüllten und kleinen Ferienhäusern unterbringen und von Sicherheitsfirmen durchleuchten lassen.

Der Film macht schnell im Internet die Runde, schon Mitte dieser Woche haben ihn rund 1,7 Millionen Menschen angeklickt, in Blogs und auf Facebook teilen viele ihren Unmut mit. Einige rufen zum Boykott auf. Auch im Ausland wird der Fall wahrgenommen, der britische Independent berichtet, später die amerikanische New York Times und die Daily Mail. Nun steht das Unternehmen auch im englischsprachigen Raum in der Kritik. Spätestens jetzt ist die Geschichte "brandgefährlich" für Amazon, sagt Karsten Weide, der für die amerikanische Beraterfirma IDC arbeitet. Am Sonntag schließlich meldet sich Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen zu Wort und fordert eine Aufklärung der Fälle. Wieder gibt es eine Schlagzeile.

© ZEIT ONLINE

Am Montag kündigt Amazon an, die Zusammenarbeit mit der Leiharbeitsfirma zu beenden. "Es ist sehr untypisch für Amazon, sich derart öffentlich zu äußern", sagt R.J. Hottovy, ein Analyst, der in den USA für den Finanzdienst Morningstar arbeitet. War es der öffentliche Druck, der das Unternehmen bewegt hat, zu handeln? Nicht nur Hottovy vermutet das. Er hält es für möglich, dass der öffentliche Druck dazu geführt haben könnte, dass die Konzernspitze in der Zentrale in Seattle gemeinsam mit dem Management in München beschlossen habe zu handeln.

Amazon war im Netz früher da als andere

Tatsächlich kann es dem Unternehmen nicht egal sein, was der deutsche Verbraucher denkt. Deutschland ist für Amazon mittlerweile der zweitwichtigste Markt, etwa 8,7 Milliarden Euro setzt der Konzern hier um – rund 14 Prozent seiner weltweiten Einnahmen. Im schnell wachsenden deutschen Onlinehandel beträgt der Marktanteil mittlerweile rund 25 Prozent. Amazon ist für viele auch deshalb die erste Anlaufstelle, wenn sie Produkte im Netz bestellen wollen, weil das Unternehmen früher da war als andere.

Den ersten Onlineshop gründete Amazon in Deutschland bereits im Jahr 1998, anfangs nur für Bücher, doch das Geschäft wuchs schnell. Das erste Lagerhaus in Deutschland stand in Regensburg und wurde bald zu klein. Schon ein Jahr später kam ein zweites Lagerhaus dazu, in Bad Hersfeld in Hessen. Heute betreibt Amazon in Deutschland außerdem Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim und Koblenz. 7.700 Festangestellte arbeiten für den Onlinehändler. Im Vorweihnachtsgeschäft kommen an jedem Standort Tausende Saisonarbeiter hinzu.

Leserkommentare
    • Infamia
    • 21. Februar 2013 10:42 Uhr

    Natürlich hat der Verbraucher Macht. Er muss sie eben auch nutzen. Was für einen Unternehmen zählt, ist Cash. Und verweigert ein Kunde seine Kaufbereitschaft, kriegt man jedes Unternehmen. Das ist das einzige Argument, welches Unternehmen verstehen.

    Jeder Verbraucher, der diese Macht nicht nutzt, darf sich nicht beschweren. Die guten Seiten des Netzes sind, dass sich derartige Nachrichten heute in Sekundenbruchteilen um den Globus schicken lassen. Und spätestens dann wird es für Unternehmen kritisch.

    Ich habe meinen Amazon-Account gekündigt. Das kann man einen symbolischen Akt nennen und so mancher wird mich deswegen als Gutmensch bezeichnen, aber damit kann ich leben. Amazon hat die Chance, sich zu ändern. Dann melde ich mich auch wieder an.

