Wilhelm Bender im Mai 2011 auf einer Pressekonferenz der Frankfurter Eintracht © Ralph Orlowski/Bongarts/Getty Images

Eigentlich hätten sie in Berlin früher auf die Idee kommen können, Wilhelm Bender zu holen. Eine Bewerbung musste der frühere Vorstandschef des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport sicher nicht schicken, ein Blick in seine Biografie reicht: 17 Jahre lang war er im Vorstand des Flughafens, fast die ganze Zeit über als Vorsitzender. Am Ende von Benders Amtszeit war aus dem defizitären Staatsbetrieb ein profitabler, weltweit aufgestellter Konzern geworden. Bender setzte den Bau der umstrittenen Nordwestlandebahn durch und führte den Flughafen in die Top Ten der weltgrößten Airports.

Bender studiert Jura und Volkswirtschaft in Frankfurt, als 1967 Benno Ohnesorg erschossen wird. Er beteiligt sich an den Protesten der 68er, aber dann wird er doch kein Sozialist, sondern "nur" Sozialdemokrat: 1969 tritt er in die SPD ein, nachdem er Willy Brandt hat reden hören. Den Sinn für Arbeitnehmerinteressen wird er bis in seine Zeit als Manager behalten. Auch eine protestantische Leistungsethik wird ihm nachgesagt.

Nach dem Studium geht Bender erst zur Bahn, dann zum Logistiker Schenker. 1992 holt ihn der damalige hessische Ministerpräsident Hans Eichel (SPD) in den Vorstand der Flughafen Frankfurt AG (FAG), wie der Airport-Betreiber damals noch heißt. Drei Monate später übernimmt Bender den Vorsitz des Gremiums. Er bringt die FAG erst auf Sparkurs und 2001 an die Börse. Seitdem heißt sie Fraport.

Verantwortlich für Flughafenausbau und Fluglärm

Für alle in der Region Rhein-Main, die unter dem Fluglärm leiden, wird Bender zu dessen Gesicht. Er hält den weiteren Ausbau für unausweichlich, wenn FRA konkurrenzfähig bleiben soll. Ein Mediationsprozess gibt der Kritik ein Ventil, eine Lehre aus den blutigen Krawallen an der Startbahn West in den achtziger Jahren. Mancher Ausbaugegner bezichtigt Bender der Trickserei. Andere erleben ihn als direkt, verbindlich und verlässlich. Auf "durchsetzungsfähig" können sich alle einigen.

2009 wird der Manager als Nachfolger für Bahn-Chef Hartmut Mehdorn gehandelt, doch er geht lieber in den Ruhestand. Oder so etwas ähnliches: Der Freizeitfußballer Bender führt heute den Aufsichtsrat der Eintracht Frankfurt Fußball AG und den von Bombardier Transportation, der deutschen Bahntechnik-Tochter eines kanadischen Konzerns. Er sitzt in diversen Firmen-Beiräten und ist Vorsitzender der 2009 gegründeten Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain. Immer noch hat er ein Büro am Frankfurter Flughafen.

Als neuer Chefberater der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH trifft Bender einen alten Bekannten: Geschäftsführer für Technik ist seit August 2012 Horst Amann. Der war zuvor seit 1997 bei der Fraport, zuletzt als Verantwortlicher für den Flughafenausbau. Amann bekam die Nordwestbahn pünktlich hin, war bei BER aber zuletzt für schlechte Nachrichten zuständig.

Der Posten des kaufmännischen Chefs und Sprechers der Geschäftsführung ist vakant, seit der Aufsichtsrat Rainer Schwarz am 16. Januar gefeuert hat. Bender war für dessen Nachfolge im Gespräch, ließ sich aber nicht Vollzeit in die Hauptstadt locken. Als Chefberater soll er, so BER-Aufsichtsratschef Matthias Platzeck (SPD), sich mindestens zwei Tage in der Woche dort aufhalten. Immerhin.