VW-Übernahme : Der Porsche-Clan im Visier der Staatsanwaltschaft

Vor fünf Jahren lieferten sich Porsche und VW eine Übernahmeschlacht. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft: Hat der Porsche-Aufsichtsrat Kursmanipulationen toleriert?

Einen Tag, nachdem bekannt wurde, dass die Staatsanwaltschaft Stuttgart ihre Ermittlungen gegen den Aufsichtsrat der Porsche Automobil Holding SE ausgedehnt hat, ist nun klar, gegen wen konkret ermittelt wird. Nach Informationen des Handelsblatts sind alle zwölf Aufsichtsräte, die im Zeitraum vom 10. März bis zum 2. Oktober 2008 dem Kontrollgremium angehörten, Teil der Ermittlungen. "Wir ermitteln gegen alle damaligen Aufsichtsräte", bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft dem Handelsblatt. Es geht um den Verdacht der Beihilfe zur Kursmanipulation.

Im Visier der Staatsanwaltschaft stehen damit unter anderem Wolfgang Porsche als Chefaufseher der Porsche SE und sein Cousin Ferdinand Piëch, Aufseher der Porsche SE und Aufsichtsratschef von Volkswagen. Auf der Kapitalbank saßen in dem von den Staatsanwälten untersuchten Zeitraum zudem Ferdinand Oliver Porsche, Hans Peter Porsche, Hans Michel Piëch und der frühere Henkel-Chef Ulrich Lehner. Nur Hans Peter Porsche gehört dem Gremium aktuell nicht mehr an.
Anlegeranwalt Braun "Piëch hätte die Optionsgeschäfte verhindern müssen"

Ferdinand Piëch hat seine Pflichten als Porsche-Aufsichtsrat verletzt. Kläger-Anwalt Franz Braun erklärt im Interview mit Handelsblatt Online, welche Folgen das Urteil für Porsche und Piëch haben könnte.
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Ermittelt wird aber auch gegen die sechs Aufsichtsräte auf der Arbeitnehmerbank. Prominentester Vertreter ist Porsches Betriebsratschef Uwe Hück. Die Staatsanwälte hegen gegen die damaligen Aufsichtsräte den Verdacht der Beihilfe zur Kursmanipulation. Im Gegensatz zur Kursmanipulation selbst – auf diesen Tatbestand stehen bis zu fünf Jahre Haft – mildert sich das Strafmaß um ein Viertel. Auch eine Geldstrafe ist möglich.

"Ja, es stimmt, wir haben das Schreiben der Staatsanwaltschaft bekommen. Ich frage mich aber, warum jetzt. Nun brauchen wir erst einmal Akteneinsicht, um zu wissen, worum es geht", sagte Porsches Betriebsratschef Uwe Hück dem Handelsblatt. "An den Vorwürfen gegen die Aufsichtsräte ist nichts dran", so Hück.

Dort hingen insgesamt fünf Klagen von Anlegern an, von denen das Gericht inzwischen zwei zugunsten von Porsche abgewiesen hat. Sie richteten sich gegen die Porsche-Holding PSE, drehten sich um Schadenersatz-Forderungen in Millionenhöhe und waren Ende Juni erstmals verhandelt worden. Die übrigen drei Verfahren, bei denen die Klagesumme mehrere Milliarden Euro beträgt und zum Teil auch die Volkswagen AG betroffen ist, haben laut Plan ihren mündlichen Verhandlungstermin am 17. April 2013. Zu diesen anfänglich fünf Klagen kam, wie im Oktober 2012 bekanntwurde, zwischenzeitlich noch eine Klage auf 213 Millionen Euro Schadenersatz hinzu. In diesem Fall haben Anwälte zunächst Zeit für Stellungnahmen.

Die Stuttgarter Staatsanwälte ermitteln bereits seit Dezember gegen die früheren Porsche-Vorstände Wendelin Wiedeking und Holger Härter wegen des Verdachts, gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstoßen zu haben. Dabei geht es um den am Ende gescheiterten Versuch von Porsche, den vielfach größeren VW-Konzern zu übernehmen.

Wiedeking und Härter sollen durch das, was sie seit 2005 während der Übernahmeschlacht gesagt und nicht gesagt haben, den Aktienkurs von VW manipuliert und die Anleger getäuscht haben. Entscheidend ist für die Staatsanwaltschaft der Zeitraum zwischen dem 10. März 2008 und dem 2. Oktober desselben Jahres.

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Kommentare

5 Kommentare Kommentieren

das Ergebniss

heute, ein Porsche ist ein VW oder Audi oder oder nur kein Porsche mehr.

Ob Herr Wulf seinerzeit nicht auch mit am Rad der Entscheidung gedreht hat, immerhin war er ja Aufsichtsrat bei VW zu der Zeit.

Das nun der VW - Konzern diese Grösse erreicht hat ist auch bedenklich, denn wenn dann eine Krise stört gehen direkt mehrer Marken mehr als unter, nur die Inhaberfamilie wohl nicht, sondern nur der normale Aktionär und die Banken.

Mein nächstes Auto

wird ein Lada. Inwieweit die Managementvergütungen ein raffiniertes Model der Selbstbedienung sein mögen, mag ich nicht beurteilen, aber der Verdacht liegt nahe. Mir schwant, daß das ganze System nicht in Ordnung ist und wähle deswegen offen korrupt und "lupenrein" marktwitschaftlich.