AutomobilindustriePeugeot macht höchsten Verlust der Unternehmensgeschichte

Der französische Autobauer gerät tiefer in die Krise: Fünf Milliarden Euro Verlust muss der PSA-Konzern hinnehmen. Die Geschäftsführung gibt sich dennoch optimistisch.

Ein Fließband von PSA Peugeot Citroën in einem Vorort von Paris

Ein Fließband von PSA Peugeot Citroën in einem Vorort von Paris  |  © Lionel Bonaventure/AFP/Getty Images

Der französische Autobauer PSA Peugeot Citroën hat im Jahr 2012 mit fünf Milliarden Euro den höchsten Nettoverlust seiner Geschichte verbucht. Dies sei auf die Abhängigkeit vom schwierigen europäischen Markt sowie Abschreibungen in Höhe von 4,7 Milliarden Euro zurückzuführen, teilte das Unternehmen bei der Vorstellung seiner Jahresbilanz mit. Der Umsatz schrumpfte um 5,2 Prozent auf 55,4 Milliarden Euro.

Peugeot leidet noch stärker als die europäische Konkurrenz unter der Krise in Europa, da der Konzern weniger in Asien und Amerika verkauft als andere Unternehmen. 2011 hatte Peugeot noch einen Gewinn von 588 Millionen Euro in der Bilanz stehen. Um aus der Misere herauszukommen, will der Autohersteller 8.000 Stellen streichen und ein Werk schließen.

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Der Konzern verkauft viele seiner Peugeot- und Citroën-Modelle in Südeuropa, das von Wirtschaftsschwäche und hoher Arbeitslosigkeit besonders betroffen ist. Hinzu kommt, dass Peugeot auch auf diesen Märkten Anteile verliert, beispielsweise an Volkswagen und Hyundai-Kia.

"Grundlagen für Erholung gelegt"

Peugeot-Chef Philippe Varin gab sich dennoch optimistisch: Mit den Sparmaßnahmen liege man über Plan. "Die Grundlagen für unsere Erholung sind gelegt", sagte er. Diese Ankündigung fand an der Börse positiven Widerhall. Die Aktie stieg zum Handelsbeginn um rund fünf Prozent, gab aber dann wieder etwas nach.

Peugeot intensiviert derzeit auch die Zusammenarbeit mit dem US-Automobilkonzern General Motors. Im Januar hatten die beiden Unternehmen eine weitreichende Kooperation bei der Fahrzeugentwicklung bekanntgegeben. Dies soll 2013 zu Einsparungen von weiteren 600 Millionen Euro führen.

Dabei gibt Opel zwei wichtige Projekte in die Hände des französischen Partners. Zwei neue Plattformen sollen auf der Peugeot-Technik basieren, eine für kompakte Familienwagen in der Größe des Opel Zafira und eine für Autos im Segment des erfolgreichen Opel Meriva. Opel leidet unter ähnlichen Problemen wie Peugeot. GM will deswegen sparen und die Fahrzeugproduktion im Werk Bochum spätestens 2016 einstellen.

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Leserkommentare
  1. Ich denke, dass die französischen Autos eine zweite Krankheit entwickelt haben: Das Design.

    Die völlig überzüchteten Kleinwangen, mit extravaganten Kurven, Linien, Formen, mit schwulstigen Scheinwerfern, die bis zur B-Säule emporwachsen, verspielte Rückleuchten, die wie Tumore aus dem Blech herauswachsen, mit Stoßfängern, die beim ersten Einparkfehler für 700 Euro getauscht werden müssen ... all dies sind Dinge, die ich als - Achtung, jetzt kommt es! - Arbeitnehmer mit Leasing-Option nicht haben möchte.

    Denn wir alle wissen: Für weniger Euro mehr im Monat bekomme ich nicht nur ein weniger überzeichnetes Auto, sondern auch einen Wagen, der technisch zuverlässiger ist. Denn dies ist die erste Krankheit französischer Autos, schon immer gewesen, noch immer aktuell.

