David Einhorn : Der Mann, der Apple das Fürchten lehrt

Apple hat ein Problem. Das Unternehmen hat zu viel Geld – und es hat David Einhorn im Nacken. Der gefürchtete Investor hat es auf die Cash-Reserven von Apple abgesehen. Immer wenn er sich einmischt, wird es ungemütlich.
David Einhorn liebt Baseball und Poker - und er ist einer der berüchtigsten Männer der Wall Street. Sein Vermögen wird auf 1,2 Milliarden Dollar geschätzt. © Reuters/Keith Bedford

Wenn David Einhorn etwas haben will, dann setzt er alles daran, es zu bekommen. Der Mann ist kein angenehmer Gegner. Seine Methoden sind nicht zimperlich. Der Hedge-Fonds-Manager ist einer der unerbittlichsten Männer der Wall Street. Spitzname: "David the Goliath". Jetzt hat er sich einen ganz dicken Brocken vorgenommen: Apple.

Einhorn will Apple zwingen, einen großen Teil seiner Reserven auszuschütten. Der Konzern aus Cupertino hat über die Jahre insgesamt 137 Milliarden Dollar an Cash angehäuft. Allein im Weihnachtsgeschäft kamen beinahe 16 Milliarden Dollar hinzu. Das ist einmalig. Doch das Unternehmen hat ein Problem: Es weiß nicht, was es mit dem ganzen Geld anfangen soll. Hier kommt Einhorn ins Spiel. Die erste Attacke startete der Hedge-Fonds-Manager in der vergangenen Woche. "Es ist euer Geld", schrieb er in einem offenen Brief, in dem er die Mitaktionäre aufforderte, sich seiner Kampagne gegen Apple anzuschließen. Dem folgten Fernsehauftritte und Zeitungsinterviews. "Apple hat ein Problem, ein Cash-Problem", wiederholte er auf allen Kanälen. Apple horte einfach zu viel Bares.

Einen psychologischen Befund lieferte er gleich mit: "Apple verhält sich wie jemand, der ein Trauma erlebt hat." Die Firma habe in ihrer Geschichte so viele Krisen erlebt, dass sie das Gefühl habe, man könne nie genug Cash haben – so wie seine Großmutter, die die Große Depression in den 1930er-Jahren miterlebt hätte. Steve Jobs, der legendäre Gründer und Ideengeber von Apple, rettete das Unternehmen im Jahr 1997 vor der Pleite. In den folgenden zehn, 15 Jahren machte er aus Apple den größten Technologiekonzern der Welt. Die Aktionäre durften sich über gigantische Kursgewinne freuen. Doch von einer Dividende hielt Jobs nichts. Sie passte nicht zur Philosophie einer Firma, die ständig in Wachstum investierte. Erst als Jobs im Oktober 2011 an Krebs starb, änderte das Unternehmen seine Strategie. Der neue Chef, Tim Cook, kündigte im Frühjahr 2012 an, Apple werde nach 17 Jahren erstmals wieder eine kleine Dividende zahlen.

Zudem startete der Konzern den Rückkauf eigener Aktien. Einhorn reicht das nicht. Er verlangt, Apple müsse Vorzugsaktien im Wert von 50 Milliarden Dollar ausgeben, und darauf jährlich eine Dividendenrendite von vier Prozent zahlen. Und um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, klagt er vor dem Bezirksgericht in Manhattan. Damit will er eine geplante Satzungsänderung verhindern, die die Ausgabe von verzinsten Vorzugsaktien erschweren würde. Greenlight Capital, der Hedge-Fonds von Einhorn, hält 1,3 Millionen Apple-Aktien, aktueller Wert: rund 600 Millionen Dollar. Damit zählt Einhorn zu den größten Anteilseignern.

