Umschuldung verweigertSpanischer Immobilienentwickler Reyal Urbis vor der Mega-Pleite

Es könnte die zweitgrößte Insolvenz Spaniens werden. Die Banken verweigerten Reyal Urbis eine Umschuldung. Jetzt liegt das Schicksal der Firma in Händen eines Gerichts.

Sinnbild der spanischen Immobilienkrise: Eine Bauruine in Roquetas de Mar bei Almería (Archivbild).

Sinnbild der spanischen Immobilienkrise: Eine Bauruine in Roquetas de Mar bei Almería (Archivbild).  |  © Jasper Juinen/Getty Images

Die Krise auf dem spanischen Immobilienmarkt hat ein weiteres Unternehmen in den Abgrund gerissen: Der hochverschuldete Immobilienentwickler Reyal Urbis meldete am Dienstag Insolvenz an. Das Schicksal der Firma liegt nun in den Händen eines Gerichts. Reyal Urbis könnte zum zweitgrößten Pleitefall des Landes werden.  

Zuvor waren Gespräche mit den Gläubigern, unter ihnen die Großbanken Santander, BBVA und Bankia, über eine Umschuldung gescheitert. Bankia steckt bereits selbst in der Krise.

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Das Geschäft von Reyal Urbis besteht in der Verwaltung von Immobilien, darunter große Flächen noch ungenutztes Bauland. Mitte 2012 waren diese Immobilien mit 4,2 Milliarden Euro bewertet. Die Schulden des Unternehmens sind aber nicht viel niedriger: Ende September 2012 betrugen sie 3,6 Milliarden Euro. Üblicherweise gilt ein Verschuldungsgrad von mehr als 60 Prozent als Grund zur Sorge, im Fall von Reyal Urbis liegt die Quote aber bei rund 85 Prozent. 

Faule Kredite, wertlose Häuser, Banken in Not

Dem Unternehmen wurde wie so vielen anderen der Branche zum Verhängnis, dass die spanischen Häuserpreise seit dem Boomjahr 2007 um 40 Prozent gesunken sind. Und sie fallen weiter, denn Spanien steckt tief in der Rezession. Viele Familien können ihre Hypotheken nicht mehr bedienen, und auch der gewerbliche Mietmarkt mit Laden- und Büroflächen in den Großstädten ist längst kein Selbstläufer mehr. Der Leerstand ist hoch.

Die Summe der faulen Kredite im Immobiliensektor wächst. Das wiederum belastet die Bankbilanzen. Spanien musste zur Rettung seiner Geldhäuser bereits 40 Milliarden Euro von den Euro-Partnern leihen. Entlastung soll nun eine neu eingerichtete zentrale "Bad Bank" bringen, bei der die heimischen Geldhäuser ihre Altlasten abladen können, um die Bilanz zu reinigen.

Die Konsequenz aus der Bankenkrise ist, dass viele Geldhäuser die Geduld mit ihren Kreditnehmern verlieren. Reyal Urbis bekam das nun zu spüren. Bereits am vergangenen Freitag verlautete aus Finanzkreisen, dass die Gläubiger den Umschuldungsvorschlag der Immobilienfirma ablehnen. Die Frist für eine Einigung läuft am Samstag aus.

Reyal Urbis hat die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. Der Geschäftsbetrieb läuft nach spanischem Insolvenzrecht vorerst weiter. Doch Anleger haben das Unternehmen längst abgeschrieben: Die Reyal-Aktie ist seit 2007 quasi wertlos geworden. Sie büßte seither 99 Prozent ein und kostet nur noch rund zehn Cent.

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Leserkommentare
  1. aus dem nur noch kalte Luft kommt.

    Das System friert peu a peu ein.

    Eine Leserempfehlung
  2. Sind das die „großen Fortschritte“, die die Kanzlerin beim letzten Rajoy-Besuch herausgestellt hat. Was braut sich da in Südeuropa zusammen, während man hier über Sexismus und Pferdefleisch debattiert? Frankreichs Wirtschaft geht den Bach runter, Italien wählt Berlusconi und die Russen freuen sich, dass wir ihr Schwarzgeld auf Zypern retten.

    Wie weit ist eigentlich der Bankenrettungs-Fonds? http://deutsche-wirtschaf...

    [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/mak

    14 Leserempfehlungen
  3. Wieso? Zahlen in Spanien die Gerichte die fälligen Kredite?
    Oder können Gericht eine marode Firma gesundurteilen?
    Das Gericht kann nur das durch den Insolvenzantrag offen zu Tage getretene "Schickal" bearbeiten, aber nicht ändern.

    3 Leserempfehlungen
  4. Merkt da eigentlich keiner, was da mittlerweile passiert?
    Banken, Immobilienkonzerne, Oligarchen .... Alle vermehren ihren Reichtum, indem sie vermeintliche Schulden(Wo ist das Geld eigentlich geblieben?) weiterreichen.
    Aber keine Bange: EURO-Staaten, EZB und IWF werden nicht müde, diese "systemrelevanten" Verbrecherveranstaltungen auch weiterhin zu alimentieren.
    Alles kein Problem, denn die Bürger müssen mitspielen, koste es was es wolle.
    Wie wär's mit Eurobellion? Holt ein paar Coaches aus den sattsam bekannten Staaten. Neu dabei im Angebot: Bulgarien, wo Bürger Eintritt ins Parlament begehren.
    Ist schon eigenartig, wie duldsam wir doch sind.

