Die Krise auf dem spanischen Immobilienmarkt hat ein weiteres Unternehmen in den Abgrund gerissen: Der hochverschuldete Immobilienentwickler Reyal Urbis meldete am Dienstag Insolvenz an. Das Schicksal der Firma liegt nun in den Händen eines Gerichts. Reyal Urbis könnte zum zweitgrößten Pleitefall des Landes werden.  

Zuvor waren Gespräche mit den Gläubigern, unter ihnen die Großbanken Santander, BBVA und Bankia, über eine Umschuldung gescheitert. Bankia steckt bereits selbst in der Krise.

Das Geschäft von Reyal Urbis besteht in der Verwaltung von Immobilien, darunter große Flächen noch ungenutztes Bauland. Mitte 2012 waren diese Immobilien mit 4,2 Milliarden Euro bewertet. Die Schulden des Unternehmens sind aber nicht viel niedriger: Ende September 2012 betrugen sie 3,6 Milliarden Euro. Üblicherweise gilt ein Verschuldungsgrad von mehr als 60 Prozent als Grund zur Sorge, im Fall von Reyal Urbis liegt die Quote aber bei rund 85 Prozent. 

Faule Kredite, wertlose Häuser, Banken in Not

Dem Unternehmen wurde wie so vielen anderen der Branche zum Verhängnis, dass die spanischen Häuserpreise seit dem Boomjahr 2007 um 40 Prozent gesunken sind. Und sie fallen weiter, denn Spanien steckt tief in der Rezession. Viele Familien können ihre Hypotheken nicht mehr bedienen, und auch der gewerbliche Mietmarkt mit Laden- und Büroflächen in den Großstädten ist längst kein Selbstläufer mehr. Der Leerstand ist hoch.

Die Summe der faulen Kredite im Immobiliensektor wächst. Das wiederum belastet die Bankbilanzen. Spanien musste zur Rettung seiner Geldhäuser bereits 40 Milliarden Euro von den Euro-Partnern leihen. Entlastung soll nun eine neu eingerichtete zentrale "Bad Bank" bringen, bei der die heimischen Geldhäuser ihre Altlasten abladen können, um die Bilanz zu reinigen.

Die Konsequenz aus der Bankenkrise ist, dass viele Geldhäuser die Geduld mit ihren Kreditnehmern verlieren. Reyal Urbis bekam das nun zu spüren. Bereits am vergangenen Freitag verlautete aus Finanzkreisen, dass die Gläubiger den Umschuldungsvorschlag der Immobilienfirma ablehnen. Die Frist für eine Einigung läuft am Samstag aus.

Reyal Urbis hat die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. Der Geschäftsbetrieb läuft nach spanischem Insolvenzrecht vorerst weiter. Doch Anleger haben das Unternehmen längst abgeschrieben: Die Reyal-Aktie ist seit 2007 quasi wertlos geworden. Sie büßte seither 99 Prozent ein und kostet nur noch rund zehn Cent.