ÜbernahmenAmerikas Konzerne im Kaufrausch

US-Unternehmen haben in der Krise große Geldreserven gehortet. Jetzt wittern sie den Aufschwung – und kaufen plötzlich wieder ein. von 

Flugzeuge von American Airlines und US Airways

Flugzeuge von American Airlines und US Airways  |  © Mike Stone/Reuters

Warren Buffett kauft den Ketchup-Hersteller Heinz für rund 23 Milliarden Dollar. Vor wenigen Monaten noch wäre das eine Nachricht gewesen, die an der Wall Street große Wellen schlägt. Vergangene Woche aber ging der Deal fast unter. Die Meldung von der Übernahme war plötzlich nur eine von vielen.

Binnen zehn Tagen erlebte die Wall Street Übernahmen im Wert von rund 100 Milliarden Dollar. Die Fluglinie US Airways schluckt den Konkurrenten American Airlines. Der Gründer der Computer-Kette Dell, Michael Dell, kauft sich seine Firma zurück. Der Kabelnetzbetreiber Comcast kauft früher als geplant die restlichen Anteile am Medienunternehmen NBC. So viel Bewegung war in Amerikas Unternehmenssektor seit dem Beginn der Finanzkrise nicht mehr. "Der Optimismus ist zurück", jubelte der Fernsehmoderator Jim Cramer vom Wirtschaftskanal CNBC.

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Tatsächlich: Amerikas Unternehmen geben wieder Geld aus. Noch im vergangenen Jahr tätigten sie Übernahmen in Höhe von 58 Milliarden Dollar. In diesem Jahr wurden bereits Geschäfte in Höhe von 288 Milliarden Dollar besiegelt – allein in rund zwei Monaten. Glaubt man den Experten, ist das nur der Anfang.

Die Bedingungen sind günstig: Die niedrigen Zinsen machen die Geldbeschaffung für die Konzerne einfach. Private-Equity-Firmen haben ihre Reserven aufgefüllt, die US-Notenbank stützt den Markt wohl noch mehrere Monate lang mit ihren Rückkaufprogrammen. Das Bankensystem im Land hat sich gefangen und stellt wieder vermehrt Kredite bereit. Die zahlreichen Übernahmen seien zudem ein Zeichen dafür, dass das Vertrauen in Amerikas Wirtschaft zurückkehrt. Manche sprechen gar vom Beginn eines neues Boom-Marktes.

Noch während der Finanzkrise konnte man die Zahl der Übernahmen an einer Hand abzählen. Zwischen der Pleite der Investmentbank Lehman und dem Jahresende 2012 hatte es lediglich 20 Zukäufe und Fusionen mit einem Wert von 20 Milliarden Dollar gegeben. Mehr als die Hälfte der Geschäfte kamen erst im vergangenen Herbst zustande. Die Vorstände der großen Unternehmen hätten sich lange Zeit zurück gehalten, sagt Gennadiy Goldberg von der Investmentberatung TD Securities. Gleich mehrere Faktoren schufen Unsicherheit: die schwierige konjunkturelle Lage, die Präsidentschaftswahl im November und die drohende Steuerklippe zum Ende des Jahres. Niemand habe bei diesem Risiko einkaufen wollen.

Der Kaufrausch der vergangenen Tage ist eine Folgeerscheinung dieser Zeit. Die Unternehmen haben riesige Mengen an Kapital angesammelt, 920 Milliarden Dollar haben allein die 500 größten US-Konzerne in der Kriegskasse. "Viele sitzen auf riesigen Geldbergen und haben nur darauf gewartet, dass sich die Dinge wieder etwas stabilisieren", sagt Goldberg.

Jetzt scheint die Zeit für die Vorstände gekommen. Tatsächlich stimmen derzeit viele Fundamentaldaten die Unternehmen im Land zuversichtlich. Der Häusermarkt, seit Beginn der Finanzkrise in einem komatösen Zustand, erholt sich. Im Immobiliensektor entstehen inzwischen wieder doppelt so viele Stellen wie im Vorjahr. Auch der Arbeitsmarkt insgesamt läuft besser. 2012 wurden im Schnitt 181.000 neue Jobs geschaffen. Die Notenbank sieht angesichts der niedrigen Inflationsgefahr keinen Grund für Kursänderungen und spricht von "substantiellen Verbesserungen", die Privathaushalte bauen ihren Schuldenberg weiter ab. "Wenn uns nichts daran hindert, scheint der Grundstein für eine echte Erholung gelegt zu sein", meint nicht nur Goldberg.

