FluggeschäftAmerikas letzte Luftfahrtriesen verbünden sich

Steigende Kosten und weniger Passagiere haben Amerikas Airlines zugesetzt. Nun verbünden sich die letzten großen: US Airways und American Airlines. von 

Flugzeuge der American Airlines und der US Airways auf dem Flughafen von Arlington, Virginia

Flugzeuge der American Airlines und der US Airways  |  © Jim Watson/Getty Images

Doug Parker musste für diesen Moment hart arbeiten. Über Monate traf sich der Chef der Fluggesellschaft US Airways mit Gewerkschaftsfunktionären, skeptischen Gläubigern und einem Führungsteam, das höchst misstrauisch war. Seine Mission: die stolze US-Traditionsfluglinie American Airlines davon überzeugen, der Übernahme durch den deutlich kleineren Konkurrenten zuzustimmen. 

Nun scheint Parker am Ziel. An diesem Mittwoch kamen die Aufsichtsräte der Fluglinien zusammen, um über den Zusammenschluss zu beraten. Die Zustimmung gilt als sicher, nachdem sich vor wenigen Tagen auch die Piloten beider Airlines auf die Zusammenarbeit einigten. Sollten alle Parteien das Geschäft absegnen, würde ein neuer Luftfahrtriese entstehen: 94.000 Angestellte, 950 Maschinen, 6.500 Flüge täglich und 39 Milliarden Dollar Umsatz. "Beide Gesellschaften brauchen sich gegenseitig", sagt Jeff Kauffman, Branchenanalyst bei der Investmentberatung Sterne, Agee & Leach in New York.

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Für die großen Airlines im Land ist es schwierig geworden, ohne Hilfe zu überleben. Steigende Ölpreise haben die Kosten in die Höhe getrieben, der Flugverkehr ist eingebrochen, erst nach den Anschlägen vom 11. September, später nach der Finanzkrise. Die Folgen waren überall gleich: Die Schulden wuchsen, die großen alten Maschinen, die auch auf Regionalflügen eingesetzt wurden, blieben oft zur Hälfte leer – und Pensionsforderungen aus besseren Zeiten drückten auf die Bilanzen.

Seit der US-Kongress den Markt der Fluggesellschaften Ende der Siebziger dereguliert hat, können diese auch mit Preiserhöhungen nicht mehr reagieren. Regelmäßig schossen neue, kleine Fluggesellschaften aus dem Boden, die die Kunden mit Schnäppchen lockten, bevor sie wieder in der Versenkung verschwanden.

Eine fragmentierte Branche kämpft ums Überleben

Im Überlebenskampf rückte die einst fragmentierte Branche zusammen. Doug Parker’s America West übernahm 2005 US Airways und rettete die Airline vor dem Bankrott. Wenig später folgte Delta und kaufte Northwest. United fusionierte mit Continental und Southwest schnappte sich AirTran Airways. Aus sieben großen Airlines wurden so innerhalb weniger Jahre vier. Und immer gab Washington grünes Licht.

Doch das allein reichte selten. Delta, United und viele andere mussten Insolvenz anmelden, um sich aus der Krise zu bewegen. Die Insolvenzgerichte des Landes, schrieb der Economist süffisant, hätten so viele Insolvenzen abhandeln müssen, dass es sich fast gelohnt hätte, Check-in Schalter und Duty-Free-Shops einzurichten. Das US-Insolvenzrecht erlaubt es den Fluggesellschaften, den Betrieb aufrecht zu erhalten, sich aber nicht um die Forderungen der Gläubiger kümmern zu müssen. Für viele war das die letzte Rettung. Der Umbau im Schutz des Gesetzes half der Branche am Ende, aus den Verlusten zu kommen.

Nur American wollte das Spiel nicht mitspielen. Die in die Tage gekommene Fluglinie versuchte lange, die Krise aus eigener Kraft durchzustehen. Doch als Tom Horton Ende 2011 seinen Posten als Firmenchef antrat, holte ihn die Realität ein. Vier Jahre Verluste und teure Gewerkschaftsverträge hatten die Fluglinie schwer belastet. Der Schuldenberg war auf rund 12 Milliarden Dollar gewachsen. Die Airline hatte an Bedeutung verloren und drohte, den Anschluss an die frisch gestärkte Konkurrenz zu verlieren. American rettete sich in die Insolvenz.

Leserkommentare
    • Senkoji
    • 13. Februar 2013 21:07 Uhr

    hat American Airlies zu Grunde gerichtes. Sinnlose Ankaeufe von z.B TWA resultierten in einer total ueberalterten Flotte. Man flog fuer viele Jahre mit alten 767 Mistkuebeln ueber den Atlantik und Pazifik, Verspaetungen und Ausfaelle haeuften sich und mit Hilfe der Gewerkschaften wurde der Service immer miserabler. Speziell American Airlines hat anscheinend nicht verstanden, dass guter Service Kunden bringt und an die Marke AA bindet...auch wenn's ein wenig mehr kostet.
    Nun, und die letzten Multi Million Miles Kunden wuden dann sauer, wenn das Loyalitaet bildende AAdvantage Programm dermassen geaendert wurde, dass Loyalitaet nicht mehr belohnt wird.
    Diese neuerliche Uebernahme wird tausende von Jobs kosten, Preise hoeher schicken und den Service nicht merklich verbessern. Vergroesserung bedeutet auf keinen Fall Verbesserung.