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    Konstruktiver wäre es allerdings, wenn möglichst viele Menschen alternative Konzepte unterstützen würden, wie es aktuell beispielsweise der genossenschaftlich organisierte Online-Marktplatz Fairnopoly anstrebt.
    Damit kann ein systematischer Beitrag zu Unternehmenstransparenz, Nachhaltigkeit und fairem Wirtschaften geleistet werden.
    Fairnopoly setzt auf eine Anschubsfinanzierung durch Crowdfunding (bis zum 1. März), die zugleich Anteile an der Genossenschaft ermöglichen soll. Und sogar eine ideelle Unterstützung ist sehr willkommen. Hier ist das Ziel - anders als bei Amazon etc -, dass der Marktplatz vollständig in den Händen der Nutzer*innen sein soll.

    • wawerka
    • 21. Februar 2013 11:14 Uhr

    "Ich habe meinen Amazon-Account gekündigt. Das kann man einen symbolischen Akt nennen und so mancher wird mich deswegen als Gutmensch bezeichnen, aber damit kann ich leben. Amazon hat die Chance, sich zu ändern. Dann melde ich mich auch wieder an."

    Ich kann mich Ihren Worten nur anschließen. Habe ebenfalls meinen Account gekündigt, muss nicht für die Ewigkeit sein, das hängt vom weiteren Verhalten Amazons ab.

    Etwas erstaunlich fand ich die teils glühende Verteidigung des Konzerns seitens mancher Kunden ("Andere sind doch auch nicht besser", "Heuchler" etc.), obwohl von denjenigen, die Amazon kritisierten und ankündigten ihre Kontos zu kündigen, gar nicht gefordert wurde, dass sich alle dem Boykott anschließen sollten. Mir schimmerte da ein bisschen:
    "Wir wissen, dass Amazon seine Angestellten ausbeutet, aber wir wollen es gerne ausblenden. Verderbt uns nicht den Einkaufsspaß, ihr Gutmenschen" durch

    ..dann mal sehen was sich an den politischen Strompreisen tun lässt. Dagegen ist Amazon ja ein lupenrein-durchsichtiges Unternehmen. Ob das Netz gegen jenes Netz sich auch so "machtvoll" aufbäumen wird?

    Was für ein Unsinn, dazu aufzurufen, einen der größten Arbeitgeber in Deutschland zu boykottieren.
    Die Leute, die dann wegen des Umsatz-Einbruchs entlassen werden, werden es ausbaden müssen.
    Hauptsache, die "Gerechten" haben es Amazon mal so richtig gezeigt.

    • gorgo
    • 21. Februar 2013 16:12 Uhr

    Es gibt auch die Alternative, eine persönliche Email zu schreiben und die Kündigung anzudrohen, wenn sich nichts ändert. Das hatte ich spontan gemacht. Bei etwas nachdenken komme ich zum Schluss, dass es sinnvoll ist, nicht wegen eventueller Aplatzverluste im Einzelfall das Mittel Accountkündigung/Boykott aus der Hand zu geben - schließlich werden davon langfristig sehr viel mehr Arbeitsplätze abhängen.

    Außerdem scheint der Fall Amazon ein vielversprechender Anfang: Wenn wir überall für faire Arbeitsbedingungen eintreten, haben alle was davon. Mies bezahlte, prekäre und ausbeuterischen Arbeitsverhältnisse -bedingungen werden sich erst ändern, wenn sie überall von Konsumenten-Konsequenzen bedroht sind (und ja, man muss das jetzt nicht als zu optimistisch bemängeln, lasst es einfach mal stehen...)

    Ich auch, mit der Ankündigung, dass ich die Sache in den Medien weiter verfolgen und mein Account erst dann wieder eröffnen werde, wenn Amazon nachweislich Leih- und Saisonarbeitern gleiche Löhne zahlt und ALLE seine Arbeiter menschenwürdig behandelt. Dafür würde ich gegebenenfalls aucvh höhere Preise zahlen.

    Das mag naiv sein, aber ich glaube auch, dass wir, die Kunden, die Macht haben, solche Exzesse zu stoppen, und die Pflicht, sie zu nutzen. Die Arbeitsbedingungen, die Amazon und ähnliche Unternehmen jetzt bieten, sind die des 19. Jahrhunderts.