Leserkommentare
    • gooder
    • 22. Februar 2013 15:21 Uhr

    Für den US-amerikanischen Automobilhersteller General Motors freut es mich besonders.Acht Milliareden Dollar Rekordgewinn,nachdem man Opel ausgehölt,ausgeplündert und um die Patente beschissen hat,können sich wirklich sehen lassen.
    Die Konzernleitung sollte sich daher bei den Opelanern erkenntlich zeigen,denn Entwicklungen, Patente, das ganze Know How hatte man sich ja 2009 unter den Nagel gerissen und damit es rechnerisch fair zugeht,gab es im Gegenzug Schuldverschreibungen aus Detroit.
    GM kann wirklich froh über die 50 Milliarden,von Obama gesponserten,US-Steuergelder sein,dadurch wurde ein Verkauf von Opel an Magna und der Sber-Bank nicht mehr nötig,obwohl die Verträge schon unterschrieben waren.Beim annullieren half den Managern aus Detroit ja freundlicherweise die EU-Kommission und der der damalige Wirtschaftsminister Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg.

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    • DrMichi
    • 28. Februar 2013 10:02 Uhr

    Die GM Sanierung war nur deshalb erfolgreich, weil man mit den guten Teilen von GM (inkl Opel) eine neue Firma gegründet hat, und die alte abgewickelt hat - und somit die Alteigentümer de facto enteignet hat. Zwischendurch hat man GM in "Motors Liqu" umbenannt und GMneu in GM. Die neue Firma ging dann public und so holte man sich neues Kapital an Bord.
    Nun bedient GM den Heimmarkt mit den guten alten Marken, und ist andererseits weltweit mit Billigautos aus Fernost vertreten. Opel passt da nicht mehr hinein, und mit der Übertragung der guten Opelwerke (Ungarn, Wien) an GM sind die Weichen für eine Abwicklung gestellt. Die Perlen die nun GM aus Opel herausgezogen hat sind allemal mehr wert als der damals erlösbare Preis.
    Ich denke so sieht die Realität aus, je früher man das akzeptiert desto sanfter kann man den Übergang gestalten.

  1. wenn die Nachfrage nicht mehr wächst?

    Statt dessen geht es jetzt in erster Linie darum, sich vom vorhandenen Kuchen ein möglichst großes Stück abzuschneiden: z.B. durch Marktmacht.

    In den letzten Jahrzehnten wuchsen die Gewinne zum großen Teil deswegen, weil Lohn- und Steuerdumping im Inland und die Verlagerung der Produktion aus Hochlohn- in Billiglohnländer die Kosten der Unternehmen reduzierten. Die Nachfrage wurde statt aus Löhnen und Steuern zu einem wachsenden Teil mit Krediten finanziert. Das Modell konnte nur mit Hilfe einer gigantischen Verschuldung funktionieren, die jetzt an ihre Grenzen stößt.

    http://www.cashkurs.com/D...

    "Demnach sitzen viele US-Firmen noch immer auf hohen Cashreserven. Trotz allem wurde in den letzten Jahren kaum investiert, sondern vielmehr wurde ein großer Teil dieser Barmittel für Aktienrückkäufe, Dividendenerhöhungen und Firmenübernahmen ausgegeben...

    Firmen offerierten neuen Mitarbeitern im Durschnitt $12 bis $19 pro Stunde, während alt eingesessene Arbeitnehmer im Produktionssektor auf $21 bis $32 kämen. Ich möchte dazu einmal anmerken, dass der Druck auf Löhne und Gehälter sehr wahrscheinlich weiter wachsen wird, umso stärker der Grad der Automatisierung in einzelnen Unternehmen voranschreitet...

    Warum sollen Firmen unbedingt und auf Teufel komm raus investieren, wenn die unterliegende Nachfrage nicht gegeben ist?"

    Eine Leserempfehlung
  2. Die US-Notenbank ist eine PRIVATbank , die von einigen wenigen Bankerfamlien kontrolliert wird und das schon seit 1913 im sog. 'Federal Reserve Bank'.
    Es ist schon richtig , 'Coperate America' geht es prächtig , doch ist die Bundesregierung mit ca. 17 Bill. $ offizieller Staatsverschuldung bis in alle Ewigkeit verschuldet und nach allgemeinem Vertändnis pleite.
    Die Elitisten lassen die 'FED' für ihre Firmenübernahmen weltweit einfach FIAT Geld drucken und kaufen weltweit damit ALLES was 'wahren' Wert hat , währendessen steigt die Staatverschuldung jede Stunde um 100 Mill. $ !! und der US-Steurzahler zahlt die Zeche , solange er noch kann.
    Da geht solange gut , wie der US-Dollar als Weltwährung noch funktioniert.
    Nach dem Sturz der Dollars , welcher unweigerlich kommen muss , besitzen die Finanzeliten um Rothschild/Rockefeller und Co. fast alle 'wahren' Werte der Welt und der US-Dollar wird zusammenbrechen , was den Eliten natürlich völlig egal ist.