Bewundert und gefürchtet

Seit der Gründung im Jahr 1996 hat Greenlight Capital laut Forbes eine durchschnittliche Rendite von 21 Prozent erzielt. Die Gesellschaft verwaltet knapp acht Milliarden Dollar. Einhorns eigenes Vermögen wird auf 1,2 Milliarden Dollar geschätzt. Doch vermutlich geht es Einhorn gar nicht allein um das Geld. Wer Einhorn kennt, der weiß, dass es für ihn noch andere Motive gibt: Macht und Einfluss. Der 44-Jährige ist keine imposante Erscheinung, er wirkt unscheinbar. Das Aussehen: jungenhaft. Die Stimme: sanft. Doch das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Einhorn stets mit harten Bandagen kämpft. Er hat ein Vermögen damit gemacht, auf den Niedergang von Firmen zu wetten. Sein größter Coup: Im Jahr 2008 stellte er fest, dass etwas mit den Bilanzen von Lehman Brothers nicht stimmte. Einhorn setzte gegen die Investmentbank, was er auch öffentlich kundtat. Wenige Monate später ging Lehman pleite - der Auslöser für die größte Finanzkrise seit Jahrzehnten. Seitdem wird Einhorn bewundert und gefürchtet zugleich. Bewundert dafür, dass er seine Aussagen meist auf eine Fülle von Zahlen und Daten stützt, und damit oft richtig liegt. Gefürchtet dafür, dass er ein Unternehmen mit einem Satz in den Abgrund stoßen kann. Auf dem Value Investing Congress in New York im vergangenen Jahr soll Einhorn gewitzelt haben, er sei offenbar schon zu einem Verb geworden ("Apparently, Now I'm A Verb"). Eine Aktie "einhornen" bedeute, dass der Absturz unmittelbar bevorstehe, sobald Einhorn über sie redet, berichtete Business Insider. So erging es zum Beispiel der Versicherung Allied Capital im Jahr 2002 oder kürzlich dem Kaffeeröster Green Mountain. Im Oktober 2011 startete Einhorn seinen Angriff auf Green Mountain, ausgebreitet auf einem Papier von 110 Seiten. Die Aktie verlor daraufhin innerhalb kurzer Zeit die Hälfte an Wert und sie hat sich bis heute nicht davon erholt.

In Großbritannien wurde Einhorn im vergangenen Jahr von der Finanzaufsicht wegen Insiderhandels bestraft. Er habe von Plänen für eine Kapitalerhöhung bei Punch Taverns gehört und daraufhin so schnell wie möglich seine Aktien abgestoßen. Einhorn bestritt die Vorwürfe, zahlte aber die Strafe in Höhe von 7,2 Millionen Pfund.

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Kommentare

53 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Die Aktionäre,

das sind Leute, die Apple ihr Erspartes zur Verfügung gestellt haben und dafür eine Gegenleistung erwarten. Jahrelang gab es keine Renditen und die Aktionäre wurden mit steigenden Kursen "vertröstet". Nun, da mit steigenden Kursen erst einmal niemand mehr rechnet, wird es eben Gewinnausschüttungen geben müssen. In vielen Wirtschaftsräumen dieser Welt ist es durchaus üblich, seine Altersversorge in Aktien anzulegen... der Großteil der Apple-Aktien dürfte von amerikanischen Rentenfonds gehalten werden, die wiederum in erster Linie das sauer verdiente Geld von Kleinanlegern verwalten. Menschenwürdige Arbeit - gut - darüber braucht nicht diskutiert zu werden, aber es muss zugleich klar sein, dass hier auch die Interessen sogenannter kleiner Leute in der westlichen Welt verhandelt werden, selbst wenn das auf den ersten Blick nicht sichtbar ist. Und für diese Leute ist das Leben auch keine Charity-Party.

Wenn Apple das Geld von Aktionären nimmt, muss es wissen, dass damit Ansprüche entstehen. Niemand hat Apple an die Börse gezwungen. Wenn die Firma damit nicht klarkommt, muss sie konsequenterweise von der Börse verschwinden und den Aktionären ihre Anteile wieder abkaufen. Alles kein Ding der Unmöglichkeit, der Computerhersteller Dell macht es derzeit vor.