    Übrigens wäre es interessant zu erfahren, wie viele Amazon-Kunden ihr Account gekündigt haben. Wo bleibt der IT-Freak, der eine Zähler-Seite einrichtet? Das dürfte Amazon vermutlich stärker unter Druck setzen als wenige - oder viele - Einzelkündigungen.

    Hoffendlich habt ihr erst gut nachgeforscht bevor ihr mit den anderen um die wette heult und arbeitsplätze aufs spiel setzt?

  1. Bei Buchpreisbindung und Lieferung fast aller deutschsprachigen Bücher in 24 Stunden gibt es eigentlich wenig Grund, deutschsprachige Bücher nicht bei einem klassischen Buchladen, der alle seine Steuren in Deutschland zahlt und positiv zum Stadtbild beiträgt, zu kaufen.

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    Beim klassischen Buchhändler muß das Buch meist bestellt werden und ich laufe ein paar Tage später wiede hin.
    Bei Amazon wird die Ware schnellstens geliefert und wenn es mir trotz vorheriger Information nicht gefällt, kann ich es problemlos zurücksenden.
    Wo ist der Vorteil der Buchhändlers.

    Sie können zuerst beim Buchhändler per e-mail bestellen, dann laufen Sie nur einmal. Amazon ist ein Sklavenausbeuter, Buchhändler sind nur Selbstausbeuter - das ist ihr Vorteil!

  2. Es stimmt mich überings sehr nachdenklich, dass eine Lokalzeitung, die mit begrenzten Ressourcen arbeiten muss, recherchiert hat, während die Zeit dies nicht machte.

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    Das dürft an der einseitigen politischen Ausrichtung dieses Mediums leigen.

    • lxththf
    • 21. Februar 2013 11:13 Uhr

    Pluralismus der Recherchen? Bei einem Konzern wie Amazon ist es doch nicht verwunderlich, dass man zwei Menschen findet, die auch etwas positives zu berichten haben.
    Vielleicht und wirklich nur vielleicht, waren die Arbeitsbedingungen vor 10 Jahren besser? Vielleicht identifiziert man sich mehr, wenn man 10 Jahre in dem Betrieb arbeitet?
    Die Berichte schließen einander nicht aus, sondern ergänzen sich, denn natürlich gibt es auch viele Arbeiter, die froh sind, einen Job zu haben (wie die beschriebenen zwei) und die natürlich nun auch Angst haben, vor einem Stellenabbau und das nächste Weihnachtsgeschäft ist weit weg. Aber wenn es Sie beruhigt. Bis dahin haben die meisten vergessen, was bei Amazon läuft.
    Ich habe sowohl positive, wie auch negative Berichte gehört, aber was mich am meisten verwundert ist, dass vielen vorher scheinbar nicht bewußt ist, mit welchen Methoden Konzerne arbeiten und auf Grund der Konkurrenz vielleicht sogar müssen. Zalando ist im übrigen auch ein Konzern, der viele Arbeiter ausbeutet (vor allem Gastarbeiter aus Polen). http://www.youtube.com/wa...
    Am Ende entscheidet der Verbraucher auch über die Arbeitsbedingungen, nur ist er sich leider selten dieser Macht bewußt. Je billiger wir kaufen, umso mehr wird der Vertreiber irgendwo sparen. Sei es Herstellung, Qualität oder eben beim Personal

    [...]

    Zum Thema:
    Ich kann mich da auch nur anschließen, Amazon macht wenigstens mal was!
    Wenn man sich da mal Pharma (Bayer) oder Stahl(Tyssen Krupp) Industrie anschaut.
    [...]

    Gekürzt. Bitte belegen Sie Ihre Aussagen mit seriösen Quellen. Danke, die Redaktion/ls

    die "Geschichte" auch.

    http://www.focus.de/finan...

    Wenns stimmt, und ich glaube es, ist das sehr aufschlussreich.

    das sie die Möglichkeit eines von Amazon lancierten Artikels überhaupt nicht in Betracht ziehen.