    Es wäre schön, wenn man wieder sachliche, funktionale Kleinwagen bauen würde - und nicht ständig damit protzen muss, was die Ingenieure wieder für Möglichkeiten gefunden haben, abstrakte Formen ins Blech zu pressen (was die meisten eh nicht sehen, da im Grunde fast niemand weiß, wie komplex das ist).

    6 Leserempfehlungen
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    • NoG
    • 13. Februar 2013 11:49 Uhr

    "mit Stoßfängern, die beim ersten Einparkfehler für 700 Euro getauscht werden müssen"

    ist das nicht seit jahren bei jedem auto standard/ eine unart?

    vor zwanzig jahren habe ich mit meinem volvo per auffahrunfall einem honda civic einen totalschaden verpasst, waehrend mir nur das nummernschild runtergefallen ist und unwesentliche kratzer auf dem pvc-schutzring der stosstange zu sehen waren.

    achso...es gab keinerlei personenschaden.

    Was die Qualität der französischen Fahrzeuge betrifft, sollte man folgendes nicht vergessen:
    Man kann einen Peugeot mit BMW-Motor kaufen. Auf der anderen Seite werden auch Peugeot-Motoren bei diversen anderen Marken eingebaut.
    Mercedes stellt VW-Transporter her und verkauft einen Renault als eigenes Fahrzeug. Von dem Thema gemeinsame Teilezulieferer will ich erst gar nicht anfangen.
    Zumindest im europäischen Raum tut sich da einiges.

  2. "Peugeot leidet noch stärker als die europäische Konkurrenz unter der Krise in Europa, da der Konzern weniger in Asien und Amerika verkauft als andere Unternehmen"

    Asien - da war doch noch was. Iran als großer Absatzmarkt ist nur noch eingeschränkt bis gar nicht mehr zugänglich.
    Wie schrieb das Handelsblatt:
    "Doch auch der Rückzug aus dem Iran spiegelte sich in den Zahlen wider. Dort wollte Peugeot ursprünglich Wagen endfertigen lassen, legte die Pläne aber schon im Frühjahr 2012 nach dem verhängten Embargo auf Eis. Damit fehlten in der Jahresbilanz gut 300.000 Autos. 2011 seien auf diesem Markt noch 457 900 Fahrzeuge abgesetzt worden."
    http://www.handelsblatt.c...

    Sachlich betrachtet treffen diese Sanktionen nicht nur die iranische Bevölkerung, sondern in weiten Beeichen auch jene in Europa. Dafür übernehmen jetzt asiatische Autobauer die entstandenen wirtschaftlichen Lücken.
    "wenn sich zwei streiten, freut sich...."

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    auch ich habe das im Frühjahr 2012 verfolgt, obschon in der Presse kaum was drüber zu lesen war.

    • scoty
    • 13. Februar 2013 12:42 Uhr

    es gibt keine Sanktionen gegen den Iran.

    Glauben Sie Peugeot würde dann besser da stehen ?

    Der iranische Autofahrer ist genauso helle wie der europäische oder asiatische Autofahrer und deswegen bin ich mir ganz sicher das die Nachfrage auch dort nicht besonders hoch ist.

    • NoG
    • 13. Februar 2013 11:49 Uhr

    "mit Stoßfängern, die beim ersten Einparkfehler für 700 Euro getauscht werden müssen"

    ist das nicht seit jahren bei jedem auto standard/ eine unart?

    vor zwanzig jahren habe ich mit meinem volvo per auffahrunfall einem honda civic einen totalschaden verpasst, waehrend mir nur das nummernschild runtergefallen ist und unwesentliche kratzer auf dem pvc-schutzring der stosstange zu sehen waren.

    achso...es gab keinerlei personenschaden.

    Antwort auf "Peugeot"
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    • lieb_hu
    • 13. Februar 2013 11:55 Uhr

    Nach drei Jahre und 50000 km hat meiner Peujeot 207 total Motoschaden. Finger weg!

    Ob ein Fahrzeug nach einem Crash ein Totalschaden ist oder nicht, ist oft reine Glücksache und hängt auch vom Zeitwert des Fahrzeugs ab. Ich hatte mal einen PKW, den es auf dem Parkplatz erwischt hatte: Der sah eigentlich noch ganz normal aus. Lediglich die komplette Beifahrerseite war verbeult. Da sich das Fahrzeug beim Crash aber auch an der Bordsteinkante "abgestützt" hatte, durfte der seine Reise nach Polen antreten.