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  1. Fusionen /Übernahmen haben nie Jobs gekostet. Ganz im Gegenteil es werden Jobs geschaffen und gerettet , wenn auch manchmal nur kurzfristig. Besser als nichts ! Da sich US AIRWAYS und AA nicht ähneln und keine Überlappenden Routen haben , wird es keine Preiserhöhungen geben, da die Fusion kein Loch in dem Markt reißt. Jedenfalls keinen Schwerwiegendes. Beide ergänzen sich super. DELTA/NWA udn UNITED/CO sind erfolgreiche Fusionen und nirgendwo gingen Jobs verloren.

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    • Senkoji
    • 14. Februar 2013 5:26 Uhr

    wenn bei einer sanften oder nicht so sanften Uebernahme speziell in allen Servicebereichen keine Jobs verloren gingen. Normalerweise fallen dem "streamlining", der Gewinnmaximierung und Sanierung tausende von Stellen zum Opfer. Das wird auch hier innerhalb der kommenden 18 - 24 Monate erkennbar. Das war bisher bei jedem Merger und bei jeder Uebernahme innerhalb einer Industriegruppe der Fall; und nicht nur in der Luftfahrt.
    Ansonsten muesste der Sinn einer Uebernahme ueberhaupt in Frage gestellt werden.

    • Senkoji
    • 14. Februar 2013 5:26 Uhr

    wenn bei einer sanften oder nicht so sanften Uebernahme speziell in allen Servicebereichen keine Jobs verloren gingen. Normalerweise fallen dem "streamlining", der Gewinnmaximierung und Sanierung tausende von Stellen zum Opfer. Das wird auch hier innerhalb der kommenden 18 - 24 Monate erkennbar. Das war bisher bei jedem Merger und bei jeder Uebernahme innerhalb einer Industriegruppe der Fall; und nicht nur in der Luftfahrt.
    Ansonsten muesste der Sinn einer Uebernahme ueberhaupt in Frage gestellt werden.

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    Antwort auf "Endlich!"
  2. Welcher Praktikant hat sich denn eine derart idiotische Überschrift wie "Amerikas letzte Luftfahrtriesen verbünden sich" ausgedacht?

    United und Delta sind Luftfahrtriesen - United meines Wissens nach bisher die größte Airline der Welt. Ganz zu schweigen davon, dass "Amerika" aus deutlich mehr Staaten besteht, als die USA und TAM und Air Canada durchaus auch "Luftfahrtriesen durchgehen". Zumindest wenn man die relativ kleine US Airways - die über nichtmal 30 langstreckentaugliche Jets verfügt - als "Luftfahrtriesen" sieht.

    • Senkoji
    • 15. Februar 2013 0:49 Uhr

    . bei der heutigen Pressekonferenz wurde bereits eingeraeumt dass es zum Stellenabbau kommen wird. "man weiss nur noch nicht "wieviele und wann". Na, zuerst gibt's dann mal Fruehpension.
    Komisch, man will immer "der Groesste" sein. Taet mich freuen wenn mal einer velautbaren wuerde, dass man der Beste sein wolle.

  3. Aufrüstung vor der größten Freihandelszone der Erde.
    Wenn die Freihandelszone kommt, wird es noch mehr Megafusionen geben... die Macht der Konzerne auf die Politik und internationaler Wirtschaft wird zunehmen. ich bezweifle ob dies eine guten Entwicklung außerhalb der Konzerne und banken kommen wird.
    Stellen Sie sich z.B. vor: GE mit Siemens, Boing mit Airbus, Ford mit VW, von den Rüstungskonzernen ganz zu schweigen (ist in Europa gerade "scheinbar" gescheitert).... usw.

    Das Argument wird sein, man wird im globen Wettbewerb bestehen müssen..., aber die Regionen werden auf der Strecke bleiben, dies wird zu gesellschaftlichen Unruhen führen....

    Die großen Konzerne hat man in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg bewusst zerschlagen ( z.B. IG Farben in BASF, BAYER etc.)

  4. endet mal wieder nahe bei einem Monopol.

    Was daran dann frei und fortschrittlich sein wird, kann ich mir nicht vorstellen.

    Aber auch da wird irgendein Erklärbär aufstehen und die Wahrheit so lange verbiegen bis es in die Theorie passt.

    Bis dahin gilt:
    Fliegen wird in den USA teuerer und der Service wird schlechter.

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