    Kenne sie doch bestimmt:
    Rauchen macht gesund gez. Dr. Marlborow

    Und übrigens, wenn Amazon kein Dreck am Stecken hätte, wäre deren Reaktion ganz anders ausgefallen.

    neben jener der Lokalzeitung, zum Beispiel
    - die Bildzeitung berichtet: http://www.bild.de/geld/w...
    - und die Netzwelt berichtet: http://www.netzwelt.de/ne...

    Man sollte bei diesem und ähnlichen Themen, die vor allem den Buch- und Verlagsbereich betreffen (neben Amazon gibt es da u.a. auch noch so Themen wie eBooks, Urheberrecht, Mehrwertsteuer usw.) vielleicht auch immer gleich mitberücksichtigen, dass Presseunternehmen selbst ja auch vitaler Teil dieses Marktes sind, und auf diesem Markt jeweils entsprechende eigene Interessen vertreten. Ein gewisser Pluralismus der Meldungen und Meinungstendenzen zu Amazon ist daher durchaus verständlich.

    Meldungen hängen da oft von Recherche und manchmal auch von Zufällen ab, Meinungen sind dagegen relativ frei - guter Journalismus zeichnet sich m.E. (nicht nur, aber auch) dadurch aus, dass im Großen und Ganzen vergleichtsweise objektiv berichtet und im selben Blatt bisweilen auch durchaus unterschiedliche Meinungen zum selben Thema vertreten werden (das wurde bei der ZEIT in letzter Zeit ja vor allem im Fall Schavan schön deutlich). Beim vorliegenden Fall warte ich jetzt erst noch mal eine Weile ab, wie sich das hier entwickelt ... ;-)

    • andkin
    • 21. Februar 2013 14:20 Uhr

    ich persönlich finde es immer schwierig, sachverhalte nach medienberichten zu beurteilen, weil ich oft genug mitbekomme, wie einseitig medien sachverhalte darstellen.

    mein persönlicher ansatz bei amazon: ich boykottiere nicht. weil sich für mich nichts geändert hat. ich habe mir auch vorher schon gedacht, dass da nicht alles supersozial läuft. und ich habe vorher auch schon (fast) immer nicht bei amazon bestellt sondern bei meinem lokalen buchladen. weil ich es wichtig finde, dass die lokalen buchläden auch noch da sind. und weil ich mir denke (was natürlich falsch sein kann), dass das arbeitsklima in den buchläden besser ist als bei amazon. ob die menschen in den buchläden dann mehr als die 10 E netto als bei amazon verdiene, würde ich aber schon wieder eher bezweifeln (zumindest für hier: berlin).

    ich persönlich wundere mich eher bei solchen nachrichten, dass anscheinend die menge der leute überrascht sind. wie mit dem pferdefleisch. denken die leute allen ernstes, dass an einer supermarktlasagne für 1,50 E soziale arbeitsplätze und gesunde tiere beteiligt sind? geschweige denn ihre eigene gesundheit?
    ich kaufe auch ohne skandale nur bio im bioladen, esse fast nie fleisch und kaufe so gut es geht regionale produkte und schon gar nicht aus china (gibt es auch im bioladen).

    weiter s. teil 2

  3. Wenn man diesem Artikel***glaubt, waren die Reaktionen gegen Amazon total übertrieben. Ich weiß schon, warum ich nicht gerne mit der Meute belle.

    ***
    http://www.hna.de/lokales...

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    Es stimmt mich überings sehr nachdenklich, dass eine Lokalzeitung, die mit begrenzten Ressourcen arbeiten muss, recherchiert hat, während die Zeit dies nicht machte.

    • toermel
    • 21. Februar 2013 11:09 Uhr

    ... auch mal die Mühe machen und die vielen Amazon-Beschäfftigten nach ihrer Arbeitssituation befragen. Gerade das Amazon-Werk, das hier in der Kritik steht, vergibt regelmäßig unbefristete Festanstellungen mit vernünftigen Löhnen. Ein naher Verwandter, der in eben diesem Werk arbeitet, kann die hier aufgestellten Vorwürfe allesamt nicht nachvollziehen.