    Es gibt einen schönen Crashtest zwischen einem älteren Schwedenpanzer und einem Renault Modus. von dem Schwedenpanzer war hinterher nicht mehr viel übrig.

    • lieb_hu
    • 13. Februar 2013 11:55 Uhr

    Nach drei Jahre und 50000 km hat meiner Peujeot 207 total Motoschaden. Finger weg!

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "alternativen?"
  3. von Peugeot vermittelten immer ein Stück französische Gemütlich- und Lässigkeit. Das ist wohl nicht mehr gewünscht im globalen Markt verkaufen sich halt die asiatischen Kopien besser. Bald wieder eine Marke weniger
    für das Autoquartett.

  4. auch ich habe das im Frühjahr 2012 verfolgt, obschon in der Presse kaum was drüber zu lesen war.

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  5. Auch renomierte Automarken wie Ford und andere haben zuletzt enorme Verluste eingefahren. Was sollen die Verallgemeinerungen in den Kommentaren?
    Zu "No-Cloud": Design ist bekanntlich Geschmacksache. Und bei massiger Konkurrenz sucht jeder Hersteller ein "Alleinstellungsmerkmal". Der RCZ beispielsweise ist für sein Design sogar international ausgezeichnet worden
    Zum Austausch der Stoßfänger: Auch ich hatte kürzlich mit meinem Peugeot einen Einpark"unfall". Der Stoßfänger kostet 78 Euro für den Peugeot 207 - plus Einbau komme ich niemals auf 700 Euro.
    Zu "lieb-hu" und seinem Motorschaden: Das ist natürlich bitter, aber ein Einzelfall. Ich fahre seit 2007 sehr zufrieden mit meinem Peugeot 207 ohne nennenswerte Probleme. Meine gute Erfahrung kann man vielleicht nicht verallgemeinern, aber den Motorschaden sollte man genauso wenig auf die Marke übertragen.

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    außer dem Misserfolg? Klar, Design ist Geschmacksache und auch für das skurrilste Gefährt finden sich noch Käufer, wie der erste Fiat Multipla einst bewiesen hat. Aber ein Hersteller von abgrundtiefen Scheußlichkeiten wie dem Peugeot 308 kann doch nicht ernsthaft erwarten, dass ihm das Publikum deshalb die Bude einrennt. Peugeot war einst megaerfolgreich mit gefälligen (= massentauglichen) Autos wie dem 206 und auch Opel war stark, als man dort noch auf sportlich-elegantes zeitloses Design setzte. Nicht technische oder qualitative Defizite haben beide Firmen an den Abgrund geführt, sondern ein zutiefst disharmonisches Erscheinungsbild der gesamten Produktpalette. Das positive Echo auf den passablen Opel Adam zeigt, wie einfach für Opel in den letzten 20 Jahren der Erfolg zu haben gewesen wäre und wie leichtfertig die Rüsselsheimer Entscheider in Sachen Design diesen verspielt haben.

    Design ist nicht das Problem von Peugeot. Das Design hat dagegen sehr zugelegt und "franz. Selbstfindungsversuche extravaganter Designer abgelegt". Ganz besonders das Cockpitträgerdesign.

    PEUGEOT hat jedoch zu komplexe Fabrikprozesse, eine schlechte Auslastung und einen weniger hohen Markenwert. Desweiteren kann es die "fallende südeuropäischen Märkte" nicht mit anderen Erfolgsmärkten (China/USA) ausgleichen. Das alles treibt die Kosten nach oben. Peugeot hat bei seinen Risiken (Südeuropastärke), die Schnelligkeit der Absatzschwäche wahrscheinlich zu optimistisch beiseitegewischt.

  6. ...einen Neuwagen (Citroen Berlingo, BJ. 2002) und einem Gebrauchten (Peugeot 106, BJ. 2001), kann ich nur sagen: Finger weg!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, zz
  • Schlagworte Verlust | Opel | Volkswagen | Automobilindustrie | Peugeot | Abschreibung
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