    2 Leserempfehlungen
    • genius1
    • 22. Februar 2013 16:58 Uhr

    "Die Bedingungen sind günstig: Die niedrigen Zinsen machen die Geldbeschaffung für die Konzerne einfach."

    Wer Geld horten konnte braucht kaum Kredite für Übernahmen!

    Dafür Verschulden sich ja auch nur die USA.

  3. ...........fuer das ploetzliche Aufbluehen in den USA?

    Mir fiele da z.B ein, dass sich die grossen Industrie-
    bosse im Praesidenten -Wahljahr bewusst "ein wenig"
    zurueckgehalten haben, um einem der ihren, Mitt Rom-
    ney, leichter in den Sattel zu helfen.......schliesslich hat-
    ten die Reps ja unermuedlich behauptet Obama koenne
    "Wirtschaft" nicht.

    Jetzt, nach der vergeblichen Liebesmueh' , geht alles
    das wieder, was bis zum Wahltag angeblich nicht ging!

    Ein Wunder oder Volksverarschung?

  4. Amerikas Unternehmen geben wieder Geld aus. Noch im vergangenen Jahr tätigten sie Übernahmen in Höhe von 58 Milliarden Dollar. In diesem Jahr wurden bereits Geschäfte in Höhe von 288 Milliarden Dollar besiegelt – allein in rund zwei Monaten. Glaubt man den Experten, ist das nur der Anfang.

    Für die amerikanische Wirtschaft wird das aber keine gute Auswirkungen haben. Es wird rationalisiert und zusammengelegt. was wiederrum viele Arbeitsplätze kostet, die derzeit am dringensten gebraucht werden. Diese Konzerne werden größer und mächtiger. Fressen ihre Konkurenten und Wettbewerb wird beseitigt. Dies führt zu höheren Kosten für die Verbraucher im Zweifelsfall. Unausgewogene Marktmacht der Konzerne bedeutet politischen Ärger für Washington.

    2 Leserempfehlungen
  5. Moin,

    an dem Kaufrausch ist m.E. zentral die Fed-Politik "schuld" die den amerikanischen Unternehmen das Geld per Rückkauf fauler Schuldverschreibungen geradezu aufdrängt.
    Wenn sich ein Unternhmen verhoben hat, kein Problem, ein paar Billion-$-Münzen geprägt und schon kann die Party weitergehen.
    Die Fusion der beiden Luftfahrtunternehmen ist im übrigen eher ein Zusammengehen eines Blinden mit einem Lahmen, ob das ein Erfolg wird? Solche Elefantenhochzeiten waren es zuletzt eher nicht. Der sinn liegt nur im "Too Big to Fail and Jail"
    Der US-amerikanische Haushalt z.B. wird laut US-Debtclock (http://www.usdebtclock.org/#) nur noch zu 72% (100* US-Federal Tax Revenue / US Federal Spending) durch Einnahmen gedeckt (s.a.: http://tinyurl.com/af9oa8f).
    Das Handels- und Leistungsbilanzdefizit erreicht wieder Spitzenwerte.
    Könnte mir alles einigermaßen egal sein, wenn unsere "Eliten" nicht den Greenback als werthaltige WEährung sähen und reale volkswirtschaftliche Werte gegen diesen Hurricane heisser Luft verscherbelten.

    CU

    • DrMichi
    • 28. Februar 2013 10:02 Uhr

    Die GM Sanierung war nur deshalb erfolgreich, weil man mit den guten Teilen von GM (inkl Opel) eine neue Firma gegründet hat, und die alte abgewickelt hat - und somit die Alteigentümer de facto enteignet hat. Zwischendurch hat man GM in "Motors Liqu" umbenannt und GMneu in GM. Die neue Firma ging dann public und so holte man sich neues Kapital an Bord.
    Nun bedient GM den Heimmarkt mit den guten alten Marken, und ist andererseits weltweit mit Billigautos aus Fernost vertreten. Opel passt da nicht mehr hinein, und mit der Übertragung der guten Opelwerke (Ungarn, Wien) an GM sind die Weichen für eine Abwicklung gestellt. Die Perlen die nun GM aus Opel herausgezogen hat sind allemal mehr wert als der damals erlösbare Preis.
    Ich denke so sieht die Realität aus, je früher man das akzeptiert desto sanfter kann man den Übergang gestalten.

    Antwort auf "Erfreulich"

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  • Schlagworte Michael Dell | NBC | US-Notenbank | Dollar | Finanzkrise | Nasdaq
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