Tageszeitungen : "Frankfurter Rundschau" soll linksliberal bleiben

Der eher konservative "FAZ"-Verlag will an der bisherigen Ausrichtung der "FR" festhalten: Sie soll nach der Übernahme als linksliberale Tageszeitung weitergeführt werden.
Das Redaktionsgebäude der "Frankfurter Rundschau" © Frank Rumpenhorst/dpa

Die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung will die insolvente Frankfurter Rundschau als unabhängige linksliberale Tageszeitung weiterführen. "Als unabhängige Stimme soll die Frankfurter Rundschau auch in Zukunft wesentlich zur Meinungsvielfalt beitragen", sagte Tobias Trevisan, Geschäftsführer der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH.

Dazu werde die Frankfurter Rundschau GmbH gegründet, an der die ursprüngliche Eigentümerin der FR, die Karl-Gerold-Stiftung, mit zehn Prozent beteiligt werde. Diese garantiere mit ihrer Stiftungsverfassung die unabhängige, linksliberale Ausrichtung der Frankfurter Rundschau.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH soll 35 Prozent an dem neuen Unternehmen halten, der Schwesterverlag Frankfurter Societät GmbH mit 55 Prozent die Mehrheit.

Nur 28 Redakteure werden übernommen

Die FAZ besiegelte am Donnerstag mit dem Insolvenzverwalter den Kauf des Traditionsblatts. Das Bundeskartellamt hatte dem Erwerb bereits zugestimmt. Von den 450 FR-Mitarbeitern übernimmt die FAZ nur 28 Redakteure, die über Frankfurt und die Region berichten sollen.

Der bisherige Chefredakteur der FR, Arnd Festerling, soll die Redaktion auch in der neuen Gesellschaft führen, wie die neuen Eigentümer mitteilten. Rouven Schellenberger, der bislang mit Festerling die Zeitung führte, scheidet auf eigenen Wunsch aus.

Die überregionale Berichterstattung wird weiter von der Redaktionsgemeinschaft mit der Berliner Zeitung in Berlin zugeliefert, bis dafür eine eigene Redaktion aufgebaut ist. Der bislang im Berliner Verlagshaus produzierte Mantel der Zeitung solle zudem neu strukturiert werden, teilten die neuen Eigentümer mit. Damit stehen auch in Berlin Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Den Druck der Zeitung werde die Frankfurter Societäts-Druckerei GmbH übernehmen, die auch die FAZ druckt.

Geschäftsführung vertraut in Zukunft der Marke

"Wir glauben an die Zukunft der Marke Frankfurter Rundschau", sagte Hans Homrighausen, Geschäftsführer der Frankfurter Societät GmbH. "Wir sehen uns in der Lage, die Frankfurter Rundschau wirtschaftlich erfolgreich zu führen und ihr dadurch regional wie überregional eine Perspektive zu geben." 

Neben der FAZ war noch ein türkischer Verlag an der FR interessiert gewesen. Das Angebot hatte der Insolvenzverwalter aber als wirtschaftlich nicht tragfähig abgelehnt. Die FR-Eigner – also vor allem der Kölner Verlag M. DuMont Schauberg und die SPD-eigene Medienholding DDVG – hatten im November für die FR Insolvenz angemeldet, nachdem das Blatt in den vergangenen Jahren hohe Verluste schrieb.

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Kommentare

10 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Soll wieder linksliberal werden?

Tja, ein guter Teil der FR-Leser sind wohl am Ende Wahrheitsfanatiker gewesen. Wenn sie ausgerechnet die dann mit ihrer täglich Lüge bedenken dann ist es kein Wunder wenn das Blatt eingeht. Selbst dem besten Schwarz-Weiss-Denker sollte das irgendwann auffallen. Die FR hatte für ein Boulevardblatt 3. Klasse einfach die falsche Leserklientel. Es ist ihr einfach nicht gelungen ihre Leser mit sich selbst umzuerziehen: nicht mehr zu denken - aber das dann doch bitte kritisch XD