Die Bahn will in Zukunft auch mit den Daten ihrer Reisekunden Geld verdienen. Das berichtet das Magazin Spiegel. Das Unternehmen lasse sich seit einigen Wochen neue Vertragsbedingungen von Vielfahrern bestätigten, die eine Bahn-Card besitzen und am Bahn-Bonus-Programm teilnehmen.

Dem Bericht zufolge will die Bahn die Kundendaten besser auswerten, um Informationen über die Bedürfnisse und Konsumgewohnheiten der Kunden zu bekommen. Aufgrund dieser Daten sollen den Kunden Werbeangebote gemacht werden, etwa von Kooperationspartnern wie Banken, Versicherungen oder Fast-Food-Ketten.

Dem Bericht zufolge erhebt die Bahn für diese zielgerichtete Werbung detaillierte Daten: Der Preis der Fahrkarte werde ebenso gespeichert wie der Abgangs- und Zielbahnhof, die Wagenklasse und die Verkaufsstelle.

Profile bilden

Der Grünen-Politiker Malte Spitz hat in seinem Blog aufgeschrieben, was genau die Bahn an ihren Vertragsbedingungen geändert hat. Es sind fünf kleine Wörter, die nun fehlen, den Sinn aber komplett ändern: "In den alten AGBs zum bahn.bonus Programm hieß es auf Seite 108: "Es werden keine Daten an unberechtigte Dritte außerhalb der Deutschen Bahn AG übermittelt." In den neuen AGBs findet sich dies nicht mehr. Dort heißt es jetzt auf Seite 5: "Es werden keine Daten an unberechtigte Dritte übermittelt." Somit kann die Bahn Profile ihrer Kunden bilden und diese Informationen weitergeben.

Datenschützer äußerten sich skeptisch über die Pläne. "Hier scheint die Bahn ihre Interessen über die schutzwürdigen Interessen ihrer Kunden zu stellen", sagte der auch für die Bahn zuständige Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix. Er prüft derzeit den Vorgang. Der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert sagte, die Bahn werde sich mit dem Projekt "eine blutige Nase holen".

Deutsche Bahn widerspricht Meldung

Das Unternehmen selbst hat der Darstellung widersprochen. Die Bahn betreibe "keinen Datenhandel", sagte die Bahn-Datenschutzchefin Chris Newiger dem Magazin. In einer Mitteilung heißt es jetzt: "Die DB gibt bislang keinerlei Kundendaten zu Marketingzwecken an Dritte weiter und plant dies auch künftig nicht."

Die Bahn sagte, zwar werde das bahn.bonus-Programm tatsächlich vom BahnCard-Programm getrennt, die neuen Bedingungen beinhalteten auch die Nutzung der Kundendaten zu Marketingzwecken. Die Daten würden jedoch weder an Dritte weitergegeben noch verkauft. Zudem könne der Kunde auch weiterhin der Zusendung von Werbung widersprechen.

Nicht dementiert wird damit, dass die Bahn Profile anlegen und vermarkten möchte – konkrete Informationen über Reisende wie Name und Anschrift werden nicht verkauft. Durchaus aber wohl Verhaltensmuster. So ist es vorstellbar, dass Werber sich mit Hilfe der Bahn gezielt an Pendler wenden können oder an Erste-Klasse-Fahrer.

Spitz erklärte dazu: "Die Bahn sollte sich aufs Bahnfahren konzentrieren und nicht das Reiseverhalten von Millionen Bahnfahrern auswerten, Profile bilden und diese Reisedaten vermarkten."

Am vergangenen Mittwoch hatte die Nachrichtenagentur Reuters gemeldet, dass der Konzern den höchsten Gewinn seiner Geschichte eingefahren hat. Die Bahn verbuchte demnach 2012 ein Betriebsergebnis von 2,7 Milliarden Euro und damit rund 400 Millionen mehr als 2011. Offiziell werden die Zahlen erst in der kommenden Woche vorgestellt. Ein Bahn-Sprecher wollte sie weder bestätigen noch dementieren.