    Kritik wo Kritik angebracht ist aber hier wird völlig über das Ziel hinaus geschossen. Der eigentliche Skandal ist nicht Amazon, sondern ein Sicherheitsdienstleister, der bestenfalls nicht so auf die Gesinnung seiner Mitarbeiter achtet, und eine ARD-Dokumentation, die reißerisch Fakten verdreht, um vielleicht an einem großen "Gegner" ein Exempel statuieren zu können. Dass selbst seriöse Portale wie Zeit-Online unkritisch darauf eingehen, entäuscht mich doch sehr.

    http://kreisanzeiger-onli...

    Die ZEIT wird sich wohl dazu nicht äußern.

    ...Kommentare wie ihre sind immer schwierig. Denn sie beziehen sich auf einen netten PR Artikel einer kleinen Zeitung. Dabei schlucken sie die Informationen einfach, ohne mal wirklich in Ruhe darüber nachzudenken. Sie sprechen von Recherche, dabei ist der Artikel voller unbewiesener Behauptungen, teils Verleumdung ( "Da würden etwa Handy-Chips gestohlen / randale im Amazon Lohnsklavenlager). und geht auf 90% der Vorwürfe aus der Doku überhaupt nicht ein.
    Ehrlich gesagt finde ich den verlinkten Artikel sogar als leicht rassistisch, spielt er doch mit ein paar Vorurteilen.

    Ala..Natürlich sind nicht alle Leiharbeiter böse Menschen aber..

    Zitat "Im Seepark Kirchheim herrsche jedenfalls Ruhe, seit dort der Sicherheitsdienst eingesetzt worden sei."

    Also sind illegale Hausdurchsuchungen i.O. ? Eine Security mit eindeutig rechten Mitgliedern darf sich als Staat im Staate aufspielen? Hauptsache es "fliegen keine Bierflaschen mehr" ?
    Bierflaschen sind böse, Hausdurchsuchungen sind toll?

    Zitat:
    "Dabei hätten es die Leiharbeiter gut bei Amazon"

    Super! Zusammengefrecht mit mehreren Personen in einem Zimmer oder kleinem Ferienhaus, zuwenig eingesetzte Busse, jederzeit Kündbar, unter falschen vorraussetzungen ins Land gelockt (Bezahlung/Zeitfirma statt Amazon selbst), keine Privatssphäre...
    Aber das alles ist nichts im Vergleich zu Zitat "Mineralwasser sowie Tee gebe es so viel, wie man wolle."

    MfG

    Sie haben vollkommen recht, spätestens seit der SCHLECKER-Geschichte bin ich da auch immer sehr skeptisch...
    Im Anschluss stellte sich raus, dass der Gute seine Leute gar nicht so geknechtet hatte, wie es VERDI so schön berichten konnte.
    Recht tendenziös.

    • wawerka
    • 21. Februar 2013 11:28 Uhr

    ...alles was in der ARD-Dokumentation berichtet wurde, ist völlig überzogen bis falsch, aber die subjektiven Erlebnisse eines Mitarbeites vom Amazon, der, wie er im Artikel selbst sagt, "Angst um seinen Job hat", wenn jetzt viele Leute nicht mehr bei Amazon bestellen, sind natürlich völlig wahrhaftig und richtig?

    @The 7th Guest: Ich bin da eher skeptisch. Beide, nämlich die Kreiszeitung (Inserate) und die Gastarbeiterin, sind erpressbar und manipulierbar. Ich will keinem von beiden etwas Schlechtes unterstellen und auch nicht alles an diesem Bericht in Zweifel ziehen. Aber der Redakteur macht sich vermutlich Sorgen umd die Beschäftigungssituation im Kreis, und die Gastarbeiterin möchte natürlich ihren Job behalten.