    7 Leserempfehlungen
  5. Madrid - Trotz drastischer Einsparungen in Spanien sind die Staatsschulden des Euro-Krisenlandes laut El País 2012 um den Rekordbetrag von 146 Milliarden Euro gestiegen. Nie zuvor in der spanischen Geschichte hätten die Verbindlichkeiten in einem Jahr so stark zugenommen.

    Die Gesamtschulden des Staates beliefen sich damit auf über 882Milliarden Euro. Dies entspreche 84 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Zuletzt sei dies in Spanien im Jahr 1910 so hoch gewesen, schrieb die Zeitung.

    Im ersten Jahr der Amtszeit der konservativen Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy seien die Staatsschulden um 400 Millionen Euro am Tag gestiegen. Die Zunahme sei vor allem auf das Defizit im Staatshaushalt zurückzuführen.
    http://www.sueddeutsche.d...

    Um diese Meldung einzuordnen:

    - Spanien hat jetzt die Schuldenquote (gemessen am BIP) von
    Deutschland erreicht.

    - Die Schulden sind besonders deshalb durch die Decke
    gegangen, weil der spanische Staat die Banken gerettet hat.

    Wer fordert jetzt die Rückzahlung der „faulen“ Kredite? Die Banken, die vom Staat gerettet werden mussten, weil sie diese Kredite vergeben haben.

    Was ein Wahnsinn.

    Wenn die Bürger mal begreifen, wie dreist sie ausgenommen werden – dann gibt es kein halten mehr.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Querschuesse ist die beste Datenquelle für Wirtschaftsjournalisten:

    "Die spanische Zeitung El Pais berichtete in Bezug auf offizielle Quellen, dass der Bruttoschuldenstand des Staates um +146 Mrd. Euro im Jahr 2012 angestiegen ist, auf einen neuen Rekordstand von 882,300 Mrd. Euro. Dies entsprach 84,0% des nominalen BIPs, der höchste Stand im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung seit dem Jahr 1910! Die getätigten umfangreichen Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen des Staates haben wie hier erwartet ihr Ziel kläglich verfehlt! .....und in Folge hoher Kreditausfälle zu Bankenbailouts in Höhe von 40 Mrd. Euro. Weiterhin schlugen Hilfen für die autonomen Regionen zu Buche, unbezahlte Rechnungen des Staates, der spanische Anteil an den Rettungspaketen für Griechenland, Portugal und Irland und die Zinslast von 28,848 Mrd. Euro im Jahr 2012."

  6. müssen die Bürger endlich begreifen von wem sie ausgenommen werden.
    Wer profitiert von einer Insolvenzverschleppung? Der stille Investor?Der Gläubiger? Die Wirtschaft?

    In der Regel sind es die Mitarbeiter der Unternehmen,die Gelder beziehen aus toten Geschäftsmodellen.
    Auch wenn man Unternhemen braucht,die Mitarbeiter solcher Unternehmen oder Banken können nichts,leisten nichts,und haben deshalb weder Lohn verdient,noch können sie uns aus irgendetwas befreien.Die Inkompetenz und Anzahl der Mitarbeiter sorgen doch für die Misere.
    Deshalb wird der Bürger eben nicht vom Grosskapital ausgenommen,sondern von (ehemaligen) Mitarbeitern solcher Unternehmen oder des Staates.Über deren Gehaltsscheck.Letzlich von einem Teil der Bürger selbst.Übrigens auch in Deutschland.

    2 Leserempfehlungen
  7. Querschuesse ist die beste Datenquelle für Wirtschaftsjournalisten:

    "Die spanische Zeitung El Pais berichtete in Bezug auf offizielle Quellen, dass der Bruttoschuldenstand des Staates um +146 Mrd. Euro im Jahr 2012 angestiegen ist, auf einen neuen Rekordstand von 882,300 Mrd. Euro. Dies entsprach 84,0% des nominalen BIPs, der höchste Stand im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung seit dem Jahr 1910! Die getätigten umfangreichen Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen des Staates haben wie hier erwartet ihr Ziel kläglich verfehlt! .....und in Folge hoher Kreditausfälle zu Bankenbailouts in Höhe von 40 Mrd. Euro. Weiterhin schlugen Hilfen für die autonomen Regionen zu Buche, unbezahlte Rechnungen des Staates, der spanische Anteil an den Rettungspaketen für Griechenland, Portugal und Irland und die Zinslast von 28,848 Mrd. Euro im Jahr 2012."

    3 Leserempfehlungen
    • NoG
    • 19. Februar 2013 20:36 Uhr

    "Dem Unternehmen wurde wie so vielen anderen der Branche zum Verhängnis, dass die spanischen Häuserpreise seit dem Boomjahr 2007 um 40 Prozent gesunken sind."

    solche saetze suggerieren immer eine gottgegebene naturkatastrophe als ursache.

    2007 war nicht boomjahr sondern peak einer ca. seit der euro-einfuehrung aufgeblasenen immobilienwirtschaft.
    die bankbilanzen sind dann das abbild dieser blase und der preisverfall der immobilien bildet langsam und weiter fallend preise ab wo noch jede menge luft nach unten ist.
    wertberichtigungen in den bankbilanzen duerften noch nicht abgeschlossen sein...

    ein zusammenhang zur euro-einfuehrung? natuerlich nicht hat mir gerade das wahrheitsministerium gefluestert...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters
  • Schlagworte Insolvenz | Kredit | Spanien | Rezession | Unternehmen | Verwaltung
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