ZEIT ONLINE: Herr Schroer, Sie wollen Ihre Bücher nicht mehr über Amazon verkaufen. Warum?

Christopher Schroer: Der Bericht in der ARD über die Behandlung der Leiharbeiter war sicherlich ein Auslöser. Ich habe mir gedacht: Jetzt reicht’s! Eine Zusammenarbeit mit Amazon kann ich nicht mehr vertreten. Allerdings hatte ich schon vorher die Entscheidung getroffen, meine Bücher nicht mehr bei Amazon zu verkaufen. Durch die Dokumentation habe ich sie nur schneller umgesetzt. Es gibt einige Dinge, die mich an dem Unternehmen stören.

ZEIT ONLINE: Was denn zum Beispiel?

Schroer: Amazon kauft meine Bücher nicht wie andere Zwischenhändler. Wenn Amazon den Lagerbestand abbaut, schicken sie meine unverkauften Bücher zurück. Häufig sind sie dann in einem schlechten Zustand. Vor Kurzem bekam ich ein Buch zurück, das aussah, als hätte es im Regen gelegen. Das konnte ich dann vergessen. Ein Problem sind auch die Rechnungen. Es ist schon mehrmals vorgekommen, dass Teile meiner Rechnungen bei Amazon verloren gegangen sind. Ich musste sie dann noch einmal schreiben, mein Geld wurde verzögert ausgezahlt. Das ist ein erheblicher zeitlicher Aufwand, der sich für mich nicht lohnt.

ZEIT ONLINE: Ihr Verlag Ch. Schroer ist klein und Amazon hat eine große Reichweite. Schaden Sie sich nicht selbst, wenn Sie die Zusammenarbeit aufkündigen?

Schroer: Mit Sicherheit. Aber ich muss mich als Mitglied der Gesellschaft doch fragen: Was kann ich noch vertreten?  Für mich ist das ein bisschen wie ein Stromanbieterwechsel, vom Atom- zum Ökostrom. Ich setze jetzt verstärkt auf andere Vertriebsstrukturen. Beim Buchhändler vor Ort mache ich noch immer den meisten Umsatz. Außerdem gibt es andere Onlinehändler, über die ich meine Bücher verkaufen kann.

ZEIT ONLINE: Das heißt, Amazon ist für Sie gar nicht so wichtig?

Schroer: Als ich 2009 angefangen habe, bei Amazon meine Bücher zu verkaufen, hatte ich große Hoffnungen. Ich habe mir gedacht: Wenn der Kunde mein Buch nicht bei Amazon findet, glaubt er, er findet es nirgendwo. In Wirklichkeit verkaufe ich nur maximal fünf Prozent meiner Bücher über Amazon. Ich werde den Austritt also kaum merken. Es ist eher ein symbolischer Schritt.

 

ZEIT ONLINE: Sollen andere Verlage Ihrem Beispiel folgen?

Schroer: Ich bin sicherlich nicht der erste Verleger, der diesen Schritt gegangen ist. Ein paar kleinere, deutsche Verlage haben sich schon im Stillen aus dem Handel mit Amazon zurückgezogen. Ich würde es mir wünschen, wenn größere Verlage nachziehen. Aber ich kann verstehen, wenn sie sich dagegen entscheiden. Für viele Verlage ist der Handel mit Amazon ein zu großer Posten. Fast fünfzehn Prozent des Umsatzes, das ist der Branchenschnitt, werden online generiert. Viele können darauf nicht verzichten.