    Ich habe selbst erlebt, wie eine weit größere Regionalzeitung (gar nicht so weit von diesem Ort entfernt) eine wichtige Diskussion über einen Umweltskandal von einem Tag auf den anderen Tag einstellte. Thema war ein Umweltskandal, der noch heute aktuell ist und eben diese Region betrifft. Es ging einem Großunternehmen an den Kragen, das noch heute ca. 2 Milliarden Reingewinn auf Kosten der Umwelt abschöpft. Damals erschien ein Abgesandter (von wem auch immer) an der Arbeitsstelle eines der Disputanten und versuchte seinen Chef zu bewegen, ihm den Mund zu verbieten. Als dies nicht gelang, wurde der unangenehme Querulant mit einer einstweiligen Verfügung, bewehrt mit 300.000 DM, zum Schweigen gebracht. Soviel zur unabhängigen Berichterstattung der Regionalpresse.

    • Gerry10
    • 21. Februar 2013 11:02 Uhr

    ...daran sollte man sich wieder und wieder erinnern.
    Es gibt im wahrsten Sinne des Wortes Millionen von Amazonangestellte in Deutschland...

    18 Leserempfehlungen
    • toermel
    • 21. Februar 2013 11:09 Uhr

    ... auch mal die Mühe machen und die vielen Amazon-Beschäfftigten nach ihrer Arbeitssituation befragen. Gerade das Amazon-Werk, das hier in der Kritik steht, vergibt regelmäßig unbefristete Festanstellungen mit vernünftigen Löhnen. Ein naher Verwandter, der in eben diesem Werk arbeitet, kann die hier aufgestellten Vorwürfe allesamt nicht nachvollziehen.

    Kritik wo Kritik angebracht ist aber hier wird völlig über das Ziel hinaus geschossen. Der eigentliche Skandal ist nicht Amazon, sondern ein Sicherheitsdienstleister, der bestenfalls nicht so auf die Gesinnung seiner Mitarbeiter achtet, und eine ARD-Dokumentation, die reißerisch Fakten verdreht, um vielleicht an einem großen "Gegner" ein Exempel statuieren zu können. Dass selbst seriöse Portale wie Zeit-Online unkritisch darauf eingehen, entäuscht mich doch sehr.

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    Redaktion

    Werter Toermel,

    danke für Ihren Kommentar. Wir haben auch mit ehemaligen Beschäftigten gesprochen und veröffentlichen gleich zwei Protokolle aus diesen Gesprächen.

    Bleiben Sie uns gewogen,
    Herzlich
    PF

    ...sollte man mal etwas differenzieren. In der Reportage ging es um Leiharbeiter aus dem Außland, die unter falschen Vorrausetzungen in diese Land gelockt wurden und unter sehr wiedrigen Bedingungen hier eingesetzt wurden.

    Die Doku handelte !NICHT! vonm den Festangestellten der Firma.
    Also wie relavant sind da die Eindrücke eines Festangestellten, der nie in unter diesen Bedingungen so arbeiten mußte?

    Hier tut sich ein gewaltiges Problem auf, denn es gibt nicht nur bei Amazon zwei geteilte "Arbeitswelten" im selben Unternehmen.
    Teile und Hersche ist ein wirksames Prinzip. Auf der einen Seite die feste Belegschaft mit meist guten Bedingungen, auf der anderen Seite die Zeitarbeiter, häufig zu wesentlich schlechteren Bedingungen im selben Unternehen tätig.

    Da kann man schnell beide Seiten gegeneinander Ausspielen, weil es überhaupt keine Solidarität unter den Angestellten gibt, denn die einen gehöhren dazu, die anderen eben nicht.

    MfG

  4. Beim klassischen Buchhändler muß das Buch meist bestellt werden und ich laufe ein paar Tage später wiede hin.
    Bei Amazon wird die Ware schnellstens geliefert und wenn es mir trotz vorheriger Information nicht gefällt, kann ich es problemlos zurücksenden.
    Wo ist der Vorteil der Buchhändlers.

    8 Leserempfehlungen
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    • Panic
    • 21. Februar 2013 11:47 Uhr

    Wenn es nur um den eigenen Vorteil geht, dann sind Sie bei Amazon natürlich richtig. Wenn man aber, und das nur als Beispiel, kleine, lokale Händler unterstützen möchte, dann laufe ich zumindest gerne 2mal zum Buchhändler um die Ecke.

    Ich persönlich finde Monopole schrecklich. Ich will einen fairen Wettbewerb. Wenn Buchhändler um ihre Existenz kämpfen müssen, dann kann man natürlich sagen: "Hey, was geht mich das an? Ich hab mein Buch und gut is." Klar, jeder wie er will. Ich persönlich finde es ganz nett in einen Buchladen zu gehen, Bücher in die Hand zu nehmen und darin zu blättern. Mit kompetenten Menschen von Angesicht zu Angesicht zu sprechen und hier und da mal einen Tipp zu bekommen.

    Ehrlich gesagt ist es mir noch nie passiert, dass ich ein Buch nach dem Kauf am liebsten wieder zurück gegeben hätte. Es gibt genügend Quellen ob Blogs, Kritiken, Foren, wo man relativ schnell feststellt, ob das Buch für einen was taugt oder nicht. Bei Amazon bestellen heißt: Geld sparen und man hat es halt bequemer. Weil man den Hintern nicht heben muss. Da geh ich doch lieber mal raus und bezahl 2-3 Euro mehr. Zum Buchhändler meines Vertrauens.

    cheers

    • hairy
    • 21. Februar 2013 12:26 Uhr

    den lokalen Buchhändler anrufen oder per e-mail Buch bestellen - spart einen Weg. Anderer Vorteil: wenn der lokale Buchhändler das Buch hat, kann mans sich vor dem Kauf sogar ausführlich anschauen, was im Netz meist nur eingeschränkt oder garnicht möglich ist. Gibt außerdem viele Buchhändler im Netz, auch antiquarisch, mit sehr einfachem Bestellen (zB. booklooker, zvab, abebooks usw.). Wer auf niedrige Preise setzt, sollte überhaupt die Netzantiquariate besuchen.... gibt massenhaft auch neuwertige Bücher zu niedrigeren Preisen. Und man kann auch bei Verlagen direkt bestellen, was den Vorteil hat, dass man diese und die betrf. etwas unterstützt.

  5. Ich bin einer von tausenden Händlern bei Amazon und hätte Anregungen für die Herren Journalisten für die nächste Enthüllung...
    Bei Amazon Händler sein heißt:
    * bis 50 % seines Gewinns an Amazon abdrücken, d.h. zweistellige Gebühren nur um dort verkaufen zu dürfen
    * ein Abmelden ist kaum möglich, da der eigene kleine Shop nicht gut genug läuft, Amazon ist einfach zu vorbeherrschend - und weiß bzw. nutzt das!
    * die sog. Preisparität schreibt vor, dass Händler nirgends billiger verkaufen dürfen als bei Amazon, auch nicht im eigenen gebührenfreien Webshop - Wirtschaftsdiktatur durch einen Monopolisten = freie Marktwirtschaft???
    * Es werden kürzeste Versandfristen und jederzeitige Rücknahme der Waren gefordert, egal in welchem Zustand: 100% Rechte für den Kunden, 0% für den Händler, nix mit gleichberechtigten Handelspartnern!
    * Null Hilfe bei Problemem für Händler, z.B. ungerechte oder Rachebewertungen von Kunden werden nicht entfernt, Hilfe nicht vorhanden, keine Gegenleistung für die hohen Gebühren!
    * Bekannt unter Händlern auch der Verdacht, dass Amazon analysiert, was Händler am besten verkaufen - und das dann zum Kampfpreis selbst aufnimmt!
    Fazit: Amazon frisst sich in den deutschen Einzelhandel, macht kleine Händler erst abhängig und dann kauptt, und der Staat fördert das auch nocht!
    Und der Kunde leider auch, Blitzzusendung, Niedrigstpreise und null Probleme bei Reklamationen sind einfach zu verlockend - Aber ist der ethische Preis dafür nicht etwas zu hoch?

    8 Leserempfehlungen
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    • jeggert
    • 21. Februar 2013 12:07 Uhr

    "ein Abmelden ist kaum möglich, da der eigene kleine Shop nicht gut genug läuft"

    Von Amazon leben weil eigener Laden nicht läuft aber meckern.

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